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60001 6024J
K.IUBI.. UADCL.
PATHOLOGIE UND THERAPIE.
ZWEITER BAND.
HANDBUCH
DER
PATHOLOGIE UND THERAPIE
von
DR. C. A. WUNDERLICH,
KOIIOL. SACHS. OERIIMlIf MIDICIIIALRATHI, OHD. PROF. DER KLIHIK CHD DIRICTOR OKS K. KLIIISCHBH IRBTITCTS AH DSR UHIVERSITÄT LEIPZIO, OBERÄRZTE DES
JACOBSHOSPITALS DASELBST.
ZWEITER BAND.
Zweite vermehrte Auflage.
STUTTGART.
VERLAG VON KBNEB Sl SETJBE&T.
1853.
HANDBUCH
DER
PATHOLOGIE UND THERAPIE
von
DR. C. A. WUNDERLICH,
KOIIOL. SACHS. QEHIIMIH MIDICIHALRATHE, OSD. PROF. DER KLIHIK CRD DIRECTOR DES K. KUBISCHEM IHBTITUTS AH DER URIVERSITAT LEIPZIO, OBERARZTE DES
JACOBSHOBPITALS DASELBST.
ZWEITER BAND.
Zweite vermehrte Auflage.
STUTTGART.
VERLAG VON EBNER & SEtJBEKT.
1853.
: /
INHALTS-ÜBERSICHT
DI8
ZWEITEN BANDES.
Seite
DIE ERKRANKUNGSFORMEN DER GEWEBE . . . . i
AFFECnONEN DES ZELLGEWEBS 6
Physiologische Vorbemerkungen 6
Allgemeine Betrachtung 8
Specielle Betrachtung 13
A. H}rpertrophie des Zellgewebs 13
B. Hyperämieen und Entzündungen des Zellgewebs 13
C. Extravasate 22
D. Die WasseriniUtration des Zellgewebs. Seröse Infiltration. Oedem 23
E. Die abnoüme F^ttablagerung 27
F. Kalkablagerungen, Afterbildungen, specifischeAbsezungen
und Parasiten 28
G. Atrophie des Zellgewebs 28
H. Mortificationsprocesse 28
J. Gas im Zellgewebe. Zellgewebsemphysem .... 29
AFFECTIONEN DER SERÖSEN HÄUTE 30
Physiologische Vorbemerkungen 30
Allgemeine Betrachtung 33
Specielle Betrachtung 39
A. Entstehung von anomalen serösen Häuten .... 39
B. Hyperämieen und Entzündungen 39
C. Blutextravasate 49
D. Wassersucht der serösen Häute 49
E. Tuberkel der serösen Häute 50
F. Krebs der serösen Häute 51
G. Fibroide, Lipome, Kalkablagerungen 51
H. Mortificationsprocesse 52
•
Tl InhAlto-Uebenicht
J. Parasiten 52
E. Gas in den serösen Häuten 52
AFFECTIONEN DER SCHLEIMHÄUTE 53
Physiologische Vorbemerkungen 5a
Allgemeine Betrachtung 5^
Specielle Betrachtung $7
A. Neurosen der SchleimhSute 67
B. Uebermaass der Bildung; Neubildung von Schleimhaut- gewebe $7
C. Hyperämieen und Entzündungen es
D. HSmorrhagieen 85
E. Oedem der Schleimhäute und Wassersucht der Schleim- hauthShlen 90
F. Tuberculose der Schleimhäute 91
6. Quantitative Ernährungsstörungen und Transformation . 91
H. Neubildungen in den Schleimhäuten 9$
J. Anomalieen der Canalisation 96
K. Goncretionen , Gas, fremde Körper und Parasiten in den
Schleimhäuten 99
L. Mortificationsprocesse 100
1. Erweichung der Schleimhäate 100
2. Geschwüre 101
3. Der Brand der Schleimhäute 105
AFFECTIONEN DER CUTIS UND DES EPIDEBMOIDALSTSTEMS lOB
Physiologische Vorbemerkungen los
Allgemeine Betrachtung 117
Specielle Betrachtung 140
A. Störungen der Empfindung 141
1. AnSsthesieen der Haut 141
2. Hyperästhesieen 14S
B. Anämieen der Cutis 145
C. Hyperämieen der Cutis 145
1. Roseola der Säuglinge, Roseola infantilis .... 152
2. Roseola aestiva und autumnalis (Rubeolae, Röthein, Friesel) . 152
3. Symptomatische und consecutive Roseola bei fieberhaften Zu-
standen 15S
4. Toxische Roseolae, Roseolae von Ingestion schädlicher Sub-
stanzen 154
5. Syphilitische Roseola 154
6. Hauthyperämieen vor dem tOdtlichen Ausgang acuter oder
chronischer Krankheiten, Roseolae und Erytheme als Ter-
minalaffectionen; 154
7. Hämorrhagische Roseola 154
8. Masern 155
•
InhaltB-Uebersicht. FIX
9. Scharlach 155
10. Erythriasis 155
11. Typisches Erysipelas (Rose, Rothlauf) 156
a. Typisches Gesichtserysipel, Gesichtsrose .... 158
b. Typisches Erysipel an andern Stellen 163
12. Traumatisches Erysipel (topisch consecntives Erysipelas) . 163
13. Erysipelas neonatomm 166
14. Erysipelas ambnlans (erratische Rose, Wanderrose) . 166
15. Chronisches Erysipel 168
16. Diffuses temporäres Erythem 168
17. Diffuses habituelles Erythem 169
18. Flekenartige Erytheme » . . .170
19. Erythema pellagrosum 171
D. Die Anomalieen der Schweiss- und Talgsecretion auf der Haut 171
A. Die Anomalieen der Schweisssecretion 171
1. Die abnorme Trokenheit der Haut, Anhidrosis . . . 171
2. Allgemeine tlbermässige Schweissabsonderung, Ephidrosis . 172
3. Oertliche Schweisssucht 173
4. Qualitativ anomale Schweisse 174
5. Ansammlung von Schweisstropfen zwischen den Schichten der
Epidermis (Sudamina, Krystallfriesel) 174
B. Anomalieen der Hauttalgabsonderung 175
1. Verminderte Hauttalgabsonderung 175
2.» Vermehrte Hauttalgabsondernng (Stearrhoea,Seborrhagie, Fluzus
sebaceus; Acne punctata) 175
3. Qualitative Abweichungen der Talgsecretion .... 177
E. Anomalieen äer Epidermisproduction 179
1. Ichthyosis, Fischschuppenausschlag 179
2. Oertliche Epidermisverdikungen (Tylosis, Callus , Glavus etc.) 181
3. Comua cutanea 182
4. Abstossung einer zu jungen Epidermis, Intertrigo . . 183
5. Chronische Pityriasis tabescentium 183
6. Chronische kleienfSrmige Abschilferung der Epidermis (Mehl-
flechte, I^leienflechte, Pityriasis simplex und rubra) . . 184
a. Allgemeine Pityriasis 184
b. Locale Pityriasis 186
7. Schuppenflechte, Psoriasis, Lepra 187
F. Exsudationen und Infiltrationen der Haut .... 191
Ä. Exsudationen auf die freie Mäche der Haut .... 194
1. Die seröse Exsudation auf die Areie Fläche .... 194
2. Die croupOse Exsudation (Diphtheritis cutanea) . 194
3. Die Eitcrexsudation auf die freie Fläche 195
4. Die verkrustenden Absezungen 195
B, Die Exsudationen in die obersten Schichten der Cutis und ewischen
Cutis und Epidermis 196
1. Knötchen (Papeln) 196
a. Strophulus (Liehen Strophnlus , Zahnausschlag', Fiiesel
der Säuglinge) 197
b. Liehen simplex 198
c. Liehen drcumscriptus und gyratos 200
VIII
Inhalts-Üebersicbt.
d. Lichou asrius
e. Der syphiliii>che Lich<'n und die syphilitischen Papeln
f. Prurigo .
2. Quaddeln (Urticae. Nesselsurht, Urticaria)
■ 3, rebenvie^end seröse Exsudationen zwischen Cutis undEpidermi
a. Eczematöse Eruptionen
a. Eczema >im]dex
ß. Eczema rul)rum
y. Eczema impeti^inodes
ö, Eczema chronicum (nässende Flechte, Salzfluss)
b. Friex'l. Miliaria
f. llerpesformen . ,
a. Herpe> i»hlyctaenode> (Herpes miliaris)
ß. Irreguläre locale IlerpesiiTUppen
y. Herpes circinatus. Herpes squamosus
ö. Herpes Iris
f. Herpes Zoster (Zona, Gürtelrose)
d. Pemphi«ru>
e, Rhypia
4. Eiterige Exsudation
a. Acne >implex ........
b. Impetigo .........
c. Variolpusteln ........
d. Rozpustelu
e. Ecthyma . . . . . . . » .
f. Syphilitische Pusteln
5. Jauchige und septische Exsudationen ....
C. Die Exsndationen in die tieferen Schichten der Cutis und in die oherßdchlichfren Partieen des subcutanen Zelhjewehs .
1. Die festen Infiltrationen in den tiefen Schichten der Haut
a. Acnetuberkel
a. Disseminirte Acne
ß. Mentagra, Sycosis
y. Acne rosacea (Kupferrote, Gutta rosacea)
b. Viiiligoidtuberkel
c. Lupus .........
d. Syphilitische Tulierkel
e. Tuberkel der Elephantiasis
2. Die eitrig und jauchig schmelzenden Infiltrationen der tieferen
Hautschichten (Furunkel, Carbunkel, Anthrax)
D. Die Exsudativnen und Infiltrativ noi im subcfUanen Ztllstvß
G. Häraorrhagieen, Hautapoplexieen
H. Anomalieen der Nagel- und Ilaarproduetion
A. Anomalieen der Nagelbildung
1. Angeborene Anomalieen
2. Erworbene Anomalieen der Nägel
a. Schwund der Nägel, uuvollkommeue Bildung, Verlust
derselben ........
b. Hypertrophische Entwiklung der Nägel und anomale
Formationen derselben
c. Schief>tand der Näixel
201
201
2(a
20G 2<)() 20*» 2(H> 21(.) 212 217 2'JO 220 221 222
22:^
224 220 228
232 232 2:V3 234 234 23(5 2'M]
23G 23G 237 23 S 239 241 242 242 247 247
247
2:.o
2öO
254 254
254 255
255
255 250
Inhalts-Uebenleht IX
Seite
B. Anomalieen der Haarbildnng 25$
1. £xceBsive Entwiklung der Haare 256
2. Zu darftige Haarbildung, Alopecie 25S
3. Die Brflchigkeit nnd Spaltung der Haare 261
4. Plica polonica, Weichselzopf 262
J. Anomalieen des Pigments 263
1. Mangelhaftes Pigment 263
a. Angeborner Pigmentxnangel, Albinismus . . 263
b. Erworbener Pigmentmangel 264
a. Auf der Haut: Vitiligo, Chloasma album, Achroma 264
ß. An den Haaren: Canities 264
2. Abnorme Absezung von Pigment 265
3. Wechsel des Pigments 266
E. Die Hypertrophieen und Neubildungen in der Haut . 266
1. Hypertrophische Entwiklung von PapiUen und Neubildungen
in und an ihnen, Papillome (Warzen) 266
a. Verrucae (Warzen im engem Sinn) .... 266
b. Condylomata 268
2. Isolirte Fettmassen, Fibroide und Balggeschwtllste in, auf und
unter der Haut * . . 26^
3. Hypertrophieen der Gesanmitschichten der Haut 270
4. Gefässwucherungen in der Haut 271
a. Gapilläre Gefitoswucherungen, Telangiectasieen 271
b. CavemOse Bildungen auf der Haut .... 272
5. Krebse der Haut 272
a. Solitäre Krebse 272
b. Multiple Hautkrebse 274
L. Atrophie der Haut 275
M. Die Mortificationsprocesse der Haut 27&
1. Erweichung 275
2. Geschwüre der Haut 276
3. Brand der Haut 285
a. Pustula maligna 2Sj^
b. Gangränöser Decubitus, Drukbrand 285
c. Hospitalbrand 288
N. Parasiten 298
1. Insekten 295
2. Fadenwürmer und Blasenwürmer 296
a. Filaria medinensis 296
b. Cysticercus cellulosae 296
3. Müben 296
a. Acarus folliculorum 296
b. Sarcoptes hominis (Acarus scabiei, Kräzmilbe) 297
4. Infusorien 308
5. Pflanzliche Parasiten 304
a. Pityriasis versicolor 304
b; Favus (Tinea favosa, Porrigo, Erbgrind) . 305
0. Complexe Hautkrankheiten 30»
AFFECTIONEN DER FIBRÖSEN GEWEBE ?11
A. Excessive Bildung 312
Inhalts-Uebenicht.
B. Verminderung der Gonsistenz und des Volumens 313
C. Entzündungen 313
D. Parasitgeschwfilste und Transformationen in fibrösen Geweben 315
E. Mortificationsprocesse 316
AFFECTIONEN DER MUSKEL 317
Physiologische Vorbemerkungen 317
Allgemeine Betrachtung 320
Specielle Betrachtung 331
A. Krankheiten der Muskel ohne anatomische Veränderungen (Neurosen und reine Lähmungen) . . .331
B. Excessive Entwiklung der Muskelsubstanz .... 332
C. Hyperämieen, Apoplexieen, Entzündungen und andere Ablagerungen in den Muskeln 332
1. Verbreitete Hyperämieen 332
2. Locale Hyperftmieen und Entzfindangen 332
3. Muskelapoplexieen 336
4. Oedem der Muskel 337
5. Verfettung der Muskel 337
6. Tuberkel in Muskeln .' . . 338
7. Ossification der Muskel 339
D. Parasitgeschwülste ......... 839
£. Parasiten 339
F. Atrophie und Mortificationsprocesse der Muskelsubstanz . 340 ANOMALIEEN IM KNOCHENSYSTEM 342
Physiologische Vorbemerkungen 342
Allgemeine Betrachtung 345
Specielle Betrachtung 352
* A. Hyperämie und Hämorrhagie der Knochen .... 352
B. Ernährungsanomalieen im Knochensysteme, Neubildung
und Schwund von Knochensubatanz 352
1. Hypertrophie der Knochen, Hyperostose und Neubildung von
Knochenmasse in der Nähe ursprünglicher Knochen 355
2. Atrophie der Knochen 358
C. Exsudationen in dem Knochengewebe 36o
1. Knochen entzflndung, Osteitis 360
2. Rhachitis . . . , 367
3. Knochentuberculose 373
D. Parasitgeschwülste in den Knochen 374
E. Osteomalacie 376
P. Mortificationsprocesse 378
1. Caries . 378
2. Necrose 383
G. Parasiten 385
InliAhs-üebmiekt. XI
t
ANOMALIEEN DER KNORPEL $86
A. Die knmUiafien Verindenuigen der Knorpel ... 387
B. Krankhafte Entstehung von Knorpelsabstanz ... 389
1. Enchondiom 389
2. Divene beschrlnkte Neobfldiuigeii von Knorpelrabetanz . 393 STÖRUNGEN IN DEN VERBDa)ÜNOEN DER KNOCHEN . . 394 AFFECnONEN DER GEFÄSSE , . 402
Physiologische Vorbemerkungen 402
Allgemeine Betrachtung 4oe
Specielle Betrachtung 42i
/. SUhnaigen an den Arterien 421
A. Störungen ohne entsprechende anatomischeVeriinderungen 421
B. Hyperamieen, Exsudate, Infiltrationen, GewebsverSnd- erungen, Gerinnungen und Neubildungen .... 421
1. Acute und subacote Arteriitis und acute Blutgerinnuiigeii in den Arterien 421
2. Die chronischen Entztlndungen, Gewebsveilnderungen und Ak>- lagerungen in den Arterien 429
C. Canalisationsstorungen und ursprungliche Fehler der An- ordnung der Arterien 434
1. Angeborene Fehler der Anordnung der Arterien . 434
2. Arterieetasie (Dilatation der Arterien, Aneurysma) . 435 ä. Verengerung und Yerschliessung der Arterien (Arteriostenose). 443
4. Accidentelle Communication zwischen einer Aiterie und Vene 444
5. Spontane Störungen der ContinuitSt, Bentungen der Arterien 445
D. Mortificationsprocesse an den Arterien 445
II. Störungen an den Venen 446
A. Yenenentzfindung und Gerinnungen in den Venen . 446
B. DiversechronischeVeranderungenandenVenenwandungen 461
C. Phlebolithen, Parasiten, Gas in den Venen .... 463
D. Störungen der Canalisation 464
1. Die Verengerung und Verschliessung der Venen 464
2. Dilatation der Venen, Phlebectasie, Varices, .... 466
3. Rupturen 470
III. Krankheiten der Capiüargefässe 470
IV. Krankheiten der Lymphgefäsee 472
A. Entzfindungen der Lymphgefässe (Lymphangoitis) 472
B. Störungen der Canalisation der Lymphgefässe ... 474
F. Störungen an den Lymphdrüsen 475
A. Hyperibnieen und Apoplexieen der Lymphdrüsen 475
B. Hypertrophieen der Lymphdrüsen 475
C. Acute Lymphadenitis 477
D. Chronische Lymphadenitis 482
K Typhose Ablagerungen in den Lymphdrüsen ... 485
F. Tuberculose der Lymphdrusen 485
Xll
luhaks-Uebersicht.
G. Krebs der Lymphdrüsen
IL Pigment, Concretionen, Cysten in den Lymphdrüsen
J. Atrophie
K. Mortificationsprocesse
1. Gp>('h\vüre .
2. Brand
AFFECTIONEN DER NEKVEN8Ur>STANZ . Physiologische Vorbemerkungen Allgemeine Betrachtung .....
Specielle Betrachtung
L Die functionellen Störungen der Nervensubstanz
A. Die >«euraIiri«?on
B. Die nicht schmerzliaften llNperästhoieen .
(•. Die örtlichen Anä>tliesiieou
I). Die örtlichen »Spasmen ..... E. Die niütorixlir-n Lähmnn^i.'n ....
IL Anatomische Störungen der Nervensubstanz
A. Unvollkommene Ent^^iklunl: und Atrophie
B. Excedirende Entwiklmiir. Hypertrophie
C. Hyperämieen der Nervensuh.stanz
D. Entzündung der Nerven-iih^tauz
E. Ilämorrhairieen
F. Verschiedene Ablaneruniren und Neiibildunf^en
G. Mortiticationspr<»ces>e
affectioni:n der dr( sen
Physiologische Vorbemerkungen
Allgemeine Betrachtung
Specielle Betrachtung
I. Störungen ohne nacliweisbare anatomische Veränderung IL Anatomische Veränderungen ....
A. Anämische Zu.stände ......
B. Hyperämieen
C. Die Extravasationen und Exsudationen
D. Einfache Ernährunirsstörungea ....
E. Neubildungen und Parasiten ....
F. Mortilicatiousproce^se
Seile
4^5T 4by
4Mi
489
4in
490
507
507 5<» 512 513 515 51>j
521
521
523
525
525
52 S
52!»
532
534
534
53:5
545
515
54») 54«) 547 549
551 552 552
DIE
EEKRANKUNGSFOEMEN
DER GEWEBE.
WundaiUeh, Ptthol. u. Th«np. Bd, U.
Körpertheile, welche eine ähnliche nonnale Structur haben, zeigen bis zu einem gewissen Grade Uebereinstimmung in ihren Störungen. Die Darstellung der Erkrankungsmodalitäten nach den Texturdifferenzen der Körpertheile ist die histologische Betrachtung der Pathologie oder die specielle pathologische Histologie.
