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DES
KOENIGL. WILHELMS - GYMNASIUM
Zü
KROTOSCHIN
za OSTEBN 1869
ALS EINLADUNG
UND
ENTLASSUNG DER ABITURIENTEN.
HERAUSGEGEBEN
VON
AUG. GLADISCH,
Director und Professor.
Mit*
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INHALT!
1. ABHANDLUNG DES GYMN.-LEHRERS F. C. SCHWALBACH.
2. SCHULNACHRICHTEN VOM DIRECTOR.
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Buch- und Steindruckerei Ton> Friedrich A. Kosmäl in Krotoschin und Ostrowo.
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DIE
VERBREITUNG DER SAGE
FLORE UND BLANCEFLOR
IN DER
EUROPAEISCHEN LITERATUR.
F. C. SCHWALBACH.
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C 3051-16
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Die Verbreitung der Sage
von Flore und Blanceflor in der europäischen Literatur.
Nachdem man lange Zeit der Ansicht gewesen war, das südliche Frankreich oder Spanien sei die "Wiege der lieblichen Erzählung von Flore und Blanceflor gewesen1), hat später Eddiestand Du Mdril bis zur Evidenz nachgewiesen, dass derselben ein uns verlo- ren gegangener griechischer Roman zu Grunde liegt9). Ohne hier die Gründe, mit denen der genannte französische Gelehrte seine Behauptung stützt, wiederholen zu wollen, werden wir in diesem Aufsatze nur kurz die bis jetzt bekannt gewordenen Formen be- sprechen, unter welchen die Geschichte von Flore und Blanceflor in den verschiedenen Ländern auftritt
Wenn nach den Untersuchungen Du Mdril’s die Provence nun zwar nicht mehr für die ursprüngliche Heimath unserer Sage gehalten werden darf, so finden wir doch bei den provenzalischen Dichtern die ersten Spuren einer Bekanntschaft mit derselben. Die Gräfin Beatrix von Die (um 1150) klagt in dem Liede Estat ai, ihr Freund habe sie verlassen, den sie mehr liebe, als Flore seine Blanceflor8); die Gedichte der Troubadours
l) Bruns, Romantische und andere Gedichte in altplattdeutscher Sprache, S. 222. Fauriel, Chants populaires de la Gröce moderne, I, p. XVIII. Ideler, Geschichte der altfranzösischen National- Literatur, S. 91. Gervinus, Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen (3. Aufl.), I, S. 603. Sommer, Flore und Blanscheflur, S. VIII.
*) M. Edölestand Du Möril, Floire et Blanceflor, poömes du XHIe siöcle, publiös d’aprös les manuscrits, avec une introduction, des notes, et un glossaire. Paris 1856. — Auch Gervinus (a. a. 0.) hat sich der Wahrnehmung nicht verscbliessen können, dass die Erzählung „mit vielem Schmuckwerk griechischer Romane“ ausgestattet sei.
•) Quar plus m’en sui abellida Non fis Floris de Biancaflor; bei Raynouard, Choix de poö- sies originales des troubadours, III, p. 25.
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Arnoldjvon Marueil, Gaucelm Faydit und Rambaud von Vaqueiras enthalten mehrere ähnliche Anspielungen1); der Roman de Jaufre weiss, dass Flore ein Eönigssohn war und aus Liebe zu Blanceflor seinen Glauben änderte2); Folquet von Romans spricht von der grossen Treue des Jünglings*), von seinem Hinaufsteigen in den Thurm4), von seinem Glück mit der Geliebten*); Aimeri von Bellinoi endlich erwähnt, dass die Jungfrau schmerz- erfüllt aus dem Thurme zum Gericht ging4). Alle diese Züge finden sich in der uns überlieferten Erzählung wieder; nichts aber berechtigt zu der Annahme, dass es einen provenzalischen Roman von Flore und Blanceflor gegeben habe. Denn wenn in dem Ge- dichte „Flamencau ein solcher als ein bei Damen beliebtes Buch angeführt wird7), so ist zu bedenken, dass jenes Gedicht erst im vierzehnten Jahrhunderte entstanden ist und dass also mit dem Romane recht gut eine nordfranzösische Redaction gemeint sein kann, zumal die poetischen Erzeugnisse Nordfrankreichs damals bereits im Süden allgemein verbreitet waren. Wahrscheinlich haben die Troubadours des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts die Geschichte von Flore und Blanceflor nur in der Form mündlicher Ueberlieferung gekannt.
Im Nordfranzösischen dagegen hat wohl schon frühzeitig eine schriftliche Aufzeichnung von den Abenteuern beider Kinder stattgefunden. Eine dem Ende des zwölften Jahrhunderts angehörige Romanze schildert in rührenden Versen die Trauer Flore’s, als er bei seiner Rückkehr von Montoire Blanceflor nicht mehr vorfindet8). Auch andere Anzeichen lassen darauf schliessen, dass unsere Sage sich damals in Nordfrank- reich einer grossen Popularität erfreute und dass zu dieser Zeit bereits mehrere von einander unabhängige Versionen davon existirten. Ausser zwei Stellen in Gedichten, die
>) Fauriel, Histoire de la po£sie proven$ale, III, p. 459,
*) Que far m’o fei forsa d’amor Que fes Floris a Blanquaflor Taut amar, qu’era filz del rei Que partir lo fet de sa lei; bei Du M£ril, p. XCI.
*) E tan vo8 sois ferms e leials Que Tristantz fo ves Yseul fals. Contra mi, e ves Blancbaflor Floris ac cor galiador; bei Baynouard, Lexique roman, I, p. 493.
4) Que meill non pres a Raol'de Cambrais Ni a Flori quan poget el palais; bei Baynouard, Poesies, II, p. 304.
ö) Anc no fon de joy tan ricx Floris quan jac ab s’amia; ebendas., p. 305.
*) Ni Blanceflor tan greu dolor Per Flori non senti, Quan de la tor l’Emperador Per s’ami- stad eyssi; ebendas., p. 305.
*) Pren lo romanz de Biancaflor. Alis se le^a tost e cor Yas una taula on estava Cel ro- mans; bei Baynouard, Lexique roman, I, p. SO.
B) Floires revient seus de Montoire etc., abgedruckt bei Ideler, Sprachproben, S. 58 f.
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zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts abgefasst sind1), spricht für eine solche An- nahme der Umstand, dass die beiden nordfranzösischen Redactionen des Romans von Flore und Blanceflor nicht aus derselben Quelle, sondern aus zwei verschiedenen Dar- stellungen geflossen sein müssen, und dass ferner den nach französischen Originalen ar- beitenden Uebersetzern wieder andere, als die uns erhaltenen Gedichte Vorgelegen haben.
Was nun die beiden überlieferten Versionen in der langue d’oll betrifft, so nimmt Du Möril mit Recht an, dass mit Rücksicht auf Sprache und Darstellungsweise die eine derselben für ein gewählteres Publicum, die andere für einen weniger gebildeten Zuhö- rerkreis berechnet war; er unterscheidet deshalb zwischen der premi&re Version ariato- cratique und der seconde Version populaire. Erstere kennen wir aus drei Hand- schriften der kaiserlichen Bibliothek zu Paris. Das Ms. 6987 (.4), als dessen Schreiber sich am Schlüsse des noch mehrere Gedichte umfassenden Bandes Peroa de Neele nennt*), enthält den von Immanuel Bekker (Berlin 1844) nach einer Uhland’scheq Copie veröffentlichten Text3) und stammt aus der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts. Bedeu- tend jünger ist das Ms. 7534 (B), das denselben Text wie A reproducirt, aber viele Varianten bringt, welche offenbar das Bestreben zeigen, manche Härten zu mildern, den Versen besseren Fluss zu geben und schwerfällige Ausdrücke durch gewähltere zu er- setzen4). Das Ms. 540 des „Supplement francais “ (C) endlich gehört erst dem fünfzehn- ten Jahrhunderte an und ist eine ziemlich incorrecte Abschrift des Textes A, liefert
*) In einem dieser Gedichte (bei P. Paris, Romancerro fran$ai«, p. 66) findet sich folgende Strophe: D’un douz lai d’amor De Blancheflor, Compains, tos chanteroie, Ke fust la poor Del traitor Cui je redotteroie; und in dem Fabliau de la Viellete (bei Du M6ril, p. XIII) heisst es: 8i fa de lui si tost esprise K’ainc Blanceflors n’Iseus la blonde Ne nule ferne de cest monde NTama oneques si tost nului Come eie fist tantost celui. In der Sammlung von Barbazan und Meon (III, p. 15S — 160), wo dasselbe Fabliau unter dem Titel La vieille truande abgedruckt ist, wird, Blanceflor allerdings nicht erwähnt
*) Or disont (sic) tot Amen! Amen! Explicit. Ce fist Peros de Neele Qui en trover tos s’esce- vele; bei Du M6ril, p. CCVT.
*) Der Bekker" sehe Abdruck ist im Grossen und Ganzen treu, doch finden sich auch manche Fehler, die Du M£ril in seiner Ausgabe mit der Bemerkung „par erreur dans M. Bekker“ sorgfältig notirt hat.
4) Ganz unverständlich ist in A V. 42 : En cele cambre un lit avoit, Qui de paile aornte estoit. Moult par ert boins et ciers li pailes: (40) Ainc ne uint miudres de cesaile. Li pailes ert oures ä flors, Dind6s tirfes bendis et ours. B uud Du Meril haben dafür: En cele cambre un lit avoit Qui d’un paile couvert estoit, Indes et rouz, broudes par tors; (40) Onqucs plus riches n’ot estors. Moult par ert boins et chiers li pailes: Ains ne vint miudres de Tessaile. V. 42 lautete also in A wohl ursprünglich: D’indes et ros, brodls, estors (oder brodis ä tors). In C steht das ebenfalls Unverständliche: Denx des tires bendes a our.
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aber nichtsdestoweniger einige brauchbare Lesarten, und unterscheidet sich von A beson- ders dadurch, dass es die Episode von dem Zauberer Barbarin und dem Selbstmordver- such Flore’s in der Löwengrube nicht enthält Diese beiden Züge fehlten demnach in der Handschrift, nach welcher C copirt ist, und ergeben sich also als (auch sonst gegen den Tenor der Erzählung auffallend abstechende) Zusätze irgend eines Jongleurs, viel- leicht des oben genannten Peros de Neele. — Vor Eddiestand Du Mdril waren übrigens die Handschriften B und C noch nicht benutzt, nur P. Paris hatte in seinem Romancero franpais (p. 55 — 63) ein Bruchstück von B , dem Abschnitte 528 — 780 in A entsprechend, herausgegeben. Du Mdril hat nun alle drei Mss. genau verglichen, und seiner Redaction ist nur der Vorwurf zu machen, dass er fast durchgängig den in B vorgenommenen Aen- derungen gefolgt ist, statt, wo es irgend möglich war, den Lesarten von A, die doch auf jeden Fall die ursprünglicheren sind, den Vorzug zu geben.
Auf die sogenannte zweite Version Ms. 1239 („du fonds de Saint-Germain fran- pais“) hat DuMdril zum ersten Male herausgegeben. Dieselbe ist zwar nicht ganz voll- ständig, erzählt aber, soweit eine Vergleichung angestellt werden kann, die Geschichte von Flore und Blanceflor in vielfach abweichender Form, setzt also, wie wir oben bereits angedeutet haben,' eine andere in Nordfrankreich zur Geltung gekommene Gestalt der Sage voraus, als der ersten Version zu Grunde lag. Beide Gedichte suchen den Stoff ihren Landsleuten näher zu rücken: das erste, indem es erzählt, Blanceflor sei die Toch- ter eines französischen Ritters, die Mutter Bertha’s mit dem grossen Fusse1), der Frau Pepins, und die Grossmutter Karls des Grossen*) gewesen, während das zweite nur sagt, sie habe einen vornehmen Franzosen, den Herzog Heinrich von Olenois, zum Vater gehabt. Flore’s Vater heisst in der ersten Version Felis, in der zweiten Galeriens, die Gefährtin Blanceflor’s Gloris und Klaris, die Stadt, wohin Flore verbannt wird, Montoire und Mon- telieu. Der einen Darstellung sind die Namen des Lehrers (Gaides) und der Wirthe Flore’s (Richier und Daires) unbekannt; in der andern wird der Seneschal Madiens nicht erwähnt Die zweite Version deutet die Jugendgeschichte der beiden Kinder nur mit kurzen Worten an; sie weiss nichts von der Wiege, in der sie zusammen schliefen, nichts
*) In der Bekkerschen Aasgabe wäre nämlich statt Berte as grans pies richtiger B. au grand pi6 zu schreiben: vgl. Reali di Francia, VI, 1: Berta del gran pie, perche ella aveva un pie un poco maggior dell’ altro, e quello era il pi6 diestro.
*) B: Farne fa au gentill baron Pepin le roy, pere Cbarlon. A: Berte fu mere Charlemaine, Qui puis tint France et tot le Maine.
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von ihren gemeinschaftlichen Versuchen, die gegenseitigen Namen zu schreiben, nichts von ihrem ganzen idyllischen Kinderleben. Flore ist hier nicht der fast schmachtend zu nennende Jüngling, wie die version aristoeratique ihn schildert!; im Alter von fünfzehn Jahren zeigt er sich bereits in der ganzen Kraft eines Mannes und ist mit allen ritter- lichen Tugenden ausgerüstet Blanceflor wird nicht ohne Weiteres verkauft; man be- schuldigt sie des Versuchs, den Vater Flore’s durch Gift umzubringen, und sie soll in Folge dessen den Ted erleiden. Da erscheint Flore mit geschlossenem Visier, um ihre Unschuld im Zweikampfe zu behaupten; er tödtet den Verläumder seiner Geliebten und entfernt sich, ohne erkannt zu werden. Auf der Reise, die er unternimmt um Blanceflor zu suchen, wird er von dem Prinzen Diogenes, dem Sohne des Kaisers Sanones, ange- griffen, doch auch diesen überwindet er. Durch eine dritte Heldenthat endlich rettet er Blanceflor vom Feuertode, zu welchem sie durch den Admiral verurtheilt ist. Es er- scheint nämlich plötzlich der mächtigste Fürst des Orients (Jonas de Handres, Caumacor, Qui d’Acianon est seignor: V. 8079 f.) und fordert den Admiral auf, sich ihm zu unter- werfen oder ihm einen Kämpen zu stellen, der mit den Waffen in der Hand gegen ihn streite. Kein Vasall des Admirals wagt es, auf diesen gefährlichen Vorschlag einzugehen; Flore aber nimmt die Herausforderung an, bleibt Sieger und erhält als Preis für den geleisteten Dienst die Gunst des Admirals und die Hand Blanceflor’s. — Diese und zahl- reiche andere Abweichungen von der ersten Version geben der version populair e einen ganz eigenthümlichen Charakter und zeigen deutlich, dass der Verfasser des zweiten Ge- dichts eine von A durchaus verschiedene schriftliche1) Ueberlieferung vor sich hatte. Dass aber neben den beiden uns erhaltenen Redactionen noch andere Gestaltungen der Sage in Nordfrankreich im Umlauf waren, wird sich gelegentlich bei der Besprechung der ausaerfranzösischen Darstellungen ergeben. —
Aus einer Stelle in dem Leiche Ulrich’s von Gutenburg2) geht hervor, dass in Deutschland die Geschichte von Flore und Blanceflor, ebenso wie im südlichen und nördlichen Frankreich, schon im zwölften Jahrhunderte verbreitet war. Wenn man auch wie Sommer gezeigt hat*), die romanische Form des Namens Floris, deren sich Ulrich
i) Tant en i fist icelle jor metre, Si com el lirre dit la letre, Que il n'en i pot plus entrer; V. 3443 ff.
*) Min leben wirt muelicb unt sur, Sol ich si lange miden, Daz Floris muose durch Blanchiflur So grozen kumber liden; bei von der Hagen, Minnesinger, I, S. 117 a.
») Fl. u. Bl., S. XI f.
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von Gutenburg bedient, nicht urgiren darf, so kann man doch annehmen, dass er die Sage aus einer französischen Quelle kannte, da er in demselben Leiche auch die Frau De la Rosche Inse erwähnt1). Etwa um das Jahr 1230 2) dichtete Konrad Fleck seine bekannte Erzählung von „Flore und Blanschefluru , die in zwei Handschriften vorhanden und zuerst von Müller im zweiten Bande seiner „Sammlung deutscher Gedichte des 12., 13. und 14. Jahrhunderts“, sodann von Emil Sommer (Quedlinburg und Leipzig, 1846) herausgegeben ist Fleck sagt selbst, dass er ein französisches Original, als dessen Ver- fasser er Ruprecht von Orbent nennt3), benutzt habe. Wer dieser Ruprecht von Orbent gewesen sei, hat sich noch nicht feststellen lassen; die Form Orbent ist sicher verderbt4), aber, wie Eschenburg, Friedrich Schlegel und von der Hagen gethan haben, die Stadt Orleans darunter zu verstehen, ist nicht nur mit Rücksicht auf den Reim vergent, son- dern auch deswegen unstatthaft, weil Orleans im Mittelhochdeutschen Orlens oder Orliens heisst6). Die Angabe Püterich’s von Reinerzhausen (in der Adelung'schen Monographie, S. 14): So hat von Orlanndt Rupert Flor Plandtscheflur aus walisch auch schön berichtet, ist also wohl nur eine ungenaue Erinnerung an die Fleck’schen Verse. — Mag nun aber der Geburtsort des französischen Dichters gewesen sein, welcher er wolle, auf jeden Fall steht fest, dass Fleck nach einer französischen Quelle gearbeitet hak Allerdings ist er kein sklavischer Uebersetzer, sondern meist bemüht gewesen, sich innerhalb der ihm durch den Stoff gezogenen Gränzen eine gewisse Selbstständigkeit zu wahren; er hat einige Aenderungen vorgenommen, die nicht ohne Geschmack sind — Manches, was das französische Gedicht nur kurz andeutete, weiter ausgesponnen — an anderen Stellen wiederum passende Kürzungen eintreten lassen6). Wenn man aber näher zusieht, so findet man, dass er nichtsdestoweniger das französische Original ununterbrochen vor Augen gehabt hat Dafür spricht nicht nur ein offenbar allzu treu übersetzter Versr), sondern auch der Umstand, dass er sich einer ganzen Anzahl französischer Wörter be-
l) Ir vert mit Der vrouven sit De la Rosche Bise? bei von der Hagen, Minnesinger, I,
S. 118 a.
*) Sommer, Fl. u. Bl., S. XXXIII. .
•) Es hät Ruopreht von Orbgnt Getihtet in welschen Mit rtmen nngevelschen Des ich in tiuschen willen hän; V. 142 ff.