Die Betrachtung des KOrpers nach ähnlichen Theilen (partes sünilares) wurde schon von älteren Anatomen (Fallopius) nicht versäamt Auch waren manche Kiankheitsgenera nnbewusst annähernd histologische (die Impetigines, der Rheomatis- miis etc.). Indessen man hatte weder in der normalen Anatomie, noch in der Patho- logie eine klare Einsicht in den Werth und das Wesen einer solchen AnfTassungs- weise und jene früheren Versuche waren nichts anders, als ein zufälliges und nicht weiter verfolgtes Anstreifen an ein unbekanntes Gebiet voll wichtiger und aufklären- der Thatsachen. — Die wirkliche Entdekung dieser Beziehuneen verdankt man den eleichzeitigen Forschunj^en von Bichat und Pinel. Duroi ersteren wurde ein System der Histologie einsefflhrt, nach welchem der Körper und seine Organe in einzelne, mit besonderen Kräften beeabtel Substanzen (Gewebe) zerfallen , von deren Eigenschaften die Fimctionen der Organe abhängen und zugleich wurde von ihm bereits auf das krankhafte Verhalten dieser Gewebe vielfach hingewiesen, das jedoch erst sein Herausgeber B^ dar d ausführlich erörterte (Anat generale appl. k la phv- siolone et ^ la m^decine 1801. neueste Ausgabe von Beclard und Bland in 1S30). Von Pinel dagegen wurde die Betrachtung der Krankheitserscheinungen nach den histologischen Verschiedenheiten der Theile, an denen sie sich zeigen, in die be- schreibende Pathologie eingeführt. — Der Einfluss, den die Histologie auf die prac- tische Medicin in den folgenden Jahrzehenden und bis jezt übte, hat jedoch nicht gleichen Schritt gehalten mit den zahlreichen und emsigen Bearbeitungen der phy- siolodschen Geweblehre von Seiten der Anatomen. Die Lezteren, wenngleich sie eine Zeit lang die Bichat 'sehen Entdekungen vernachlässigten oder doch einfach hinnahmen , haben besonders seit etwa 20 Jahren und zwar vor allem in Deutsch- land mit Vorliebe sich dieser Betrachtung zugewandt und theüs mit Unterstüzung der Chemie, theüs und vorzüglich durch Hufe des Microscops die Gedanken Bichat 's weiter ausgeführt, theilweise berichtigt und grössere Schärfe und Genauigkeit in die Elementaranalyse der Formbestandtheile des Körpers gebracht Vel. darüber besonders £. H. Web er (erster Band von Hildebrandt's ^atomie 1830), Krause (Handb. der menschl. Anatomie. I. A. 1833), Gerber (HanAb. der allgem. Anatomie 1840), Bruns (Lehrb. der ailgem. Anatomie 1841), He nie (allgem. Anatomie 1841), Valentin (in Waffner' s Handwörterb. der Physiologie 1842, I. 617), Arnold (Handb. der Anat des Menschen I. 1845), Hyrtl (Lehrb. der Anat des Menschen 1S46), Gerlach (Handb. der allgem. und speciellen Gewebslehre 1849), Kölliker (MicroBCopische Ajiatomie oder Geweblehre, des Menschen 1850 und Handbuch der Geweblehre des Menschen 1852); auch Hill Hassal (Microscopische Anatomie des menschlichen Körpers im gesunden und kranken Zustande; aus dem Engl, von Kohl schütter 1852). — Ungleich vernachlässigter blieb die pathologische Histo-
4 Erkrankungsformen der Gewebe.
lo2;ie und zwar vornchmlirh deren sperieller Theil, so nüzlidic Gesichtspunkte sie zu liefern im Stande ixrwesen wäre. Seit J5ieliat, der >ie als Anhani; an die |»hy- siologisehe Hetraehtun«^ der <ie\ve])e anknüpfte, fand sie zunäclist in eini<^«'n fran- zösischen Cliiriirijieen eine ineist sehr unvollständisc Aufnahme. Unter den AVcrkrn ü))er (leirenstäniie der inn«*rn Patlmlojrie hat zwar (lendrin (liistoire anatomique des inllammations 1820, bis lieute die einziLM' i^anz auf liistoh^ci^elic Verhältnisse sieh stii/end«* Spcnialpatlioloiiie und eine I'und^irulie wicht iinT J^eohaclitungen und werthv(dler BenuTkunircn) und Duhois (traitr ch' jiatholoijie i:en. II.) di<' hi>to- l<)£ji>el)e Hetrachtunn: umfassend durchirrfülirt; auch fanden rinzrine Abschnitte der- selben in sj>ecicllen I*at)iol()<rieen ijemischt mit der Localbetrac litunjr hin und w i<'d<'r eine Stelle (z. B. bei Mayo, outlines of human j)ath(doiry ISii'j) . anderen ^vurde eine moni)i:rnp)ii>c}ie Betrachtung; zu Theil: auch wurden die anatomisclicn \'erhält- iiisse der kranken (Jewcbe au>fü}irlich im zweiten J^ande der juithologischeii Ana- tomie vonJ^obstein ab«rehandelt Indessen blieben diess nur vereinzelte und wenij^ eintlussreiclie Jiezuijnahmen auf die (wewebspathcdoirie. — Eine £jrr)ssere 13eruk- sichtitjuni; erhicdt aber die (iewcbspatliolosie erst in n<'ue>ter Zeit , namentlirh einerseits in Rokitanskys ]>at)ioloj2:is(her Anatomie und in den an diese sich an- schliessenden liearbeitungen , andererseits durch die microscoi>ischen Forschuniren, unter welchen neben vielen einzelnen Arbeitern be>onders die umfassenderen Werke von Giinsbiiric (patholosjische (lewcblehre 1<'!:^45), Lebert {Phy^iol(>I:ie jKatholo^ii]u<' 1845) hervorz\iheben sin<i. Auch Hassal und Kölliker haben die pathologischen Verhältnisse bei ihrer Darstellung d(*r Gewebseisjenthi'lmliehkeiten , wenn auch in unterj^eordneter Weise, mitberüksichtigt.
Bei der äussersteii anatomischen Analyse der Körpertheile gelangt man auf eine Reihe von Elenientarbestandtheilen, aus weh'hen die ver- schiedenc^n Organe des Körpers zusanunengesezt sind und von welchen fast an jeder Stelle des Körpers mehrere Formen combinirt sich linden (die microscopischen MolecUle. Körner. Kügelchen, Zellen. Fasern, die Inter- ceUuiarsubstanz etc. mit ihren verschiedenen Modificationen). Diese ato- mistischen und zugleich immer microscopisch kleinen Formelemente des Körpers zeigen ohne Zweifel ein jedem eigenthiimliches und unter einan- der verschiedenes Verhalten in Krankheiten. Indessen ist es bis jezt nicht möglich gewesen, über dasselbe eine solche Reihe von sicheren Thatsachen zu erhalten, dass dadurch eine wesentliche Aufklärung fiir pathologische Vorgänge und Erscheinungen erzielt werden könnte.
Wed(^r bei den lezten einfachsten, mehr oder weniger formb)sen oder einfflrmiiie« Organ})estandtheilen , zu welchen di(; mieroscopische Analyse der organischen Theile gelangen kann, noch auch bei den weiter entwikelten und gestalteteren Biblungen, wie den zusammengesezteren Zellen und den verschiedenen Arten von Fa>ern (Binde- gewebsfasern, elastische Fasern, 3Iuskelfasern und Nervenröhreri) ist es bis jezt ge- lungen, genüiiend festgestellte und practisch verwendbare That>achen über ihr abweichendes Verhalten in Krankheiten zu gewinnen. Ohne Zweifel erleidet vor- m^hmlich die Intercellular-Flüs>igkeit rler Theile in Kranklieiten selir wesentliche Veränderuncen . deren Kenntnis^ von dem allergrüs>e.sten Fintlu^s auf Beurtheilung der patholosjischen Vorgänge sein dürfte. Aber der Krfor>chun^ jener Abweichungen stellten sich Ids jezt unüberwundene Schwierigkeiten entg«'<4eii, ujul es lässt si( h daher vorläutig auf jene lezten Bestandtheile «les t)ri^anismu< die hisi()l()i:i>che l*atlu>- logie nicht ausdehnen.
Erst die Vereinigung jener Elementarbestandtheile. sei es nun eine Masse identischer otlei* aber eine Vereinigung mehrerer Arten von Elemen- tartheilen, zu Texturen V(m ähnlicher Ik'schalTenheit (d. h. zu (i(»weben) gibt für die pathologische Betrachtung practisch niizJiche und theore- tisch förderliche Anhaltspunkte. Die sjxH-ielle jvathologisrhe Histologie kann daher nach dem gegenwärtigen Stande der 'Hiatsaclien nicht eine Pathologie der Elementarformen, sondern nur eine Pathologie der (ie- webe sein.
Erkrankiingtformen der Gewebe. 5
Unter den Utoden der verschiedenen Anatomen, welche sich mit Histologie be- schäftigten, ist die Feststelluog und Eintheilnng der Gewebe sehr verschieden ans- gefalleo. Bald suchte man die Zahl der specifischen Gewebe möglichst zu vereinfacheD, bald, um jede einzelne Species in scharfer Characteristik zu erhalten , vervielfilltigte man sie. Bald wurden die Gewebsarten einfach neben einander gestellt, bald tradi- tete man, durch Abtheilungen, unter die man sie brachte, sie zu classificiren. So fahrt neuerdings KOlliker die verschiedenen Arten von Geweben unter folgenden Rubriken auf: a. einfache Gewebe: Oberhautgewebe, Knorpelgewebe, elastisches Gewebe , Bindegewebe ; b. zusammengesezte Gewebe : Knochengewebe, Gewebe der glatten Muskel, Gewebe der quergestreiften Muskel, Nervengewebe, Gewebe der Blutgef3tosdrasen, Gewebe der ächten Drflsen. Allein diese Anordnung ist fQr pathologische Zweke nicht wohl zu acceptiren, da einerseits die s&mmtlichen ein- fachen Gewebe keine isolirten Störungen zeigen und daher in der pathologischen Betrachtung nicht besonders hervorzuheben sind, andererseits aber gerade die wicht- igsten histologischen Beziehungen für die Pathologie, wie die Störungen der serösen Häute der Schleimhäute, welche K. unter den Organen auffahrt, wegfallen müssten. Es ist tiberhaupt zu erinnern, dass die Identität der Gewebe, welche denselben Namen tragen, k^ne absolute, dass vielmehr die Aufstellnne von Gewebscate- ^orieen eine Abstraction ist , die zwar in der Natur begrOndet, doch in Betreff ihrer Enge und Weite mehr oder weniger von der Willkar geleitet wird. .Die Pathologie kann darum auch von den in diesen Beziehungen gepflogenen Streitigkeiten Umgang nehmen und fOr ihre Zweke sich an solche Gewebsunterscheidungen halten, die zugleich far die Darstellung der krankhaften Verhältnisse förderliche Anhalts- punkte geben.
In der That scheint far practische Zweke die ursprünglich B ich at'sche Eintheilnng der Gewebsysteme eine weit geeignetere, nämlich die in a. generelle Gewebsysteme: Zellgewebe, Nenensystem, Gefässsvstem ; und b. besondere Systeme: Knochensystem mit Marksystem*, Knorpel System, fibröses System, Muskelsystem, Schleimhantsystem, secöses System (Synovialsystem), Drüsensystem, Dermoidalsystem mit Epideimoidal- s\'^tem und Haar^ystem. Allerdings haben manche dieser Systeme eine identische Grundlage, wie z. B. Schleimhäute, Cutis, seröse und fibröse Häute wesentlich aus Bindegewebe bestehen; allein in der eigenthamlichen Anordnung des lezteren zu ienen verschiedenen Formsystemen liegt so viel Besonderes und fdr das patholoeisohe Verhalten Entscheidendes, dass ihre isolirte Betrachtung weit practischere Anhalts- punkte gibt, als die des Bindegewebes überhaupt geben wtlrde, und somit vollkom- men gerechtfertigt erscheinen muss. Aus practischen Raksichten scheint es auch nicht geeignet, die sänuntlichen Gewebsdifferenzen hier in ihrem pathologischen Verhalten zu betrachten. Vielmehr können alle jene Gewebe ausgeschlossen bleiben, von welchen keine bemerkenswerthen pathologischen Veränderungen anzusehen sind (elastiachea Gewebe), oder welche dem Plane dieses Buches gemäss nicht zur Be- trachtung zu kommen haben (Zahnbein, Zahnschmelz,' Hornhautgewebe).
APFECTIONEN DES ZELLGEWEBS.
PHYSIOLOGISCHE VORBEMERKUNGEN.
Das Zellgewebe (areoläres oder lokeres, auch formloses Bindegewebe genannt) besteht wesentlich aus microscopischen Primitivfasem (Binde- gewebfasem) und einer sehr feinkörnigen Substanz (Molecularmasse, Eeimstoff). Die primitiven Bindegewebfasem sind wasserhelle, dünne Fi- brillen mit scharfen, lichten Contouren von 0,001 — 0,0005'" Durch- messer, ziemlich bedeutender Länge, in Essigsäure in eine durchsichtige gallertige, formlose Masse sich umwandelnd. Es ist constant eine grössere Anzahl parallel neben einander liegender Fibrillen dieser Art zu mehr oder weniger breiten Bündeln und platten Bändern von 0,003 — 0,006'" Durchmesser vereinigt, welche meist einen geschlängelten Verlauf haben, deren selbst oft wieder mehrere zu secundären Bundein zusanunentreten und welche durch zahlreiche Kreuzungen zu einem mehr oder weniger dichten Neze und Maschenwerk verflochten sind. Daneben finden sich sparsamere und vereinzelte Fasern von der Art der elastischen (in Essig- säure sich nicht verändernd) in der Masse zerstreut und zum Theil unge- ordnet zwischen den übrigen liegend, zum Theil die einzelnen Bindege- webbündel spiralförmig umwikelnd.
Das Zellgewebe, aus Gewebsei ementen zusammeogesezt, welche dieselben sind, wie sie sich bei der OrganisatioD eines Exsudats bilden können , lässt unter allen zusammengesezten Geweben am leichtesten eine Regeneration und eine wirkliche Massen zunähme zu. Doch kann es geschehen und geschieht sogar gewöhnlich, dass das ^neugebildete Zellgewebe nicht die gleiche Dichtigkeit oder Lokerheit besizt, wie das ursprüngliche Gewebe in seiner Nachbarschaft, so dass es von diesem sich nicht selten auffallend, für die oberflächliche Betrachtung sogar sehr bedeutend unterscheidet.
Die Zwischenräume zwischen dem Nezwerk der Bindegewebsbündel werden grossentheUs von der amorphen, feinkörnigen Molecularsubstanz ausgefüllt und erst beim Einblasen von Luft oder beim Eindringen einer Flüssigkeit, welche frei nach allen Richtungen in dem Maschenwerke fort- rüken kann, deutlicher hergestellt. Theils aber sind in der Masse des Zellgewebs wirkliche zellenartige Räume vorgebildet, die mit Seruni (Serumblasen) oder mit Fett (Fettzellen) ausgefüllt sind. Die lezteren
Affeeüonen dM Zellgewebs. 7
sind schon im Nonnalzustande an einzelnen Stellen des Zellgewebs mehr angehäuft, als an andern (Fettgewebe, Panniculus adiposus).
Auf dem nezartigen Bau des Zellgewebs beruht die Leichtigkeit, mit der sich Flflssigkeiten in ihm ansammeln, mit der Infiltrate entstehen kOnnen oder anch zu- ftllig eingetretene Luft (Emphysem) in ihm sich Plaz schaffen .kann. Bei der aUsei- tisen Commnnication der ZwischeDrftume des Nezwerks ist ein Vor- und Weiter- dnngen solcher Flüssigkeiten oder eineetretener Luft sehr erleichtert. Durch ihre Schwere können Flassipkeiten sich im Zellgewebe senken, sie können weite Bahnen in ihm durchziehen, sie können selbst durch äusserliches Drflken ihre Stelle wech- seln (s. B. beim subcutanen Oedeme).
Der Zellstoff hat im Allgemeinen durch die nezartige Verflechtune und durch die zellenartigen Zwischenräume eine lokere Textur. Diess ist jedocn in verschied- enem Grade der Fall je nach dem Vorherrschen der Fasermasse tLber die Molecu- laimaase und je nach dem Reichthum an zellenarticen Räumen. Eine reichliche Menge mit Fett gefüllter Zellen kann auch dem Gewebe einen Anschein von Dichte igkeit .und Derbheit geben, den es in Wahrheit gerade in solchen Fällen nidit besizt, indem beim etwaigen Schwinden des Fetts eine solche Stelle nur um so lokerer zurükbleibt. Die Lokerheit des Zellgewebs erleichtert Blutüberfülluneen, namentlich aber Exsudationen in hohem Maasse und immer treten diese um so leichter ein, je lokerer der Zellstoff ist, während in strafferen Zellstoffschichten die Neigung zur Exsudation nur gering ist.
Das Zellgewebe ist elastisch in sehr hohem Grad und contractu in geringem. Es büsst seine Elasticität nur nach starken Einwirkungen von Druk oder Ausdehnung ein. Die Contractilität ist von der Art, dass sich das Zellgewebe auf angemessene Reize allmalig und gewöhnlich langsam zusammenzieht und ebenso wieder erschlafft.
Die Elasticität des Zellgewebs lässt bedeutende pathologische Ansammlungen in ihm und beträchtliche Ausdehnung der von ihm umhüllten Organe zu. Nach Ent- fernung jener, nach Verkleinerung dieser kehrt es zu seinen normalen Lagerungs- verhältnissen zurük. Die Elasticität träet jedoch auch gerade zur Wiederentfemung von Infiltraten bei und die Exsudate in dem Zelleewebe können daher flüchtiger sein, als die in den meisten andern Organen. Wo jedoch das Zellgewebe durch derartige Umstände zu stark oder zu dauernd gespannt, oder durch einen Druk, eine Erschüt- terung zu sehr beeinträchtigt wird, bleiot seine Elasticität vermindert, das Zellge- webe ist schlaff geworden; Exsudate stagniren darum in ihm, werden chronisch, oder es fallt sich von selbst oder doch auf die geringste Veranlassung mit Educten aus den Gelassen. — Die Contractilität des Zellgewebs dbt Veranlassung zu man- <'hen physiologischen Vorgängen und ist auch für die Erklärung mancherkrankhafter Erscheinungen zu benüzen (z. B. die Verhältnisse der Körperoberfläche im Froste).
Das Zellgewebe ist im Allgemeinen ausserordentlich reich an 6e- fissen (Blut- und Lymphgefässen), reicher als die meisten andern Ge- webe. Die gröbereji Gefässe verzweigen sich baumartig in ihm. Die kleinsten bilden mannigfache gröbere und feinere Neze in ihm. Jedes Fettbläschen ist von einem feinen Gefässneze umstrikt. Das Zellgewebe bfldet überdem die Wege, auf welchen die Gefässe in die Organe dringen, und den Boden , auf welchem sie ihre gröberen Verzweigungen in diesen bilden. — Dagegen ist das Zellgewebe ungleich ärmer an Nerven.
Aus der grossen Anzahl der Gefässe im Zellgewebe erklärt sich die Möglichkeit einer raschen Resorption in dasselbe gedrungener oder in ihm abgesezter Flüssigkeiten. Es erklärt sich weiter dadurch die überaus grosse Neigung zu Krankheitsprocessen, trozdem dass es äusseren Schädlichkeiten wenig unmittelbar exponirt ist: es ist mehr als hat irgend ein anderes directen Eingriffen entzogenes Gewebe Erkrankungen unterworfen , und viele Erkrankungen, welche andern Geweben zugeschrieben werdeni beginnen wesentlich in ihm; andere, welche auf den direct den Schädlichkeiten aus- mezten Membranen (Cutis, Schleimhäuten) entapringen, sezen sich wenigstens oft im DenachbaiteoL ZeUgewebe fest und gedeihen in ihm zu belangreicherer Entwiklung,
8 Affeciionen des Zellgewebs.
indem sie oft alsdann erist na(;hträ;ilich >\ieder die Schleiinhaui odor die Cutis vom Zellj^ewebe aus zum zweitenmal ergreifen. Bei all(!r Häufii^keit der Krkrankunireii des Zell<£eweb.s ireben a))er dieselben im Allgemeinen eine günstige Prognose und, ■wenn die Umstände nicbt gar zu hinderlicli, grosse Aussieht auf Heilbarkeit, inileni das reielu! und vie'lfaeli eommunieirende Gefässnez auch die l.ösung von Stase und die Wiederaufnahme der educirten Substanzen erleichtert. — Der Nervenannutli wegen sind die Erkrankungen* des Zellgewebs wenig, zum grossen Theil an sich gar nicht sclunerzliaft, sondern nur durch den J)riik und die Zerrung, weblie auf benachliarte Theile ausgeübt wenlen.
Das Zcllg:o\vebe ist in hohem (iradc vorbreitet im Körper und steht in demselben in einem ummterbrochenen Zusammenhanu^.
Das Zellgewefte bildet dem Wesentlichen nac !i die; Form des K(*»rj)er^ , sofern sie von den Weil htheileu abhängig ist : und in dasselbe >iiul die übrigen (ifwebe gleich>am nur angehängt und eiuge>cnkt. Es stellt sich aber dabei selbst in s«hr xcrschiedenen Anordnungen dar: Als submemb ranö s er Zellstoff in ^er'^( hiederi dikr-n Lagen (subcutan, subserös, subniucös; heftet e> mehr oder \\eiiig«'r btker die betretfenden Iläute an die unterliegenden Orgaiu* an. Als umhüllender Z<'ll>to ff Im biet es die sogenannten Zell häute um die (Jelä>se, um die Nerven, um die AusrühruriL'»- gänge der Drüsen und um eine Anzahl \ers( hiedener Orirane; die^e s( lion an und für sich selir Idutreich , zei<;en oft eine solche Aleiiiri» \on Kluti_n't'.i>>r'ri . da'^s sie [,\^t nur aus (ielassgetlechten zu bestellen scheinen: man nennt sie darum auch (iefäss- liäute (Pia mater, Choroidea de> Augs;. Als verbindender Z(llsi(»fl liegt «las (iewebe auch anderwärts in dünneren oder dichteren Schichten zw is< heu verschied<'nen benachbarten Organen fz. H. den Muskeln et«/. Als ausfüllendes ZellLM'webe kommt es an einzelnen Stellen in grösser<'n Lagern mei>t mit reichlichem I'ettgehalt vor und füllt von den Orüanen leer;:ela^>ene Räume aus 'Mediastinum, (ilis>onV< he Kapsel, Nierenlagi'r;, Emllich geht das Zellgewebe in die Zu>amnu'n^eznng vicder anderer Gewebe ein, bild("t zum Theil deren Grundla::e fStroma und verbinclet die besonderen Hestandtheile der (iewebe unter einander: (»a rench \ mat ci^er Zel N t o \'\\ welcher lu'sonders bei den drüsigen Oriranen, sowie Imu den^lu^kcdn noii Wichtiiikeit ist.
Aus dem Zusammenhaiiü; clieses (iewebsv^tems «reht die McJLdi« hkeit einer weiten Verbreitung eines an einer l)eschränkten Stelle beircmnenen Krankheit.«.]»n»c es>es utnl des Wanderns vr)n Krankheitsproducten und fremden Kc'>rpern an ferm' stellen hervor. — Die innige Verbindung dvs Zellstolfs mit fast allen andern Gewelien de> I\.r>r[»ers maeht die wechselseitige Theilnahme zwischen den Erkrankungen de^ er>teren und der übrigen CJewebe begreiüich.
ALLGEMEINE BETRACHTUNG.
I. Aetiologie.
Die «mgeborenen Krankheitsdispositionen und Störungen des Zellge- webes, sowie die vom Geschlecht und AUer bedingten beziehen sich vor- nehmlich auf die [Entwikhmgsgrade des Zellgewebes und auf seinen Fettgehalt, nur in untergeordneter Weise auf bestimmte Krankheitsformen.
Mehr oder weniger extreme (»rade von Eettarmuth und Eettreichihum des Zellge- webs .sind zuweilen angeboren und die Verhältnis>e, welche sieh sc hon bei der(ieburt in dieser Hinsicht gezeigt oder doch im Laufe der ersten Eebensperiode herge>tellt haben, erhalten sieh sehr häufig für immer. (Gewöhnlich ist das Zellgewebe bei der Geburt reichlieh mit Flüssigkeit und Fett durchzoi^en und bleibt es, wemi nicht Erkrankungen eintreten, in der nächstfolgenden Zeit. In den Tairen nach der Geburt ist das Zellgewebe einer schweren und irefährlichen Krankheit ausge>ezt 'Zellgewcbsverhärtung der Neugeborneu). ausserdem sind aber aucli Krankheitsproces>e
Affeeüpnen det ZeUgewebs. 9
von ceriogerer Bedeutoiig, InflltrationeD , Abscesse etc. in der ersten Kindbeit sehr gewSknlich. Bei dem Reichthum des ZeUgewebs an Flüssigkeit u|id Fett wird bei kleinen Kindern ein ansserordentlich rascher Wechsel in ihrem Sussern Ansehen and Habitus and in ihrer scheinbaren Genährtheit möglich. Wie dieselben in wenigen Tagen , selbst Standen in hohem Grade collabiren und abgemagert erscheinen kOnnen, »o kann sich auch die KOrperffllle in sehr kurzer Zeit wieder herstellen. Ebenso hinst von der Beschaffenheit des kindlichen Zellgewebes das häufige Eintreten leichter Infiltrationen desselben, die Gedvnsenheit ab, die man bei beliebigem chron- ischen Kranksein bemerken kann und oft als das Criterium einer bestimmten Krank- heit, der Scropheln, ausgibt. — Mit dem Fortschreiten des kindlichen Alters schon im zweiten Lebensjahre, besonders aber nach der Entwiklung der bleibenden Zahne nimmt der Fettgehalt im Durchschnitt ab und die rundlichen Formen des KindkGrpers fangen an sich zu verlieren. Meist ist in der Zeit der Pubertätsentwiklung und in den folgenden Jahren das Zellgewebe fettarm, ungleich mehr jedoch beim männlichen Gesclilecht, als beim weiblichen. Nach der Puber- tätsentwiklung nimmt bei beiden Geschlechtern , beim weiblichen im Allgemeinen um >ieles frdher als beim männlichen der Fettgehalt wieder zu, erreicht auch beim weiblichen Geschlecht höhere Grade, als beim männlichen und die excessive Fett- leibigkeit ist bei jenem viel eemeiner. Der höchste Grad der Fettentwikiung fällt bei beiden Geschlechtcru in die %eit vor der Involution speriode. Beim weib- lichen Geschlecht Ist auch in diesem Alter ein flbermässiger Fettgehalt weit gewöhn- licher und es kommt bei diesem Geschlecht auch weit häufiger zu Anschwellungen des ZeUgewebs an einzelnen Theilen (z. B. an den Fassen) bei höchst geringfflgigen iMiUstigen Störungen oder selbst bei vollkommenem Wohlbefinden. — Im Greisen- alter nimmt der Fettgehalt abermals ab , das Zellgewebe wird zäh und schlaff zugleich , es verliert seine Elastidtät und ContractUität und atrophirt mit den übrigen Organen. In der ersten Zeit des Schwindens des Fetts im vorgerükten Alter ist bp>ondere Neigung zu Wasseransammlungen im Zellgewebe vorhanden ; im folgenden Greisenaiter mindert sich diese Neigung, da nun das Zellgewebe atrophisch und blutarm geworden ist. Die senilen Veränderungen treten bei manchen Individuen, ungleich früher ein, als bei anderen, sei es in Folge von Excessen, Anstrengungen, Entbehrungen, sei es in Folge einer besonderen Disposition (z. B. bei Gretinen und Zwergen).
AeiLssere Schädlichkeiten treffen das Zellgewebe gewöhnlich nur mittel- bar und es ist directen Einwirkungen nur nach Verlezung oder Entfernung der Bedekungen ausgesezt Die durch äussere Einwirkungen herbeige- filhrten und angeregten Störungen sind Hyperämie, Extravasirung, Exsu- dirung und Brand.
Von mechanischen Einwirkungen sind beim Zellgewebe ausser den Trennungen vorzüglich die Quetschungen und Erschütterungen von Wichtigkeit und die lezteren können selbst an von dem direct betroffenen Orte entfernten Stellen des ZeUgewebs (z. B. in dem Zellgewebslager einzelner Eingeweide) mehr oder weniger schwere Störungen bewirken. Bei der Lokerheit des Gewebes entstehen besonders häufig Extravasate, welche zuweilen eine sehr grosse Ausdehnung haben. — Von den Temperatureinflüssen hat die Wärme keine auffallende Einwirkung auf das Zellgewebe; um so häufiger wird vornehmlich das subcutane Zellgewebe durch niedere Temperaturgrade in abnorme Zustände versezt, werden Oedeme, feste Infiltrationen und Abscedirungen in ihm herbeigeführt. — Von Wichtigkeit ist ferner das Eindringen fremder Körper, einiger Parasiten und vornehmlich das Eindringen deletärer und faulender Substanzen in das Zellgewebe, indem besonders die lezteren rasch einen mit Verjauchung endenden Process in dem Zellgewebe her>'orrufen, der bei den anatomischen Dispositionen des Gewebes gewöhnlich weit über die Stelle sich ausbreitet, die mit der fremden Substanz in Berührung war.
Die Erkrankungen des ZeUgewebs durch Störungen anderer TheUe, zu- nächst derer, an welche das Gewebe angrenzt, sind äusserst gewöhnlich. Das Zellgewebe zeigt dabei bald dieselben Processe, wie der primär er- krankte TheU, bald leichtere Störungen; bald aber wird in ihm die Erkrankung die überwiegende.
Wo immer in dem einer ZcUgewebslage nahen Theile ein krankhafter Pjoces» von irgend erheWichem Grade sich entwikelt hat, zeigt auch daa leztere veränder-
10 Affectionen des Zellgewebs.
ungen. Besonders jrcwöbnlicli ist (Hess bei Erkrankunjien der Cutis, der Schleim- häute, der serösen Häute und bei jeder nicht car zu Iliielitiuen oder irar zu unbe- deutenden Affeetion dieser Theile ist es fast selbst\erstandli('li und wird nurgeNvöhnli<'li nicht weiter hervorgeholten, dass auch da^ Zelljrew(d>e, das mit diesen Theilen verbunden ist, ein anomales Verhalten zeigt. Kb^'uso nimmt dasselbe ganz gewöhnlidi Antheil an den AlVectionen der fibrösen Häute, der j>eripheris(hen Knochentlu-ile. der Gelenke, der in ihm n erlaufenden (ieläss<', sowie der parenchvmatöscn Orirane. w eiche' (\s umhüllt. In vielen Tällen ist dabei das Zellgewebe nur kaum merklirh <lurch eine etwa> reichlichere Anhäufung von Flüssigkeit in ihm L^e.>chwellt: al)er diese Anschwellung kann leicht höhere Grade erreichen und entweder drrbere Infiltrationen, reichlichere Oedrme. oder Abscedirungen und V^rjauchuniren können in ihm entstehen und scliNvere Störungen des Oriianismus können hcrvurücbracht w^erden, während vicileiciit in dem primär ergrilTcnen Organe der Process einen günstigeren Ablauf nimmt. Im Allgemeinen zeigen sich die bedeutenderen cnnsrru- tiven Veränderuniren im Zellirewebe jedoch mehr bei Primärerkrankuniren der Machbar- theile mit schmelzenden Fnulucten, als bei solchen, wclciie conscdidiren. Auch au den Entwiklungen von Parasitgeschwül.sten und b(»sartigen Infiltratioueu in iMuiacb- barten Orgauen nimmt das Zellgewebe Antheil. Andererseits können Atfectionrn benachbarter Theile durch Druk ib'is Z<*llgewebe fettlos machen und zur Atrt»jdne bringen, oder indem sie ihren Inhalt \un\ die in ihnen krankhaft ireliibleicn Prudiiete in das Zellgewebe eindringen lassen (Ga> aus dem Darme und den Kc>pirationsoriranen, FäcalstofTe, Eiter und Jauche) zur Entwiklung derNell>en Proeesse \ eraida^simt^ gel)en. welche durch das Eindringen deletärer Substanzen von au>sen eingeleitet werden. In ziemlich seltenen EälhM» sieht man im A'erlauf oder naeli VerMln\in(i«'n einer j)rimären Erkrankuns im Zellgew<'be >elb''t oder auch eines anderen Organs nn einer entfernten Stelle des Zellirewel»s eine Erkrankung auftreten, die man, da der Zu-^am- menhang nicht einsichtlich ist, gewöhnlich als >\mpaihi>ch zu bezeichnen ])tlegt.
Als Erkiankuii<:en des Zell/^rowebos durch Vennittlung der Alliremeiii- circulation und in Folge von Constitutionsstörung* treten auf: die Fett- arniuth und die Fettleibigkeit, das Oedeni, (He Infiltration und <lie Ab- scedirun*;. .seltner das Blutextravasat und die Bildung von Parasit- gesclnvülsten.
In den Kihper eingefülirte fremde Sub>tauzen. welche durch A'ermittluni: der Circulation MMbreitete Slöruniien hervorrufen, \Nirken auf das Zelbjewebe nirhi in ausgezeichneterer Weise, als aul amb're Theile. Nor bei einzelnen >ub>iauzen sind zuweilen eiirenlhümliche. doch immer untergeordnete» Siro-uni-en im Ze|Ii:e\\eb«* /u bemerken, wie z. H. bei der chroni-« heu Alcoolxeriiittunii . wo da- ZellticwrUe mit einem olVenbar n eränderten T'eit ülfertiiUt zu \\<'rden j)tlei:t. (nust i tu li (» n s - krankheiten hal)en im Allgemeinen auf das Zelli:e\\el>e nur insurern He/iehuni:. al> sein Eeiliiehalt dadurcli verändert und gew idinlich \rrnundert wird, und di('>> s(»wohl bei a<uten, wie bei den nu'isten chronischen ('(Mistitutinn>kraiikhei(en. Nur einzeliu' dersidbiMi rufen eii:<'ntliümlichere A erändernn^en im Zdluew ehe Iktn or . w ic «lie llvdroji-ieen das Oedeni. die Pvamie und dir* ähnlichen \ (uuän'je den Al)««ce>>, <lie Syphilis tiununalöse hililtrationen.
II. Patholoirie.
Die Zellg^evvebsveränderungen beginnen mit Störungen der Ernährung, der Circidation, oder mit E.vsudationen.
Der Anfang der ZeÜLieweliserkrankungen i'^t in der Mehrzahl der I'ällc ein unmerk- licher. AN'eiui irgend ein-<)ri:an aflicirt ist. >o ist zwar den IniNtüncb'n nach >>eljr häutig zu vermuthen. das^ audi da^ l»eiuichliarie Zellgewebe Antheil nimmt, aber der Beginn der Störung im Zellgewebe ist mei>tens nicht zu be-timinen. Zumal bei den Ernährungs>törungen grenzt der normale. Zustand an i\i'i\ krankhalten in «ler unmit- telbarsten Weise. Die Ernähnmg^störungeu l»eziehen ^ich übrij^n-nN nicht blo^s. \icl- mehr am wenigsten auf die 3!enge des ZcdlstoilV >elb>t, sondern >cuzngswei^e aut den Fettgehalt, dessen (Quantität die mannigtaltiirsten . olt irar niiht in das Bereich der Beobachtung lallenden Schwankungen in Krankheiten darbieten kann. — Am
Affectionen das ZeUg«webf. 11
ehesten lisst sich der Anfang einer Erkrankung im Zellgewebe bei copiösen Extra- vasirungen und bei den ei^ntlichen acuten EntzUnduneen von beträchtlichem Grade, d. h. bei Hyperimieen mit proteinsubstanzh altigen Lxsudatlonen verfolgen. Die Hyperämieen des Zellgevebs sind flbrieens so bald von Exsudation und Extravasation gefolgt, dass abgesehen von den ganz belanglosen Fällen das Stadium derStase nicht von den secund&en Entwiklungen und Processen geschieden werden kann. — Exsu- dationen kommen zwar von jeder Art im Zellgewebe vor, die gemeinsten aber sind die wässrigen und diese schliessen sich wiederum in der alleniumerklichsten Weise an den normalen FlOssigkeitsgehalt des Zellgewebes an, so dass sowohl während des Lebens , als auch in der Leiche oft nicht mit Bestimmtheit entschieden werden kann , ob man eine Durchfeuchtung des Zellsewebs noch als normal, oder aber schon als eine krankhafte Exsudation aiäfassen soU.
Die Erscheinungen der Zellgewebsverändeningen beziehen sich
1) auf die Volumsveränderuiig, welche thcils direct wahrzunehmen ist, theils mechanische Folgen für andere Theile hat;
2) bestehen sie in krankhaften Empfindungen;
3) können endlich bei beträchtlichen Absezungen im Zellgewebe Con- sistenz- und Elasticitätsveränderungen zu erkennen sein.
Alle übrigen Erscheinungen bei Krankheiten des Zellgewebes hängen nur von secundären Zufällen und Störungen ab.
Die Volumsveränderung ist es hauptsächlich , aus welcher man die Anomalie im Zellstoff Oberhaupt und annähernd aucn deren Natur bestimmen kann. Sehr oft, zumal bei allen in inneren Theilen befindlichen Zellstoffslagen kann nurindirect aus den mechanischen Folgen der Volums veränderune auf ihr Vorhandensein geschlossen werden. Nur selten und bei sehr reichlichen Absezungen im Zellgewebe bewirkt die Volumsvergrösserung der Stelle erhebliche Dislocationen von Organen. Dagegen bilden sich sowohl an der Körperoberfläche Vorbuchtungen, als auch können an engeren Canalstellen im Innern des Körpers Nachtheile fOr die freie Circulation des Inhalts der Canäle entstehen: so in den Respiraiions Organen besonders an dem Zell-* gewebe der Glottis, ferner am Pharynx und namentlich an seiner hinteren Wand, am Oesophagus, am Pylorus, im Rectum, an der Urethra u. s. w. — Die Empfind- ungen und Schmerzen, welche von Zellgewebskrankheiten ausgehen, sind stets trOgerische Symptome und können nur bei gleichzeitigen anderen Erscheinungen fflr die Diagnose einer Zellgewebskrankheit >erwerthet werden. — Die Consistenz- and Llasticitftts Veränderungen sind aUein beim subcutanen Zellstoffe, sowie* bei dem Zellgewebe unter zugänglichen Schleimhäuten während des Lebens beobachtbar und es ist in dieser Beziehung eiuerseits die Härte einer Stelle, andrerseits ihre abnorme Weichheit (bei Abscediningen und grossen Extravasaten), vor allem aber der auffallende Verlust der Elasticität von Wichtiekeit. — Die cousecutiven Zufälle sind bei den meisten Zellgewebskrankheiten die wichtigsten, sie lassen aber bei Abwesenheit directer Erscheinungen immer nur einen unsicheren Schluss auf die Störungen zu.
üienach sind die Krankheiten des Zellgewebes, sofern sie nicht an oberflächlich gelegenen Stellen (unter der Haut oder im submucösen Zellgewebe zugänglicher Schleimhäute) ihren Siz haben, der Diagnose wenig zugänglich und erlauben meist nur ein muthmaassliches Urtheil. Sehr häufig ist eine tiefliegende Zellgewebskrankheit bereits zu ausgebreiteten Zerstörungen (Abscedirung^n) vorgeschritten oder hat blei- bende Veränderungen in den mechanischen Verhältnissen (namentlich in demCaliber von Canälen) hervorgebracht, ehe sie eine bestimmte Diagnose zulässt. Andrerseits verlaufen auch viele dieser Krankheiten so latent, dass sie, ohne irgend eine Störung des Organismus hervorzurufen, vorübergehen, sich entweder vollständig lösen oder aber unschädliche Reste hinterlassen.
Die Bedeutung und die Folgen der Zellgewebskrankheiten hängen ab
1) von den mechanischen Verhältnissen und Einwirkungen auf benach- barte Organe;
2) von der Art der krankhaften Absezungen in dem Gewebe ;
3) von der Theilnahme der Nachbartheile an dem Processe ;
4) von der Betheiligung des Gesammtorganismus.
12 AflTectionen des Zellgewebs.
Ki< liäri«;t oft Non klcinou Zulällifrkeitcn al>. ob oinc Zellizfwf li>krnnkhoit BcdfMitunj: erlangt uri<l ><'ll>>t iictälirluli werden kann . CKlcr alwr >jnirlo> \oriil»<'r<i«'ht: Kino scritsc Infiltration, dir im >»il»nuu(»>en /«ditroNvchc des Colons lmh/ l^f'd^MltllnL'^^'^ ist, kann seihst bei \iel unbetiai hf lirlieren» (irade in der Glotti^iieL'end tiMJten: eine Sclirunipfunü. die im miIk uianen Z(dl>tolV nnr als eine narldiM' I-'-in/ielninL' si( li darstellt , kann au der ('ir< umterrn/ der rrethra eine vcdUtändiue l iiterbreelninL' der Ilarnexcretion bewirken. — In IJeirefV der Art der Ab^eznriL'en linden >{< ii dic-eiben l nierxhiede bei den Ilx^udatioiKii im /e|li:e\s ebe . wie bei anderen niir;,,,,.f| in «|rrA\<'i>e. da>s bei der eitriiien und jamliiüen I{\sn(bition >(|i\ser«'re Znlalb* droben. al< bei der w äs>rii:en : jedo( li bb'ibt bei dem Zellgewebe die |ji:entbümb( bk»'ii , (bi^-s mit An<- nalune «b-r ai>i:riiren/fen luteruni: alle K\>ndatio?i>lormen eine i:i(W-rre NeiLMuiL' zur Ausl>reliiinu in dem (»ewebe h.iben , als in iri^'nd einem anderen Ibeile des Kr»r|»er«'. die serri'^en Häute allein ausgenommen, und da-s uberdem in diesen I iillen da^ Ab^ese/te nu'lir al> innerhalb iri:end eines anderen dewebes seine Stelle zu \\e(hseln im Slafule ist. daher X'ersenktiniien durch >(h\\ere. durih iMuk \on aussen oder \on benarhbarien I heilen in der umfassendsten Weise \orkonimen. — lUe 'I heil- nahme Im- n a < h b a r t er ( ) r l^ a n <• und Stellen ist nleirhralls bei den Zelli^'w eb<- krankheiien *el,r oli \nn /ulälliL'en (on^tellationen aithäniiiL' und bei -< heinhar lmu/ i;leiehartiiieii I'akrankuuLien des ZelJirewebes ^elien wir bald benaehharte 'I heile lmu/ uneri:rillen Ideiben. bald aber sehr si hrudl an den I'rore--en Aniheil nehmen, nlme <ias> si( |j hielür in \ielen liillen ein i:eniii:r'nder (irund auHiuden lie-^e. \ i(dinehr sehliessen wir eben au-» einer jiro^^en (ienei<_Mheii zur Hetheilii^uriLi der N.iehbartbeib' aut einen iteiriii i»'ivcn l*ro(e>>. nbwt»hl damit mei-i ni(hi> andere> au>i:ednikt i>t, als die ( iiliekanni^ehari mit dem wahren Ne\u^ ijec Nninänne. |',> lä««-i ««i< h im AllLMTiieinen ni( ht anLi''ben. web he (>ri:ane und dewebe \oinehmli(h iienei'ji »«irid. an den Kianklieiiv|,r«i(e>sen im Zellgewebe Anilieil zu nehmen: die Haut und die Sehleindiäuh' . in ^o enner \ erbinduni: sie mit ihiem Zell::ewebe stehen. >\i\i\ e«« weniiier. als di«: unlerlieLMriden Tlieile uml oft i<«t die Cutis noi h in \ oller 1 nteijrität. \sahrend d<'r Zelbjew ebsab^ee^s die Muskel in Aulb"»*unu iiebrat liiund in den Knocbeti Caries herbeii:etiihit hat. Wie überall sehen wir die iNaelib rtliejle !iei Si hmelzunixv- \tnd Morti'i« alioiiv|u tMe^>e!i rax her und haulii:er >ieh belheilinen . als bei sob hen. die ras( h si( h ir>sen oder stationär bleiben «Hier mit HrLMiii^alionen enden. - — r>ie li e t h e i I i L' u n i: dc^ (i es a in m tor i^a n i s m ti s kann \on den maiiniulaltiLr-ten Xcv- liältrussen abhäni^en und wird theils durch die Art und Meiiiii' der Abi liicruni'en Itediniri (selir co[iir-»e Oedeme. nmlani^reiche IdiHexirasasate . \\eblie beide dur( b Stollentzlehun^ auf den ( )ri'anismus wirken : dilTu^e \ ereilertiniien und \'er)atjchnnL'en. webhe Mectik und r\ämie veratilassenj . theiN dtirch die mechani-( hen l"oli:en. theils tlur( h die (dn'«e( uti\e l'>kranknnir der Nachbartheile \ermitlell. Cs ist benier- 'kenswerth, dass bei a( ii:en Krkrankuniien (zumal I aitzümlunnen) des Zellneweb« von einiiicm Cmfani: die fieberhalle BeilieiliL'unir des ( hnvini'^mus i:erne nnd frülizeitii; den ( haraitcr der Adytianue annimmt und zwar dies^ silb-i in sob lieri Fälb'n, wo der rasche «tti au( h idme therapeutische Jüni^ritle erfolücnde CebernariL' in die ÜesserunL' \ermuthen la^'sen kann, cla^s derl'rcuos an sich noeh kein i^etalir- licher war. Leidialle l'ieberhize . Kleinlieit uml L'rosse l"re<juenz des l'ulses. aul- fallende Schliilriiikeil und NeiininL' zu Stu[ior, cnler uiiLM'wrdinlit he Cereiztheit und frühzeitiücs ibdirium. eim* den localen \ Crändemnuen nicht |iro|Mirtic»naie Nieder- Lieschlai^enheif. Mattinkeii und l'rostrntion. dike Zuuiieidielene und i^anzlic he SusjMMisitin der \ erdauuniislum ticuu'n simi bei acuten und umliiii'ilic hen Zelliiew ebserkrankufiLMTi sehr häuliL; zu becdiachten. lassen «dt das Kinirc-ten ts|dioider c»der |tyiimischer Zustände beliirihten. kcinnen aber na( h kürze^-lem hestande sich wiecler \erlieren. Ks ist nicht klar, wctvon es abhängt, dass die iJetheilinuni: des (•esammtoriianisinus bei den sonst i:anz iscdirten Zelli;ew(d»serkrank\ini:en acuten \ erlaules diesen eiireri- ihdndichen Character annimmt.