4) Somme;, Fl. u. Bl., S. 277.
6) Willehalm (ed. Lachmann) V. 112 u. o. Gute Frau V. 1807.
*) Vgl. hierzu Sommer, Fl. u. Bl., S. XII ff.
7) A (ed. Bekker), V. 2139 ff.: Ami ne volrai ne man Quant jou au bei Floire ai fali; Fleck, V. 5738 ff: Sit ich an Flören minne Leider gevaelet h&n, So lebe ich &ne trostes wän.
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diente, die sich meist genau an, den betreffenden Stellen des französischen Gedichtes wiederfinden1). Im Allgemeinen scheint dieser Text dem des Ms. A nahe verwandt ge- wesen zu sein und nur m wenigen Punkten von ihm differirt zu haben. Solche nicht dein deut- schen Bearbeiter, sondern dem französischen Originale zuzuschreibende Differenzen sind es wohl, wenn Fleck nur siebzig Jungfrauen nennt, die sich der Admiral in dem Thurme hält3), wenn er den Namen des Hafens weiss, in welchem Blanceflor verkauft wird3), wenn er die Zeit von Flore’s Aufenthalt in dem Thurme auf zwanzig Tage präcisirt4) und sagt, die beiden Kinder hätten sich vor Gericht ganz unerschrocken gezeigt, während sie nach der französischen ersten Version seufzten und weinten*). Diese letztere Ab- weichung nähert sich der Art und Weise, wie die Gerichtsscene in der vertion populain erzählt wird, mit welcher die Fleek’sche Erzählung sonst nur noch den Namen Claris (A: Gloris) gemein hat.
Das niederdeutsche Gedicht „Van Flotte und BUmkflotte *“), das erst in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts entstanden zu sein scheint, ist ebenfalls aus einer französischen Quelle geflossen. Die Namen der Kinder werden ausdrücklich aus dem Wälschen ins Deutsche übersetzt1), der König von Frankreich wird ohne Wei- teres „der König“ genannt8), die Verknüpfung der Sage mit der französischen Geschichte
*) Bänel (panel), bisant (besaut), bliät (bliaut), büburdieren, lasüre, massenie (maisnie), raort, p&r&ge, parrieren, paske flörie, seijant, visieren — abgesehen von den bereits eingebürgerten ämls, ümle, äraür, äveutiure, natüre. Besonders auffällig ist (vgl. mit A Y. 89 f., 8. S. 3, A. 5) V. 201 f.: Die wärn mit einer paile, Der besten von Thesaile — während Fleck V. 1542 selber den deutschen Ausdruck pfellcr für paile kennt.
*) A, V. 1891: En la tor a sept vingt puceles; Fledk, V. 4182 ff.: In den gewelben über al Stänt sibenzic kemenäten Der ist iegllchiu berüten Mit einer der schoensten frouwen.
*) A, V. 417 u. 432: au port; Fleck, Y. 1514: Ze Lunquit in die stat
4) Fleck, Y. 6138 : Sie beliben zwänzic tage. Vgl. Sommer, Fl. u. Bl., S. 326 f.
*) A, Y. 2827 f.: Issi parlant li enfant vinrent Plorant et par les mains se tinrent; Y. 2834 : Pleurent des iex, del euer sospirent; Fleck, Y. 6803 ff.: Und dar zuo künden gebaren Als unervorhtecllche, Edelen kinden gliche.
•) Herausgegeben von Bruns, Altplattdeutsche Gedichte, S. 225—288, wozu Eschenburg, Denkmäler altdeutscher Dichtkunst, S. 221—230, aus einer besseren Handschrift Berichtigungen und Nach- träge geliefert hat.
*) Y. 111 ff.: Alsus beten dusse hindere in wälschen dinghen, Dat wil ek ju to dudeschen brin- gen. Flos bedudet eyne blome schone, Ghelikent eyner gülden krönen *. Blankflos bedudet eyne blome wol; Wente se was aller dogeden vol.
*) V. 1 ff.: Dat ghescah to eyner tyd, Alze uns dat bok utwist, Dat van Hispanigen de konig mH siner macht Sammede grote heeres kraft, Un toch to Averrigen, in des Königes laut.
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beibehalten1) und zum Theil wenigstens auch der Inhalt der in das französische Ms. A eingeschalteten Episode (s. S. 4) wiedergegeben. Doch kann der Verfasser des niederdeut- schen Gedichtes keine der beiden uns bekannten französischen Versionen benutzt haben, sondern muss einer von diesen durchaus verschiedenen Redaction gefolgt sein. Nicht auf einer Pilgerfahrt nach dem Grabe des heiligen Jacobus, sondern bei einem Einfall der Sarazenen in die Auvergne wird Blanceflor’s Mutter gefangen genommen ; die Kinder werden nicht am Palmsonntage, sondern am Osterfeste geboren; der Vater Flore’s ent- fernt, um die Kinder zu trennen, nicht seinen Sohn, sondern Blanceflor; letztere verkauft er nicht an Handelsleute, sondern schickt sie auf den Sklavenmarkt nach Rom. Die Reise Flore’s, um die Geliebte zu suchen, wird bedeutend verkürzt; der Wirth, bei welchem er einkehrt, giebt keine so ausführliche Beschreibung von den Wundern des Thurms; die Gunst des Thürhüters erkauft der als Kaufmann verkleidete Jüngling einfach mit Geld. Während also das französische Original, welches Fleck vorlag, wenigstens im Grossen und Ganzen mit der prem&re vertion übereinstimmte, müssen wir für die nieder- deutsche Form der Sage ein französisches Original annehmen, das an vielen Stellen von beiden uns überlieferten Darstellungen difierirte.
Eine Anspielung auf das Gedicht „Van Flotte und Blankflotte“ findet sich in einem Liede, welches in der Strophe des jüngeren Titurel abgefasst ist und bald nach dem Gedichte selbst geschrieben zu sein scheint3). Dass keine andere, als eben die nie- derdeutsche Version gemeint ist, erhellt aus der in dem Liede gebrauchten Dativform Blankeflöten (mit dem Reim loten — loeten). — Noch kennt man ein Fragment von einer zweiten niederdeutschen Redaction*), welche, wie sich aus dem erhaltenen Bruch- stücke schliessen lässt, von dem oben besprochenen niederdeutschen Gedichte ganz un- abhängig ist
Nach Boccaccio’s Filocopo, auf den wir später zurückkommen werden, scheint der deutsche Prosa-Roman von Flore und Blanceflor bearbeitet zu sein, der in meh- reren Ausgaben erschienen ist4). Aus diesem Romane schöpfte Hans Sachs den Stoff
t
*) V. 1554 ff.: Got gaf Blankflosse eyn kint, Dat was ghebet&n Vredelingh [Berte mit dem Di- miiiutivum]: He sette to gode berte an lif. Dama wart se konighes Pippawes wif: Koningh Karle se bi ome wan.
*j Abgedruckt bei Nyerup, Symbolae, S. 94 ff.
•) Veröffentlicht im Morgenblatt von 1808, No. 71, S. 281—288.
4) Ein gar schone newe histori der hochen lieb des kuniglicben fürsten Florio : vmd von seiner lifcben Bianceffora, Metz 1499 und 1500 fol.; auch abgedruckt im „Buch der Liebe** (Frankfurt, 1587) fol. 118—179.
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zti einem seiner Lustspiele1); auch die böhmische Erzählung von der Liebeder bei defl Kinder verdankt ihm ihre Entstehung*). Dem deutschen Volksbuche*) dagegen, welches die Geschichte von Flore und Blaneeflor behandelt, lifcgfc das Fleck’sche Gedicht stt Grunde, nur an einer Stelle findet sich -eiti kleiner Zttsatz4). Die Versionen im jüdisch- deutschen Dialecte sind dem Verfasser dieses Aufsatzes unbekannt gehlie- ben. Die eine derselben beruft sich gewiss mit Unrecht — auf ein lateinisches Ori- ginal6), eine andere scheint die ganze Erzählung nach China versetzen6).
Enger als alle bisher erwähnten deutschen Nachbildungen schliesst sich einem franzö- sischen Texte, und zwar dem der premüre Version, das niederländische Gedicht Diederic's tan Assenede an7), das etwa fünfzig Jahre jünger ist als die poetische Erzählung Konrad Fleck’s. Der Letztere hatte sein Muster irrt Allgemeinen noch frei genug nachgeahmt, aber Die- deric van Assenede ist eher ein Uebersetzer, als ein Nachahmer zu nennen. Dies ge- steht er auch selbst eiri8), und obgleich man üfeW leugnen kann, dass er, wie Som- mer sagt9), „sich in den Geist der Sage und den Ton des französischen Gedichtes hinein- gelebt und ihm viele glückliche Züge abgelauscht hat“, sö zeigt doch schon eine ober- flächliche Vergleichung, dass er ausser einigen selbstgemachten Uebergängen und weiter ausgesponnenen Beschreibungen sich streng an das Orijpnal gehalten hat Abgesehen von
l) Ein Coraedi, mit fünfftzehen Personen, Floris des königs Son aus Hispama, mit rför schön Bfanceffora, vnd hat VII Actus.
*) Kronyka a neb bistoria wo welike milosti knieczete a kraale Floria a gebo milee pannie' Biantzefortze, Prag, 1610 fol. und 160Ü 8vo. Gr&sse, Lehrbuch einer allgemeinen Literärgeschicbte, IP, 8. 276: „Aus dem Deutschen ging das böhmische Volksbuch hervor “
' •) Die- Wahrhaftige Historie von Flos und Blankflos, Philadelphia, John Weik, gedruckt in die- sem J&Iuk, mit Holzschnitten. Von dieser Ausgabe existiren viele Abdrücke.
f 4) Es Wird nämlich eVzüblt, Claris hätte schelmischerweise die Träger des Korbs in dem Irr- thm gelassen, der Korb, fn Welchem Flore lag; sei in der richtigen Kammer abgegeben worden: „Jung- frau Blankflos1, das Geschenk hat euch der Thurmwärt geschickt — Als Claris den Namen Blankflos hörte, sagte sie den Knaben flicht, dass sie die rechte Kämmer verfehlt hätten, sondern nahm das Geschenk mit Dank afl und hfess die KnabeA gehen“, 3. Ol. Vgl. damit Ä, V. 2287 ff. und Fleck, V. 5571 ff.
®) 8. SeVapeum, 1848, 8. 384.
•) Nach Hanslik, Geschichte und Beschreibung def Prager Uni versitäts- Bibliothek , 8. 571, beginnt die Erzählung: „Es war ein Einig aus China, deräelbig bat ein graass Krieg gehalten.“
7) Herausgegeben von Hoffmann von Fallersleben im dritten Bande seiner Horae belgicaä' (Bitslau, 1837):
•J V. 22 ff.: Hetä Wörden bardetesure VanAssenedC Diederike, Dien seldijs danken ghemeen- like, Dat hijt nten walsche heeft ghedicht Ende verstandelike in dietscbe bericht; V. 1359 l: Dat seide Diederic, die dese aventurO In dietsche nten walsche vant.
») Fl. u. BL, 8. XV.
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den zahlreichen Fremdwörtern, von denen er in weit grösserem Massstabe als Fleck Gebrauch macht1), ersieht man ans mehreren Stellen des Gedichtes, dass er der fran- zösischen Sprache nicht so ganz mächtig war, als von einem Uebersetzer zu verlangen gewesen wäre. Das Wort präsenter nimmt er in der Bedeutung von faire un prfaent*), unter oetage (hospitaliti) scheint er Stage verstanden zu haben8), saluer ist ihm in dem Sinne souhaiter de la joie, den es zuweilen im AUfranzösischen hat, unbekannt4). Das Auffälligste aber ist, dass er der Muhme Flore’s, die in der premüre version Sebile (Sy- billa) heisst, den Namen Saute beilegt, wozu er augenscheinlich durch das Wort t ante verleitet wurde5). Als eine eigentliche Verschiedenheit von dem Originale kann nur die gelten, dass er den König, der das Leben Flore’s gegen den Zorn des Admirals verthei- digt, Alfages nennt (V. 3493), während weder der französische Text noch irgend eine
* andere Version diesen Namen bringt, den Diederic also wohl einfach erfunden hat —
* Der niederländische Prosaroman5) und die Volksballade7) von Flore und Blanceflor in derselben Mundart stimmen, letztere bis auf einen Punkt8), mit dem Diederic’schen Gedichte vollständig überein, sind also wohl direct aus demselben entstanden.
l) Amie, balsemier, bliaut, bottelghier, castangbier, clareit , conduut, corde, coverture, crijt, etc. Eigentümlich ist auch die buchstäbliche Uebersetzung von monces deniers (A, V. 1145) durch ghemunte penningbe (V. 1442).
*) A, V. 520: A l’amiral Tont prSsentee; Diederic, V. 698: Ende gaven se te prosente den Am-
mirale.
•) A, V. 1656 ff.: Mais ä mon diu pri qu’il me laist, Biaus dous sire, guerredoner Vostre ostage, vo bei parier; Diederic, V. 2313 f.: Sidi oni bare gheporret uut So sidi dommelike hier comen.
4J A, V. 1579: De tous les diex l’a salue; Diederic, V. 2064: Van al den goden quedde hine
overluut.
5) A, V. 365: Et sante li a feit grant joie; Diederic, V. 433: VrouweSante, die vrouwe van der port. Sante steht im französischen Texte für s’ante = sa ante; im Altfranzösischen wurden nämlich ms, ta, sa vor Vocalen, statt in die männlichen Formen überzugehen, apostrophirt. Erhalten hat sich poch m’amie (mein Liebchen), und das neufranzösische taute ist bekanntlich auch weiter nichts als das zu einem Wort verwachsene ta ante (lat. amita). — Noch sei hier als ein ferneres Zeichen von Diederic’s geringer Kenntniss des Französischen erwähnt, dass er den Lehrer Floro’s nicht mit der Nominativform Gaides, sondern in einer dem Accusativ Gaidon nachgebildeten Form (V. 300: Gaydoen) nennt.
®) De historie van Floris en Blancefleur, Amsterdam, 1817. Vgl. Van den Bergh, De neder* landsche Volksromans, S. lff.
7) Van Floris en Blanchefleur, in neunzehn achtteiligen Strophen, abgedruckt bei Baecker, Chants historiques de la Flandre, p. 121, und bei Coussemaker, Chants populaires des Flamands de France, p. 177.
0) Diese Abweichung verdient deshalb erwähnt zu werden, weil sie sich merkwürdigerweise in Boccaccio’s Filocopo wiederfindet, und besteht darin, dass Flore nicht, wie es sonst heisst» in den Thurm
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Was die skandinavischen Versionen der Sage anbetrifit, so ist zunächst die isländische Prosa-Erzählung zu erwähnen, von welcher vier, zum Theil liicken-
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hafte Mss. existiren. Ein isländisches Gedicht, das sich mit unserem Stoffe beschäftigt., ist ausser dem von Thorlacius Gudbrandssohn in der zweiten! Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts verfassten nicht vorhanden1); von den vier Handschriften des Prosa-Romans ist eine, die sich in Rask’s Besitz befand, sowie das Fragment einer zweiten3) noch nicht veröffentlicht; die dritte, sowie das Fragment der vierten hat Brynjolf Snorrason unter dem Titel Saga af Flöres ok Blankiflvr herausgegeben*). Die letzteren beiden Mss. stammen aus dem fünfzehnten Jahrhunderte, und ihr Text ist wahrscheinlich auch nicht viel älterj Nichtsdestoweniger aber haben die Skandinavier die Geschichte von Flore nnd Blanceflor in irgend einer Reduction gewiss schon früher, gekannt, da wir bereits in Girardhs Rimur einer Anspielung auf das Schicksal der beiden Kinder begegnen. Die beiden durch den Druck bekannt gewordenen Handschriften bieten in Form und Inhalt wesentliche Abweichungen, die sich sogar auf die Eigennamen erstrecken6), so dass sie nicht Copien desselben Originals sein können und es also schon vor ihrem Entstehen verschiedene Darstellungen der Sage im Norden gegeben haben muss. Auch wenn wir von dem Fragmente ganz absehen und uns nur mit dem vollständig überlieferten Texte beschäftigen, so kommen wir, trotz der entgegenstehenden Ansicht Du Möril’s, zu dem Schlüsse, dass diese Form der Sage nicht direct aus dem Französischen entnommen, sondern durch eine ältere skandinavische Version vermittelt ist Wenn auch manche Namen, wie der von Flore’s Lehrer, so ziemlich dieselben geblieben sind, so können doch andere, wie die in Anm. 5. genannten Mustorie, Ligoras, Toris, ferner Beludator und Eloris nicht unmittelbar für Montoire, Joras, Licoris, Baudas, Glons geschrieben sein, sondern setzen eine schon vorangegangene altnordische Redaction voraus. Einige
getragen, sondern an einem Stricke zum Fenster hineingezogen wird: Haer Floris vromen Bedekt met biomen, Zy trokken hem zecr trouw Op den toren met een touw ; Sir. XIV.
') S. Halfdan Einarsson, Historia literaria Islandiae, S. 89. Annaler for nordisk Oldkyndig* hed, 1860, S. 362.
*) Lange, Norsk Tidskrift for Videnskab og Literatur, Christiania, 1847, S. 38.
*) Annaler for nordisk Oldkyndighed, 1850, S. 6—60 und 68—84.
4) Geirardhs Rimur, Oes. VII, Str. 10: Harma bann att Flöresi fann 1 fraegdhum trtir, Lek um bann tbvi bijöstidh braun Firir Biankinflfir.
•) In dem Fragment heisst der Lehrer Floire’s Goridas — der Ort, wohin er verbannt wird, Mintorie — Sibile’s Mann Goneas — die Frau des Daires Lidernis; in dem anderen Texte lauten dieselben Namen Geides, Mustorie, Ligoras, Toris.