III. Theraj>ic.
Die Behandlung der Zell^ewebskrankheiten im Allj^enieinen hat nichts Eigenthiiniliche.-:, als dass dieselben mit An>nahme der durch ihre (iefahr- lichkeit empirisch bekannten Krankheitsformen (MJer dov durch ihre beson- deren Verhältnisse beträchtliche Nachtheiie bringenden Störungen ein über- •'indes Exspectativverhalten erfordern.
V
Hfpertrophie, HyperiniMn und Enttündangeii des ZeUgewebs. 13
Eine Unteidrflkiuig d^r Zellgewebskrankheiten iBt schon darum nur ausnahBiawelse möglich, da so gewöhnlich ihr Anfang latent ist Wo jene znl&ssig ist, geschieht sie mit denselben Mitteln , wie bei den Krankheiten anderer Gewebe. Dagegen hat das exspectative Verfahren um so mehr Berechtigung, da in dem Zellgewebe durch dessen Textur die spontane LOsun^ der Altectionen so sehr eeförderc ist Dieses Eispecti^werfahren I sowie auch eine eingreifendere Therapie, falls sie nOthig wird, schliesst sich in allen Beziehungen dem Verhalten in Erkrankungen anderer Theile an und hat sich vornehmlich danach verschieden zu gestalten« je nachdem die Zell* gewebskrankheit eine oberflächliche oder eine verborgene ist. . — Bei Störungen von notorischer Pemiciosität ist ein heroisches Verfahren selbst bei geringer Aussicht auf Erfolg nicht zu verwerfen , wie namentlich bei allen denjenigen Erkrankungen, bei welchen der Uebergang in Verjauchung in naher Aussicht steht — In den FäUen, wo mehr von den Umstunden , als von der Act des Processes Nachtheile und Gefahren abhängen, beziehen sich die Hilfen mehr -auf solche Organe, welche unter der Zell* gewebskrankheit in ihrer Functionirung gestOrt sind , auf WegrSumung mechanischer Hindemisse und Herstellung des Canalcalibers, oder auf ErQ&ung neuer Canäle bei UozugSnglichkeit jener.
SPECIELLE BETRACHTUNG.
A. HYPERTROPHIE DES ZELLGEWEBS.
Der Zellstoff wird an einer Stelle vermehrt durch andauernde, fort- gesezte Reizung an derselben, sei es durch äussere Einwirkungen, sei es durch chronische Processe, die 'daselbst statthaben. — Er wird aber auch vermehrt gefunden an Stellen, wo Organe zu Grunde gegangen^ geschwun- den sind und er füllt in solchen Fällen den Raum des verlorenen Theils mehr oder weniger aus.
Die Massenzunahme kann zugleich mit Vermehrung des in dem Zell- gewebe enthaltenen Serums oder Fetts combinirt sein.
Diese Massenzunahme hat keine besonderen Zufälle, als insoweit solche meehanisch durch die Volumsvermehrung herbeigeführt werden.
B. HYPERiEMIEEM UND ENTZÜNDUNGEN DES ZELLGEWEBS.
I. Aetiologie.
Die Zellgewebshyperämieen und Entzündungen sind mit Ausnahme der durch traumatische Ursachen entstandenen grösstentheils secundäre Processe.
Bei ^em ffrossen Blutreichthum des Zellstoffs ist das Eintreten von Hyperämieen und Entzflndungen sehr hegflnstigt, andererseits aber auch die Lösung und Rük- bildung erleichtert, so dass selbst sehr bedeutend scheinende Erkrankungen dieser Art dnen unerwartet günstigen Ausgang nehmen, freilich aber auch -in diesem in weiter Ausbreitung zusammenhangenden Gewebe eine ausserordentliobe Ausdehnung erreidiea und weit entfernt von dem Ausgangspunkte ein schUmin^s Ende neh- men können.
Die Hypeiftmieen und Entzündungen des Zellstoffs können überall vorkammen, wo dieser lagert; sie werden aber besonders da auffaltend und von. Belang „ >yo grössere Massen von Zellstoff angehäuft sind (im subcutanen und intermusculaw Zellstoff an den ExtremiUten, am Halse, an den Bauchwirbeln und dem Pspas un^ lüacus, um das Coecum, Rectum, in den Mediastinis, in der Glieson'schen Kamel), oder aucn da, wo eine Entzündung und AnschweUung des Zellstoffs für die l^^c^J?^®^, ^'^^ grosser Gefahr werden kann (im submucösen ZeUstoff der Glottis, m der UmgeDung de« PharyniL, der Prostata).
14 Hyperämieen und Entzündungen des Zellgewebs.
Die Hyperämieen und Entzilndungen des Zellstoffs entstehen primär nur durch äussere Einwirkungen, fremde Körper; höchst gewöhnlich sind dagegen die secundären Affectionen, bei welchen sich die Hyperämieen benachbarter und eingelagerter Theile dem Zellstofte mittheilen: z. B. die Hyperämit-en und Entztindiinjren der Cutis, der Schleimhäute, des Periosteums, der Muskel. Lymphgelasse und Lymphdn'isen . be- sonders aber der Venen. ländlich können sie aber auch b<'i gewissen allgemeinen Con- stitutionsveränderungen, Blutvergiftungen (Pyämie, Sy[ihilis, Ty(>hus, manche Intoxi- cationen) entstellen. Die secundären Zellgewebsentzündungen können das Ansehen primärer haben, wenn die ursprüngliche Krankheit geringfügig, sehr vorübergehend oder der Beobachtung unzugänglich war: in vielen Fällen tritt erst mit den Störuniren im Zellgewebe ein Kranksein in die Erscheinung. Sidche secundäre Zellgewebsent- zündungen bilden sicherlich die unendliche Mehrzahl; (»b ausser den traumatischen auch primäre Entzündungen des ZellstolVs \orkommen. läs>t >ich mit Sicherheit nicht entscheiden, da der Beweis nicht zu führen ist. da^s keine andere Störung voranging.
II. Pathologie.
Die ZellfrewebsentzUndungen sind bald circiiniscript. einfach oder dis- seminirt, bald diffus. Sie beginnen mit punktirter, .-sofort zunehmender und gesättigt werdender Köthe (Geias>überl'üllung), welche bald in Exsudation übergeht, durch die das Zellgewebe nicht nur geschwellt, sondern seiner Elasticität und Dehnbarkeit verlustig wird. — Die Symptome sind Ge- schwulst (soweit diese zugänglich ist), Schmerz, Beeinträchtigung der Nachbartheile (je nach den localen Verhältnissen), zuweilen fieberhafte Betheiligung des Gesammtorgani^raus.
S(tbald das Zellgewebe von irgend beträchtlicher Hyperämie befallen wird, >(hwillt es an. weil aL^bald seiner Eokerheit wejien ein Exsudat z\vi>(h«'n seine Fasern aus- tritt. r)ie>es ist bald blass, graulich, trüb und klebri:;, i>ald mehr l»raunröthlich <»der missfarbig. Es ))leibt zuweilen lange flüssig, bald erstarrt es frühzeitig, bald zeigt es eine auffallende Neigung zur Verjatichuug. — Das Gewebe selbst ist in Nerschie- denen Nuancen rolh, verliert seine Elasticität und wird ItrüduL'. — Dieser Ilerirang verräth ?ich zunächst durch Ges>ehwul>.t, diu theils an obertlächlich gelej^enen Zell- schichten (>ubcutanera Zellgewebe) durch Anschwellunir de^ ganzen Theils erkannt werden kanu. wul>ei dieser bald mehr teigig, bald bei grö>?erer Schwellung straff und glänzend, selbst bretterhart sich anfühlt: theil> ist die GochwuUt durchzulühleu in einzelnen tiefer gelegenen Lagern von Zellstoff, wo >ie al> ein rundlicher, fester, schmerzhafter KöriKT gefühlt werden kann (Regio iliaca «lextra, Zellgewebe des Halses) : theils endlich gibt sich auch schon eine tinbeträc htliche Ge>chwulst dann kund, wenn d\ir( h dieselbe wichtijre Canäle gedrükt. verengt (s\ibm\icü>es Zellgewebe der Glottis. Urethra, Hectum. Blase, Pharynx, OeMiphagiis) lubT benachbarte Organe beeinträchtigt werden (Muskel. Herz). — Der Schmerz au sich ist nicht bedeutend, wofern er nicht ilurch den Druk auf benaclibarte Organe herbeigeführt wird. Es ist mehr ein dunii»fes . lästiges Gefühl vorhanden, doch ist Druk auf die Stelle oft emfitindlich. — Die benachbarten Organe werden in sehr Ncrschiedenen Graden und Weisen beeinträchtigt, Muskel alsbald in ihren Bewegungen gestr»rt und gehemmt, natürliche Höhlen und Canäle zusammengedrükt . Organe gedrükt und dislocirt; olt erstrekt sich auch die Hyperämie und Entzündung auf die benaddtarten Theile und äussert sich in der diesen eigenthümlichen AVeise ^auf der Cutis als Erysipel, sogen. Pseudoerysipel, auf den serösen Häuten als ras« h entstehende Exsudat'ion, auf den Schleimhäuten als Catarrh). — Fieber tritt Je nach der Heftigkeit. Ausdehnung und Acuität der Erkrankung in verschiedenen Graden ein; wo die AtTection in ausge- breitetem Zellstofflager stattfindet, auch wenn sie nicht auf andere Weise complii-irt ist, nimmt das Fieber gerne den adynamiseheu Character an: starke Zungenbelege treten ein, der Kranke ist unjewiJhnlich hinfällig, sein Sensorium nitht ganz klar, er wird oft schlafsüchtig, zeigt Neigung zu Delirien und zwar diess alles bei F:rkraiik- ungen, die noch an sich Avenig gefährlich sind.
Die weiteren Folgen und Ausgänge der Hyperämie und Exsudatiou im Zellgewebe können sein:
1) Lösung, Zertheilung der Stase und Wiederaufnahme des Exsudats Circulation mit rascher Abnahme der subjectiven, mechanischen
Hjperimieen und EotzÜndmigeQ des ZsUgewebs. 15
ond constitutionelleii Störungen und mehr oder weniger vollständiger Her- stellung des normalen Zustands.
2) Anhäufung von Serum im Zellstoff: Uebergang in einen seeundären Zustand, das Oedem.
3) Verhärtung und Organisation des Exsudats mit Abnahme und Ver- schwinden der subjectiven und constitutionellen Störungen^ aber mit Zu- rfikbleiben der mechanischen.
4) Bildung von Eiter, anfangs in zerstreuter Weise, später in grösseren oder kleineren Ansammlungen, welche zuweilen wieder vertroknen, meist auf nächstem Wege oder auf Umwegen nach aussen oder in einen innern Raum einbrechen, wobei die damit in Berfihrung kommenden Gewebe ent- weder durch plastische Absezungen abgetrennt oder selbst in Eiterung und Mortificationsprocesse verwikelt werden. Dieser Hergang kann eine Zeit- lang oder bis zum Ausgange latent oder von mannigfachen, nach Acuität, Oertlichkeit und anderen Umständen verschiedenen Symptomen beglei- tet sein.
5) Mortification, Necrosirung des Zellgewebs, wobei dieses gemeiniglich in grösserer Ausdehnung mit Jauche durchzogen ist oder brandig abstirbt und die gewöhnlichen Allgemeinerscheinungen eines diffusen Absterbens von Gewebtheflen eintreten.
Die Hyperimie und erste Exsudation kann in leichten Fällen and wenn die Ursache nicht fortwirkt, ziemlich schneü in Lösung, Zertheilung und Wiederauf- nahme des Exsudats flbergehen, in weichem Falle die Svmt)tome bald wieder sich verlieren, in oberflflchlichen Theilen aber noch lange einige Auflokerung, Anschwellung oder aber eine auffallende Abmagerung und Schlaffheit zurakbleibt, auch die Neigung in wiederkehrender Infiltration gemeiniglich lange sich erhftlt
kt das Exsudat serös, oder auch nur flberwie^end serös, so stellen sich die Er- scheinungen des Oedenis in gleicher Weise ein, wie wenn die Infiltration ohne Ver- mittlung von Hvperftmie zu Stande gekommen wäre. Die Schmerzen hören auf oder sind nur dem Grad der Ueberfallung und dem Druk auf benachbarte Theile propor- tional. Auch das Fieber hört gemeiniglich auf, wenn es nicht durch andere Zustände nnterhalten wird. Die Resorption enolgt nach Beseitigung der Ursachen mit der grössten Leichtigkeit.
Verhärtet und oreanisirt das Exsudat so bildet es mehr oder weniger derbe, oft Bchwielenartige, callusartige Klumpen und Stränge und spekartige Infiltrationen; der Zellstoff ist dann viel fester an die benachbarten Organe angeheftet, weniger auf ihnen verschiebbar und oft mit solchen verwachsen, mit denen er normal in keiner Verbindung steht Dislocationen der Organe können dadurch bedingt werden. Ein solches festeewordenes Exsudat kann später verschrumpfen und mit Schwund des indessen' erarflkten Zellgewebs enden. Doch geschieht diess durchaus nicht immer, "Vielmehr bleiben oft gerade sehr voluminöse Exsudate von spekartigem Aussehen tusserordentiich lange permanent, besonders im subcutanen und submucösen Zell- g;ewebe. Grössere Massen verhärteten Exsudats im Zellstoff können auch in Tuberkel ■ich umwandeln, besonders wenn in der Nachbarschaft Tuberkelherde sind, oder auch in Krebs, wie besonders im submucösen Zellstoff.
Viel hinfiger noch endet die Erkrankung mit Eiterbildung (Phlegmon). Der Eiter ist anfangs punktförmig in dem gerötheten Zellgewebe zerstreut Zuweilen beschiinkt sich diess von Anfong an auf eine kleine Stelle, die bald die Nachbar- theile durchbricht und wobei ein Convolut von Gerinnsel, das mit Eiter durchtränkt und von solchem umgeben ist (Exsudatpfropf) , entieert werden kann. Meist jedoch Mmmelt sich der Eiter in grösserer Ausdehnung, vereinigt sich in mehrere kleine Herde, die zulezt durch Schmelzung der Zwischenstellen in grössere zusammenfliessen kSnnen. Weite Streken von Zellgeweb können dadurch zerstört werden und zwar pchieht diess oft mit grosser Kaschheit. ßei dem Zusammenhange des Zellgewebs im Körper kann es geschehen, dass an der ursprtlnglich erkrankten Stelle die Zer- theilung, an einer entfernten dagegen nnvermuthet die Eiterung eintritt; es geschieht
Iw Hypflraniief^n und Entzüiidung<iQ d^s Zcllg»^webs.
weiter sehr i;ewülnili«:h. dass der Eiter in (Jänpen im /«'Uijewclje nach ver.schiedenen Seiten sich ausbreitet, durch seine eigene Schwere und durch den Druk der heriach- barten Theile hi> /u entfernten SteHeu sich versenkt und dort siel» ansammelt und zum Vorschein kommt, wo er am weniojsten Widerstand lindet (Con^estionsahxes^fM. — Die Organe, wehhe dem so erkrankten Zellstoff henaclihart sind, widerstehen oft, trozdem dass sie lilierall mit Kiter )»espült sind, ziemlich lange und ehendarum wird die Kiteruni: so oft verkannt: docli zeigen sie meist einige Mis^farbigkcit. In- tiltraliou, Klastiritäts\eriust und besonders 31usk(d büssen ihre ("ontraciionskraft mehr oder weniger ein. Zuiczt kann Jedoch der Kiter in die bcna(hi»arten Organe ((Julis, Darm, Muskel etr.) eindringen, sie allmalig v(*rdünnen, niac criren und dunlibreclien. — Bei ditfusen VtTeilerun^en ist übcrdem eine Aufnalime de> Kitrr> in das Blut oder ein Fortschreiten der Knlziindung a\if die A enen sehr häutig und \or Al[<'m gefährli( h. Die Symptome dieses rel»eriranir> in Kiterung bis zum ollcncn llcr\nrtreicn d«"^ Kiters sind äu>sersi ver.xhieden. Sie häni^rn ab:
1) von der Acuilat des Kalls. Krfolgt ilie Kiterung >ehr rasch, >o i>t sie cdt vom heftigsten KiebiT )»egleitet. erfolgt sie langsam, so ist das Ki»'ber heciix h oder fehlt auch ganz.
2) Von der 01)erllächlichkeit um! Zugänglichkeit der entzrtndctrn Stelle. Wo die Abscesse nur durch dünne Schichten bedekt sind, kann man die Weichheit und selbst die Fluctuation des Inhalts erkennen. Doch ist man häutigen Täuschungen ausgesezt und namentlich \ermuthet man oft noch keinen KltiT, wo schon ausire- dehnte Absccdirungen gebildet sind.
3) \'on der Art und Wichtigkeit des Organs, in des>en Nähe sich die Kiteruni: be- findet: danach grosse \'erschiedcnheiten. die bi»i der liocalpathologi«» zur Sprache kommen.
4) Von der Aufnahme des Kiters in das Blut und Kntstehung suj)purireud(»r Phle- bitis. Sie kündigt sich durch heftiire Schüttelfröste oder ein Fieber mit tieicr Prostration an und führt fast siclier zum Tode.
Dem spontanen Aufbrechen des Eiters nach aussen «reht meist eine llautliy[)er- ümie voran, wobei die Haut bei ra>cher Kntwikluns lebhaft r<»th und iiespannt. bri langsamer livid , l>räunlich. Idäulicli und schlatV ist, I)er Kiler selbst kann voll- kommen rein sein oder verschiedene Beimischungen. (iewebsirümnuT, Blut, Luft etc. enthalten.
Das Aufbrechen in innere Orgaue ist je nach <leu l'mständen \on verschiedenen Symptomen begleitet, was bei den betrelTenden Organi'U zur Spradie kommen wird.
Isicht selten bilden sich grössere oder kleinere Eiterherde im Zellgewebe äusseret still und unbemerkli( h : uiul es ist vielfach behauptet worden, da^s ihnen aNdann keine FIyj»erämie Noransi-he (kalte Absccssei. was aber nicht «Twioen i.-t. Sie >iud sehr ind(dent : >o gering die Beschwerden sind. >o wenig auch zciiien sie autge- l)ri»c,hen Neigung zu Heilung.
Zuweilen ist der AuMjanii der I'.ntzündung in der Art gemischt, dass das Kx>udat <ler grr>>seren Menge nach verhärtet ist, aber an einz<dnrn bochränkten Stellen kleine Herde dünnen Kiters sich bilden; meist stellen sich dann jiewundene und li>tulö>e (länge her. welche durch die starren Massen liindurch zu den Kiterherden führen. Ks ist diess ein äusseret liartnäkiger, sehr dironischer Zustand, der be>ond<'rs in dem Lager der Kymjdidrüsen, der Spricheldrüsen, aber auch an andern Stellen vorkommt.
In Fällen, welche einen weniger stürmischen Verlauf habeii und wo sonst günst- ige Verhältnisse obwalten (Kühe des Theils, Unemj)langlirlikeit benachbarter Or- gane), geschieht es ni( ht selten, da<s der Kiter d\irch eine plastische Kxsudatioii begrenzt und dadurch abgesakt wird. Der >•• eingcs<hlt»ss,'in' Kiler kann lan^e sich erhalten und entweder noch später <las abgrenzende IX^udal wieder zur Schmelz- ung bringen, oder aber unter Kesor{»tion der wäs>erigen I5e>tauiitheile allmalig zerfallen und in einen immer fe>ter werdenden Brei mhi Kalkioncrenjenten \er- 'v^andelt wertlen. der zub'zi bis zu einer Masse M»n ir«'rinL'er l>edeutuT)g \erschrunipfen kann. — Die^e Fälle kiumen vollkommen symptoinb» \ erlaufen oder wirken >ie Ijöchstens mechanis<h ilur( h Druk u. derj,d. auf di«' benachbarten Theile.