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Züge haben sich allerdings unverfälscht erhalten; es wird sogar noch auf das Franzö- sische Bezug genommen1) und der Ausdruck camp fori besonders abersetzt*). Dagegen erseheint die Jugendgeschichte der beiden Kinder bedeutend vereinfacht; die ausführliche Beschreibung von dem Grabdenkmal Blanceflor’s fallt fort und es wird nur die auf dem-' selben befindliche Inschrift nütgetheilt; auch das Selbstgespräch Flore's, bevor er sich in die Löwengrube wirft, ist übergangen. Wenn schon diese Kürzungen an die zweite französische Version erinnern, so noch weit deutlicher der Schluss des Roman* Nach- dem Flore nämlich erzählt hat, auf welche Weise er in den Thurm gelangt sei, fordert er jeden, der an seinem Worte zweifelt, zum Zweikampfe heraus und wirft zum Zeichen dessen seines Handschuh hin. Ein im ganzen Oriente durch Tapferkeit und Körperkraft berühmter Krieger nimmt auf Geheiss des Admirals den Handschuh auf, aber Flora; überwindet ihn leicht mit Hülfe des Zaoberringe3. Jetzt darf Blaneefler ihm nicht Um* ger vorenthalten werden und er heirathet sie. Drei Jahre darauf unternimmt er mit seiner Frau eine Reise nach Frankreich; in Paris empfindet Blanceflor Gewissensbisse darüber, dass sie sich mit einen Heiden vermahlt hat, und will, wenigstens auf einige Zeit, ins Kloster gehen. Aber Flore lässt sich taufen, und beide ziehen mit einem Bi' achofe und Priestern wieder nach Babylon zurück; Hier zwingen sie' ihre Unterthanen, Christen zu werden, lassen Kirchen bauen nnd beeilen sieb, Klöster za gründen. — Ismder sind' die letzten Verse der zweiten französischen Version verloren gegangen, uni 0* lässt sich also nicht feststellen, in wie weit ihr Inhalt mit dem Ausgange der islän- dischen Erzählung ttbereinatimmtei Wahrscheinlich aber ist er demselben nabe verwandt gewesen, und. der Verfasser der. ursprünglichen isdändischen Version hätte demnach ein französisches Original benutzt,, das dier populären Version wenigstens; emigermassen äbm> lieh. war.
Aus derselben skandinavischen Quelle, welcher der isländische Roman seine Entstehung verdankt, ist wahrscheinlich auch das schwedische Gedicht Flores oeh Btanwflor hervorgegangen, welches zu den Euphemia-visor und somit za den Gedichten gehört, die auf Veranlassung der norwegischen Königin Euphemia (f 1312) aus fremden. Sprachen übersetzt worden sind3); Die Differenzen, welche die schwedische Redaction im Ver-
i) Anna] er tot nevdlkk Oldkyndigbedv 1860;. 3. 8;. En bl&ni hekir fHur £ völiku.
*) Ebendas., S. 22: That kölludbu heidnir menn. Ptoadfa edba Blömstrarvöll, er n ttcudr nedli- bkimfl; vgl, A,. Y..788J
*1 Ven „Flores och Blaneefletf* existiren vier Ms».; eines- derselben ist von Gustav Kl&tnmiug' als erster Band der Samlingar utgifna af sveuska. fömskrift-sillskapet, Stockholm, 1841; herausgegeben.
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gleich mit der isländischen bietet, lassen sich im Allgemeinen darauf zurückfiihren, dass der schwedische Uebersetzer sich treuer an den ihm - vorliegenden Text hielt, als der isländische Bearbeiter. Noch entsprechen die Namen Gorias, Licoris, Bondag den fran- zösischen Formen weit mehr, als dieselben Namen in der isländischen Erzählung (s. S. 11); sogar einige französische Wörter haben sich noch in den schwedischen Text herüberge- rettet1). Andrerseits hat die isländische Erzählung die in der ursprünglichen Hand- schrift Vorgefundene , aus Naples verderbte Form Aples bewahrt, während der schwe- dische Dichter Aples noch weiter zu Apulia corrumpirte*). Sonst aber stimmen die is- ländische und schwedische Bearbeitung meist überein; beide nennen z. B. den Babylonier, der sich in der Gerichtssitzung zu Gunsten der Kinder ausspricht, Marsilias, und verändern den Schlossnamen Monfelis in Felis3). Die grösste Aehnlichkeit aber zeigt sich am Schlüsse der Sage; in beiden Darstellungen wird auf ganz gleiche Weise erzählt, wie Flore und Blanceflor nach dein dritten Jahre ihrer Verheirathung Frankreich besuchen und in Paris ankommen, wie Blanceflor den Wunsch hegt, Nonne zu werden, und Flore in Folge dessen sich bekehrt, wie sie darauf die Rückkehr in ihr Reich antreten, Bi- schöfe und Priester mitnehmen, ihren Unterthanen die Taufe aufzwingen und in ihrem Lande Kirchen und Abteien anlegen. Eine so genaue Conformität lässt kaum noch einen Zweifel übrig, dass beide Versionen einen gemeinschaftlichen Ursprung haben, der, wie wir sahen, am besten in einer älteren skandinavischen Handschrift gesucht wird.
Das dänische Gedicht, das den Titel Eoentgret om Flores og Blantzeflores führt, ist mindestens schon viermal im Druck erschienen4), der Verfasser dieser Abhand- lung kennt aber nur das kurze im „Althochdeutschen Museum“ (H, S. 350—352) ver- öffentlichte Bruchstück. Dieses dänische Gedicht soll nach der Behauptung Einiger eine Uebersetzung des schwedischen sein6), während Du Meril geneigt scheint, es für eine Nachbildung des isländischen Romans zu halten1). Es wäre der Mühe werth zu
*) Amur, bliald, kompan, kompanjon, list.
*). A, V. 121: A Naples ä la cit£ bele; Fleck, V. 398: Und do er zeNaplels üz stieg; Isl. Vers., Annaler etc., S. 6: Felix hefir konüngr heitit i borg peirri, er Apels beitir; Scbwed. Ged., V. 8: Fenix aff Apulia swa beet ban, und V. 59: Til Apulias borgb man the tidbande fra.
*) Isl. Vers., Annaler etc., S. 32: En ddbru megin snndsins rar fjall eitt, er Felis hfet; Scbwed. Ged., V. 721: Annan vaeghin la eet bergb, beet Foelis.
4) S. Klemming, Annaler etc., S. XXIV.
5) Nyerup und Rahbeck, Bidrag til den danske digtekonsts historie, I, S. 105 ff.
*) Du Meril, p. LV1I (nicht LXVII, wie fälschlich paginirt ist): Toute basardee que soit une
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untersuchen, ob nicht auch dem dänischen Texte das von ans fiir die isländische und schwedische Darstellung angenommene altnordische Original zu Grunde liegt, welches dann also für die Redactionen in allen drei skandinavischen Sprachen die Sage ans Frankreich importirt hätte.
Iiu Gegensatz zu den eben besprochenen Versionen ist das englische Gedicht wieder unmittelbar aus dem französischen entnommen, und zwar aus einem dem Ms. .4 verwandten Texte. Dasselbe hat schon frühzeitig dazu beigetragen, die Sage von Flore und Blanceflor in England populär zu machen1), ist aber nur in zwei dem vierzehnten Jahrhunderte angehörigon Handschriften erhalten, die leider beide am Anfänge verstüm- melt sind. Nur eine derselben ist bis jetzt veröffentlicht worden, und noch dazu in sehr ungenügender Weise2). Man erkennt auf den ersten Bikk, dass man es mit einer durchaus nüchtern gehaltenen Uebersetzung zu thun hat, die jeder schöpferischen Kraft entbehrt und der Sage jenes dichterische Colorit abgestreift bat, das Fleck und zum Theil auch noch die niederländische Nachbildung zu entfernen sich wohl gehütet haben. Alle nur einigermassen entbehrlichen Züge, mochten sie au eh sonst noch so poetisch sein, hat der englische Uebersetzer für überflüssig gehalten und entweder ganz übergan- gen oder bedeutend verkürzt So wird z. B. die Erzählung, wie Flore den Thurmwäch- ter für sich gewinnt, zu welcher das französische Ms. A gegen hundert (2193 — 2280) und Fleck vierhundert Verse (4931 — 5328) verwendet, in vier Zeilen zusammengezogen*). Sonst aher stimmt die englische mit der ersten französischen Version fast vollständig überein. Auf den häufigen Gebrauch französischer Wörter4) ist zwar kein grosses Ge- wicht zu legen, da das Englische bekanntlich eine . grosse Menge von Ausdrücken aus
conjecture qui ne s’appuie que sur la popularite, si differente en Danomark , des deux langues, et snr lc rapport intime des deux untres redactions, nous y verrions plutöt aussi l’imitatioii immediate d’un texte islandais.’
‘) Ritson, Ancient englisb metrical romances, II, S. 211: In the tkrydde komer wyth grete honour Was Florys and dam Blauncheflur, etc.
*) In Henry Hartsborne’s Ancient metrical tales, London, 1829, S. 81 — 126. Dieses (das Cambridger Ms.) beginnt mit der Beschreibung des Saumthieres, das der Vater Flore’s ihm auf die Reise nach Babylon mitgiebt (A, V. 1176); das Auchinleck’sche Ms. wird von Ellis, Specimens of early metri- cal romances, S. 453 ff., besprochen. Eine dritte Handschrift ist bei dem Brande der Cotton’scben Bibli- othek (1731) verloren gegangen, gleichzeitig mit dieser öbrigens noch das Ms. einer französischen Ver- sion unserer Sage: s. Du Meril, p. LXI und CCV. Warton, History of Engiish poetry, I, p. CCLIII J) Ausg. v. Hartshorne, S. 97, V. 7—11: Son also Florie hath i-wrowt, Also Darie him hath i- cawt; Tbat thourgh bis gold and bis garsome The porter is bis man becom.
4) Agiuour und ginour, assoine, dameseile, fin, gabbe, meniver, oriesoun, parage, stage, etc.
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dem Romaniscben entlehnt hat; doch darf auch flicht übersehen werden, dass in den früheren Perioden die Sprache sich der Fremdwörter nur äusserst sparsam bediente. Wichtiger aber ist, dass manche in der französischen Darstellung berührte Einzelheiten, die für den Gang der Erzählung von gar keiner Bedeutung sind, sich trotz des Bestre- bens, das dm englischen Uebersetzer eigen ist, nur die Hauptsachen zu erwähnen, sich dennoch zufälligerweise in seiner Arbeit wiederfinden. Der Wirth in Babylon ist zwar nicht mehr pontmier, aber er führt noch denselben Namen, wohnt am Ende der Brücke, ist ein genauer Bekannter jenes Wirthes, bei welchem Flore früher eingekehrt war1), und erhält von demselben einen Ring, der als Empfehlung für Flore dienen soll2). Der Fluss, welcher die Gärten des Admirals bewässert, kömmt gleicherweise aus dem Paradiese und führt dieselben Edelsteine mit sich 3). Wie in der premihe verton bezeichnet ein Baum durch einen Blüthenregen die Jungfrau, welche der Admiral heirathen soll, und wird hier ebenfalls der „Liebesbaum“ genannt4). Die dem Zauberringe, welchen die Königin ihrem Sohn Flore sehen kt, innewohnenden Kräfte werden hier wie dort mit einer Ausführlich- keit geschildert, die mit den später erzählten Ereignissen gar nicht im Einklänge steht5). Kurz, Alles vereinigt sich, um die englische Version als einen direeten Abkömmling der französischen premtire version zu kennzeichnen. —
Die Geschichte von Flore und Blanceflor hat auch Boccaccio den Stoff zu dem FUocopo9) betitelten Romane geliefert, doch erscheint sie hier in einer ganz fremden, von den bisher besprochenen Formen vielfach abweichenden Gestalt. Treffend charakte- risirt Sommer7) den Filocopo mit folgenden Worten: „Hier greifen fast alle Götter des
l) A, V. 1558: Mes compains est, de mon mestier, und V. 1561 f.: De nos deus pors somes compains, Parmi partomes le gaaing; Engl. Ged., S. 87, V. 25: We beth wed bretbthen, and trewthe i- plizt.
*) A, V. 2119 ff.: Demain ir6s droit & la tor Con que fuissiGs engigneor, etc.; Engl. Ged., 8. 84, V. 21 ff.: Wende to morwe to the tour, As thou were a god ginour, And nim in thin honds quis and santelour, Als tbat tbou were a masonn.
8) A, V. 2013 ff.; Engl. Ged., S. 93, V. 4 ff.
4) A, V. 2047 f..- Por cou que tos jors i a flors, L’apele on Tabre^d’arnors ; Engl. Ged., S. 93,
V. 28 f.; Hit is i-cleped the tre of love For flours and blosimes beth en above.
5) In A ist diese Stelle (V. 1004 f.) allerdings kürzer gefasst, in B aber heisst es (Du M6ril, p.
82): Fers ne te porra entamer, Ne feu ardoir ne encombrer. Fiuz, cest annel a tel puissance, Que bien i doiz avoirfiance ; Sacbes que tant com tu rauras, A rien que quieres ne faudras; Engl. Ged., S. 81, V.
10 ff.: While tbou hit hast, doute the no tbing, Bestir de brenne, ne dreneber in se, Ne iren ne stel
schal derie tlie; And be it erli and be it late, To the (1. thi) wil tbou schalt have whate.
•) Ausgaben: Venedig, 1575. Florenz, 1829.
FL u. Bl., S. XX.
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classischen Alterthums in das Schicksal der Liebenden ein, und mit Verzauberungen und Entzauberungen, mit vielem rhetorischen und allegorischen Prunk wird die Sage znm überladenen Liebesroman ausgesponnen, in welchem ihre ursprüngliche Naivetät, die sie auch unter den Händen der ungeübtesten älteren Bearbeiter nie ganz eingebüsst hatte, vollständig aufgegeben und damit nicht bloss ein zufälliger Reiz der Gedichte, sondern •der Kern der Sage zerstört ist“ Trotz alledem sieht man aber doch bald, dass im Grunde nur die Form Boccaccio angehört und dass er den Stoff einer früheren Redaction verdankt Zunächst sprechen dafür gewisse Eigennamen; der Wirth, welcher Flore die Schwierigkeit seines Unternehmens vorstellt, heisst hier Dario, in der ersten französi- schen Version Daires; die Gefährtin Blanceflor’s, welche alle anderen Redactionen sonst Claris uennen, führt in A&rpremüre version den Namen Gloris, der in der Form Gloritia bei Boccaccio nur eine andere Endung angenommen hat; ähnlich verhält es sich mit dem Namen von Flore’s Vater, der in dem Bekker’schen Texte Felis, im Filocopo Fenice ge- nannt wird, wozu das Fleck’sche Fenix passt Auch der Zauberring, der aus Wasser jind ' Feuer rettet, findet sich im Filocopo wieder1), und seine Eigenschaften sind hier für die Erzählung ebenso wenig noth wendig, als in der französischen Redaction; denn wenn er auch die beiden Kinder vor den Flammen des Scheiterhaufens schützt, «o muss doch erst noch die Liebesgöttin Venus erscheinen, um den Rauch unschädlich zu machen. Am meisten hat Boccaccio’s Roman mit der französischen version populaire Aelmlichkeit Als Flore nach Montoire geschickt wird, giebt ihm Blanceflor einen andern Ring, dessen Stein durch Veränderung der Farbe ihm jedes Unglück, das ihr zustösst, kund tkun soll*). Die Anklage, die gegen sie erhoben wird, dass sie mit einem vergifteten Fleisch- stücke den König habe umbringen wollen; die heimliche Rückkehr Flore’s, sein Kampf mit dem Seneschal, sein Sieg über denselben, sodann überhaupt sein mehr männliches als kindliches Auftreten: alles dies wird im Filocopo ähnlich, wie in der populären!* fran- zösischen Version dargestellt Auch der Schluss der Erzählung, wonach nicht die Gross- inuth des Admirals, sondern Flore’s ungewöhnliche Tapferkeit Blanceflor das Leben rettet,
*) Esso ha potenza di far gratioso a tutte genti colui che seco il porta: c le cocenti flamme di Yulcano fuggono e non nocciono nella sua presenza , ne e ricevuto ne gl’ondosi regni di Nettuno chi seco il tiene; 1. IV.
8) In lui (anello) questa mirabile virth troverai, che a qualunque persona il donerai, ella riguar- dando in esso, conoscerii incontanente se noioso accidente avenuto ti fosse, percio ch’il color d’esso anel- lo vedrh mutato e si tosto come l’harä veduta la piedra tornerä nel primo color bello ; 1. II.
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stimmt in beiden überein, nur mit dem Unterschiede, dass Flore in der version po- pidaire einen fremden Herrscher, im Filocopo mit Hülfe seiner Gefährten das Heer des Admirals besiegt
Neben diesen zahlreichen Berührungspunkten mit der französischen Form der Sage hat aber der Boccaccio'sche Roman andrerseits manche Eigeilthümlichkeiten, die ihn scharf von den französischen Versionen trennen. Dahin gehören z. B. die Namen der Lehrer Flore’s (Racheo1) und Ascalione), der Hauptstadt seines Königreiches (Mar- rnorina), des Herzogs von Montoire (Feramonte), des Seneschals (Massamutino). Diese Namen, sowie einige andere Details, auf die wir später eingehen werden, sind Beweis genug, dass der italiänisclie Dichter Quellen benutzte, die uns heut nicht mehr zugäng- lich sind. Wo wir diese Quellen zu suchen haben, ist allerdings eine noch offene Frage. Nach Du Möril’s Muthmassung (S. LXX) hat Boccaccio die Sage direct wieder aus dem Orient bezogen, und dies ist bei seinem intimen Verkehr mit Gelehrten, die längere Zeit in Constantinopel gelebt hatten und in der griechischen Literatur bewan- dert waren, gar nicht unmöglich, zumal er selbst seinen Lehrer Leontius ein unerschöpf- liches Archiv von griechischen Erzählungen und Fabeln nennt*). Möglich ist dabei, dass ihm der Stoff schon in der mythologischen Hülle, mit der wir denselben bei ihm beklei- det vorfinden, zuging. — Eine zweite Annahme wäre die, dass er während seines Auf- enthalts in Paris die Erzählung von Flore und Blanceflor kennen lernte; denn wenn er an einer Stelle des Filocopo sagt, die-Sage wäre bisher noch nicht poetisch bearbeitet worden*), so meint er, zumal diese Worte Fiammetta in den Mund gelegt werden, wohl nur, dass noch kein italiänischer Dichter den Stoff behandelt habe, und es könnte ihm also eine poetische Darstellung in französischer Sprache immerhin bekannt gewesen sein. —
*) Oder haben wir es hier mit einer anderen Form des Namens Ricbier, wie in A der erste Wirth Floib’s heisst, zu thun?
*) Vgl. die beiden bei Du M6ril (S. LXX) citirten Stellen De genealogia deorum, 1. XV, c. 6: Leontius, literarum graecarum dectissimos, et quodammodo graecarum historiarum atque fabularum arci- Tum inexhaustum; und ebendas. (S. 390 der Baseler Ausgabe von 1532): Et si usquam curiosissimus fuit homo in perquirendis, jussu etiam principis, peregrinis undecunque libris, bistoriis et poeticis operibus, iste (Perusinus) fuit. Et ob id, singulari amicitia Barlaae junctus, quae a Latinis habere non poterat, eo medio innumera exhausit a Graecis.
*) L. I: jCerto grande ingiuria rcceve la memoria de gli amorosi giovani pensando alla gran costantia de gli loro animi, iquali in un volere per l’amorosa forza sempre furono fermi serbandosi fer- ma fede, a non csser con debita ricordanza ja loro fama essaltata da versi d’alcun poeta, ma lasciata solamente ne favolosi parlari de gli ignoranti.
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Drittens ist es auch denkbar, dass Boccaccio die S. 17 Anm. 3. erwähnten faoolori par- htri de gli ignoranii, wie er sie in seinem Vaterlande oder in Frankreich hörte, gesam- molt und daraus im Aufträge seiner Geliebten ') den Filocopo zusammengesetzt hat. Trotz se|ner vielfachen Mängel fand übrigens dieser Roman bald eine grosse Verbreitung. Schon im Jahre 1435 erschien davon eine ■französische Uebersetzung*), eine zweite wurde im Jahre 1442 von Adrien Sevin veranstaltet*), welche letztere mehrere Auflagen erlebt hat und also bei dem französischen Publikum besonders beliebt gewesen zu sein scheint. Auch der deutsche Prosa-Roman ist, wie wir bereits Seite 8 angedeutet, wahrscheinlich nach dem Filocopo bearbeitet
In Italien selbst aber war Boccaccio nicht der Einzige', der die Sage von Flore und Blanceflor behandelte; sie wurde ausserdem noch der Gegenstand zweier in ottave time geschriebenen Gedichte.^ Das eine derselben hat Lvdovieo Dolce, und zwar nach Apostolo Zeno’s Angabe, in früher Jugend4), verfasst, jedoch sind davon nur die ersten neun Gesänge gedruckt worden {Amore di Flario et di Biancafiore, Venedig, 1532). Wie Libri behauptet, wäre das Dolce’sche Gedicht nichts anderes, als eine poetische Um- bildung des Filocopo*); da dasselbe aber viel zu wenig bekannt und noch nicht sorg- fältig mit anderen Versionen verglichen ist, so wissen wir nicht, ob Libri Recht hat Gewiss falsch aber ist die Annahme Tasso’s und Anderer*), das zweite der erwähnten Gedichte in ottave rime7) rühre von Boccaccio selber her; diese Redaetion der Sage charakterisirt sich vielmehr offenbar als das Erzeugnis eines Jongleurs, wie nicht nur aus der ganzen Darstellungsweise, sondern auch daraus hervorgeht, dass der Verfasser am Anfänge sein Auditorium ersucht, ihm zuzuhören8), und im Verlaufe der Erzählung gelegentlich eine naive Bemerkung fallen lässt9). Das Gedicht scheint übrigens seiner
*) Dies war Maria von Arragonien, die natürliche Tochter Roberts von Neapel und Enkelin Karl’s von Aqjou.
*) S. Eschenburg, Deukmäler altdeutscher Dichtkunst, S. 214. *
•) Mölangcs tir£s d’une grande bibliothöque, XIV, S. 334 — 368.
f) S. Eschenburg, Denkmäler altdeutscher Dichtkunst, S. 213.
#) 8. Catalogue de la bibliothfcque de M. Libri, citirt bei Du Möril, p. LXXIII.
c) Tasso, Discurso sulla pocsia heroica; vgl. Opuscoli di autori sidliani, XX, p. 238.
7) Ausser den fünf bei Brunet. Manuel, II, S. 295, erwähnten Editionen dieses Gedichts wer- den zwei in dem Catalogue de la biblioth&que de M. Libri beschrieben (s. Du Meril, p. LXXI). Eine englische Uebersetzung desselben soll im Jahre 1485 Ca x ton veröffentlicht haben (s. Du M6ril, a. a. 0.).
•) E’l nome del baron vi conteraggio (Se m’ascoltate), che andava in viaggio.
•) Nachdem er von dem Eorb gesprochen hat, in welchem Flore verborgen liegt, setzt er hin- zu: Io non vorria per una gran cittade Essere stato quivi ove fu egli.
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Sprache nach älter zu sein, als das Ludovico Dolce’a und ist, wenn man dem Jongleur Glauben schenken darf, mit Benutzung einer schriftlichen Quelle entstanden1). Mag nun eine solche schriftliche Aufzeichnung ihm zu Grunde gelegen haben, oder nicht, auf je- den Fall ist die Ueberlieferung, welcher der Jongleur folgt, eine zuweilen von den an- deren Versionen abweichende; dies zeigt zunächst die Form mancher Eigennamen, die eine corrumpirte mündliche Tradition vorauszusetzen scheinen; der Vater Blancefior’s z. B. heisst Messer Jacopo, ihre Mutter: Tropatia2), ihre Freundin im Thurme: Gloria; einige Namen, wie Migliore (die Mutter Flore’s) und Belizante (der erste Wirth) finden sich sogar in den uns sonst bekannten Redactionen überhaupt nicht wieder. Sodann werden die Kinder allerdings ebenfalls an einem christlichen Feste geboren, aber nicht mehr am Palmsonntage, sondern, ihren Namen „Blume“, und „Weissblume“ angemesse- ner, im Monat Mai,, um die Zeit der Pfingsten *). Auch der Umstand, dass Gloria in ihrem Bericht über das plötzliche' Erscheinen Flore’s offen erzählt, sie habe einen schö- nen Jüngling in dem Korbe gesehen4), stimmt nicht zu der Art und Weise, wie dieser Theil der Geschichte gewöhnlich dargestellt wird. Die vorzüglichen Tugenden des Rin- ges ferner werden in dieser Version nicht bloss genannt6), sondern kommen auch inso- fern zur Anwendung, als die Liebenden dadurch dem Flammentode entgehen6). Am meisten endlich differirt der Schluss der Erzählung; der Admiral hat einen Sohn, des» sen gefühlvolles Herz von den Leiden des liebenden Paares gerührt wird und der durch dringende Bitten den Zorn seines Vaters besänftigt7). — Daneben aber verleugnet das Gedicht doch nicht alle Verwandtschaft mit den französischen Formen der Sage. Ent- schiedene Aehnlichkeit zeigt es mit der version populaire, doch auch mit der v ersion arir stocratique stimmt es in einigen Punkten überein. Der König verkauft Blanceflor, wie im Filocopo und in der version populaire, nicht selbst, sondern beauftragt, wie in der
') Essendo la battaglia incominciata, Si come narra il libro dell’ higtoria.
*) Bei Boccaccio, sowie in der spanischen nnd neugriechischen Version: Topatia.
•) Partorimo (sic) in una medesma sera Di maggio, ch’era la rosa in sua spina . . . Lo fre- sco giorno di Pasqua rosata.
*) Io viddi una persona molto bella Ch'usci di cesta, e diemmi gran temore.
•) E guarda bene che un castello, Insin che l’hai non potrai perire Nh in fiioco nh in acqna nh in battalia.
') Et ambedne si starano abbracciati Qaando che messi für nel fiioco ardente. La rirtft de l'anel gli ha scampati Che’l fuoco all’ hör non s’appressa niente.
T) Dn figlio ch’era del Rh, prode e saggio, Disse al padre: Intendi il mio tenore, etc.
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verrion aristocratique einen Börger, so hier zwei Edelleute mit diesem Geschäft1), und der Becher, auf welchem der ganze trojanische Krieg dargestellt ist, bildet gleicherweise ne- ben der genauen Angabe des gemünzten Geldes*) einen T-heil des Kaufpreises8). Zu letzterem gehören nach den uns überlieferten französischen Handschriften allerdings keine Vögel; ^dieselben müssen aber in den Manuscripten aufgeführt gewesen sein, die von Fleck und Diederic von Assenede benutzt worden sind4), und so figuriren denn un- ter den Gegenständen, die als Bezahlung für Blanceflor gelten, einige Vögel auch in dem italiänischen Gedichte6). An einer anderen Stelle scheint der Verfasser einen Scherz des französischen Dichters für Ernst genommen zu haben. In der premiere version sagt nämlich der Wirth Richier, als Flore in seiner Zerstreuung Wein vergossen hat, scherz- weise, dafür müsse Strafe gezahlt werden6); in dem italiänischen Gedicht vergiesst Flore den Wein durch Zerbrechen eines Glases und ersetzt den Verlust wirklich durch ^ein silbernes Gefass7). — Während so auf der einen Seite diese Bearbeitung sich an die erste französische Redaction anlehnt, hat sie auf der anderen Seite auch eine gewisse Aehn- lichkeit mit dem Boccaccio’schen Roman. In der version aristocratique hofft die Köni- gin, Flore werde während seines Aufenthaltes in Montoire Geschmack an anderen Frauen finden8); im Filocopo versuchen denn auch wirklich junge Mädchen, den Jüngling zu verführen, und das Gedicht in ottave rime ^beschreibt ihre Verführungskünste, durch die aber Flore sich keineswegs zur Untreue feegen Blanceflor verleiten lässt, ganz ausführ-
x) Due cavalieri savi e saputi; A, V. 424 ff.: Par un borgois illoec l'enuoie, Qui de marciö estoit moult sages Et sot parier de mains langages.
*) E mille scudi -d'oro lavorati; A, V. 437: Trente m&rs d'or et vingt d’argent. Za dem Auf- drucke scudi d’oro lavorati vgl. das französische mone£s deniers (A, V. 1145).
•) Ed una coppa d’oro nobilmente, Che lavorata era de tutte le bande Tutta l’historia di Troia la grande; A, V. 441 — 512: Et une eiere coupe d'or, etc.
4) Fleck, V. 1551 f.: Und zw&nzic hebeche wünneclich, Zwelfe müzeten sich; Diederic, V. 620
fj Driehondert vogle, die goet waren, üondert valken, haveke, sporewaren.
#) Aston, bracchi, falconi amaestrati.
c) A, V. 1321 ff.: L’ostes s’escrie: il est fourfais; Amendes nos sera eix plais. Cou est voirs (B: drois), cou dient tres tuit.
T) A tavola sedeva un bei donzello, E vi mangiava in una caminata; In mano si tenea un bei colteUo, Una tazza di vetre hebbe spazzata; E l’hoste disse: 0 nobil garzoncello, Che la tazza di vetro
mi sia pagata. E Florio disse non haver spavento, E fegli dare una tazza därgento.
•) A', V. 325 ff.: Des qu’ele (Sebile) Tocoison saura, S’ele puet, oblier li fera La crestyene Blanceflor Par le confort d'une autre amor; vgl. V. 360 f.: Aprendre Ten maine Sebile 0 les pnceles de la vile.
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lieh1). • Der Korb, in welchem Flore verborgen ist, wird nicht von Dienern, welche die richtige Thttr verfehlen, in Gloria’s (Gloriti&’s) Kammer gestellt, sondern von dieser an einem Stricke zum Fenster hineingezogen *). Am schlagendsten aber ist die Ueberein- stimmung in folgendem Punkte, den alle anderen Versionen nicht kennen: der Admiral will für Blanceflor Blumen aus dem Korbe nehmen und reisst dabei Flore einige Haare aus, ohne den Jüngling zu entdecken’). — So sehen wir denn, dass das Gedicht des ita* liänischen Jongleurs einige Züge mit der version ariatoeratique, andere mit dem Filocopo theilt, während es im Uebrigen theils der vereion populaire , theils einer eigenen Tradi- tion folgt.
In Spanien war unsere Sage bereits im dreizehnten Jahrhunderte bekannt, da es in der Gran Conquieta de Ultramar heisst, Flore und Blanceflor seien die verliebte- sten Personen gewesen, von denen man je hätte reden hören4). In der Mitte des vier- zehnten Jahrhunderts sodann vergleicht der Erzpriester von Hita die Treue einer Dame mit der Blanceflor’s ®), und fünfzig Jahre später citirt Francisco Ynperial die beiden Kin- der als ein berühmtes Liebespaar*). Trotz der Popularität, der sich also die Geschichte von Flore und Blanceflor wohl schon frühzeitig in Spanien erfreute, hat sich doch keine spanische Romanze erhalten, die diesen Gegenstand behandelte; wir kennen nur eine Prosa-Version 0, die in den ersten Jahren des sechzehnten Jahrhunderts entstanden zu sein scheint, die aber auf jeden Fall zu einer früheren spanischen Redaction in enger
*) So heisst es u. a. von diesen beiden „Damen“: Ciascuna gli mostrava il auo bei petto Ch'era si pretioso, e le maxnmelle.
*) Boccaccio sagt: Fu portato (Florio) a pie della torre: quivi fatta chiamare Gloritia, la quäle al serviggio di Biancofiore dimorava, a lei fece la cesta collar suso ad una finestra. Ebenso stellt eine Abbildung auf dem Titelblatt der Florenaer Ausgabe des Gedichtes die Sache dar. Vgl. ttbrigens S. 10, Anm. 8.
*) Die Stelle im Filocopo lautet: Mise allhora l'Ammiraglio la mano in quella, e pensaudo a Biancofiore a cui mandar la deveva, tanto afiettuosamente di quelle prese, che de biondi capilli seco tirft, ma non gli vide. Damit vergleiche man folgende Vene des italienischen Gedichtes: E TAmmiraglio prese in veritade Di quelle rose, e di bei fior novelli, E si ne prese per tal volontade, Che a Florio si tirö forte i capelli.
4) L. II, C. XLIII : Estos amos fueron Ins mucho enamorados que ja oystes hablar, und kurz vorher heisst es: Segun su ystoria lo cuenta.
*) Wiener Jahrbacher, Bd 68, S. 262, Anm. 2t Ca nnnca fue tan leal Blanceflor & Flores, Nin ee agora Tristan & todos sus amores.
*) Candonero de Baena, 8. 204: El e su muger ayan mayores Que los de Paris & los de Vy- ana E de Amadis b los de Oryana E que )os de Biancaflor k Flores.
*) Die älteste Ausgabe der Historia de Flores y Biancaflor ist vom Jahre 1612, Alcala de He-
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Beziehung steht. Dass eine solche ältere Bearbeitung der Sage in Spanien existirt hat, dafür sprechen mehrere Zeugnisse. Zunächst ist es blos mit Rückächt auf einen spa- nisch geschriebenen Text denkbar, dass einige andere Versionen als den Geburtstag der Kinder, nach welchem sie auch benannt werden, das „blühende Ostern“ (Pasque flourir) angeben1). Im Spanischen bedeutet nämlich Pascua florida2) „Pfingsten“, und dies ist denn wirklich die Zeit, wo die Natur in Blüthe steht, so dass also die Namen „Blume“ und „Weissblume“ in der That gerechtfertigt erscheinen. Wenn nun die französischen Redactionen und nach ihnen Fleck den Namen „blühendes Ostern“ beibehalten haben, so konnten sie nach dem ausserhalb Spaniens üblichen Sprachgebrauch darunter nur den Palmsonntag verstehen3), wie dies die isländische Version auch geradezu thut4). Mit den Blumen und Zweigen, die am Palmsonntage getragen werden, lassen sich aber die Namen „Flore“ und „Blanceflor“ nur ungenügend erklären, und es ist demnach wahrscheinlich, dass den französischen Gedichten, aus denen dann wieder Andere schöpf- ten, ein älteres spanisches Original zu Grunde lag und dass der in demselben gebrauchte Ausdruck Pascua florida nur falsch verstanden wurde. — Für eine ältere spanische Form der Sage können aber noch weitere Zeugnisse beigebracht werden. In beiden französi- schen Versionen regiert Flore’s Vater in Spanien4) und Blanceflor’s Mutter wird auf
nares. Eine Uebersetzung des spanischen Romans ins Französische veranstaltete Jacques Vincent (Paris, 1554. Lyon, 1570. Rouen, 1597), und^hieraus hat der Graf Tressan in der Bibliothöque universelle des Romans, 1777, FGvrier, S. 151—225, einen Auszug gegeben.
l) Version aristocratique, A, V. 163 f. 171 ff.; Version popillaire, V. 225 ff. 231 f. 235 ff.; Fleck. V. 592 ff. Ueber die betreffende Stelle in dem isländischen Roman s. Aum. 4.
*) Plugo a nuestro senor Dios que las dos vinieron a parir el primer dia de Pascua florida.
•) Du Cange, Glossarium m&nu&le ad scriptores mediae et infimae latinitatis, a. v. Pascha: Pascha floridum, dominica iu palrais qua cantatur: Occutrpnt turbae cum floribus et palmis, etc. Di Ordine Romano, Dies Palmarum sive Florum atque Ramorum dicitur: Pascha florum.
4) Annaler for nordisk Oldkyndighed , 1850, S. 8: En Pälmsunnudagr heitir blömstr i utlön- dum, thvi thäbera menn blömstr i höndum. Diederich vom Assenede sagt nur, die Verwandten des Kö- nigs hätten Flore „ut hären boeken na hare wis“ benannt. Das niederdeutsche Gedicht lässt, wie schon . S. 8 erwähnt ist, die Kinder nicht am Palmsonntage, sondern am Osterfeste geboren werden, und deutet (V. 133 ff.) wie die schwedische Version (V. 99 f.) ihre Namen im Allgemeinen vom Frühlinge als der Zeit der Blumen. Das italiänische Volksgedicht (s. S. 19 und ebendas. Anm. 8), sowie die neugriechische Redaction (V. 1561) versetzen übereinstimmend die Geburt Flore’s und BlancefloFs in den Monat Mai, also gleich der spanischen Novelle in die Pfingstzeit (it Pasqua rosata). Boccaccio endlich sagt nur: In queste parli si celebra una fiesta grandissima, la quäle noi chiamiamo de cavallieri; in quel giorno i tem- pii di Marte e di Venere sono visitati con fiori, con frondi e con meravigliosa allegrezza.
4) Vers, arist., A, V. 57: Uns rois estoit issus d’Esp&igne. — Vers, pop., V. 21 ff.: En Espai- gne ot nn riche roi, Saige et prodomes de la loi; Toz le röaume d’Aumarie Fu siens; V. 184 f.: Tant
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einer Pilgerfahrt nach dem Grabe des heiligen Jacobus in Galizien gefangen genommen1). Mit dem Montoire der version aristocratique ist unzweifelhaft. Montoro am Guadalquivir gemeint, und dieser Natne ist in der version populaire nur zu Montelieu französirt Am deutlichsten aber sprechen für die Benutzung einer spanischen Quelle folgende Verse der version aristocratique: Sire, faxt il, er nCescoutie Vostre tnerci (A , V. 1139 f.), und Bel a parU vostre merd (*4, V. 2156). Der Ausdruck vostre merci „Euer Gnaden“ ist durchaus unfranzösisch und sicher nur eine Nachbildung der spanischen Anrede Vuestra merced (heutzutage verkürzt zu Usted, Vm., Vd. oder V., und ausgesprochen usU). End- lich erinnert auch der Titel Messer, den in dem italiänischen Volksgedichte der Vater Blanceflor’s (Jacopo) führt, an die spanische Novelle, wo derselbe Mann Mieser (Persio) genannt wird. Da nun das italiäniscbe Volksgedicht auf jeden Fall älter ist, als die uns bekannte spanische Darstellung, so hat der Titel Mieser (Micer, Messer) wohl schon in jener älteren spanischen Redaction gestanden, deren Existenz aus den französischen Ge- dichten mit Gewissheit gefolgert werden kann.