Nidit selten endet die Ijit/ünduni: des Zell-iotls mit Necrnsirung. Dii^ss rr«'- schieht entweder, ehe «ler Herd selbst aufgebro« lien i>t. durch mehr oder weniirer rasches Absterben des Zcllg^'webs und Absezunir <'iner >chnni/i«j: briiinili<h-grüoli( beu Jauche, in welcher krüiuli(h<* oder zottige, morst he iJoie \<ui ZelNtolV si( b \or- tinden, oiler verwandtdl sich das Zellgewebe in weitem riritaiiLT auch in eine /er- reissliche, feuchte, schmuzig gelb«' oder iirünliche Masse. F.in s,,!, Iht Aus-rani: kniniul }>esonders \or, wenn Necrose eines benachbarten Theils, z. 1>. Kno(lien>, die Zell- cewebsentzünduui: \eranlasste, wenn sehr M-hädliche Substanzen in das Zellir,.^vebe elangt sind (Daringas, Leichenüitt . Mil/brandi:ilt) , wenn das Indixid'iuni dur<b
HyparimiMD und £ntxündiinf«i& des Zellgewebt, 17
Torauigegaiigene schweie Krankheit tief erschöpft ist (nach Typhus, Cholera, schweren PneumonieeD) oder die Zellgewebsentzflndang dnrch Aufnahme von Branc^auche an andern Stellen entstanden war (septische Metritis, brandiger Decubitus etc.) ; zuweilen auch wenn die begonnene Entzflndnng misshandelt wird; endlich aber auch unter Umstinden, die vollkommen dunkel sind und wo unter den günstigsten Süsseren YerUUtnissen der Individuen zuweilen ein fast epidemisches Herrschen zur Necrose geneigter Zellstoffentzflndoneen beobachtet wurde (die septische Zellgewebsentzündung um me Unterkieferspeicheldrtlse). In diesen Fällen verrflth sich die Gefahr des Ausgangs meist schon frtlhe durch die ausserordentliche Hftrte der Geschwulst, falls diese der Beobachtung zu^gUch ist, und durch das äusserst tiefe Allgemeinleiden (heftiges, adynamisches Fieber, grosse Beschleunigung des Pulses, Prostration, Un- ruhe, Delirien, Sopor). Später wird die Geschwulst wohl weich, aber ungleich und teifig: die Symptome verschlimmem sich, selbst wenn der Inhalt nach aussen bricht UDd gerade dann erfolgt oft rasch der Tod.
Oder die Necrosirung tritt erst ein, nachdem der Zellgewebsabscess sich bereits gedifnet hatte. Diess geschieht besonders bei weit ausgedehnten Unterminirungen einer Zellstoffausbreitung. Das Eindringen der äusseren Luft nach der Oeflnung, die Unmöglichkeit, den ganzen oft vielfach verästelten und zuweilen mehrere Fuss langen Eitergang rein zu eraalten und für Abfluss des Eiters zu sorgen, bedingt eine zer- sezung der zurflkgebliebenen FlOssigkeit, wodurch weiterhin bald eine zunehmende Veijauchung und Necrosirung des noch bis dahin erhaltenen Zellstoffs sich einstellt und das Beeret aus dem Canale dem entsprechend missfarbig und stinkend wird. Die Kräfte des Kranken, bis zum Aufbruch des Abscesses noch leidlich, sinken nun lasch, ein hectisches oder adynamisches Fieber zehrt ihn auf. Daher die Gefahr der Eröffnung von sogen. Congestlonsabscessen.
Die verschiedene Gestaltung der EntzQndungen des Zellstoffs und ihrer Schiksale und Folgen hängt ab :
1) von der Beschaffenheit des abgesezten Educts, welches alle Verschie- denheiten der Proportion der einzelnen Blutbestandtheile zeigen kann;
2) von den Einflüssen, welche im Verlaufe die Stelle treffen und zwar sowohl von örtlichen Einwirkungen, als von GonstitiAionsverhältnissen;
3) von der Oertlichkeit der befallenen Stelle.
Die urspiUngliche Beschaffenheit des Exsudats ist vom erOssten Einfluss auf seine weitere Gestaltung, wie schon aus dem oben Angefahrten hervorgeht Wir sind ohne Zweifel nur im Stande, die grObereo Differenzen in der Beobachtung zu ver- folgen : seröses, plastisches, zum Zerfallen geneigtes Exsudat, und wir kOnnen nicht immer einen sicheren Rflkschluss aus deu Schiksalen des Exsudats auf seine QTsprtlngliche Zusammensezuog machen. Manche Exsudate im Zellstoff zeichnen sich doich die ausserordentliche Kaschheit und Unaufhaltbarkeit aus , mit der sie in Eiterung flbergehen, während andremale bei scheinbar weit heftigerem Processe und reichlicherem und gehaltreicherem Educte die Eiterung zögert oder vermieden werden kann. — Jedem entztlndlichen Exsudate sind tlberdem Blutkugeln beigemischt; zu- weilen sind diese in ungewöhnlicher Menge vorhanden (sanguinolentes, hlmorrhag- iiches Exsudat). Die Geschwulst ist dann gewöhnlich sehr bedeutend, hart und gespannt, die Schnittilftche dunkelroth geflekt Dieses Exsudat kommt besonders bei ttcnectischen Individuen neben andern Hämorrhagieen und hftmorrhagischen Exsudaten 'or. Die Rokbildung dieses Exsudats geschieht schwieriger, als die des gewöhn- lichen ; hlufig bleibt Pigment und callöse Hftrte zurflk ; zuweQen geht es nachtriglich in Vereiterung und Verjauchung Ober.
Neue Einflüsse im Verlaufe der Krankheit treffen das entztlndete Zellgewebe um so häufiger, als es mit wichtigen und leicht in functionelle Unordnung kommenden Organen in innigem Zusammenhang steht. Die Zellgew ebsenUündung wird acte hinfig die Ursache einer Störung benachbarter Theile und diese reflecürt »odann auf jene in nachtheiliger, die HersteUung verzögernder, denZerfaU begünstigender weise.
Von besonderer Wichtigkeit für die Gestaltung der Erscheinungen und Folgen der ZeUgcwebsenUündung sind die örtlichen Verhältnisse der befaUenen SteUe. . ^ Bei der Entzündung des Fettgewebs zeigen die FettzeUcn ein duK^emende», bUssröthliches , gaUertähnliches Aussehen. Bei höheren Graden ^"^.^ *^?® ktun, der Inhalt der Fettbläschen schmilzt, dringt »«> ^«»J^»'*^'2f^jL®'?2L,^ «itt plastiichea Exsudat tritt an seine SteUe. wodurch das Fettgewebe cm unugo»
Wandsrlieh, PatboL u. Tberap. Bd. II. ^
18 Ilyperämieen und Eritzündungea des Zellgewebs.
Aussehen bekommt. Das Exsudat kann wieder resorbirt werden und in dem Ge webe später wieder Fett abgesezt werden, oder aber die Fettbläsrhen bl^nben obli- terirt und der Theil daher auflallend abi^ema2;ert und verschrumpfi. — Nicht selten wandelt sich (besonders im Neze) das Flxsudat in eine käsige, tuberkelartige Masse um. — Sehr häufig ist der üebergaug in eiterige? Schmelzung und auch der in Ver- jauchung findet sich vor.
Andere wichtige Stelleu des Vorkommens der Zellgewebsentzündungcn sind:
1) im subcutanen Zellstoff entstehen sie häutig primär oder nach AflVctionen der Cutis, der Gefässe, bei Blutanomalieeu; sie sind bald circumscri[»t an den ver- schiedensten Stellen der allgemeinen Deken, bald und besonders häufig dilTus; besonders gefährlich sind sie zwischen der Galea aponeurotica und dem Schädel, ferner am Halse, bei Neugeborenen am Nabel, am ganzen Kör|>er ^Zell2:ewel)sverhärtunic der Neugeborenen); ferner die häufigen Entzündungen des Zellgewebs am Arm nach Aderlässen, Vcrlezungen, seiteuer am Rumpf; sehr gefahrlich sind sie am Bein bei "Wöchnerinnen, (Phlegmasia alba dolens) und au( h bei andern schweren Krankheiten (z. B. Typhus), sehr liartnäkig oft in der Piauta pedis.
Die Entzündungen im subcutanen ZellstotV kommen vor in der Form fester Infil- tration und als Äbscess.
Die feste subcutane Zellge websi nfil tration ist in vielen Fällen nichts weiter, als ein compactes Oedem und schliesst sich ganz unmittelbar an das «gemeine Oedem an, während andererseits allerdings auch [da-«tische AusgiessungcMi des sub- cutanen Zellgewebs vorkommen. Es sind hier dieselben unmerklicheu Ueberi^äiuie von der schlaffen serösen Infiltrat iou dureh die festeren Formen des ()edenis bis zur croupösen Fxsudation zu beoba« hten , wie wir sie in andern Organen, namentlich so vollkommen und eleu! lieh in den Eunuen wahrnehmen. Während des Lebens i>l CS in vielen Fällen geradezu unmnjrlich zu entscheiden, ob in einem c(uicreten Falle mir Serum die Räume des subcutanen Z<'llg<'webs au>fullt oder ob und in welchem Grade plastische geronnene Substanzen beigenüscht sind. Es kann denuiach aurh die Frage, ob gewisse Formen der Zellirewebsverhärtuug, z. B. das Sclerom der Neugeborenen, zum Oedem zu rechnen >eien oder nicht, in dieser Fassung als eine unrichtige und uubeantwortbare augesehen werden.
Die feste Uuterhautzellgewebsinfiltration kommt vor:
a) beschränkt, in Form von derben schwieligen Massen und kleineren der- artigen Absezungen in der Nähe zahlreicher anden'r Pr<Ke>se. besonders mancher Geschwüre, eitriircr Exsudatioruui. in der Nähe von Kuochenatrectiouen. orler zurük- bleibend nach Hautentzündungen und bei Vernarbuunen. In den meisten Fällen i>t diese Infiltration mit ein Grund der schwierigen Heilung der primären Zustände, indem das schwielige Gewel)e blutarm ist und zugleich mechanisch die Narbenzu- sammenziehung verhindert. Sie kann entweder nur vtni örtlicher Rcizuni; abhangen, oder liegen ihr constituiionelle Ursachen, besonders constitutinuelle Syphilis z\i Grunde.
b) In ausgedehnterer Weise findet sich eine f e s t e I n f i 1 1 r a t i o n d es subcutan e n Zellgewebes bei Neugeborenen., am häuligst<'u in den fünf ersten Taxen nach der Geburt, zuweilen auch noch wenitre Tage später. Es sind Kinder mit >ciilecht entwikelten Eungen, schwächli(he und zu früh geboreui! (nach Leger Kinder mit zu kurzem Darm), und die \ eraidas>uuiren scheineu \ornehmlich Krkiiltungeu . namentlich feuchte Kälte und verdorbene Euft zu ^ein. leberwiegend häufig beobachtet man den Zustand in Findelhäusern. - l)ie-e Krankheit ist eine noch nicht ganz auf^geklärte. Zuweilen scheint sie? ein blosses Oe<leni zu sein, in andern Fälleu an das Erysipelas neonatorum sich auzu>chlies>eu und noch in andern Fällen eine Coni- plication des Icteriis der Neui^'ebortuien zu sein; doch muss dahingestellt bleiben, ob nicht hin und wieder auch ganz ei;:eulhümliche, mit nichts anderem zu vergleichende Fälle von Zellgewebsscleru^e bei Neui^eborenen vorkommen. Z«ierst bemerkt man eine violette Färbuns: mit Schwellum:: und Härte nn der Haut d(?r Füs'<e. Bald geht diese Färbung ins Gelbliche über, während zugleich die .\llectiou auf die Schenkel, den Rumpf, die oberen Extremitäten sich ausbreitet und auch im Gesicht, nament- lich an den Auglidern sich zeiut. Au enzeliien Stellen , besonders am Rumpf, i»t die Haut gesprenkelt und behält eine lisid rothe Farbe. Ebenso sind die Lippen livid. Die llauttemperatur sinkt fast auf den Temperaturgrad der äusseren Atmo- sphäre, die ganze Hautoberfläche wird hart, fast wie Holz: drükt man stark auf die geschwollenen Stellen, so gibt es einen tiefen, höchst langsam \erschwindi'ndeu Eindruk. Die Bewegungen sind sehr gering, nur schwache Zukungen sind zu bemerken; die Mundhöhle ist kalt, es ist keine Neigung zum Saugen vorhanden; die Respiration ist sehr kurz und schwach, der Puls klein; die Kinder hegen iu fort-
" ^endem Sopor und lassen nur selten einen hohen grillenden oder halberstikten
Hjpwiolatn und Sniiündnogtn das Zellgewebe. 19
Schrei hOreD. Zuweilen ist etwas TrismoB oder auch Opisthotonos dabei. Meist erfoli^ der Tod am zweiten bis siebenten Tage und äussere Kälte scheint ihn an beschieonicen. — Die Leiche zeigt eine dankelroth marmorirte Oberfläche mit gelln Uchen Zwischenstellen, an einzelnen Stellen ausgebreitete gelbe Farbe. Ein Ein- •choitt in die geschwollenen Deken lässt ein gelbes klares Serum auslaufen, während die Cutis selbst mit schwarzem Blut flberfallt ist. Das Fett ist wie granulirt und ia dem serOs inflltrirten Zellgewebe zerstreut. Unter der Aponeurose ist gewöhnlich kein Wassererguss mehr. Die Lungen sind meist steUenweise atelectatisch, stellen- weite mit Blut angeschoppt Das Herz und die grossen Gefiisse sind von dunklem Blut ausgedehnt, Leber und Gehimsubstanz gleichfalls reichlich damit Oberfttllt, die lerOsen HOhlen enthalten zuweilen Wasser.
Abscesse des subcutanen Zellgewebes entstehen durch directe Verlezungen (Quetschungen, eindrincende Wunden); durch fremde Substanzen des Körpers, die dahin gelangen (Darmkoth , Urin) ; durch Fortpflanzung einer Affection der Haut (Erysipelas phlegmonosum, Variolen etc.); durch Theilnahme an den Affectionen ianenliegender Organe (Venen, Lymphgeftsse und Drflsen) oder der unterliegenden Theile; bei allgemeinen Krankheiten (Prämie, Typhus etc.); zuweilen auch gans ipontan. Nicht selten wirken mehrere dieser Ursachen zusammen und während die eine eine erhöhte Disposition abgibt, dient die andere als Gelegenheitsursache. So s. B. können Quet8chungen> die an und fflr sich unerheblich waren , bei einem dis- ponirten Individuum zur subcutanen Abscedirang fahren oder gesellt sich zu einer missigen Hautaffection ein Abscess, weil das Gesammtverhalten der Constitution die Neigung zur Eiterbildung steigert — Die Abscesse des subcutanen Zellgewebs treten ittweilen nach Erscheinungen einer diffusen tiefen Hyperämie ein, zuweilen aber aoch ganz schleichend und unerwartet, oder unter Symptomen, die nur ein Oedem erwarten Hessen. Die mannigfaltigen Verschiedenheiten, welche bei diesen Abscessen je nach ihrem Size, ihrer Ausdehnung etc. zu beobachten sind, mdssen im Allge- meinen als herkömmlich der Chirurgie «zugewiesene Affectionen hier tibeigangen werden, während solche Formen, welche durch die Art des Sizes directeres Interesse Ar die innere Patholocie haben, an entsprechenden Stellen der LocalpaÄologie zur Sprache kommen. — Inr Ausgang besteht entweder in Resorption der flassisen Theile anter Zurflkbleiben einer festen Geschwulst, welche allmäbg durch Atrophiren sich verlieren kann, oder in directer Oeffnung nach aussen, oder in Ausbreitung nach venchiedenen Richtungen, wozu bei dem Zusammenhang des Zellgewebes nach tllen Seiten die grösste Neigung vorhanden ist und wobei entweder das Individuum n Grunde gehen oder an entfernten Stellen der Eiterherd sich Oflinen kann. —
3) Im submucOsen Zellstoff sind Entzündungen sicherlich selten primär, meist von Affectionen der Schleimhaut ausgehend, meist circumscript, oft zu callöser Ver- dichtung oder zur Eiterune führend : besonders sind hervorzuheben die Entzflndungen im submucösen Zellstoff der Lippen, der Nasenscheidewand, des Larynx, des Oeso- nhsgos, des Pylorus und Marens überhaupt, des Dikdanns bei Dysenterie, des Mast- aarms bei chronischen Affectionen daselbst, der Scheide, der Harnröhre.
3) Die EntzQndungen des subserösen Zellstoffs fallen mit den Entztlndungen der serösen Häute meist zusammen : s. seröse Häute. Die auf den subserösen Zell«> Stoff beschränkten Entzflndungen sind wenn auch nicht selten, doch meist unbe- deutend und nar andere Entzflndungen begleitend. Grössere Selbständigkeit zeigt noi die Entzflndung des fettigen Zellgewebs des Nezes.
4) Entzflndungen des Zellstoffs, der in hautartiger oder scheideartiger Um* hflllong von Muskeln, Drflsen und anderen Theilen, als Lager fflr Eingeweide oder ih Ausfallung von Räumen vorkonmit. Sie sind vielleicht zuweilen primär, gewöhn- lich aber den Erkrankungen benachbarter Theile consecutiv , haben bei acutem Ver- Isaf nosse Neigung zur Eiterbildung und A'erjauchung, bei chronischem zu Bildung von Callositäten und Verhärtungen, sind auch von Anfang an oft hämorrhagisch. Biese Affectionen, welche des Nähern bei der Localpatholoae zu betrachten sind, Utenen hier nur in Ktlrze namhaft gemacht werden: die £!ntzflndungen der Pia Bater, des Neurilems, der äussern Geftssscheide , des Lagers der Lymphdrflsen (Achselgrube, Sdienkelbuge, Hals), des Lagers der Speicheldrflsen (häufig bösartig und bnmdir) , der Kropfdrflse, Entzflndung des Zellgewebs, welches den Pharynx sn die W^belsäule anheftet (Retropharyngealabscesse), des Lagers der Thymus, des Mediastinums, des Fettgewebs um das Herz, Entztlndungen der sog. Glisson 'sehen Kapsel, des Lagers des Coecnms (Perityphlitis), des verbindenden Zellgewebs zwischen Rectum und Kreuzbein, Samenbläschen , Vorsteherdrflse etc. (Periproctitis)^, fcnier zwischen Scheide , Blaae und Rectum (Pericolpitis , hauptsächlich nur bei W5chnerinnen), zwischen der Blase und den benachbarten Theilen (Perlcyititis)»
30 Hyper&mieen and EntzOndangen des Zellfewebs.
Entzündangen der Zellgewebsfettkapsel der Nieren, femer des Zellgewebs an der Wirbelsäule und am Iliacus und Psoas, endlich des Zellgewebs, welches als Lager nnd Halle fflr Afterproductionen dient.
5) Die Entzflndungen des parenchymatösen Zellstoffs fallen meist mit den Ent- ztlndnngen der Parenchyme selbst zusammen. Nur in ziemlich seltenen Ausnahms- fällen findet sich eine auf. den interstitiellen Zellstoff beschrankte Entztlndong ent- weder in der Form der Verhftrtung und starren Infiltration oder in der der Abscedirunf , wobei das eigentliche Grewebe des Organs durch die Vereiterung des intentitiellea Zellstoffs aberall freigelegt und gleichsam bloss präparirt wird (Äbscessus dissecans).
ni. Therapie.
Bei den der Oberfläche des Körpers nahe gelegenen beschränkten Zell- gewebsentzündungen (partielle Entzündungen des subcutanen Zellstoffs, des Zellstoffs in der Nähe der Mündungen der Schleimhäute) sind die In- dicationen: Entfernung, Unschädlichmachung der Ursachen, so weit solches möglich ist; Verminderung der Blutüberfullung; Erschwerung der Educ- tion; wo diese stattgefunden hat, Beförderung der Resorption oder der eitrigen Schmelzung und des Aufbruchs auf günstigstem Wege; endlich Berüksichtigung der begleitenden Erscheinungen in Nachbartheilen und im Gesammtorganismus.
Zu der causalen Indication gehört die Entfernung fremder KGrper, Behandlung anderer Krankheitsprocesse, welche die Zellgewebsentzflndung veranlassten, Behand- lung cachectischer Zustände, die sie herbeifahrten, Vermeidung aller Umstftnde, die sie steigern kOnnen, Vermeidung der Bewegung des Theils, der tiefen Lage des Theils, Vermeidung reichlicher und reizender Diät etc. — Bei ganz massigen und manchen consecutiven Zellgewebsentzflndungen genügt diese Behandlung, bei heftigeren ist sie wenigstens unerlässliches Unterstazungsmittel*
In heftiger auftretenden Fällen ist die Anwendung einer entsprechenden Menge von Blutegeln an die Stelle nnd die Auftragung von Queksilbersalbe nflzlich. Im Anfange und bei ziemlich heftigem Beginne kann man auch intense Kälte auf den Theil versuchen; doch wird sie nicht immer ertragen- Statt ihrer ist im Gegen- theile oft gleichmässige Wärme (mittelst massig warmer Cataplasmen) förderlich. Auch das Ueberschlagcn von warmen Blei wasserumschlägen kann in solchen Fällen ver- sucht werden. — Dabei ist strenge Diät anzuwenden, sind kohlende Salze oder nauseose Mittel (Tart. emet) innerlich zu reichen und für täglich 1 — 2maligen Stuhl Sorge zu tragen. — Geht dessenungeachtet an einer Stelle die Entzündung in Eiter- ung tlber, so muss die Abscedirung durch Cataplasmen begflnstigt und der Abscess frflne ge5ftnet werden, um so frflher, wenn die Eiterung diffus erscheint, und man darf sich in diesem Falle selbst durch Zweifel über die wirkliche Ausbildung eines Herdes nicht abhalten lassen, einen oder mehrere Einschnitte zu machen: eher kann bei circumscripten Abscessen einige Zeit zugewartet und noch auf spontanes Auf* brechen oder auf Rflkbildung gehofft werden.
Wenn dagegen nach der Blutentziehung der Schmerz und die Anschwellung abnimmt, ohne sich vollkommen zu zertheilen und Infiltrationen zurflkbleiben, oder die Affection von Anfang massig war, so wirkt zuweilen ein Drukverband an geeig- neten SteUen vortrefflich oder kOnnen warme Bäder, Jodsalbe, später flachtige Ein- reibungen und Dampfdouche angewandt werden.
Bei Zellgewebsentzandungen, welche aus irgend einem Grunde eine Neigung zu rascher und diffuser Eiterune erwarten lassen, sei es nach den Umständen, unter denen sie entstehen, oder nach der Heftigkeit, mit der sie auftreten, ist zwar noch ein Versuch mit sehr starken örtlichen Biutentziehungen und mit grossen Mengen von Mercurialsalbe, auch wohl unter geeigneten Umständen mit dem Drukvc^rband zu madien: doch ist darauf wenig Hoffnung zu sezen. Manche empfehlen, gleich an- fangs ein Blasenpflaster auf die Stelle zu legen: ein Verfahren von zweifelhaftem Nuzen. Das Zwekmässigste scheint zu sein, sobald durch Blutentziehungen etc. nicht einige Verminderung der Geschwulst herbeigeführt wird, ergiebige Einschnitte in den geschwollenen Theil zu machen und denselben sofort mit einem Cataplasma zu bedeken. — Die innerliche Behandlung ist anfangs wie im vorigen Falle; doch muss bald zu Mitteln übergegangen werden, welche die Kräfte unterstflzen: concentrirtere tiahrung, Chinadecoct
Hyperämiven und Sntzündanfen des Zellgewebs. 21
Bei Eiterungen, bei welchen der Eiter sich gesenkt hat und an einer seiner Ürspmngsstitte entfernten Stelle in der Haut vordringt, ist die Behandlung sehr misa- lieh. Eine Zögerung der Eröffnune hat fast sicher um so gidseere Zerstörung zur Folge ; die EröÜ'nung dagegen bringt oft die Gefahr der Verjauchung und raschen Untergangs. Dessenungeachtet entschliesst man sich, um so eher je gflnstiger die Umstände sind, zur Eröffnung; nach derselben muss vorzüglich itlr äusserste Bein- lichkeit und Unferstfizung der KrSfte Sorge getragen werden. Wo die Ursprungs- stitte des Abscesses zugänglich ist, wird mit Erfolg auch dort eine Oeffnung gemacht und wenn der Abscesscanal nicht zu lang ist, dieser seiner ganzen Länge nach ge- spalten; andernfalls sucht man, wenn es möglich ist, durch Druk seine Schliessung zu fördern.
Die Fälle, bei welchen theilweise Verhärtung und theilweise Eiterung eintritt und der Zustand chronisch wird, bieten der Behandlung grosse Schwierigkeiten dar. Man versucht durch Druk. wenn die Lage es erlaubt, und durch Jodsalbe die er- starrten Massen zur Resorption zu bringen und unterstflzt diess durch allgemeine Curen (Salzbäder, inuerlicti Jod, OL Jecoris).' Wo diess vergeblich ist oder s^u lange dauert, legt man anhaltend Cataplasmen, die man durch Senfmehl schärfen kann, um die Härten schmelzen zu macnen. Weiter sprizt man in die geöffneten Herde und Gänge reizende FlOssigkeiten ein: Silbersalpetersokition, Sublimat lösungen, Jod- tinctur; oder man legt alle Gänge bloss. Hilft alles diess nichts, so kann man nur durch ergiebig^ Oauterisation helfen, die freilich an einzelnen Stellen gefährlich werden kann (z. B. bei der Nähe grösserer Gefässe).
Die schlimmsten Fälle von Zellgew ebsentzflndung sind die, bei welchen Necro- sirung eintritt, mag diese primär oder secundär erfolgen: im erstem Falle droht rascher Tod, doch ist manchmal noch Herstellung möglich; im zweiten Fall tritt der Tod etwas langsamer, aber wenn die Gangränescenz nicht sehr beschränkt ist, um so sicherer ein. Im erstem Falle ist die keke Anwendung örtlicher Beize (Blasen-'
{iflaster, Ammoniak, Camphor, Terpentinöl , Salzsäure , Schwefelsäure) in steigender Dtensität neben dem Gebrauche innerlicher, belebender und die Kräfte erhaltender Mittel indicirt (China, Wein, Serpeutaria, Camphor, Moschus). Im zweiten Falle daK das Verfahren weniger stark eingreifend sein, da der hemntergekonmiene Kranke nur sehr vorsichtig zu behandeln ist: örtlich reinigende, adstringirende und leicht reizende Substanzen und als Allgemeinmittel bittere Stoffe, kräftige Diät, Wein, China.
Bei ausgebreiteten zugänglichen ZeUgewebsentzündungen treten die ört- lichen Anwendungen mehr zurük und b eschränken sich auf milde Appli- cationen (feuchte Wärme) und beim Uebergang in Eiterung auf zeitige Entfernung des Eiters durch Einschnitte. Ausserdem muss das therapeu- tische Verfahren sich vornehmlich nach der Beschaffenheit der Constitution richten.
Bei der diffusen Zellgewebssclerose der Neugebomen ist die Behandlung meistens vergeblich. Nach den meisten Beobachtern sind Blutentziehungen bei nicht zu schwäch- lichen Kindern noch die gflnstigste Curmethode ; ausserdem hat man warme Frictionen, Beiben mit eiskaltem Wasser, Wein innerlich und in Bädern, Vesicatore und Salz- klystire angewendet.
Die diffuse Zelleewebsentzflndung ganzer Glieder endet, wenn sie nicht bald durch Ruhe, warme EinnOlIungen, allenfalls Blutentziehungen und Mercursalbe zum Sistiren gebracht Werden kann, gemeiniglich mit Eiterung. Eine frOhzeitige Oeffnung der mit Eiter getränkten Räume ist zuweilen von Erfolg. Daneben muss das Fieber berUk- sichtigt und mOssen die Kräfte nach Möglichkeit unterstOzt werden.
Bei den in der Tiefe gelegenen Entzündungen des Zellgewebs ist die Diagnose niemals so sicher, die Behandlung aber selbst bei wahrschein- licher oder sicherer Diagnose weniger direct. Man lässt sich hier leiten
1) durch örtliche Erscheinungen des Schmerzes, der etwa noch (Ghl- baren Geschwulst, der gehemmten Functionirung eines Theils.
Hienach werben Ortliche Blutentziehungen in angemessener Weise und nach Um- ständen wiederholt, Queksilbersalbe, Cataplasmen und zur UnterstOzung Narcotica, bei mitsigem Verlaufe laue Bäder, bei chronischem Jod angewandt, zugleich die etwa beeinträchtigten Functionen (z. B Stuhlentleerung, Herzbewegung, bchlingen) nach Möglichkeit symptomatisch erleichtert. — Wird im weitem Verlaufe und nach
22 ExtravAMte.
Bildung eines Abscesses derselbe etwas zuj^glicher (Rectum, Pharynx, Urethra etc.), so kann man versnchen, ihn operativ tu Omien; man hat auch vorgeschlagen, Brech- mittel zn geben, am dnrch die Erschütterung das Bersten des Abscesses zu bewirken. Qeht die Entztlndune in Verhärtung tsber, so ist die weitere Therapie hauptsächlich auf die Folgen gerichtet und symptomatisch. Doch kann an einzelnen Steilen noch durch Aezung der indurirten Stelle, durch Einschnitte chirurgisch geholfen werden.
2) Lässt man sich leiten durch die allgemeinen Erscheinungen : den Grad der allgemeinen Reizung oder Prostration, des Fiebers, der Hectik und wendet hienach die entsprechenden Mittel an.
C. EXTRAVASATE.
L Aetiologie und Pathologie.
Extravasate kommen im Zellgewebe, namentlich im subcutanen und submucösen, nicht selten vor; theils in Folge örtlicher Einwurkungen oder starker Hyperämieen, theils in Folge allgemeiner constitutioneUer Verhält- nisse (Hämorrhophilie, Scorbut, Typhus). In oberflächlichen Stellen lassen sie sich als Geschvnüst unterscheiden, jedoch ist die rothe Farbe des Extra- vasats nur durch dünne Schleimhäute (Coi^unctiva), nicht aber durch die Cutis hindurch zu erkennen. Zuweilen ist die Stelle etwas empfindlich und schmerzhaft, doch nicht leicht in hohem Grade. Dagegen können benachbarte Organe mehr oder weniger genirt und namentlich Bewegungen sehr schmerzhaft und unmöglich werden (zuweilen beruht die Krankheit, welche man Lumbago nennt, auf solchen Extravasaten). Hat die Extra- vasatfon in der Nähe von serösen Häuten stattgefunden , so erfolgen oft in diesen nachträglich entzündliche Exsudationen, Schleimhäute werden in den Zustand von Catarrh und oft von Verschwärung .versezt, Knochen können necrosiren oder cariös werden und Knorpel zu Grunde gehen. Sehr reichliche und vielfältige Extravasate können um so mehr , je geschwächter der Kranke schon zuvor ist , Prostration und selbst ein tödt- liches Ende herbeiführen. Meist jedoch ist das Extravasat eine ziemlich unbedeutende Sache. — Das Extravasat kann einfach resorbirt werden, indem die Flüssigkeit sich in der Nachbarschaft imbibirt und die Blut- kügelchen zerfallen. Häufig bleibt eine Pigmentirung der Stelle zurük. Oder es können Reste des Extravasats als eine schwielige Schwarte zurük- bleiben, oder es kann das Extravasat in einen Abscess sich verwandeln, abgesakt werden, in eine seröse Cyste sich umwandeln; auch fti diesen Fällen tritt die Resorption oft später noch mehr oder weniger vollkommen ein. Endlich kann das Extravasat auch verjauchen.
Extravasate in das snbmucöse, subserOse und umliüllende Zellgewebe kQnnen wilhr- end des LebeDs niemals mit auch nur annähernder Sicherheit erkannt werden, werden aber zu>\ eilen die lezte Ursache des endlichen tödtlichcn Ausgangs.
Am bemerkenswertheeten und zugänglichsten sind die Extravasationen in den sub^ cutanea Zellstoflf. Bei denselben zeigt sich, wenn die OberflSche selbst von dem Blute frei bleibt, keine von der übrigen Haut verschiedene Färbung, wohl aber bei irgend erkleklichem Austritte eine mehr oder weniger beträchtliche Geschwulst, die sich bald teigig, bald aber ziemlich fest anftlhlt und oft nicht unbeträchtlich schmerz- haft ist. Da jedoch sehr häufig in diesen Fällen auch die oberflächlicheren Schichten einen Blutaustritt erlitten, so kann die geschwollene Stelle entweder mit disseminirten oder confluirten, lebhafteren oder livideren ROthen bedekt sein. Die Verbreitungen
* 0«doiii dM Z«llgewebs. 23
der Farbenverindenrngen geben dann sehr gewöhnlich im weiteren Verlaufe ziemlich ireit Ober den ersten Slz der abnormen Färbung hinaus in bald livid blauen oder ^flnlichen oder gelblichen Striemen. Hat dieser Bluterguss in der Nähe eines Gelenks seinen Siz, so ist die Bewegung des Theils mehr oder weniger beträchtlich erschwert. Hat er seinen Siz in der N&e einer serösen Haut, so gesellen sich sehr gewöhnHch Entzflndungen dieser hinzu. Die eleiche Constitutionsbeschaffenheit und gleiche sonstige Umstände vorausgesezt, ist die Rdkbildung und Resorption einer solchen tieferen Apoplexie um so schwieriger und dauert um so länger, je umfang- reicher dieselbe ist. Die Resorption kann nicht nur Monate lang zögern, sondern par nicht selten ganz auebleiben, vornehmlich dann, wenn der Zustand der Constitution sidb nicht erheblich bessert. Statt resorbirt zu werden, kann ein solcher Blutherd so einer dauernden Verhärtung oder zu einer Abscedirung fahren.
IL Behandlung.
Massige Extravasate können, auch wenn sie erkannt werden, sich selbst fiberlassen bleiben. Bei sich wiederholenden Extravasationen ist auf die con- stitutionellen Ursachen zu wirken. Bei grossen Extravasaten kann eine ört- liche Blutentziehung gemacht, oder wenn der Theil oberflächlich ist, selbst durch einen Einschnitt dem Blute Ausgang verschafii werden. Zugleich ist fdr möglichste Ruhe des Theils zu sorgen und sind etwaige Allgemein- Störungen nach ihrer Art zu behandeln. Zögert die Resorption , so kann man massig reizende Stoffe anwenden , sie zu beschleunigen : Queksilber- salbe, flüchtige Linimente, Jodsalbe. Vermuthet man den Uebergang in Eiterung, so kann man erst versuchen, durch intense und anhaltend ange- wandte örtliche Kälte ihn zu verhindern; wo diess nicht möglich ist, befordert man die^ eiterige Schmelzung durch Cataplasmen. — Die weit- eren Uebergänge sind zu behandeln wie die entsprechenden Exsudate.
D. DDE WASSERINFILTRATION DES ZELLGEWEBS. SERÖSE .
INFILTRATION. OEDEM.
L Aetiologie.
Die seröse Infiltration im Zellgewebe kann an allen Stellen desselben vorkommen, doch mehr im subcutanen, submucösen, subserösen Zellstoff, als in dem umhüllenden, verbindenden und parenchyiQatösen. Die Ur- sachen sind theils örtliche, theils allgemeine.
Die örtlichen Ursachen sind Reizungen der leichtesten Art, schwache Thbilnahine 4D den Entzündungen der benachbarten Theile, Stokung des Venenrükflusses, »cW*«- heit und Elasticitätsverlust des Zellstoffs (daher als Folge froherer enUündlicher Exsudationen), verminderter Drok benachbarter Theilc (daher beim Schwund der /lern ZelUioff benachbarten Organe) , anhaltende tiefe Lage des Theil« und mangelhafte Bewegung demselben (daher besondere in dem Zellstoff gelähmter Theile). ^der es beruhen die Oedeme auf einer krankhaften Vermehrung des serösen Gehalts aes BlulÄ (seröse Cachexie, allgemeine Wassersucht) oder auch auf Verminderung uer festen Bestandtheile desselben.
IL Pathologie.
Das seröse Exsudat ist in die Räume des Zellgewebs infiltrirt, dehnt diese aus und drükt dadurch auf die benachbarten Theile. Es entaienx damit an oberflächlichen Theilen, namenüich der Körperoberflacüe , eiro Geschwulst, die bei massiger Exsudation schlaff, bei starker hart ^^JJ^^J^ hi und dabei je nach der Nachgiebigkeit der TheUe eme verschiedeni.
2^ O^d-ni dfS Z^ilg-Wr-C ?.
Grösse erreichen kann (besonders gross an Präputium. Schamlippen. Aug- lidern). Ein Druk auf eine -ukhe feste Ge-chwulst irleicht sich wegen der verlorenen Elasticität und wegen der AbscheidunL^ der Flüs-igkeit in Zellen- räumen meist nur sehr hmg^am aus. Di«' enthaltene Flü-sigkeit ist ent- weder völlig khir und diinnflüs-ig. oder durch reichlichen Eiwfi-^gehalt diker. klebriirer. L'allerta^tiL^ «dt durch L^erim^e BtM'mischuni,' von Blut etwas röthlich oder gelblich, auch durch Gallenpigment oft etwa- L^eÜdich gefärbt. Das Fett in dem Zellgew^dje wird durch dit-u Abl.'igcruiii: erdrükt, oft körnii:. oft verschwindet es ganz. Die benachharten Thcile können durch den anhaltenden Druk verdünnt, hyperändsch werden. Mortilirationspro- cesse iGe-chwüre. Brandt können ?ieh in ihnen ent^^ikeln: ihre Fa-erii können aus einander weichen und das Was-er zwi-^i lien sie eindringen: weiche Organe kömien macerirt werden. — Nac h der ^^ iederentfernung der Flüssigkeit bleibt das Zellgewebe oft in er:?( hlatltem Zu-tande zurük.
Am wi( hnir>t»-Q ist 'ljsC>»/«iHüi im ^uIm uran»-u Z»*1Il'' ^^ ^^^^^ r>'>>e ^^ .i'«?ri£»:'n Intiltraiio- ncQ de? siii'cutäUf ii Z»-'lUi<'iy'5 kr-iiieMi dir' \>-r^t hi»-d''ii.ir!i_'-tr:i lla:it.'.tt'rn':^Mrn l>»*;^l»-.'itrn. Manche der W-zuTeii ?iiid liä'iiiii'T ud«-r >f'll"«i (.v'Li^t.iai \i'rj i.- ii»t hitiltraiion de5 Unterh.ullZ'"llL:♦"^v^4»^ If'iil'^iirt niinr :;»*:nli't. I>i*'"i> "ind 'iiiW-r d'-u Ifvr.Hrliiiiit-en dit* Erv?ipele und die SiarLuiiiä. i^^rL'-r einiir»" D.ä-« Ik nt-rihfu iIJ^^■ü'«••^ H'rji»---. manche Pu?telf«>rnien (luip»'ti::'» ••ry'.i{>f:'lat-'d«'>. "tark t-ut/.üii'l'-t'- 1.« üi_\ iiuip'.^tf-lLi un-j nian» iiQKil die A ari'.drn . zuweilfU di»* lul-'-rk^d uiid Kii"i!e'j . h.'v,tii''r -li»- F irMiik^d 'ih«l h»"i»»ndt'rs Anthrax, endli» h die n«-* r«'ii*( h»'n Tr-'t ♦^">*''. AM*>«'rilt'm af"-r rwiiui h-i '•iii'-r "^tHi;_rf run^: der Aiieciiuu /u jeder Hautkraukiivii '-iiir' Pr"di.«M!'-«:v.:)i: in 'i:i> inii'-rÜH^rriide Zell^ewehe ?i( h hinzM.'e^rdleii. hir- \v:i->ri.''.'ii l!jriitrari":i^n d'-- >'i^" "itaii'-n Z»dl'>t^'ft"s können ahr-r auch liir ?i( h ant":r'*t»-n und riirurlr^r au 'tl-^'-r ^^i'dl»- ilifn AMaul haben «Minr nuc h eine ^^Muniiär»* tr^ra:ik\nL' dtrr i 'iri* \-rad '.-"'U. In dir>»'ni Falle sind ?ie h.'turi.'^r d^T Au-idruk ^-in'"« all_'tii.»Mh^-n l.>i:»'L^. aU '-i:.»' •iiiMrne «"»rilirbe Stönm^. wirw^hl ?ie au< h d'in h I"« au- Hiiel'-mi^-f iiu ^ ''i.ruriMr'i t'u"^ und dur« li urtliche Beeinirü« hiii'un::rn . uekiu- l>i-* in die l i^'i»- •iri:».--:. . nw'*!-'?''. » indrin^it-nde fremde >nh'»tanz»*n h^'^vnri:t•l•rarht werd^-n k<"'nn''n. Fji'ili<h ••iit-r-ii^ni -i^' in >rhr \iplfn Fälh-n d'irrh Au-hrf-inmi vi-n Krkrank'in:i»':i d» r>Mii_-' :i '»rjiu''. \\''li.he im subeMtan»'n Zell-'tt'tT ii»"i:f'n. [»rü-HU und (irtä-^'e. "dr*r ui^i'-r i: in -1^:1 (.^•:illd''n.
Die An-ammlun:: seri-^rr Fln?'«i_'k» ii im -üb« uran» n Z^li.rw.f.»- he^-innt bald an ver^thirdt-n'^'u und nur duri !i zutailii:'' Nebruriih-räud- r'-^tiihiu^'n lLiurp.ir:i'/t'n zumal oder in kurzen InterNallea na< ii eiLaiidt-r . um >it li M«f"' rc üi »r-r t-inf-n LTti^^^-r^^n «»dfr kleineren Theil dt-? Kt*'rptT- a'i-zubrriirü ..IL^f-LUfdu»'^ Aua^ar« a . laM iT^-rhitdii sie einzig und albdu an »dnvr b^*>l hräiintfu *t»'lb,'. an NVHlri.rr ^-iuf 1 •< ,tl »uunn irk»*n«]e Ursache >ie vervinla^t K-cab-i < >''drm '. ^ie ».mt-rrbt }\i ^\ a'Ut. biUl . hr«'ni>t h. tritt sehr >elten primär auf. i?i «iai:*-::».'n •■iut' ^r-hr ;^>-NN»".i,udv ti»- < -n^^ rutiv'-rxlieiuunic man( ht-r jchNveren aeuir*n und ?chr Nirlrr chr-uii?! h»ui Frkrau^uujrn.
r>as acute Anasarca i^t bei Krwach-enen nur in ä';>-^r>c -rh'-U'n Fäll^^n eine prim»ire AtlVciion. tritt Jederh am h b^i zuN\.»r lmuz nf-untii-r Flaui uu-i t-b^-n-o ohne alle na« hw^'i^bare vorau^L'eL'ani'^nie eile/r be^rlpitt.miM Fi.i aNr«'.run:i in an«!' rn < »ruanea zuweilen na« h starken F^^ältuni:^n fa-t [d'-zürh mit <irT l ut'T'irukuiii: d'-r >. h\N ri>>- secretiv'D »"in. Häutiirtr brnb.u liit-t n.ari da.''?etbH naih a* ;1':'Li F\au ti'iu'Ui. N>fd<he die Haut in besonderer p]m[»rin']lirhkrdt iieii^-n äur-^^Tf l. uj" r.it'ir /urukli« --♦•n . bei schneller rntrT«lrükun<r ausi:»brciteter. nä^-ru^ler < hr-'n;"' hnr Au!'>». ::l'<L'f und üb^rhaujit hdutiirer bei Kindern, in d»*n nud>trn Fallen je'b'th i>i ';a> a< uu- Aua-ar-a abiiäniri'j; Von einer acut ent>t»-hend»*n «Mirr zu »-hn;» ;.»{»'n l>ri:j;jt'>> ht-a Ni'TrLi' lirz'U.diMi::. seilen von and^-rn rasch sich «'niNN ik»dnd''n Ni» rf-nkraui- h«ii»ui: zriwtibn >tr ;.t » ^ im Zusam- menhang mit acuten Erkrankunir^n aai Herzen umi an <irn jr..->r»u <.m ij-?rn.