Ist also eine frühere Bearbeitung der Sage von Flore nnd Blaaceflor in Spanien vorangegangen, so lässt sich annehmen, dass der jüngere Roman ihr nachgebildet ist und dass er die Geschichte der beiden Kinder, wenigstens im Grossen nnd Ganzen, ebenso erzählt, wie die verloren gegangene ältere Version. Würde man eine solche nicht vor- aussetzen müssen, so könnte man allerdings zunächst glauben, dem Verfasser der spa- nischen Novelle habe der Filocopo Vorgelegen. Ausser den drei Namen Persio '(für Flore’s Vater), Mahomat Audali (für seinen Lehrer) und Dario Lobondo (für seinen Wirth) sind nämlich die Eigennamen dieselben, wie in dem Boccaccio’schen Roman, und auch der sonstige Inhalt der Erzählung stimmt in den meisten Punkten überein. Bei seiner Abreise nach Montoire erhält Flore auch hier von seiner Geliebten einen Zauberring, der ihm jede Gefahr, in der sie sich befindet, anzeigen soll2); er kehrt zurück, um Blanceflor mit den Waffen in der Hand zu vertheidigen , tödtet den Seneschal, welcher
ont coru qu'arrivd sont En Anmarie la eite. Anmarie ist die spanische Stadt Almeria , die ehemalige Hauptstadt der maurischen Provinz Granada.
*) Vers, arist, A, V. 60: En Galisse fu ariu6; V. 95; Qui au baron S. Jake aloit. — Vers, pop., V. 41. 61. 76. 91. 103. 117. 161. 219.
*) Ya creo, Senor, sabeys como, siendo apartada de vos, soy apartada de los dias de la vida-, por lo quäl os ruego, mi Senor, qne tomeys este anillo con esta piedra, la quäl tiene tal virtud, qne qnando yo fuere en alguna grande tribulacion por amor de vos, esta piedra perdera toda su faerqa y color.
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sie anklagt, dem Könige ein vergiftetes Stück Fleisch1) geschickt zu haben, und entfernt sich wieder, ohne sich zu erkennen zu geben. — Diese Aehnlichkeit zwischen dem spa- nischen und italienischen Roman darf aber keineswegs darauf zurückgeführt werden, dass der Verfasser des ersteren etwa nach dem Filocopo gearbeitet habe; denn die erwähnten Details finden sich auch in der französischen Volksversion wieder, mit welcher die spa- nische Novelle ausserdem in manchen anderen Punkten harmonirt, in denen Boccaccio einer abweichenden Tradition gefolgt ist Flore erfahrt in der spanischen wie in der französischen Darstellung, von einem Manne, dem er zufällig unterwegs begegnet, dass seine Geliebte zum Feuertode verurtheilt ist2). Nachdem er den Seneschal besiegt hat schenkt er ihm das Leben und lässt ihn wieder zu Pferde steigen, ohne zu bedenken, welche Folgen seine Grossmuth für Blanceflor haben kann3). — Andererseits aber dif- ferirt der spanische Roman auch wieder zuweilen von der version populaire. Der Admiral regiert in Cairo, und nicht in Alexandrien'; die Sendung der Blumen an die Jungfrauen im Thurme wird durch eine bei der Feier des Frühlingsfestes gebräuchliche Sitte erklärt4); Claris ist nicht mehr die Gefährtin , sondern nur die Dienerin Blance- flor’s •) ; die wunderbare Kraft des Zauberringes schützt die beiden Kinder hier wirklich vor den Flammen des Scheiterhaufens, obgleich sie länger als eine Stunde im Feuer stehen*). Endlich zerstört der Verfasser der spanischen Novelle durch einen von an-
*) Bei Boccaccio ist es ein Pfau, in der spanischen und neugriechischen Version eine Henne, in der version populaire ein gespickter Braten (V. 897: lardez = r6ti piqu6 de lard).
*) Flores demando a unos hombres que trayan lena para quemar a Biancaflor, y preguntoles para que trayan aquella lena, y eilos dixeron que era para quemar alli una christiana del rey, que avia querido dar yervas al rey en una gallina por matarlo. In der version populaire (V. 620 ff.) begegnet er einem paroil (— pair qui tient un fief du m£me seigneur).
•) Flores le (al Senescal) dio tan gran golpe, que le falso el escudo, y cayo el Senescal y su cavallo en tierra. Y como el Senescal fue cn tierra, y Flores puso mano a su espada para le cortar la cabeca: el Senescal le rogo que por lo que devia a virtud de Cavalleria le dexasse cavalgar en su caval- lo, y Flores fue contento. Damit vergleiche V. 1038 — 1050 der version populaire.
4) El domingo primero veniente sera dia de Pascua florida, y en esta tierra todos los cavalleroe y damas, aquel dia, salen muy ataviados, y hazen gran fiesta, y derraman por todas partes muchas flores y rosas, y los mejores yervas que pueden aver para las camaras. Aehnlich heisst es in dem Gedichte des italienischen Jongleurs: Lo fresco giorno di Pasqua rosata Che sara festa per li cavalieri, Io faro eorrer per questa contrata Rose vermiglie per lo imperieri. Die Stelle bei Boccaccio s. S. 22, Anra. 4.
*) Y mandolo subir a la camara de la linda Blancaflor, la quäl tenia una donzella que la ser- viä, que se desia Glorisia. Ebenso im Filocopo: 8. S. 21, Anm. 2.
•) Entraron (Flores y Bladcaflor) por medio del fuego y estuvieron mas de una hora sin redbir ningun dano en sus personas.
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deren Versionen vollständig abweichenden, aber gewiss nicht selbsterfundenen Schluss die ganze Einheit in der Handlung der Sage. Nach glücklich erfolgter Verheirathung reisen Flore und Blanceflor nämlich nach Spanien ab, leiden aber unterwegs Schiffbruch und werden auf eine wüste Insel verschlagen, von wo sie nach vielen Leiden endlich nach Alexandrien gelangen. Schliesslich haben sie einen Sohn, Namens Gordion, und Flore wird Kaiser von Rom. Damit unterscheidet sich die spanische Darstellung durchaus von beiden französischen Versionen, die bekanntlich ihren Stoff an den Sagenkreis Karls des Grossen anzuknüpfen bemüht sind. Dass aber auch in Spanien, wahrscheinlich in Folge französischen Einflusses, eine solche Verbindung der Sage von Flore und Blanceflor mit der Geschichte Karls des Grossen vorgenommen war, erhellt aus einer Andeutung in der Gran conquista de Ultramar1).
Endlich giebt es noch ein neugriechisches Gedicht, welches die Aben- teuer Flore’s und Blanceflor’s zum Gegenstände hat. Auf die Copie davon , die sich im Be- sitze der kaiserlichen Bibliothek zu Wien befindet, hatte schon Nessel aufmerksam gemacht2); doch erst Immanuel Bckker hat das Verdienst, die neugriechische Version veröffentlicht zu haben*). Dass diese Form der Sage nicht originell, sondern aus einer fremden Quelle geflossen ist, erhellt aus mehreren Gründen. Ohne irgend welche innere Nothwendigkeit wird Rom, die Hauptstadt des Occidents, zum Wohnsitze der Eltern Blanceflor’s gemacht (V. 1); dieselben unternehmen ihre Pilgerreise nicht nach einem der zahlreichen Wallfahrtsorte des Orients, sondern wie auch die meisten anderen Ver- sionen angeben, nach dem Grabe des Apostels Jacobus (V. 13). Die Namen der beiden Kinder, Florios und Platziafloria, haben entschieden einen romanischen Ursprung, wer- den aber nichtsdestoweniger von dem Worte Blume, wofür das Griechische doch eine ganz andere Benennung hat, abgeleitet Als Flore ferner seine Unterthanen zwingt, das Christenthum anzunehmen, wird ausdrücklich bemerkt, dass er sie zum orthodoxen rö- mischen Glauben bekBbrt (V. 1865). Auch der Name Mnexfi (V. 1618), welchen die Dieneriü Blanceflor’s führt, weist entschieden auf ein ausländisches Original hin, da sich die Consopantenverbindung pn nie zu Anfang griechischer Wörter findet, sondern im
*) L. 11, c. XLIII: £ esta Berta (la muger de Pcpino el rey de t'rancia) fue bija de Biancaflor e de Flores que era rey de Alweria.
*) Brcviarium et supplementum ßibliothecae Vindobonensis, I, S. 342.
*) In den Schriften der Berliner Akademie der Wissenschaften, 1845.
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Neugriechischen nur dazu dient, den Buchstaben b in Fremdwörtern auszndrücken '). Schon dieser Name würde übrigens hinreichen, um die Behauptung Sommer’» zu ent- kräften , dass das neugriechische Gedicht dem Filocopo seine Entstehung verdanke*). Sommer kannte eben die französische version populaire, die poetische Darstellung des italiänischen Jongleurs und die spanische Novelle nicht, sonst würde er gewiss anders geurtheilt haben. Allerdings stimmt die griechische Version fast durchgängig mit dem Boccaccio’schen Romane überein, aber zugleich auch mit einer oder der anderen der eben genannten sonstigen Bearbeitungen, die Sommer unbekannt waren*). Von dem Filocopo aber im Besonderen unterscheidet sich die griechische Version nicht nur durdi den oben besprochenen, sondern auch durch andere Eigennamen; so heisst z. B. der Vater Flore’s: Philippos, seine Mutter: Kaliotera, der ägyptische Admiral: Daden. Die Form Philippos erinnert eher an den Felis der version aristocratique, als an den Feniee Boccaccio’s, und Kaliotera scheint eine Uebersetlung von Migliore, wie in dem italiäni- schen Gedichte Flore’s Mutter heisst (s. S. 19). Selbst die Femininendung in dem Namen Pla- tziafloria dürfte nicht zu übersehen sein, um eine Abweichung von dem Filocopo, wo wohl nur aus philologischen Gründen mit männlicher Endung Biancofiore geschrieben ist4), zu consta- tiren. Das junge Mädchen wird nicht nach Alexandrien, wie Boccaccio sagt, sondern ganz wie in den französischen Versionen, nach Babylon verkauft; als Flore dorthin reist, vergisst der Dichter nicht anzugeben, dass Alexandrien seitwärts liegen bleibt (V. 1287 ff.). Bei der Keuschheitsprobe, welcher sich die Frauen im Thuruie unterwerfen müssen, wird bloss, wie in den französischen Versionen6), das Quellwasser erwähnt, welches trübe wird, wenn eine Schuldige darüber schreitet (V. 1344 ff.), während Boccaccio auch noch einen Baum dazu in Anwendung bringt6). Gloritia (Bekel) ist nicht, wie in dem italiänischen
*) Vcrg). Peuckor, Grammatik der neugriechischen Sprache in ihrem Verhältnisse zur alt- griechischen (Breslau, 1863), S. 4f.
*) Flore und Blanscheflur, S. XXIV. Im Filocopo heisst dieselbe bekanntlich Gloritia.
8) Wenn z. B. in dem griechischen Gedichte die Dienerin Blancefior's ihr lautes Aufschreien bei dem Erblicken Flore’s damit entschuldigt, dass ein Vogel aus dem Korbe geflogen sei (V. 1633 ff.), so fin- det sich dieser Umstand nicht nur im Filocopo, sondern auch in der spanischen Novelle wieder, wo es heisst; Fuy a mirar las rosas, y venia un ruysenor dentro en ellas: y assi como las llegue a mirar salia, y dio me en los pechos que me espnnto.
4) In dem italiänischen Volksgedichte lautet der Name Biancifiore.
Ä) A, V. 2059 ff.: Quant li amirals veut coisir De8 puceles i on (1* Les puceles il) feit venir An ruissel de la fontenele, Dont de fin or est la grauele; V. 2069 ff.: Car quant il i passe pucele, lors est li eue clere et bele. Au trespasscr de ferne 6ue L'eue en est luäa tote mäoe. *
•) Egli neir bora, che le guanice dell’ aurora cominciano a divenir vermiglie, prende la giovane.
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Roman, eine ehe Frau, die mit Btanoeflor aas Spanien gekommen ist1), sondern ein jun- ges Mädchen (V. 1618), und Flore wild nicht an einem Stricke eu einem Fenster de* Thurines hochgesogen*) , sondern Diener des Admirals tragen ihn zn einer Seitenthür hin- ein (V. 16 16 f). — Aus dem Filocopo ist demnach die neugriechische Version nicht ent* standen; sie hat mit ihm allerdings viele Züge, manche aber auch wieder mit anderen Darstellungen aberein, und folgt also einer besonderen, und zwar romanischen Tradition, die sich mit keiner der uns bekannten Darstellungen genau deckt
Ueberblicken wir nun am Schlüsse unserer Abhandlung die ganze Reihe der Versionen, welche die Erzählung von Flore und Blanoeflor zum Gegenstände haben, so können wir deutlich zwei Kreise unterscheiden, nach denen die verschiedenen For- men der Sage sich trennen.
Der eine Kreis wird durch die französische verrion ariatocratique repräsentirt, von welcher noch drei Mss. (A, B, C) existiren, während andere, zuweilen von A, B, C abweichende Handschriften verloren gegangen sind. Eine solche nicht mehr vorhan- dene Reduction (D) ist von Konrad Fleck benutzt worden, eine zweite (E) hat dem Verfasser des niederländischen Gedichtes, Diederic van Assenede, Vorgelegen, aus einer dritten ("FJ ‘endlich ist die englische Darstellung hervorgegangen. Die Erzählung Kon- rad Fleck’s hat sodann wieder dem deutschen Volksbuche von Flore und Blanceflor zum Muster gedient, und aus dem Diederic’schcn Gedichte hat der Verfasser des niederlän- dischen Volksromans geschöpft
laquale vuol vedere s’& pulcella o nö, e menala sotto questo arbore, e quivi per picciolo spatio dimorando, se qnetfa b pmlceUa le cade un fiore sopra la testa, e l’aoqua b pin chiaro, e piu bellt esce dal sao lao- go; ma se questa forse congiungimento -d’huomo ba conosciuto, l’acqua si turba e lo fiore nen cade. Aehnlich heisst es in der spanischen Novelle*. En medio de aqnel vergel esta un arbol que de invierno y de verano siempfre esta fiorido, y al pie del arbol esta nna fnente de agua muy clara, y tiene tal virtnd qoe si la muger no es virgen, alli se parece: ca el almiral haae que cada rnanana las donzellas que en la torre estan, cojan una flor, y que la ecben en la fuente, y de aquella que es virgen sale el agua clara, y sino lo es, sale muy turbida.
*) Im ersten Buch des Filocopo ist sie „Cameriera e compagna di Giulia44 , welche letztere ster- bend zu ihr sagt: Io ti raccomando la cara figliola, e per quello amore, che tra te e me b Btato, ti prego che in luogo di me le sia tu sempre madre.
•) S. 21, Anm. 2.
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Als Repräsentantin des zweiten Kreises mag die französische version poptdaire gelten, von welcher wir nur noch ein Ms. (G) kennen, während eine andere, demselben Kreise angehörige Darstellung (H) die Grundlage jener altnordischen Version gewesen sein muss, die wir als Quelle des isländischen Romans, sowie des schwedischen (und dänischen) Gedichtes angenommen haben. — Nicht von einem französischen Originale abhängig, aber mit der version poptdaire verwandt sind der Filocopo des Boccaccio, das Gedicht des italiänischen Jongleurs und wahrscheinlich auch das Ludovico Dolce's, ferner die spanische und neugriechische Version. Aus dem Filocopo ist der deutsche Prosa- Roman, und aus diesem wieder das Lustspiel von Hans Sachs, sowie die böhmische Erzählung entstanden.
Zwischen beiden Kreisen steht das niederdeutsche Gedicht, welches nach einer sowohl von der version aristocratique, als von der version poptdaire abweichenden franzö- sischen Redaction (I) bearbeitet ist
Frankreich hat, wie wir Seite 22 f. gezeigt haben , die Sage erst aus Spanien erhalten, wo schon in sehr früher Zeit mehrere, nicht übereinstimmende Darstellungen des Romans neben einander existirt haben müssen. Wenigstens drei lassen sich mit ziemlicher Gewissheit unterscheiden: die erste als Grundlage einer älteren französischen Redaction, aus welcher dann die Formen des ersten Kreises hervorgegangey sind; eine zweite als ursprüngliche Quelle der französischen version populaire, und eine dritte als das Original der neuspanischen Novelle.
Woher Boccaccio den Stoff zu seinem Filocopo genommen, lässt sich nicht ge- nau feststellen; ebenso ist es ungewiss, woher der italiänische Jongleur und der neu- griechische Dichter die Sage kannten. Von Letzterem wissen wir nur, dass er keiue griechische, sondern eine romanische Redaction benutzt hat
Ihren gemeinschaftlichen Mittelpunkt finden alle diese verschiedenen Gestaltun- gen der Geschichte von Flore und Blanceflor in einem byzantinischen Romane, der zwar verloren gegangen ist, dessen Existenz wir aber nach den gründlichen Forschungen Edölestand du Möril’s mit Sicherheit voraussetzen dürfen. Schon Sommer war es auf- gefallen (Fl. u. Bl., S. XXVII ff.), dass manche Beschreibungen und Andeutungen, die sich in unserem Romane finden, nicht recht zu dem eigentlichen Inhalte desselben pas- sen. Er meint nun, dass diese Zuthaten aus anderen Sagen entlehnt seien, und spricht nach einer Betrachtung, über die Namen „Blume“ und „Weissblume“, die er für Namen
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von Elben erklärt, die Vermuthung aus, „dass Züge von elbischen Wesen, die den westlichen Franken wie den anderen deutschen Stämmen bekannt waren, auf die Bil- dung der Sage mit eingewirkt haben.“ Dagegen hat Du Mdril überzeugend nachgewie- sen, dass eben jene Züge das charakteristische Merkmal eines griechischen Liebesromans sind, und er schliesst seine Beweisführung mit einem Rösuind (S. CLXXXII), das auch am Schlüsse dieser Abhandlung seinen Platz finden möge: „La forme indirecte du rdcit, la nature romanesque de Vhistoire, les descriptions et les prodiges dont eile est ornde, la vente de 1’HgroIne coinrae esclave, le voyage du Hdros ä sa recherche, l’origine in- contestablement grecque de quelques expressions, la reconnaissance si inattendue de la fin1), l’aveu positif d’un des traducteurs*), tout se rdunit pour indiquer une source bysantine.“
>) Bei Boccaccio sagt nämlich der Admiral: Io sono fratello a la tua madre, und auch in der griechischen Version sind Flore und der Admiral nahe Verwandte (V. 1636).