Die acute Hautwas?ersu( ht kann uuir-r Fiel'tT'-rsi hrinun jvn «irr iTJ-itrisLlu-n odtT nervösen Form verlaufen, zuweib/n mit ra>' h eiiiirrrHndcr l*)-*;» "•• 'iud un>äi:licb.er An^st. der Dur^t ist dabei lebhaft, der F^uls h«''« h>t trecjuent . die Zin^:'- bHu-nt , der Appetit mangelL Die GeschwnUt der Haut brumni mci^t an d' n unttrtui K\trrmiiät»'u, ist blass und breitet sich bald über ihn «rauzei) Körper au-, cej ^\i^,\ /M^bd< ii hefiiiie ftrhmerzea in den GLiederu . in der Nierengeiend und die \\irLel-äule euilanic
0«d«m dM ZeUgewebt. 25|
Toriunden. Daneben finden hftnflg Wasserergflsse in die Gelenke nnd in die Hdhlen der ierOeen HSnte slatt. Doch kommen auch Fftlie von miasigem acutem Anasarca oft genng -vor, bei welchen da« Wohlbefinden kanm gestört ist .Besteht eine acute Nierenerkranknng ab ursächliche Störung, so ist der Harn sparsam nnd dunkel, enthält gewöhnlich auch Blut, oder ist zuweäeif seine Secretion völlig unterdrfikt. Ueberbaupt sind bei diesem acuten Auftreten des Anasarca die Erscheinungen von der Haut immer von untergeordneter Bedeutung, wenn es von Erkrankungen innerer Tbeile begleitet und hervorgerufen ist
Das allgemeine chronische Anasarca, die chronische Hautwassersucht ist stets eine Folge allgemein cachectischer Constitutionsanomalieen oder patholoeischer Veränder- ungen innerer Organe. Sie bildet sich am frflhestea bei Nierenkrankneiten, namentlich albuminöser Infiltration der Nieren aus, nächstdem bei Hydrops durch chronische Herzkrankheit» ausserdem aber auch bei anderer allgemeiner Wassersucht, in gering- erem Maasse Oberhaupt bei fast jeder chronischen Krankheit, besonders gerne bei chronischer Pleuritis und Pericarditis.
Die Infiltration des Unterhautzellsewebs beginnt an den tiefstgelegenen Th.eilen^ den Fassen, der Seife , auf welcher der Kranke liegt, oft auch an der Hand, besonders, wenn eine anhaltend herabhängt; ferner, wenn der Kranke zuvor schon bettlägeris ist, häufig im Gesicht Diese Theile schwellen an, die Geschwulst sieht blass und ist anfangs schlaff*; sobald sie stärker wird, hinterlässt ein Eindruk, den man mit dem Finger macht, eine nur langsam sich ausgleichende Vertiefung. Die Geschwulst kann wechselnd sein, in kleinem Zeitraum zu und abnehmen und senkt sich nach der Schwere. Anfangs tritt die Schwellung oft nur zeitweise ein, später wird sie permanent, immer stärker, fester, praller und umfangreicher. Der ganze Körper laan nach und nach schweUen; immer aber zeigen einzelne Theile mehr als andere die Geschwulst, vorzugsweise die tieferliegenden und diejenigen, welche das schlaffste subcutane Zellgewebe haben , wie die Auglider, das Scrotum, Aie Schamlippen, dad Präputivun und die Haut des Penis , die Gegenden der Gelenke. Die Haut ist dabei troken und bleich, zuweilen glatt und glänzend, bei sehr grosser Spannung wird sie oft braun , livld , selbst schwarz. Die Temperatur ist meist nieder, die Secretion von Schweiss mehr oder weniger aufgehoben, die Bewegung des Theiles erschwert Die AnschweUung ist bald ganz ohne Schmerzen, bald sind leichtere oder heftigere Schmerzen vorhanden und namentlich bei Zunahme der Geschwulst fehlt nicht ein listiges Gefflhl von Spannung. Erreicht die Geschwulst einen sehr hohen Grad, so weicht das Gewebe der Cutis auseinander und zeigt zahlreiche bläuliche Streifen von Wasser, das durch die Boidermis durchscheint Oft sikert auch Serum durch die Oberhaut hindurch oder hebt sie seibin in Bläschen und Blasen. Nicht selten wird die Hautstelle Siz von Erythemen und Petechien. Diese sowohl , als Verlezungen und zwar noch so eeringfagiger Art werden leicht ulcerös und brandig.
Bei höheren Graden der chronischen Haut Wassersucht tritt, ganz abgesehen von den zu Grund liegenden Anomalieen, immer eine bedeutende Störung des Allgemein- befindens ein : Appetitlosigkeit , trokene Zunge , Verstopfung , später hartnäkige Diarrhoe, kleiner frequenter Puls, Durst, Abmagerung der nicht geschwollenen und der unter der Wasseransammlung liegenden Theile und wenn sie nicht bereits von Anfang an vorhanden war, ünterdrflkung der Harnsecretion. Sehr gewöhnlich treten seröse Ergüsse auch in andern Theilen ein und es stellt sich eine AnomaDe dea Blates her mit Hämorrhagieen von meist flüssigem Blute. Unter zunehmender Pro- stration ^eht der Kranke zulezt , meist in soporösem Zustande oder durch eine Störung in den Brustorganen, zu Grunde. — Neigt sich der Fall der Besserung zu, so lässt, sobald das Wasser unter der Haut anfänst zu verschwinden, die Spannung . wieder nach , die Haut verliert ihren Glanz , wird schlaff und welk , die Epidermis bekommt feine Runzeln, blättert sich oft ab; nach vollkommener Resorption des Serums bleibt der TheU im Zustand grösster Abmagerung zurflk. Geht die Resorption langsam von Statten, so kann sich, wenn die Ursache aufgehört hat zu wirken, der normale Zustand vollkommen herstellen, meist aber bleibt die Haoistelle lange oder filr immer in grosser Disposition zu neuen Wasseransammlungen. Ein schnelles Verschwinden der InfiltTation kann gefährlich werden , indem plözlich in einem andern wichtigeren Organe das Wasser sich ansammelt Das Gflnstigste ist in solchen Fällen, wenn eine abundante Diarrhoe oder Nierensecretion sich einstellt.
Beschränkte Oedeme des subcutanen Zellstoffs sind bald nur die ersten AnAnge des allgemeinen Oedems, welche dabei sich oft wieder verlieren, aber auüi Neue wie ferholen , bis sie endlich auf weitere Theile des Körpers sich ausbreiten, la diesen FäUen sind alle Ursachen des allgemeinen Anasarcas zugieioh Ursachen to örtlichen Oedems, meist ist dabei aber das leatere noch durch irgend einen
26 Oedem des Zellgewebs.
örtlichen Umstand frühzeitiifer hervorgerufen, ehe die Hydrämie solche Grade erreicht, dass allseitijre Wasserausschwizunwen beginnen. — • Ausser(ien\ können örtliche Oedeme aber auch von ixanz localen Verhältnisj«en abhäniren. Nicht nur bleiben Hauthyperäuiiecn, besonders Erysipele nicht selten von Oedenien der Stelle eine Zeitlang gefolgt und kann sich selbst eine habituelle hydro(>ischc Anschwellung von solchen Processen her datircn oder entwikeln, sondern auch andere Hauterkrankungen, ^^'ie es scheint, besonders bei einer unvorsichtigen Unterdrükung, haben denselben Erfolsr. Ferner wird zuweilen ein Flautödcm nach localer Unterdrilkung der llautausdOnstung an einer Stelle hervorgerufen. Jede örtliche Erschwerung oder Verhinderung des Blutrükflusses in den Venen, wie z. B. durch anhaltend tiefe Lagerunir des Theils, durch \ «irhandensein von Geschwülsten, welche auf die Venen driiken, durch Erweiterung des Venencalibers und Verstreichung d(;r Veuenklap[)en , durch Ver- schliessung der Venen in Folge von Gerinnungen oder Obliteration bewirkt locale Oedeiue, Auch von den Arterien aus, namentlich bei Aneurysmen können Oedeme in dem subcutanen Zellgewebe, das durch diese Arterie sein Blut erhält, entstehen. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass ebenso durch Lymphgefässentzündungen und durch Stokuug des Lym|)hlaufes Eocalödeme Zustandekommen können. Ausserdem können alle Erkrankungen dicht unter der Haut gelegener Organe, z. B. Gelenks- entzöndungen, Krankheiten der Knochen und Muskel, Krankheiten benachbarter .^^eröser Häute und können Abscedirungeu in dem Zellgewebe selbst mit localer ödemalöser Anschwellung in mehr oder weniger grosser Ausbreitung \erbunden sein. Der von örtlichem Hautödem befallene Theil bietet dasselbe Aussehen dar, wie die geschwollenen Theile bei allgemeinem Anasarca, doch ist gewöhnlich die Farbe weniser bleich, die Elasticität weniger \erniindert, der Eindruk «les Finders verwischt sich rascher und die Schwellung erreicht selten einen so hohen fJrad, als ))ei allgemeinem Anasarca möglich ist. Dagegen sind die örtlichen Oedeme zum Theil, soweit dauernde Ursachen ihnen zu Grunde liegen, weit hartnäkiger und bleiben sich weit mehr gleich, zeii'en viel weniger Schwankungen von Besserwerden, als man diess bei dem allgemeinen Anasarca wahrnimmt.
Die Oedeme des subnuicösen Zellgewebs uml der übrigen Stellen des formlosen Bindegewebs erhalten nur Wichtigkeit durch die Oertlichkeit ihres Vorkommens und werden daher zwekmässiger bei der Localpathologie betrachtet.
III. Therapie.
Die Behandlung hat auf die Ursachen sich zu richten, diese zu beseit- igen, zu mindern; die AViedoraufnahnie des Exsudats in den Kreislauf durch allgemeine Mittel oder durch örtliche zu begünstigen; bei sehr star- ken zugänglichen serösen Infiltraten des Zellgewebs oder bei solchen, die auf die angegebene Hehandlung nicht weichen wollen, kann die directc Entfernung vorgenommen werden.
Am ehesten wird erfonh-rt und jrelingt die Behandlung des Oedems im subcutanen ZellslolV. Bei der Cur desselheii niu.^s Mir Allem der ('au>alindi(ation Beclinung i;etrai;en werden und sind die als Ursache wirksamen Eoealslörun^en oder Constitution^- a.iomalieen j«' nach ihrer Art zu behandeln. Erlaubt es der Kräftiv.ustand des Kranken, so ordnet man njit Vortlieil eine magere Diät an, kann auch sogar Aderlässe anwenden, um die Ke>or[»ti()n des \Vass(;rs zu beschleunigen Lieiren da^ecen die Kräfte darnieder, so L^ibt man milde, al»(T reichliehe Nahruiiii, beschränkt das Trinken nach Möglichkeit und macht auch wohl je nach Beclürfniss von .>clnNä(heren oder stärkeren tonischen und analejitischen Mitteln (iebraueh. Mit i:rossem Vortheil untersti'izt man die Wiederanf.^auüung des Trans>u(iat> durch Anregung einer reich- licheren Wasserausscheiduug des I »armes oder besonder.^ der Nieren. DicMlaut seÜKst durch innerliche Sodorilica zu «xt^steigerter Kxcrelicui anzutreii»en, i>t nicht räthlich.
Neben der allgemeinen Behandlung nulssen örtliche Hilfen ge<reben werden, bei welchen JcmIocIi Vor>icht nicht gcjniij anemplohl-'n >\ erden kann. Die öilematöse Haut rnuss \orTem(»eraturwechsein und v(»rBenä>^unir «reschilzt werden ; alle Reizungen, aller Druk auf einzelne Stellen sind nach Möglic hkeit zu vermeiden und ist daher <lie Lagerung de.s Kranken häutig zti wechseln, damit nicht einzelne Theile anhaltend dem Druke ausgesezt bleilien. j)en am meisten or('>chw()llenen Thc>ilen ist eine hohe Lage zu geben ^ jedenfalls aber das anhaltende Herabhäniren, z. B. einer Kxtremität, des Scrotums nicht zuzulassen. An Theilen , wo es ausführbar ist, kann ein massiger Drukverband angewandt werden , jedoch muss derselbe sehr gleichförmig wirken und
AbDome F«tUblac«niiit im ZeUgewab«. 27
iit T sobald eine B0tlie sich einstellt, zu enifenien. Die direcU Enüeeruiig des Wassers durch Einziehen von wollenen Fäden oder durch SchrOpfen oder Lanzettsliche ist zwar in hohem Grade erleichternd, aber jederzeit nicht ohne Gefahr, indem die veriesten Stellen leicht erythemalOs , geschwürig oder selbst gangrftnijs werden und der vop hier aus eingeleitete Process nicht bloss schwer zur Heilung zu bringen ist, 5oodem auch sehr hfiufis auf weitere Theile sich ausbreitet Besonders tritt diese Gefahr ein , wenn der Kranke unreinlich gehalten wird oder sich Erklltungen anssezt, oder wenn die Constitution schon sehr zerrOitet ist. Wo jene Mittel angewendet werden , mnss man daher den Kranken bis zur Verheilung der Stellen mit grosser Soigfalt behandeln und jedes Erythem sofort durch lauwarme BleiwassertlberschlSge zn nntodrfiken suchen. Ueberhaupt aber scheint es passend, solche Entleerungen bei aUeemeinem Anasarca auf die hartnikigsten und lästigsten Fälle zu beschränken, andererseits dieselben aber auch dann nicht mehr vorzunehmen, wenn der Kranka fast in Agone ist, indem in solchen Fällen leicht der Schein entsteht, als habe der operative Eingriff noch den Tod herbeigefflhrt. Weit weniger nachtheilig, aber auch weit weniger erleichternd ist die Entfernung eines Theils des Wassers durch Nadel- stiche. Diese Procedur ist an den Extremitäten fast ganz nuzlos und kann nur fflr solche Stellen empfohlen werden, wo eine beschiilnkte , sehr starke Anschwellung Crosse Beschwerden macht, wie z. B. am Präputium, wenn dadurch die Excretion an Harns in hohem Grade erschwert wird. Zulässiger sind die örtlich entleerenden Mittel und kOnnen dreister und energischer angewandt werden bei localem Oedem des subcutanen Zellstoffs, bei welchem von der Anwendung der allgemein wirkenden Methoden ungleich weniger zu erwarten ist
In allen FiUlen ist die Rüksichtnahme auf bestehende Veränderungen in andern Organen, welche das subcutane Oedem compUciren, unterhalten und erschweren (in den Lungen, im Gehirn, Darm, in den Nieren etc.), nicht zu versäumen nnd auf die ersten Zeichen solcher Complicationen aufmerksam zu sein.
E. DIE ABNORME FETTABLAGERÜNG,
8ie tritt auf:
1) als aUgemeine übermässige Fettablagerung (Obesitas universalis), meist neben Verfettung innerer Organe, s. Constitutionskrankheiten.
Die Fettablagerung ist in diesen Fällen an verschiedenen Stellen de% Zellgewebs bis zu einem oft ganz erstaunlichen Grade excedirend, namentUcb im subcutanen Zellecwebe» besonders an einzelnen Stellen desselben, wie am Bauche, am Gesäss, SB der Bmstdrtlse; femer in dem subserösen Zellgewebe der Costalpleura, des Peri- csidioms, des Parietalperitoneums uud des Nezes, endlich im Mediastinum und im Lager der Nieren. Diese Fettanhäufungen beengen die innern Räume des Körpers, bemmen die Functionen, erdrtlkcn die Organe und entstellen die Körperoberfläche, ßie disponiren tiberdem zu Wassersucht, indem beim zufälligen Schwinden des Fetts die Räume im Zellgewebe sich gerne mit Serum ausfüllen. Häufig ist die FeHablager- noe im Zellstoff mit Fettreichthum anderer Theile, namentlich mit Fettsucht des Leberparenchyms combinirt — Die Therapie ist ziemlich unmächti^ gegen diesen Zustand, wenn er nicht etwa von Diätexcessen herrOhrt, in welchen Italien Enthalt- tamkeit nflzLich werden kann. Ausserdem wendet man fleissige Bewegung, Bäder, Drastica, Jod dagegen an. In einigen Fällen fand ich den Gebrauch des Leber- tbrans nflzlich.
2) ZuweUen findet sich ohne deutliche Ursache eine weniger verbreitete oder auch ganz örtliche Fett Vermehrung, die durch Druk auf die Organe diese beeinträchtigen (Herz) oder dislociren (Auge) kann. S. Local- krankheiten.
3) An Stellen, wo Muskel und andere Organe atrophisch werden, sam- melt sich Fett an.
4) Kommt das Fett im Zellgewebe , vorzüglich im sub<:utanen und sub- mucösen in Form von kleineren oder grösseren isolirten Klumpen vor, die von einer zelligen Haut umkleidet und oft durch zellige Scheidewände
38 Diverse Störungen des Zellgewebs.
gelappt sind und welche über die Korperoberfläche oder in das Lumen eines Schleimhautcanals vorragen (Lipome). Auch im subserösen Zell- gewebe, besonders im peritonealen finden sich zuweilen solche Fettklum- pen, die vorzüglich bei Brüchen, ihrer Entstehung, Anheftung und Ein- klemmung von Interesse sind. — Es gibt für dieselben keine andere Therapie, als die operative Entfernung, sofern die Art der Stelle diess zulässt imd überhaupt eine Beseitigung wünschenswerth erscheint
F. KALK ABLAGERUNGEN, AFTERBILDÜNGEN, SPECIFISCHE AB-
SEZÜNGEN UND PARASITEN.
Ablagerungen von Kalksalzen sind im Zellgewebe nicht selten, ohne dass sie besondere Eigenthümlichkeiten zeigten. — Das Zellgewbe kann der Siz von Cysten, fibrösen Geschwülsten, Sarcomen, Krebsen werden, die sich an diesem Ort nicht von den gleichen Afterbildungen anderer Stellen unterscheiden. — Bei Syphilis bilden sich eigenthümliche Absez- ungen (gummatöse Infiltrationen) in ihm. — Tuberculöse Producte finden sich im Zellgewebe selten und nur in der unmittelbaren Nachbarschaft von Tuberkeln anderer Organe, vornehmlich der Drüsen. — Von Parasiten kommen die Filaria medinensis (s. 1,178), der Cysticercus und der Echino- coccus, sämmtlich selten im Zeilgewebe vor.
G. ATROPHIE DES ZELLGEWEBS.
Der Schwund des Zellgewebs kann verbreitet und allgemein sein und mit Abnahme der übrigen Körpertheile zusammenhängen, so bei den Con- sumtionskrankheiten und bei Greisen; oder das Zellgewebe kann durch anhaltend^ verbreitete Einlagerungen erdrükt und zum Schwunde gebracht werden : diess schon bei reichlicher Fettansammlung, noch mehr bei anhal- tender Wassersucht. Die Folge dieses Atrophirens ist zunächst Elasticitäts- abnähme des Gewebs, woraus eine Reihe von Nachtheilen (Runzlung der Oberfläche, Erschlaffung der Theile, Erweiterung von Canälen, Venen etc., Neigung zu neuen Ablagerungen) entstehen kann.
Oder das Zellgewebe ist nur stellenweise atrophirt, gewöhnlich in Folge vorausgegangener Hyperämieen, eines andauernden Druks von aussen oder von einem vergrösserten Organe, oder in Folge eines örtlichen Zerstörungs- processes. In solchen Fällen ist die Stelle entweder eingeschrumpft und kann weitere LageverUnderungen in den benachbarten Theilen veranlassen," oder es hat sich der entstandene Raum durch Serum oder eine andere Substanz ausgefüllt.
Eine directe Therapie gibt es weder gegen den einen, noch gegen den andern Zustand.
H. M0RTIFICATI0NSPR0CES8E.
Der Gewebsuntergang kann in dem Zellstoffe nach Hyperämieen und Entzündungen eintreten, welche eine hohe Intensität zeigten oder beson- derer Ursachen wegen (Eindringen von deletären Substanzen, schwere
Diven« StÖrangttn des Zellgewebe. 29
AUgmneinkrankheiten etc.) einen Oblen Verlauf nahmen. Oder es breitet sich von einem andern Organe her ein Mortificationsprocess auf das Zell- gewebe aus. — In beiden Fällen ist die Gefahr vorhanden, dass die Zer- störung im Zellstoff einen sehr gfossen Umfang gewinne und weit über die Ursprungsstelle hinaus sich erstreke. Die Formen de^ Untergangs sind gemeiniglich die der raschen Verjauchung und des feuchten Brandes, zuweilen die der langsam fortschreitenden Verschwärung, weniger die des trokenen Brandes, niemals die der einfachen Erweichung.
J. GAS IM ZELLGEWEBE, ZELLGEWEBSEMPHYSEM.
Von Gasen findet sich im Zellgewebe theUs atmosphärisches Gas, das selten Ton aussen, häufiger aus den Respirationsorganen eindringt, theils Darmgas, theils Gas aus zersezten Infiltraten des Zellgewebs. Das leztere ruft meist rasch eine umfangreiche Verjauchung des Zellgewebs liervor. Das Gas fiberiiaupt lässt sich an zugänglichen Stellen durch eine Geschwulst, welche einen tympanitischen Ton bei derPercussion gibt, unter demFinger- druk knistert und sich von der Stelle wegdriiken lässt, erkennen; an tief- gelegenen Stellen ist es undiagnosticirbar.
Am hloflgsten findet sich das Gas im subcutanen Zellgewebe, wohin es besonders in Folge von Verlezungen (der Luftwege, des Darms) gelangt; doch kann dasselbe auch durch Krankheiten, bei welchen ein Durchbruch der lufthaltigen inneren Or- gane bis unter die Haut stattfindet, Zustandekommen: vornehmlich zeigt sich diess bei Destractionen im Larynx, bei krebsiger Perforation des Magens, in manchen Fällen bei Perforation des Darms und bei Krankheiten des Rectum, seltener bei Krankheiten der Speiseröhre oder der Lungen (bei Lungenabscess und bei Pneumothorax). Ausser- dem will man auch bemerkt haben, dass durch eine spontane Zersezung von Exsudaten im Zellgewebe sich Luft entwikelt habe oder dass sogar ohne vorausgegangene Ent- zündung ein spontanes subcutanes Zellgewebsemphysem entstanden sei (Graves, DubL Joum. IV. S19; Kopp, Denkwardigkeiten der ärztlichen Praxis IV. 239).