*) Im Filocopo heisst es: H reverendo Ilario con ordinato Stile, come colui che era bene in- formato, in greca lingua scrisse i casi del giovane Be (Florio), lo quäle con la sna regina Biancofiore ne suoi regni rimase piacendo a Dio. Damit vgl. V. 63 f. der Version aristocratique: Mais un bons clers li auoit dit Qui l’auoit mis en son nscrit. Auch der Verfasser des griechischen Romans „Theagenes und Chariklea" scheint ein christlicher Geistlicher gewesen zu sein.
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über
bie j&it um (Dstern 186$ bis dMem 1869.
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a. Allgemeine Uebersieht des Lehrplans:
|
Klassen |
und wöchentliche |
Stunden. |
Summe |
|||||
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Unterrichltsgegenstände: |
der |
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I. |
II. |
lila. |
111b. |
W. |
T. |
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Stunden. |
|
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1. 'Religionslehre: a) evangel. |
2 |
2 |
HO |
2 |
m |
3’ ‘ |
11 |
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b) kathol. . |
2 |
2 |
2 |
2 |
2 |
3 |
3 |
7 |
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■2. .Deutsch. |
3 |
2 |
2 |
2 |
2 |
3 : |
3 ; |
17 |
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3. Latein |
8 |
10 |
10 |
10 |
10 |
9 |
9 |
66 |
|
4. Griechisch. . . |
6 |
6 |
6 |
6 |
6 |
— , |
— |
30 |
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5. Hebräisch • . . . . |
(2) |
(2) |
— |
— |
— |
— |
4 |
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6. Französisch. ......... |
2 |
2 |
2 |
2 |
2 |
3 |
— |
13 |
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7. Polnisch |
(2) |
(2) |
"(2) |
(2) |
(2) |
(2) |
(2) |
12 |
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8. : Geschichte und Geographie |
3 |
3 |
3 |
.3 |
2 : |
3 |
20 |
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9. Mathematik und Rechnen |
4 |
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3 |
3 |
3 |
3 |
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24 |
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10. Physik . . |
2 |
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■ |
— |
— 1 |
3 |
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11. Naturkunde |
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12. 'Zeichnen |
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13. : Schreiben. |
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14. Singen |
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b. Lehrer -Collegium nnd Vertheilnng des Unterrichts
im Wintersemester 1868J69.
|
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Gla'disch, Direftor u. $rofeffor. |
3 Deutfeh 3 ©efch. |
3 ©efch. |
3 ©efch. |
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14 |
||||
|
Schönborn, ©rncctor u. $rofeftor, 1. Oberlehrer |
UIb. |
4 Watf). 2 WQfit |
4 Watf|. 1 V09P! |
3 mtf). |
3 Wntt). 2 Doiti |
3 ÜÄatt). |
22 |
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|
Nieländer, 2 Oberlehrer. |
I |
8 fiatein |
6 ©riech. |
6 ©riech. |
4 ©riech* |
24 |
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|
Eggeling, 8. Oberlehrer. |
lila. |
2 Deutfeh 2 Sirgil |
10 Bot. 2 ©tutf* |
3 ©efch. |
3 ©efch. |
22 |
|||
|
Bleich, 1. Orb. Sehrer. |
2 Ktt. |
2 tttt. 2 ®tutf$ |
2 Deutfeh |
2 9ttt. |
3 Deutfeh 9 fiat. 2 tftt. - |
24 |
|||
|
Dr. Radtke, 2. Orb. gehret. (Qibliothefar). |
n i |
6 ©riech. |
8 fiatein |
6 ©riech. |
6 fiat. |
26 |
|||
|
Schwalbach, 8. Orb. gehrer. |
IV |
2 fronj. 2 §tbr. |
2 fftanj. |
2 fttanj. |
2 gtonj. |
10 fiat. 2 gronj. |
3 gtanj. |
25 |
|
|
Jankowski, 4. Orb. gehrcr. |
y |
2 $oln. |
2 $oln. 2 «tbt. |
TSel |
2 ©afar igion |
2 Stetig. |
9 fiat. |
3 ©eog. |
24 |
|
vacat, 5. Orb. gehrcr. |
|||||||||
|
Goehling» 8. Orb. gehrer. |
VI |
3 {R« 3 Deutfeh 3 {Rechnen 3 Schreib. 2 ©CO#. 2 Si |
ligion 4 {Rechnen 8 Schreib. |
27 |
|||||
|
” 2 Singen | |
| 2 Singen j |
Ingen |
|||||||
|
$reb. Füllkrug, eoAng. 8teL«gehrer. |
2 Religion ? |
2 fflelig. |
4 i L |
||||||
|
Cicar Lic. Wojciechowski Tafth* KeL-gehrer. |
2 Steligipn |
2 Religion |
3 {Religion |
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|||||
|
Pfau, $ftlf§t. f. b. $ola. |
2 *olmf$ | |
2 $olnifch |
2 $o!nifch |
2 $olnifch |
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|
Schlange, BcUhenlehvcr. |
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2 3eichn. |
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8 |
|||||
|
2 dei^nen |
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c. SpecieUe Leber sicht des Lehrplans.
Prima. Ordinarius: Oberlehrer Niel&nder.
1. Religionslehre. a) evangel. 2 St. w. Lectüre des ersten Briefes an die Co- rinther im Urtexte; Glaubens- und Sittenlehre; Wiederholung des Katechismus und der früher gelernten Bibelsprüche und Kirchenlieder. Füllkrug.
b) kathol. verb. mit Secunda. 2 St w. Lectüre des Evangeliums des heiligen Johannis; die Lehre von der Kirche und den heiligen Sakramenten. S. Sprenger, Glaubens- und Sittenlehre bis zu Ende. W. Lic. Wojciechowski.
2. Deutsch. 3 St. w. Uebersicht der Literaturgeschichte von den ältesten Zeiten bis auf Klopstock, mit Lectüre einzelner Stücke der bedeutendsten Schriftsteller, nach Pischon’s Leitfaden und Denkmälern. Daneben philosophische Propädeutik. Uebungen im freien Vortrage über Historisches. Monatlich ein Aufsatz. Die Themata waren fol- gende: 1. Kenntnisse sind der beste Reichthum. 2. Aurora musis amica, oder Morgen- stunde hat Gold im Munde, als Chrie in der Klasse bearbeitet 3. Metrischer Versuch nach freier Wahl des Stoffes. 4. a) Die zwei Glanzperioden der deutschen Litteratur; b) Nachweisung des Stufenganges in der Entwickelung der drei Naturreiche. 5. a) Epa- minondas, eine Charakterschilderung; b) Die Einbildungskraft, ein Abschnitt der philos. Propädeutik. 6. Rechtfertigung meiner Berufswahl. 7. Klassenarbeit: Die Folgen der Erfindung der Buchdruckerkunst. 8. Metrischer Versuch: Abschied vom alten Jahr und Begrüssung des neuen. 9. Welchen Nutzen gewährt uns die Erlernung der lateinischen Sprache? 10. Das Thema der Abiturienten. Gl ad i sch.
3. Latein. 8 St w. Cic. de officiis I. in Verrem II , 4. Privatim Liv. HI. IV. Tacit Agric. — Hör. Carm. IV. I. Epod. 1, 2. Sat. I. 6, verbunden mit Memorirübun- gen. — Wöchentlich ein Extemporale oder ein Exercitium, bisweilen eine metrische Uebung. Monatlich Aufsätze über folgende Themata: 1. a) De Gennanico Romanorum adversus Germanos duce. b) Telemachi imago adumbretur. 2. a) De M. Attilio Regulo ad sup- plicium proficiscente. b) Proponantur aliquot virtutum Romanarum exempla e bellis Sam- nitium vel Latinorum vel e Tarentino bello repetita. 3. a) Trjs d'dqstrg Idqüia iteoi nqonu- qoi&ev {ihjxav ’Aitdvatoi. b) Pausanias magnam gloriam belli turpi morte macuhivit. 4. Ma- gnas saepe res non ita magnis copiis gestas esse demonstretur. (Klassenarbeit.) 5. a) Vi- tam Pompeii Magni magnum esse documentum instabilis fortunae summaque et ima mi- scentis atque illustre exemplum, quo comprobetur illud Horatii: Valet Ima summis mutare et msignem attenuat deus. b) De Phaeacum vita. 6. a) De Maecenatis et Horatii fami- liaritate commentatio. b) Miltiadis in campo Marathonio coram Gallimacho praetore oratio, 7. a) Varia sapientiae praecepta ex Horatii carminibus collecta disponantur. b) Cur Horatius Pelopts saevam appellat domum? 8. Thebanorum gloriam et natam et exstinctam esse cum Epaminonda. (Klassenarbeit) 9. a) Graecos artium ' literarumque
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studiis maiorem gloriam consecutos esse, quam Romanos bellis. b) Conipareutur inter se Hannibal et Pyrrhus. 10. Levitatis Atheniensium crudelitatisque in amplissimos cives exempla. (Abituriententhema.) Nieländer.
4. Griechisch. C St. w. Lectüre 4 Std. Hora. II. XIII — XXII Soph. Aj. Thu- cyd. I, 1 — 23. (Einleitung) H, 34 — 46 (Leichenrede) II, 47 — 54 (Pest) H, 1 — 6, 71 — 78, IH, 20 — 24, 52 — 68 ( Plataeae). Privatim: Xen. Memor. H Arr. Anab. I, c. 1 — 8. Luc. Somn. s. vita Luciani. Gail. Tim. Grammatik 2 St. Tempus- und Moduslehre, daneben Repetition der Gasuslehre. Wöchentliche Extemporalien im Anschluss an die Repetition des Vocabular von Kttbler. Radtke.
5. Hebräisch. 2 St w. Wiederholung und Erweiterung der Formenlehre; die Haupt- regeln der Syntax; alle vierzehn Tage eine schriftliche Uebung. Lectüre: 1 Sam. 1—18; aus- gewählte Psalmen (Psalm 90 und 137 wurden memorirt); Jerem. 1 — 2. Schwalbacli.
6. Französisch. 2 St. w. 1 St Grammatik: Wiederholung und Erweiterung der hauptsächlichsten syntaktischen Regeln nach der Schulgram matik von Knebel; alle vier- zehn Tage ein Extemporale, zuweilen ein Exercitium. — 1 St Lectüre: Choix de Nou- velles du XIXe siücle (Coli. Goebelj i. S.; L’Avare par Molare i. W. Schwalbach.
7. Polnisch. 2 St. w. Die Syntax und Wiederholung der Formenlehre nach Po- plinski’s Gramm. Alle zwei Wochen ein Extemporale. Gelesen wurde Marja von Malczewski und die Wypisy polskie I. Jankowski.
8. Geschichte. 3 St. w. Nach Wiederholung des Pensums der Secunda, Geschichte des Mittelalters und der neueren Zeit bis zum dreissigjÄhrigen Kriege. Daneben Repe- tition der Geographie. Gladisch.
9. Mathematik. 4 St. w. Arithmetische, Geometrische Reihen, Zinses-Zins-Rech- nung; Stereometrie. Monatlich zwei schriftliche Arbeiten. Schönborn.
10. Physik. 2 St. w. Statik und Mechanik. Schönborn.
Secuda. Ordinarius: Gymn.- Lehrer Dr. Radtke.
1. Religionslehre, a) evang. 2 St. w. Lectüre des Evangeliums Lucae im Ur- texte; die Geschichte des alten Bundes nnd kurze Mittheilungen über die Abfassung dar altlestamentlichen Bücher; Wiederholung des Katechismus und der früher gelernten Bi- belsprüche und Kirchenlieder. Füllkrug.
b) kathol. verb. mit Prima.
2. Deutsch. 2 St. w. Nach einleitenden Bemerkungen über Versbau, Reime u. s. w. wurde speciell das Wesen der lyrischen und didaktischen Dichtung besprochen. Uebungen im freien Vortrage und im Recitiren memorirter Gedichte nach eigener Aus- wahl. Besprechung und Correctur der schriftlichen Arbeiten. Die Themata waren fol- gende: 1. Die Boten des Frühlings. 2. Solamen miseris socios habuisse malorum. 3. Wel-
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eben Einfluss hat die Entdeckung Amerikas gehabt? 4. Ueber die Gomposition von Uhlands „König Karls Meerfahrt“. 5. Wann gilt es zu schweigen? 6. Gespräch zwi- schen Cäsar und Ariovist. 7. Noth weckt Kraft 8. Phaethon und Ikarus. 9. a) Welche Rolle spielt Johannes Parrieida in Schillers Wilhelm Teil? b) Erklärung der gebräuch- lichsten Tropen, welche der hellenischen Mythe entnommen sind. 10. Das Eleusische Fest Eggeling.
3. Latein. 10 St w. Grammatik 4 St Repetition und Erweiterung der Lehre vomGenet., Ablat und von den Präpos. Aus der Moduslehre wurden die Uebersetzungs- weisen der Conjunction „dass“, die consec. temp., Gerund. und Sup., orat obl., die Fra- gesätze, die Conditionalsätze ausführlich besprochen. Wortstellung, Periodenbau, synt orn., Stilistisches im Anschluss an die Lectüre und bei Durchnahme der schriftlichen Arbeiten. Aus der Formenlehre wurden die Verb. anom. repetirt, die Wortbildungslehre neu durchgenommen. Wöchentliche Extemporalien. Ausserdem alle 14 Tage ein Exer- citium oder eine metrische Uebung. (Hexameter und Distichen.) Freie Aufsätze: 1. De Clearchi Lacedaemouii vita et moribus. 2. Quälern Ovidius describat Faiuam, qualem Vergilius. 3. Ex omnibus saeculis vix tria aut quattuor nominantur paria amicorum. (Cic. Lael. IV, 15.) 4. Ea fato quodara data Romanis sors est, ut magnis Omnibus bel- lis victi vicerint. (Liv. 26, 41.) 5. Quid ex Polycratis Samii exemplo discamus. Lectüre 6 St: Prosaiker 4 St. Gic. pro Archia, de amicit. Liv. 26, 41 — 51. 27. 28, 1—5. Pri- vatim: Gaes. de bell. civ. I. Cic. de senect Ausserdem mit einzelnen befähigteren Schü- lern besonders: Gic. epist sei. Radtke. Dichter 2 St Verg. Aen. lib. IV. V, 1 — 603 IX, 176—524, im Sommer Berger, im Winter Eggeling.
4. Griechisch. 6 St w. Lectüre 4 St Hom. Od. VH — IX, 402. XIH. XIV. XVI XVIH, privatim VI. XIL XV., verbunden mit Memorirttbungen. Xenoph. Hellenic. L n. m. 1. Grammatik 2 St nach Krüger $ 50. 51. 54—56. Repetition der Casuslehre und einzelner Abschnitte aus der Formenlehre, namentlich $ 40. Wöchentlich ein Extempo- rale oder ein Exercitium. Nieländer.
' 5. Hebräisch. 2 St w. Lautlehre. Leseübungen. Conjugation, einschliesslich der
verba quiescentia. Die Declination. Erlernung von Vocabeln. Alle 2 Wochen ein Exer- citium. Gelesen wurde Gen. 37 — 43. Jankowski.
6. Französisch. 2 St. w. 1 St. Grammatik. Die Lehre von der Wortstellung, vom Gebrauch der Zeiten und Moden, die Syntax des Artikels, Adjectivs und Adverbs nach der Schulgrammatik von Ploetz; wöchentlich ein Exercitium zur Repetition früherer Curse, alle vierzehn Tage ein Extemporale. — 1 St Lectüre: Thiers, Bonaparte en Egypte et en Syrie (Coli. Göbel). Schwalbach.
7. Polnisch. 2 St w. Die Formenlehre nach Poplinski’s Gramm. Alle 2 Wochen ein Extemporale. Gelesen wurden die Wypisy polskie I. Die polnischen Schüler fertig- ten alle 4 Wochen einen Aufsatz an. Jankowski.
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8. Geschichte . 3 St w. Nach Wiederholung des vorjährigen Pensums, Geschichte der Römer. Daneben Repetition der Geographie. Gladisch.
9. Mathematik. 4 St w. Aehnlichkeit der Figuren, Ausmessung des Kreises; ebene Trigonometrie. Lehre der Potenzen, Wurzeln, Logarithmen; Gebrauch der log. trig. Tafeln. Gleichungen der beiden ersten Grade. Monatlich zwei schriftliche Arbeiten.
Schönborn.
10. Physik. 1 St w. Einleitung in die Physik; Wärme-Lehre. Schönborn.
•ber-Tertia. Ordinarius: Oberlehrer Eggeling.
1. Reliyionslehrs. a) evangel. 2 St w., verb. -mit Unter-Tertia. Gelesen wur- den Abschnitte aus Hiob, ein Theil der Psalmen, die Apostelgeschichte, das Wichtigste aus den Briefen der Apostel. Erweiterung der Bibelkunde. Leben und Wirken der Apo- stel. Pauli Missionsreisen. Wiederholung der Geographie von Palästina und des Kir- chenjahres. Die Reformation. Das Wichtigste über das evangelische Kirchenlied. ErJ klärung des 1., 3., 4., 5. Hauptstücks. 4 Lieder und einzelne Psalmen wurden auswen- dig gelernt, die früher gelernten wiederholt Beständige Wiederholung des kleinen K&- tech. Luthers. Jankowski.
b) kath. 2 St. w., verb. mit Unter -Tertia und Quarta. In der Glaubenslehre: die Lehre von Gott und seinen Eigenschaften. Christi Leben und Wirken. Das Kirchen- jahr. S. Sprenger. — Die Lehre von den Sakramenten. Wiederholung der Lehre von den Eigenschaften Gottes und des ganzen Katechismus. W. Lic. Wojciechowski.
2. Deutsch. 2 St w. Sachliche und sprachliche Erklärung von, prosaischen Le- sestücken und Gedichten aus dem deutschen Lesebuche von Colshorn und Gödeke, TL QL Uebungen im Interpungiren und im Satzbau. Alle vier Wochen eine schriftliche Arbeit Eggeling.
3. Latein. 10 St. w. Repetition und Ergänzung der Lehre von den Temporibus und Modis (namentlich wurden die Regeln über die oratio obliqua eingeübt), über den Gebrauch des Conjunctivs in Relativsätzen, indirecten Fragen, Concessiv- und Conditio- nalsätzen, über die Bildung von Participialconstructionen , den Gebrauch des Gerundi- ums und Supinoms. Wöchentliche Extemporalien oder Exercitien. Gelesen wurde: Cae- sar d. b. Gail. L VL und VIL Ovidii Metaro. mit Auswahl (die Schöpfung, die vier Zeit- alter, Actaeon, Niobe, Verwandlung lycischer Bauern, Iason, Philemon und Bands, Midas.)
Eggeling.
4. Griechisch. 6 St. w. Gramm. 3 St Repetition der früheren Pensa. Die Ta- bellen der unregelmässigen Verba, Krüger g$ 39 und 40. Die Constructionen der gelern- ten Verben, des Acc. c. Inf., Nom. c. Inf., Partie. Das Wichtigste über die bypoth. Sätze und die Präpos. Wöchentliche Extemporalien mit Benutzung der aus Kühlers Vokab.
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aufgegebenen Vocabeln. Lectüre 3 St.: Xenoph. Anab. IV und V. Seit Weihnachten Ho m. Odyss. 9, 39 — 413; memorirt V. 39 — 94. Privatim: Luc. Char. Dr. Radtke.
5. Französisch. 2 St. w. 1 St Gramm.: Ploetz, ILCurS., Lect 24 — 38, dane- ben Wiederholung der unregelmässigen Zeitwörter; Vocabellernen; wöchentlich ein Ex- temporale oder Exercitium. — 1 St Lectüre: einige Stücke aus Knebel’s Lesebuch i. S.; Charles XH, L; III. i. W. Schwalbach.
6. Polnisch. 2 St w. verb. mit Unter-Tertia. Wiederholung der Formenlehre mit besonderer Rücksicht auf die Lehre vom Verbo nach Poplinski’s Grammatik. Lectüre: Poplinski’s Wypisy Thl. I. Monatlich 2 schriftliche Arbeiten. Pfau.
7. Geschichte. 3 St. w. Die Hauptbegebenheiten der 'neueren Zeit, insbesondere die Preussisch-Brandenburgische Geschichte. Daneben Geographie Deutschlands, insbe- sondere Preussens,.mit Repetition der Geographie Europa’s und der übrigen Erdtheile.
Gladiscli.
8. Mathematik. 3 St w. Gleichheit der Figuren, Lehre vom Kreise. Repetition des Pensums von IIIb, Anwendungen auf die Loesung geometr. Aufgaben, besonders durch geometr. Oerter, Buchstabenrechnung’, Uebungen im Loesen von Gleichungen des ersten Grades mit einer Unbekannten. Ausziehen der Quadrat-Wurzel. Schoenborn.
9. Naturkunde. 2 St. w. Uebersicht über die drei Reiche der Natur. Genauere Betrachtung der wichtigsten Naturkörper. Uebung im Bestimmen der Pflanzen. Bau des menschlichen Körpers. Bleich.
Vater-Tertia. Ordinarius: im Sommer-S. Dr. Berger, im Winter- S. Prof. Schoenborn.
1. Religionshhre. S. Ober-Tertia.
2. Deutsch, 2 St w. Lectüre aus Colshorn, Th. U. Mündliches Wiedererzäh- len und Recitiren. Declamations- Uebungen. Die Lehre vom Satz. Alle drei Wochen eiu Aufsatz. Im Sommer: Dr. Berger, im Winter: Bleich.
3. Latein. 10 St w. Wiederholung der Verb. anom. und der Casuslehre. Das Wichtigste aus der Moduslehre, namentlich! Cousec. temp., Ind., Conj., Imper., Inf. Wöchent- liche Extemporalien, welche memorirt wurden; mündliche Uebersetzungsübungen mit Be- nutzung von F. Schultz, Aufgabensammlung. Iiü Sommer: Dr. Berger, im Winter: Dr. Radtke. — Ovid. 2 St seit Mitte Nov. Metam. H, 1 — 366. HI, 1—252. Schoen- born. — Caesar 2 St seit Mitte Nov. de bell, galt IV, 16 — 38. V, 1 — 7. Jankowski.
4. Griechisch. 6 St. w. Wiederholung des Pensums von Quarta. Verba con- tracta, liquida, auf ju«, Tab. IX der unregelmässigen. Vocabellernen nach Eübler. Wö- chentlich ein Extemporale, zuweilen ein Exercitium. 4 St — Xenoph. Anab. I, 5 — 9. U, 1. 2 St Nieländer.
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5. Französisch. 2 St w. Schulgrammatik von Ploetz, Lect 1 — 23; Lectüre aus Knebel’s Lesebuch; Vocabellernen; alle vierzehn Tage ein Extemporale. I. S. Dr. Radtke,
i. W. Schwalbach.
6. Polnisch. S. Ober-Tertia.
7. Geschichte. 3 St. w. Die wichtigsten Begebenheiten aus der Geschichte des Mittelalters, vornehmlich der deutschen. Geographie von Deutschland. Eggeling.
8. Mathematik. 3 St w. Lehre von den Parallelen, Congruenz der Dreiecke, Gleichheit der Figuren, Ausmessen derselben. Anfangsgründe der Buchstabenrechnung.
- Schoenborn.
9. Naturkunde. 2 St. w. Betrachtung von Naturkörpern aller drei Reiche. Im Sommer Beschreibung einheimischer Pflanzen und Einübung des Linnö’schen Systems.
Bleich.
Quarta. Ordinarius: Gymnas.-L. Schwalbach.
1. Reliffionslehre. a) evangel. 2 St. w. Die wichtigsten historischen Abschnitte aus dem A. T. mit Berücksichtigung der Geschichte des Volkes Israel. Das Bedeutendste aus den Apokryphen. Einiges aus Matth., Luc. und der Apostelgesch. Bibelkunde. Das Kir- chenjahr. Geographie Palästina’s. Die gottesdienstliche Ordnung. Erklärung des 1., 2., und 3. Hauptstücks mit Sprüchen. Auswendig gelernt wurden '6 Lieder und das 4. und 5. Hauptstück des kleinen Katcch. Luthers, wiederholt die früher gelernten Lieder und die drei ersten Hauptstücke. Jankowski.
b) kath. S. Ober-Tertia.
2. Deutsch. 2 St w. Lectüre aus Colshorn. Th. II. Mündliches Wiedererzäh- len u. Recitiren. Die grammatischen und orthographischen Belehrungen wurden zum Theil an die Lectüre, zum Theil an die Besprechung der dreiwöchentlich gelieferten Aufsätze geknüpft Bleich.
3. Latein. 10 St. w. Repetition des Cursus der Quinta; die Casuslehre nach der kleinen Schulgrammatik von F. Schultz; Uebersetzen aus der Aufgabensammlung von F. Schultz, wöchentlich ein Extemporale : 6 St. — Gelesen wurde aus dem Cornelius Ne- pos: Epaminondas, Pelopidas, Agesilaus, Eumenes, Phocion, Timoleon, De Regibus, Hamilcar, Hannibal: 4 St. Schwalbach.
4. Griechisch. 6 St. w. Formenlehre bis zu den verbis mutis incl. nach Krüger. Vocabellernen nach Kübler. Wöchentlich ein Extemporale. 4 St Im Sommer Dr. Berger, im Winter Nieländer. — Lectüre nach Gottschick’s Lesebuch, 2 St Im Sommer: Dr. Berger, im Winter: Gladisch.
5. Französisch. 2 St w. Elementarbuch von Ploetz, Lect 60 — 91; alle vierzehn Tage ein Extemporale. Schwalbach.
6. Polnisch. 2 St w. Fortsetzung der Formenlehre nach dem Elementarbuche
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von Poplinski, 8- 66—100. Aus Wypisy Thl. I wurden leichte Stücke übersetzt. Mo- natlich 2 schriftliche Arbeiten. Pfau.
7. Geschichte und Geographie. 3 St w. Die wichtigsten Begebenheiten der Ge- schichte des Alterthums bis auf Augustus. Geographie von Europa. Eggeling.
8. Mathematik. 3 St w. Decimalbrüche, bürgerliche Rechnungsarten; Anfangs- gründe der ebenen Geometrie bis zur Congruenz der Dreiecke. Schoenborn.
9. Zeichnen. 2 St w. Weitere Entwickelung der Perspective. Zeichnen nach Holzkörpern, nach Gypsen: Ornamente, Blattformen, Theile des menschlichen Körpers. Zeichnen von landschaftlichen Darstellungen, Blumen, Thieren etc. Schlange.
tainta. Ordinarius: Gymnas.-L. Jankowski.
1. Beligionslehre. a) evangel. 3 St. w. verb. mit Sexta. Biblische Geschichte des neuen Testaments. Auswendiglernen der ersten drei Hauptstücke des lutherischen Kate- chismus und mehrerer Kirchenlieder. Göhling.
b) kathol. 3 St w. verb. mit Sexta. Im Sommer: Biblische Geschichte von Erschaffung der Welt bis zu den Königen. Sprenger. — Im Winter: Von den Königen bis zur Theilung des jüdischen Reiches. Der ganze Katechismus und dessen Erklärung. Lic. Wojciechowski.
2. Deutsch. 3 St w. Aus dem Lesebuche von Colshom, Th. I, wurden die schwierigeren Stücke gelesen und geeignete Gedichte vorgetragen. Einübung der Satz- lehre und fortgesetzte Uebungen in der Orthographie und Interpunction. Vierzehntägig ein Dictat und ein Aufsatz. Göhling.
3. Latein. 9 St. w. Wiederholung der regelmässigen, Einübung der anomalen Formenlehre. Uebersetzt wurde aus dem L Cursus von Ellendt’s Lesebuch der 5. Ab- schnitt, aus dem IL Cursus der 1. und 2. Abschnitt und aus dem 3. die Fabeln. Die einfachsten syntaktischen Regeln, acc. c. inf., abl. abs. Metnoriren von Mustersätzen und der mit 1 und 2 bezeiclineten Vocabeln aus Wiggerts Vocabularium; Wiederholung der früher gelernten Vocabeln. Wöchentliche Extemporalien. Jankowski.
4. Französisch. 3 St w. Elementarbuch von Ploetz, Lect 1 — 59; alle vierzehn Tage ein Extemporale. Schwalbach.
5. Polnisch. 2 St. w. Die 3 Declinationen nach dem Elcmentarbuche von Po- plinski 8 37—65. Monatlich 2 schriftliche Arbeiten. Pfau.
ff. Geographie. 2 St w. Die aussereuropäischen Erdtheile nach Voigt’s Leit- faden. Im Sommer: Dr. Berger, im Winter: Dr. Göhling.
7. Rechnen. 3 St w. Wiederholung des Bruchrechnens. Die bürgerlichen Rech- nungsarten. Göhling.
8. Naturkunde. 2 St w. Beschreibung einzelner Gattungen von Naturkörpem aus allen drei Reichen der Natur. Bleich.
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9. Zeichnen. 2 St w. Die ersten Elemente der Perspective. Freihandzeichnen nach Vorlegeblättern. Leichtere Darstellungen von Landschaften, Thieren, Blumen, Ge- sichtstheilen. Schlange.
10. Schreiben, 2 St w. Nach Vorlegeblättern. Göhling.
Sexta. Ordinarius: Gymnas.-L. Göhling.
1. Religionslehre. S. Quinta.
2. Deutsch. 2 St. w. Lesebuch von Colshorn, Th. L Mündliches Wiedererzäh-
len und Recitiren. Der einfache Satz. Wöchentlich abwechselnd ein orthographisches Dictat oder ein kleiner Aufsatz (eine Nacherzählung oder die Beschreibung eines Na- turkörpers). Bleich. ,
3. Latein. 9 St. w. Formenlehre. Gelesen und übersetzt wurden aus Ellendt’s lat. Lesebuche Th. I, §8 1 — 56. Memorirt wurden die darin vorkommenden Vocabeln, sowie die mit Hand und Stern bezeichneten Vocabeln aus Wiggert’s Vocabularium. Wö- chentlich ein Extemporale. Bleich.
4. Polnisch. 2 St w. Im Sommersemester: Uebungen iin Lesen und in der Or- thographie. Im Wintersemester: Elementarbuch von Poplinski bis 8 40. Monatlich zwei schriftliche Arbeiten. Pfau.
5. Geographie. 3 St w. Die Grundbegriffe der physischen und mathematischen Geographie. Hydrö- und orographische Uebersicht der Erdoberfläche. Orientirung auf dem Globus und auf Landkarten. Jankowski.
6. Rechnen. 4 St w. Die vier Species mit ganzen Zahlen und Brüchen. Göhling.
7. Naturkunde. 2 St w. Beschreibung einzelner Thiere, Pflanzen uud Minera- lien. Bleich.
8. Zeichnen. 2 St w. Die Elemente- der Formenlehre: Linien in verschiedenen Richtungen, Maassen und Verbindungen. Anfänge zum Schattiren. Schlange.
9. Schreiben. 3 St. w. Meist nach Vorschriften an der Tafel. Gühliug.
•
Singen.
I. Abhteilung: 2 St w. Vierstimmiger Männerchor, n. Abtheilung: 2 St w. Uebung im dreistimmigen Gesänge.
IU. Abtheilung: 2 St w. Einübung ein- und zweistimmiger Lieder. Göhling.
Turne n.
Während des Sommer-Semesters wöchentlich zweimal je zwei Stunden, unter der Leitung des Dr. Berger.
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Keichmen für die drei öberen Eilassen. '
2 St. w. FreihäHdzeichen nach Vörlegeblättem: Arabesken, Threre, Köpfe und ganze Figuren, auch ausgeftthrte Landschaften. Anwendung der Estompe und zweier Kreiden. Schlange.
d) Verzeichntes der eingefuhrtea Lehrbücher.
1. Für den Religionsunterricht: a) den evang. Preuss, Bibi. Geschichten in VI — V, Luther’s kleiner Katechismus in VI — DI, die heil. Schriften des A. und N. T. in IV — ID, Hollenberg's Hülfsbuch und Novum testamentum graece in II u. I, Anders und Stolzenburg’s Geistliche Lieder in allen Klassen zum Gebrauch bei den täglichen Mor- genandachten und zum Auswendiglernen der schönsten Kirchenlieder,
b) den katkol.: (für die Polen) Katechizm Rzymsko-katolicki przez X. A. R. in VT — V, Dzieje Staregö i Nowego Testaiuentu von demselben in VI — V, Ontrup’s Pocz$- tki religii chrzescianskiöj ; (für die Deutschen) Ontrup’s Katechismus und Kabath's Bibi. Geschichte in VI — HI, ’Martjn’s Lehrbuch der kathol. Religion in II— L
2. Für den deutschen Unterricht: Colshorn und Goedeke’s Deutsches Lesebuch 1. Theil in VI u. V, 2. Th. in IV u. IIP». , 3. Th. in III»- Pischon's Leitfaden zur Ge- schichte der deutschen Literatur in I.
3. Für den lateinischen: Frd. Schultz Lat Grammatik, die kleinere in VI, V, IV, IU, die grössere in U u. I. Ellendt’s lat Leseb. in VI u. V, Ferd. Schultz, . Aufga- ben zur Einübung der Syntax in IV u. IU, Wiggert’s lat Vocabularium in VI, V u. IV, Seyffeil’s Palaestra musarum in U.
4. Für dm griechischen: Brüger’s Griechische Grammatik in IV, IJI, n und I, Gottschick’s Griechisches Lesebuch in IV, Kübler's Griechisches Vocabularium in IV u. IU.
5. Für dm hebräischen: Nägelsbach’s Hebräische Grammatik in H und I und Biblia Hebraica in U und I.
6. Für den französischen: Ploetz Lehrbuch der französischen Sprache, 1. Cursus in V und IV, 2. Cursus in HI und H, Knebel’s französische Schulgrammatik in I, des- sen französisches Lesebuch in UB>. Charles XH in HI»-
7. Für den polnischen: Poplinski’s polnisches Elementarbuch in VI und V, Po- plinski’s Grammatik in IV, HI, H und I; dessen Wypisy polskic Th. 1. in IV und HI, Th. 2. in H;
8. Für die Geographie und Geschichte:. Voigt’s Leitfaden beim geograph. Unter- rieht in allen Klassen, Dielitz Grundriss der 'Weltgeschichte IV, HI, II und L
9. Für die Mathematik: Kambly’s Planimetrie iu IV und IIP, dessen Trigono- metrie in Ii, dessen Stereometrie in I, die togarithmisch- trigonometrischen Tafeln von Vega, Koehler oder Bremiker in H und I.
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10. Fitr die Physik: Trappe’s Leitfaden für den Unterricht in der Physik in II u. I.
11. Für die Naturkunde : Leunis Schulnaturgeschichte in m.
e. Ferien -Ordnung.
1. Die grossen Ferien dauern 4 Wochen, in der Regel von den ersten Tageu des Monats Juli bis in die ersten Tage des Monats August
2. Die Weihnaclitsferien umfassen 11 bis 13 Tage, und wird der Unterricht, wenn
der erste Weihnachtsfeiertag auf einen
Sonntag fällt, am Donnerstag den 22. December geschlossen, und beginnt Montag „ Donnerstag den 21. „ „ „ „
Dienstag „ Freitag den 21. „ „ „ „
Mittwoch „ Freitag den 20. „ „ „ „
Donnerstag „ Montag den 22. „ „ „ n
Freitag „ Dienstag den 22. „ „ „ „
Sonnabend „ Mittwoch den 22. „ „ „ „
am Mittwoch den 4. Januar.
„ Mittwoch den 8. „
„ Donnerstag d. 3. „
„ Freitag den 3. „
„ Sonnabend den 3. „
„ Dienstag den 5. „
„ Dienstag den 4. „
3. Die Osterferien dauern 14 Tage; der Unterricht wird fun Mittwoch vor Ostern geschlossen und am zweiten Donnerstage nach Ostern wieder begonnen.
4. Die Pßngstjerien dauern 5 Tage, von Freitag vor dem Feste bis zum Mor- gen des Donnerstag nach dem Feste.
5. Die Michaelis ferien dauern 7 Tage; der Unterricht wird am letzten Mittwoch des Monats September geschlossen und am 1. Donnerstage des Monats October wieder eröffnet
Ausserdem lallt der Unterricht aus: 1. an» Buss- und Bettage, 2. am Tage der Himmelfahrt und an folgenden katholischen Feiertagen: 3. am 6. Januar, dem Feste der heiligen drei Könige, 4. am 2. Februar, Mariä Reinigung, 5. am 19. März, dem Feste des heiligen Joseph, 6. am 25. März, Mariä Verkündigung, 7. am 23. April, dem Feste des heiligen Adalbert, 8. am Frohnleichnamstage, 9. am 24. Juni, dem Feste des hei- ligen Johannes des Täufers, 10. am 29. Juni, dem Feste der Apostel Petrus und Pau- lus, 11. am 15. August, Mariä Himmelfahrt, 12. am 8. September, Mariä Geburt, 13. am 1. Noveiuber, dem Feste aller Heiligen, 14. am 8. December, dem Feste der Erapf&ng- niss Mariä.
Die Themata der Abitnrienten
zu Ostern 1869.
1. Für den deutschen Aufsatz: Warum ist die Bekanntschaft mit der Geographie zum
Veständniss der Geschichte unentbehrlich?
2. Für den lateinischen Aufsatz: Levitatis Athenieusium crudelitatisque in amplissimos ci-
ves exempla.
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3. Für die mathematische Arbeit: 1. Von einem Dreieck kennt man eine Seite a, das
l) m
Verhältnis der beiden anderen Seiten - — - und den Inhalt s*; es soll das Dreiek construirt werden. 2. In einer geometrischen Proportion ist die Summe der äusseren Glieder =a (=24), die Summe der inneren Glieder =b (-16), die Summe der Quadrate aller Glieder=c ( _ 580); die Proportion ist aufzustellen.
3. Jemand will n (21) Jahre hierdurch am Anfänge jedes Jahres eine bestimmte Summe zahlen, damit nach Verlauf der n Jahre während s (8) Jahren eine jähr- liche am Ende jedes Jahres zu zahlende Summe von k (600) Thalern vorhan- den sei. Zinsfuss p (41/*). Die Zinsen werden jährlich dem Kapital zugeschla- gen. Wie gross ist die während der 21 Jahre jährlich zu zahlende Summe?
4. Eine n seitige reguläre Pyramide, in der die Seite der Grundfläche = a, die Höhe gleich dem doppelten Radius des um die Grundfläche beschriebenen Krei- ses ist, soll in einen Kegel verwandelt werden, dessen Grundfläche denselben Radius hat; wie gross ist die Höhe des Kegels?
B. 'Verfügungen bes Jünigfidjen 'Sfiomnjiaf-
3>djuf-@offegiums.
Vom 28. April 1868. Mittheilung des Minist -Rscr. vom 17. März 1868, durch welches die in der Verlagshandlung von G. Schlanitz zu Berlin erscheinenden, in Far- bendruck ausgeführten Ansichten der heil. Lande nach Original-Aufnahme des Historien- Malers Th. Rabe, mit Erläuterungen von Prof. Tischendorf, empfohlen werden.
Vom 21. Juni 1868. Die Directoren der Gymnasien und Realschulen werden darauf aufmerksam gemacht, dass die Militair- Ersatz-Instruktion für den Norddeutschen Bund vom 26. März 1868, welche an die Stelle der Ersatz-Instruction vom 9. December 1858 getreten ist in den $$ 151 bis 155 verschiedene neue, für die höheren Lehranstal- ten wichtige Bestimmungen enthält.
Vom 22. August 1868. Die bei Bädeker in Essen erschienene Wandkarte von Deutschland in seiner Neugestaltung von E. Lender wird als ein Werk bezeichnet, wel- ches sich durch die Deutlichkeit der Zeichnung, durch die Colorirung und durch den niedrigen Preis zur Anschaffung empfiehlt
Vom 24. August 1868. Im Aufträge des Herrn Ministers wird auf die von Prof. Zacher zu Halle in Gemeinschaft mit bewährten Fachgenossen unternommene Herstellung einer germanistischen Handbibliothek, welche 1. commentirte Ausgaben altdeutscher Sprach- denkmäler und 2. Hand- und Hilfsbücher für einzelne germanische Disciplinen enthal-
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len soll, sowie auf die von ihm bierausgegefeeie Zeitschrift für deutsche Philologie, welche diesen Plan zu ergänzen bestimmt ist, aufmerksam gemacht
Vom 24. September 1868. Im Aufträge des Herrn Ministers werden die Directo- ren der höheren Lehranstalten angewiesen, das vorgeschriebene Zeugniss behufs der Meldung zum einjährigen freiwilligen Militärdienst nur dann auszustellen, wenn die Leh-' rer-Conferenz der Ansicht ist, dass die vorschriftsmässigen Bedingungen erfüllt sind, in allen anderen Fällen aber dem betheiligten Schüler, wenn er die Anstalt verlassen will, ein gewöhnliches Abgangs- Zeugniss zu ertheilen, welches über seine Qualification für den einjährigen Frejwilligendienst kein Urtheil enthält
Vom 26. September 1868. Seine Majestät der König hat eine Anzahl Exemplare der von dem Grossherzoglich Hessischen Hof- und Münz - Medailleur, Professor Schnitzspnhn in Darmstadt, zur Feier der Enthüllung des Luther- Denkmals in Worms gefertigten Gedäcbtnissmedaille anzukaufen und dem Herrn Minister zur Ueberweisung an höhere Lehranstalten behufs Vertheilung als Prämien an würdige Schüler zuzustellen geruht Es wird ein Exemplar derselben zu zweckentsprechender Verwendung übersandt.
Vom 29. Januar 1869. Mittheilung des Minist-Rescr. v. 13. Januar c., durch welches der im Verlage des photolithographischen Instituts von Kellner und Giescmann zu Berlin in vier verschiedenen Ausgaben erschienene, von G. Raaz bearbeitete Relief- Atlas empfohlen wird.
C. für (gßroniß.
Der Lehrcursus ^urde den 94. April 1868 Morgens um 9 Uhr mit der herkömm- lichen kirchlichen Feier für die evangelischen Schüler in der evangelischen Kirche, für die katholischen in der Drdfältigkeitskirche, eröffnet Die erstere, an weicherauch sämrat- lidhe Lehrer Theil nahmen , wunde von dem Herrn Prediger Füllfcrug , die letztere von dem damaligen katholischen Religionslehrer, Herrn Probst Sprenger, abgehalten.
Während des verflossenen Schuljahres sind in dem Lehrer- Collegium folgende Veränderungen eingetreten: Der zweite Prediger Herr Bäumgart, welchem der evange- lische Religionsunterricht in Secuhdä und Prima zu (Meru 1867 übertragen worden war, Vmrde zu Ostern 1868 zum Prediger in Kobylin gewählt; daher wurde dieser Unterricht vertretungsweise bis zur Wifederbesetzung der zweiten Predigerstelle Von dem ersten Prediger Herrn Füllkrug übernommen. Am 1. Juli erfolgte die definitive Anstellung des Herrn 8chwaibach als dritten ordentlichen Lehrers. Zu Michaelis wurde der katholische Reli- gionsVehrer Herr Sprenger Probst zu Kobierüo, und trat m seine Stelle Herr Lic. Woj- ciechows&i. Zu derselben Zelt folgte der fünfte Ordentliche Lehrer Herr Dr. Berger einem Rufe an die Königliche Ritter- Akademie zu Brandenburg, und wurde der Herr Gymnar
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sial-Lehrer Stallbaum aus Zerbst zu seiner Vertretung berufen. Da letzterer bereits am 18. November wegen Erkrankung seine Entlassung nachzusuchen genöthigt war, so musste von da ab das Lehrer-Collegium die weitere Vertretung übernehmen. Vom 1. April ab ist die erledigte Lehrerstelle dem bisherigen wissenschaftlichen Hilfslehrer am Gymna- sium zu Cottbus, Herrn Dr. Rudloff, verliehen worden.
Am 13. August unternahm der Herr General - Superintendent Dr. th. Cranz eine Revision des evangelischen Religionsunterrichts, indem er demselben von 7 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittags in allen Klassen beiwohnte, sich selbst vielfach an ihm betheiligte, und durch Ansprachen an die Schüler das Interesse für denselben belebte.
Am 7. September besuchte der Civillehrer der Köuiglichen Central- Turnanstalt, Herr Dr. Euler, im Aufträge des Herrn Ministers, wie die übrigen Gymnasien der Pro- vinz, auch das hiesige, um die Zweckmässigkeit der für das Turnen getroffenen Einrich- tungen zu prüfen und von den Leistungen der Schüler in demselben nähere Kenntniss zu nehmen. Es fand daher am genannten Tage auf dem dazu bestimmten Platze vor dem Herrn Dr. Euler ein mehrstündiges Turnen sämmtlicher Schüler statt, und wurden sodann die einzelnen Tumgeräthe einer eingehenden Beurtheilung unterworfen.
Am 15. März fand unter dem Vorsitze des Königlichen Provinzial-Schul-Rathes Herrn Geh.-Rathcs Dr. theol. Mehring die mündliche Prüfung der fünf Abiturienten statt, und erhielten das Zeugniss der Reife:
/. Carl Büttner , geb. den 15. Juli 1851, aus Krotoschin, evangelischer Confes- sion, seit Ostern 1860 auf dem Gymnasium, zwei Jahre in Prima. Er will die Rechte studiren.
2. Moritz Fuchs, geb. den 18. December 1849, aus Koimin , jüdischer Religion, seit Ostern 1862 auf dem Gymnasium, zwei Jahre in Prima. Er will die Arzeneikunde studiren.
3. Bruno GöhUng, geb. den 7. August 1849, aus Krotoschin, evangelischer Con- fession, seit Ostern 1857 auf dem Gymnasium, zwei und ein halbes Jahr in Prima. Er beabsichtigt sich dem höheren Lehrfache, insbesondere dem Studium der Mathematik, zu widmen.
4. Bruno Hirschfelder, geb. den 22. Februar 1849, aus Krotoschin, evangelischer Confession, seit Ostern 1857 auf dem Gymnasium, zwei Jahre in Prima. Er will ent- weder Theologie oder Philologie studiren.
5. Johannes Löwe, geb. den 2. Februar 1849, aus Krotoschin, evangelischer Con- fession, seit dem 2. Februar 1866 auf dem Gymnasium, zwei und ein halbes Jahr in Prima. Er beabsichtigt sich als Avantageur dem Militairstande zu widmen.
Die Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs findet den 22. März in der herkömmlichen Weise statt Die Festrede hält der Herr Gymnasiallehrer Jankowski.
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D. gfrequenj.
Das Gymnasium wurde im Laufe des Schuljahres von 225 Schülern, 123 ein- heimischen und 102 auswärtigen, besucht Neu aufgenommen wurden 54. Abgegangen sind 27. Daher ist die Zahl der Schüler gegenwärtig 198, nämlich:
|
in |
über haupt |
evan- gelisch |
katho- lische 1 |
jüdische |
ein- heimische |
aus- wärtige |
polnischer Natio- nalität |
|
Prima |
ii |
6 |
i |
4 |
8 . |
3 |
i |
|
Secunda |
21 |
13 |
5 |
3 |
13 |
8 |
5 |
|
Ober-Tertia. . . . |
22 |
12 |
4 |
6 |
13 |
9 |
3 |
|
Unter-Tertia . . . |
38 |
16 |
1 |
21 |
23 |
15 |
— |
|
Quarta |
31 |
12 |
4 |
15 |
16 |
15 |
3 |
|
Quinta |
33 |
20 |
6 |
7 |
16 |
17 |
5 |
|
Sexta |
42 |
19 |
15 |
8 |
24 |
18 |
10 |
|
198 |
98 |
36 |
64 |
113 |
85 |
27 |
E. 'gCnferridjtstmffef.
Die Lehrer- Bibliothek empfing an Geschenken, a. vom Herrn Minister folgende Zeitschriften in ihren Forsetzungen: Pädagog. Archiv hgg. von Langbein; Philologus hgg. von E. von Leutsch; Zeitschrift für die Preuss. Geschichte- und Landeskunde hgg. von Foss u. A.; b. vom Königl. Provinzial -Schul -Collegium: Stolpe, Plan von Konstantinopel (vom Herrn Oberpräsidenten v. Horn zur Vertheilung überwiesen); Eich, Gedenkblätter zur Erinnerung an die Enthüllungfeier des Luther-Deukmals zu Worms, und mehrere Werke aus den 'Bibliotheken der vormaligen Klöster zu Kobylin und Krotoschin, als: Cic. Epist famil. Yenet 1493, Macrob. Saturn. Venet 1492, Nie. de Cusa dialog. de ignoto etc. u. A. ; c. vom Herrn Pror. Prof. Schoeuborn : The Lycian inscriptions after the accurate co- pies of the late Aug. Schoenbom. Angekauft wurden: StiehPs Centralblatt Jahrg. 1868; Zamke’s Litter. Centralblatt, Jahrg. 1868; Engel’s Zeitschrift des Kgl. Preuss. Statist Bureau’s, Jahrg. 1868; Herrig’s Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Litt., Forts.; Jahn’s neue Jahrb., Forts.; Zacher’s Zeitschr. der deutschen Philologie; die Ge- schichtsschreiber der deutschen Vorzeit, Forts.; Griinm’s deutsches Wörterbuch, Forts.; das deutsche Kirchenlied, hgg. von Wackernagel, Forts.; Corpus inscript Graec. ed Boeckh ;
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\
Ellendt Leiicon Sophocl.; Etymolog. Gr. linguae Gudianum ed Sturz; Zonarae et Photii Lexica ed. rittmann et G. Hermann; Ptolemaei Hartnon. ed Wallis; Procop. ed. Dindorf.; Aretaei Op. <d. Kühn; Parabil. roedic. scriptores antiqui ed. Ackermann; Phlegontis Opusc. ed. Franz; Tjyphiodor. ed. Northmore; Vitarum scriptores Gr. minores ed. Westermann; Cic. de offic. «d. Beier; Cic. de rep. ed. Osann; Cic. orat. pro Plancio ed. Wunder; Pane- gyrici vett ed Amtzen; v. Gohausen, Cäsar’s Rheinbrücken; Ueberweg, Geschichte der Philosophie; Waer, Bibi. Realwörterbuch; Sarpi, Gesch. des Trident. ConcilV, Novalis Schriften hgg. vm L. Tieck; Gellert’s Schriften, Ausg. 1769 — 74; Solger’s Erwin; dess. Nachgel. Schriftei hgg. von L.Tieck und Fr. v. Raumer; Fr. Spee, Güldnes Tugendbuch ; Hans Sachs ausgew. Schriften hgg. v. Büsching; Pyrker’s Werke; Fr. Rückert’s Leben Jesu; Falk, Sanitätspolizeiliche Ueberwachung höherer und niederer Schulen, u. A.
Für die Stkülerbibliothek wurden angeschafft; Fr. Rückert’s Gedichte, Auswahl des Vf.; dess. Weisheit des Brahmanen; Theod. Körner’s Werke hgg. v. Streckfuss; Max v. Schenkendorf’s Gedichte,-, - ’K'ömiy’s Buch der norddeutschen Flotte; Adauii’s Louise, Königin von Preussen; Dielitz, Jftttmhlfcer in 40 histor. Gemälden; Ferd. Schmidt, Leit- faden der Brandenburpsch-Preuss. Geschichte; Guhl u. Koner, Leben der Griechen und Römer nach antiken Bildwerken; Sauppe’s Bilder des Alterthums; dess. Wanderungen auf dem Gebiete der Sprache und Litteratur; Russ, Natur- und Culturbilder; Mommsen, Röra. Geschichte; Quellenbuch zur alten Gesch., Abth. H; W. 0. v. Horn, der Kaffern- täuptliug; dess. Durch die Wüste; Franz Hoffmann, An Gottes Segen ist Alles gelegen; ess. Wie nian’s treibt, so geht’s; dess. Hochmuth kommt vor dem Falle; dess. Herz- ►s und Herzensgut; u. A.
F. J)ie öffenifidje Prüfung
findet den 23. März (Dienstag) in nachstehender Ordnung statt:
Vormittags von 9 Uhr ab *
Einleitender Gesang.
Prima: Mathematik; Herr Pror. Prof. Schoenborn.
Secunda: Latein; Herr Gymn.-L. Dr. Radtke.
Ober-Tertia: Naturkunde; Herr G.-L. Bleich.
Unter-Tertia: Griechisch; Herr Oberl. Nieländer.
Naoier Prüfung jeder der beiden zuletzt genannten Klassen ; Declamationen. Hierauf Absedsreden der Abiturienten Goehling und Büttner in lateinischer und deutscher Sprae, und Entlassung der Abiturienten durch den Director.
Nachmittags von 3 Uhr ab Quarta: Geschichte; Herr Oberl. Eggeling.
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Quinta: Französisch; Herr G.-L. Schwalb ach.
Sacta: Rechnen; Herr G.-L. Goehling. /
Nach der Prüfung jeder Klasse: Declamationen. Schlussgesang. Hierauf legeben sich die Schüler in ihre Klassenzimmer, wo ihnen die Versetzungen verkündigt And die Cen- suren eingehändigt werden. /
Der neue Lehrcursus wird den 9. April (Freitag) Morgens um 9 Uhr eröffnet . Die Prüfung und Aufnahme neuer Zöglinge findet den 8. April (Donnejötag) Vormittags j von 9 bis 12 Uhr im Conferenz-Zimmer des Gymnasiums statt '
Zufolge Minist-Rescr. vom 81. Juli 1825 muss jedem auswärtigen Zöglinge von i
dessen Eltern oder Vormunde ein vom Direktor gutzuheissender Aufeeher bestellt wer- ;
den, weicher über seinen Fleiss und sein sittliches Betragen ausseihalb der Schule ge- wissenhaft zu wachen hat Auch darf kein auswärtig °rMler feinen Aufseher oder seine Wohnung ohne vorherige Anzeige bei VPiir^mr .ins der Klasse und ohne die Genehmigung des Directors wechseln.
Das Schulgeld , welches an den Rendanten der Gymnasial-Kassc Herrn Kämmerer Hirsekorn (auf dem Rathhause) vierteljährlich- graenumerando zu entrichten ist, beträgt mit Einschluss des Turngeldes (1 Rthlr.) und <feb Beitrages zur Schüler- Bibliothek (16 Sgr.) jährlich 21 Rthlr. IC Sgr., also vierteljährlich 6 Rthlr. 11 Sgr. 6 Pf. Die Ein- sohreibegebühren., die ebenfalls in die Gymnasial-Kasse fliessen, sind 1 Rthlr. 10 Sgr.
Für ein Abgangs-Zeugnis s ist, wenn es sogleich beim Abgangs gefordert wird, V» Rthlr.. wenn es später verlangt wird, 1 Rthlr. an die Gymnasial-Kasse zu entrichten.
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