Das Sttbcotane Zellgewebsemphysem wird allgemein mehr als eine der chirurgischen Pathologie zuzurechnende Affection angesehen. Zu erkennen ist es an einer ßeschwulst von teigigem GefOhl, durch die Verschiebbarkeit der Geschwulst und das Knistern, das dabei entsteht, sowie durch den tympanitischen Percussionston. Das Gas scheint in seltenen Fällen wieder resorbirt zu werden oder kann es durch eine vorhandene oder gemachte Oeffnong entweichen. In den meisten Fällen ruft dasselbe, wenigstens das durch Perforation des , Digestionscanais in die Haut eingetretene Gas jauchige Ezsndaüonen und Zerstörungen hervor.
Deasgleichen ist die Behandlung eine rein chirurgische und von medicameatOaen Hilfea nichts zu erwarten.
iFFECTIONEN DER SERÖSEN HÄUTE.
PHYSIOLOGISCHE VORBEMERKUNGEN.
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Die serösen Häute sind membranartig ausgedehnte, dabei geschlossene Säke darstellende Gebilde, aus Bindegewebe, elastischen Fasern, vielleicht eigenthümlichen Fasern, ziemlich sparsamen Nerven und feinen, aber zahl- reichen Gefässen und einer Lage Gpitheliums bestehend, von grosser Ditnn- heit und bemerkenswerther Zähigkeit und Elasticität. Man unterscheidet an ihnen eine freie gegen die geschlossene Höhle gekehrte, von dem Epithelium überzogene, und eine mit den unterliegenden Theilen ver- wachsene Fläche.
Das Bindegewebe bildet die Hauptmasse der serösen Häute und es ist darum die Ansicht vieler Anatomen , dass diese Membranen nur eine eigenthflmliche Gestaltung von Bindegewebe, ein mit Epithelium Aberzogener verdichteter Zellstoff seien. Allein Luschka hat vollkommen Recht, wenn er sagt, dass selbst in dem Falle, dass kein specifisches Gewebselement den serösen Häuten zukäme, dieselbe dennoch naturgemäss als selbständige Gebilde aufgefasst werden mflssten , da die in ihre Zusammensezung eingehenden Bestandtheile eine solche Anordnung und einen derartigen inneren Zu- sammenhang darbieten, dass man in ihnen ein einiges zusammengehöriges Granze» erkennen mflsse. In der That stellt gerade ftlr die pathologische Betrachtung kaum, irgend eine Gewebsmodification so wichtige Eieenthflmlichkeiten dar, als gerade die serösen Häute und wenn auch ihre anatomische Eigenthflmlichkeit nur in der Zu- sammenstellung ihrer Elemente und in ihrer Structur besteht, so bleibt ihre Hervor- hebung als besonderes Gewebsystem um nichts weniger dringend und förderlich. £» muss als einer der bedeutendsten Fortschritte der Pathologie angesehen werden, dass seit Pinel und Bichat die Störungen der serösen Membranen in ihrer Ueberein- stimmung erkannt worden sind. Es ist darum der Streit der Anatomen über das Vor- handensein specifischer Gewebselemente fflr die Pathologie vollkommen gleichgiltig und es ist nur hier gelegentlich zu bemerken , dass im Gegensaz zu den gegenwärtig geläufigen Annahmen neuerdings Luschka (die Structur der serösen Häute des Menschen 1851) eigenthamliche, sogen, seröse Fasern in jenen Membranen nachge- wiesen haben will. — Die elastischen Fasern sind in fast allen serösen Häuten in ausserordentlich reichlicher Menge vorhanden und bedingen die Elasticität dieser Membranen. Ueber ihre nähere Beschaffenheit und ihre Varietäten s. Luschka p. 25. — Das Epithelium der serösen Häute eehört dem Pflasterepithelium an, bildet einea meist zusammenhängenden Ueberzug tlber die ganze Serosa und fehlt nur zufällig an einzelnen Slellen ; es wurde jedoch von Manchen bestritten, dass dasselbe dem Ueber- zu^e der Cutis und der Schleimhäute identisch sei. Luschka hat gezeigt, dass die Epithelialplätlchen der serösen Häute, da sie nicht auseestossen werden können, mittelst einer fettigen Destruction untergehen. — Die Art der Ausbreitung der serösen Häute, bei welcher eine Fläche frei, aber einer geschloasenen Höhle zugekehrt und
Affietiooen der serösen Hiote. 31
daher ScbAdlicbkeiten ziemlich eofrflkt ist, die andere dagegea an unterliegende Or- ffane 8ich heftet und den Blutzufluss erhält, hat zur Folge, dass primäre Erkrankungen durch Ursachen, welche die serösen Häute direct treffen, sehr selten sind, um so- hittlleer aber der Antheil der serösen Häute an der Aflfection ihrer Nachbarschaft ist, 80 sehr, dass nicht leicht ein von einer serösen Haut umbautes Organ Siz einer Störung wird, ohne dass jene gleichfalls Veränderungen zeigen wflrde.
Es lassen sich an den serösen Häuten mehrere Lagen trennen: die unterste , womit die Membran an die benachbarten Theile angeheftet ist, entspricht der Zellgewebsschichte , welche die Schleimhäute und Cutis an unterliegende Theile bindet (subseröser Zellstoff) ; in dieser Schichte finden sich vornehmlich die gröberen Blutgefässramificationen. Darauf folgt eine zartere Schichte, die sich zuweilen in mehrere Lamellen trennen lässt und welche man als das eigentlich seröse Blatt bezeichnen kann: es besteht aus einem sehr engen Geflechte von Fasern und enthält zahlreiche Blut- fefässe, die aber um so feiner werden, je mehr sie sich von dem subserösen Zellstoff entfernen, so dass die Neze der feinsten Gefässe im normalen Zu- stande nur noch dem Serum des Blutes zugänglich sind. Die lezte und dünnste Lamelle, welche theils aus structurlosem, theils aus feingefasertem Bindegewebe besteht, wird nicht mehr von den Gefässen erreicht. Ueber dieser lezten Lamelle ist die Epitheliumslage ausgebreitet.
Die Erkrankunsen der serOsen Häute scheinen unter allen Umständen und fast immer im subserösen Zellstoff zu beginnen ; allein die Dflnnhelt und Straffheit desselben llssl keine umfangreichen Productbildungen in dieser Schichte selbst, höchstens massige Extravasate, Oedeme und Verdikungen Zustandekommen; nur Stellen, wo der Zellstoff sehr loker ist, machen hievon eine Ausnahme und gestatten Exsudationen anter das seröse Blatt (viscerales Blatt der Arachnoidea der uehimoberfläche , sub- serOser Zellstoff des Nezes); an allen andern Orten passirt jede mit einiger Acuität und in einiger Reichlichkeit erfolgende Eduction ans den subserösen Gefässen bei dem höchst geringen Durchmesser des serösen Blattes augenbliklich diese Membran und erscheint auf ihrer freien gegen die Höhle gekehrten Fläche. Von dem Grade des Gefässreichthums des subserösen Zellstoffs, von seiner Lokerheit oder Straffheit and von seiner Verbindung mit gefässreichen Nachbarthellen hängt daher die Er- krankungsfdhigkeit einer betreffenden Stelle des serösen Systems ab. Während der sobseröse Zellstoff, der die Arachnoidea an die Dura mater heftet, kaum jemals einer Erkrankung fähig ist, zeigt das subseröse Gewebe an vielen andern Orten eine sehr rej^e Morbuität (Peritoneum, Pleura , Cerebralarachnoidea). — Die feine Vertheilung der GedUse in den serösen Häuten bedingt ein rasches Uebergehen der H)rpeTämie in Exnidation, erleichtert die Lösung der Stase und ist der Wiederresorptiou des Aus- getretenen, das mit Leichtigkeit aas dflnne seröse Blatt durchdringt, ganstig. — Die ausserordentliche Elasticltät der serösen Häute, welche die- des gewöhnlichen Zellge- webs weit Qbertrifft, erleichtert die Ausdehnung durch krankhafte Absezungen, aber such die Restitutio in integrum. Sie bewirkt ferner , dass ein krankhafter flflssiger Inhalt einer serösen Höhle, dem ein Ausgangspunkt verschafft wird, gemeiniglich in einem Strahl sich entleert. — Die serösen Häute enthalten nur sehr sparsame Nerven und selbst der subseröse Zellstoff ist arm daran. Die Nervenarmuth lässt begreifen, wie diese Organe so häufig erkranken, ohne dass irgend ein subjectives Symptom sich in erkennen gibt Wo bei ihren Erkrankungen Schmerzen entstehen , rflhrt diess von einer Wirkung auf die unterliegenden Nerven her, von dem Druke, der Zerrung, oder der Destruction, die sie in Folge der Erkrankung zu erleiden haben. Am reich- lichsten finden sich die Nerven nach Luschka im Herzbeutel und in den Pleuren.
Alle serösen Häute bilden Säke, welche im normalen Zustande mit einer einzigen, keine practische Wichtigkeit bietenden Ausnahme vollkommen geschlossen sind und nirgends mit sonstigen Höhlen und Canälen oder mit der Oberfläche des Körpers communiciren. Die innere Fläche des Saks, Ton dem serösen Blatte und seiner £pitheliallage''gebildet, ist im Normal- zustand vollkommen glatt, und wenn sie auch Yorsprttnge durch Dupli-
32 AfTectionen der serösen Häute.
caturen des serösen Blattes bildet, so sind auch diese von derselben Glätte. — Die serösen Säke stellen theils Canäle dar. in welchen Flüssigkeiten circuliren (innere Gefasshäute), theils rundliche und gestrekte Höhlen, in welchen sich eine massige Menge einer bald dünneren, bald etwas klebrigen Flüssigkeit befindet (Gelenkskapseln, Schleimbeutel, Arachnoidea) , theils sind die Säke so geformt, dass sie zwei Hälften (Blätter) bilden, die mit ihrer glatten Fläche einander zugekehrt, satt auf einander liegen und nur durch eine höchst geringe Menge von Flüssigkeit, die el)en hinreicht, sie feucht und schlüpfrig zu erhalten, an inniger Berührung verhindert sind (seröse Säke im engen Sinne). Bei diesen überzieht gemeiniglich die eine Hälfte (viscerales Blatt) ein Eingeweide, während die an<lere (parietales Blatt) die gegenüberstehende Körperwand auskleidet. Diese Einrichtung ist besonders da von grosser Wichtigkeit, wo das von dem visceralen Blatte überzogene Eingew(»ide vermöge seiner Functionen häufigen Volums- und Lageveränderungen ausgesezt ist (Lungen^ Herz, Darm, Milz), indem die Glätte der einander zugekehrten serösen Flächen solche Bewegungen und Ausdehnungen wesentlich erleichtert.
Die Abgosrlilos.scnhi'it der iimern Flächen der serösen Säke l)ewahrt sie vor vielen direct wirkenden Seliädllchkeiteu, bedinjrt aber auch eine grosse Fjnjjtiiidlichkeit der- selb(;n gejren zutällij? eintretende fremde Substanzen: solche rut'en, wenn sie in die Höhle (;ines Saks trelangen, selbst wenn sie mechanisch oder chemisch ziemlich iu- diüerent sind, alsbald einen lebhaften Exsiidationsprocess hervor. Schon die atmosphär- ische Luft, die bei einer KrötVnunD^ eine> serösen Saks in diesen jrelangt, hat eiu-n solchen zur Fol^e. — Wird eine seröse Höhle auch nur einige Zeit lang in oth^uer Communicaiion mit andern Höhlen, C-anäbMi oder mit der Uberlläche des Körpers erhalten, so ändert sich alsbald die Textur ihrer Flächen; diese verlieren ihre Glätte und Zartheit, werden aufgelokert, m(jrl»e und nehmen melir oder >venijrer die Be- schalVenhcii einer Abscesswand oder lollikelarmcn Schleindiaut an. — l)ie Fl(i>sig- keit , welche in «len serösen Häuten enthalten ist, selbst schon die geringe Menge, ■welche die eigentlichen serösen Säke feucht erhält, dient nebst <leni epithelialen Ueberzuge dazu, die Verwachsung der beiden Blätter auch dann zu verhüten, wenn sie ruhig auf einander liegen. Ist das Kpithelium durch eine stärkere Kxsudation auf gegenüberstehenden Flachen der Serosa abgestossen und tritt zugleich P'aserstoff aus, so erfolgt mit grosser Leichtigkeit die Aerwachsunir beider Blätter, die um so eher eintritt. Je länger dieselben in innigem Contact mit einander gehalten werden. — Die Schlüpfrigkeit der serösen Fläche erleichtert wesentlich die Beweirungen der enthaltenen Fingeweide: die lezteren werden erschwert, wenn die serösen Blätter verwachsen oder wenn sie mit rauher P^xsudation bedekt sind. Durch die tortgesezten Bewegungen werden aber die aufgelagerten \ erbindenden Fxsudate jrezerrt, so lange sie Meich sind, in die Länge gezogen und dadurch die Bildung feziger und unebener Formen herbeigeführt; alte Verbindungen werden durch dieselbe Ursache oft in bandförmige Stränge ausgezogen. — Viele Exsudationen in den serr)sen Häuten sind nichts weiter, als eine einfache Vermehrung der normalen Fem liti^keit und Flüssig- keit; selbst ihr zuweilen trübes Aussehen hängt oft nur von Maceration und Los- lösung der Epithelialschichte ab, wenngleich in andern Fällen beginnende Infiltra- tion des serösen Blattes und subserösen Zellgewebs Ursache der Trübung ist.
Zu den serösen Häuten sind zu rechnen: die serösen Säke im engern Sinne (die Arachnoidea des Gehirns und Rükenniarks, Pleura, Pericardium, Peritoneum, Tunica vaginalis propria des Hodens), — eine Anzahl von Häuten im Auge und die Arachnoidea des Ohrs, — die Synovialkapseln der Gelenke , die Schleimscheiden und Schleimbeutel , und die allgemeine innere Auskleidung der Gefässe.
Diese verschiedenen zu den serösen Häuten zu rechnenden Gebilde bieten aller- dings sowohl in ihrer anatomischen Construction als auch in ihrem pathologischen
Afll8etioD«a der sttfSten H&Qtc 33
Verhalten Verschiedenheiten dar. Am tibereinstimmendaten sind die Erkrankungen in den serösen Slken im engem Sinn nnd sie sollen bei der folgenden ßetrachtonff der StOmngen anch vorzugsweise berflksichtigt werden. Die Scnleimscheiden und Schieimbeotel werden nur selten Siz von Erkiankangen tind wo diese vorkommen, sind sie denen der serösen Sflke im Wesentlichen ähnlich. Die Aflfectionen der serösen HAute der Sinnesorgane bleiben nach dem Plane der Betrachtone aua^e- fchloseen. Die Eigen thflmlichkeiten, welche die Gelenkskapseln nnd die allgemeine ioaere Geflteshant darbieten, finden bei der Betrachtung der Gelenke und der Geftsse ihre Stelle.
ALLGEMEINE BETRACHTUNG.
L Aetiologie.
Angeborene Krankheitsdispositionen, sowie G^eschlechts- und Altera- dispositionen finden sich bei den serSsen Häuten nur insofern , als die von ilmen eingeschlossenen Organe eine angeborene oder sexuelle Anlage zu Krankheiten zeigen oder in gewissen Lebensaltem fiberwiegend ergriffen werden.
Eine angeborne Diä[H)sltion fflr Krankheiten der serösen Häute überhaupt gibt es wohl nicht und wenn bei manchen Individuen mit ungewöhnlicher Leichtigkeit SiOmngen dieser Theile eintreten, so h&uEt diess wohl meist mit der bei ihnen Oberhaupt vorhandenen Empfindlichkeit aUer Theile zusammen, wobei nnr die Erkrankungen der serösen Häute bei der Neigung zur Exsudation eher zur Erkennung kommen. — Ebensowenig ist eine verschiedene Diaposition zu Erkrankungen serOser Hiuie bei beiden Geschlechtern zu bemerken, während dagegen einzelne seröse Hftute eine verschiedene Häufigkeit ihrer Erkrankunseu bei beiden tjeschlechtem zeigen, vornehmlich das Peritoneum, das weit häufiger beim weiblichen als beim minnlichen Geschlecht erkrankt. Ohne Zweifel liegt der Grund davon iedocb nur in dem znm Theil vom Peritoneum umschlossenen Genitalsysteme, weiches beim weiblichen Geschlecht so häufig der Ausgangspunkt von Erkrankungen wird. — Am «'besten kann eine besondere Altersdisposition fflr Erkrankungen der serösen Hittte im Allgemeinen angenommen werden. Diese Häute sind bei der Geburt von einer extremen Zartheit, am zartesten das Epiploon und die Arachnoidea, welche Bio hat in diesem Alter mit den Wandungen von Seifenblasen vergleicht. Auch in den nächsten Jahren bleiben die serösen Häute noch sehr zart und vollkommen durchsichtig und diese Dflnnheit des serösen Blattes mag mit ein Grund sein, dass im jOngsten Alter anch massige Störungen in den Eingeweiden so rasch von Exsud- stionen meist von geringem Gehalte in die serösen Säke gefolgt sind. So sehen wir z. B. schon bei sehr unbeträchtlichen Störungen des Darms bei Kindern seht hittfig Ascites eintreten; Hyperämieen des Gehirns sind in diesem Alter unendlich mehr als in jedem anderen von raschen und reichlichen Exsudationen in die Arachnoidea gefolgt; auch pleuritische und pericardiale Exsudationen sind häufig. Erst allmälig werden die serösen Häute etwas derber und weisslicher, dabei ist das subseröse Zellsewebe loker und verhältnissmässig sehr blutreich; Exsudationen sind darum zwar nicht auf so gerinefflgige Störungen wie ftUher zu erwarten, treten aber doch noch mit grosser- Leichtigkeit ein. Im höheren Alter finden sich dieselben 2war auch nicht selten , doch kommen dann wieder mehr wässrige als plastische Euudationen zustande , weil der subseröse Zellstoff ärmer an Blut ist , als zuvor. Zu allem dem kommen noch die besonderen Dispositionen, welche die verschiedenen von den serösen Häuten eingeschlossenen Organe in den verschiedenen Altem haben, i& der Weise, dass im Allgemeinen die serösen Häute der Nervencentra a# häufij^sten im Kindesalter, die der Brust und der Gelenke im jugendlichen und die des Lnter- leibes im vorgertlkteren Alter aflficirt werden.
Aeussere Schädliclilceiten treffen die serösen Häute nur ausnahmsweise, rufen aber selbst bei höchst geringer Intensität in ihnen alsbald die beträcht- lichsten Erkrankungen hervor.
Wanderlich, Psthol. u. Therap. Bd. II. 3
34 Affectionen der seröseo Häute.
Schon Erschütterungen können zuweilen ein reichliches Blutextravasat oder ein höchst beträchtliches Exsudat in serösen Häuten bewirken. In noch höherem Grade und noch sicherer treten schwere Erkrank uno:en auf, wenn fremde Körper in die Säke gelanfjen, während dajjegcn einfache (;ontinuität>treununjs:pn (reine Stich- und Schnittwunden) oft von geriiijren Folgen sind. — Auch die Temperatur- einflüsse können, wenn sie einmal zur AVirkiing kommen, zu bedeutenden Stör- ungen führen, was jedoch meist nur in den Fällen geschieht, wo durch eine voraus- gehende Erkrankung schon ungünstige Verhällnij<se gesczt sin«!. — Die ihrem Wesen nach unbekannten atmosphärisch epidemischen Verhältnisse scheinen zuw^eilen eine bemerkliche Disposition zu Krankheilen der serösen Häute zu bedingen und wir sehen zeitweise sowohl die Erkrankungen der Arachnoidea, als der Pleura und des Pericardiums. als des Peritoneums und entllich der (iclcnkshäute in reich- licheren Fällen auftreten, wenn dieselben auch mit Ausnahme der Peritoniten niemals zu einer förmlich epidemischen Ausbreitung g(jlangen. AVir haben entfernt keine Anhaltspunkte, von welchen Umständen dieses Häuligerwerden der mei>teii dieser Erkrankungen abhänge, und nur etwa bei den Entzünduncen der (lelenksbäute kann annähernd auf eine feuchte und wechselnde Witterung die Schuld geschoben werden.
•Die Erkrankungen der serösen Häute stellen sich mehr als die Erkrank- ungen irgend eines anderen Theils des Körpers in Folge von Störungen der benachbarten Theile ein, so sehr, dass abgesehen von einzelnen except- ionellen Fällen fast bei allen Erkrankungen der serösen Häute eine primäre Störung eines anderen Theils, sei es der Wand der serösen Haut, sei es des eingeschlossenen Organs vorausgesezt werden darf. Und es kann dabei die Erkrankung in der serösen Membran im Verlaufe so sehr an Wichtig- keit überhandnehmen, dass die ursprüngliche Störung vollkommen über- sehen wird oder auch längst verschwunden ist, nachdem die consccutive Störung zur Beobachtung kommt. — Die Erkrankungen der serösen Häute differiren hiebei auch ihrer Art nach sehr häufig von denjenigen Störungen, durch welche sie eingeleitet werden.
Bei den Localerkrankungen mancher serösen Flaute ist der Nachweis ihrer Ent- stehung aus anderen Störungen schwieriger zu führeii, als bei andern. Aber gerade bei der ausgedehntoten >erö>en Haut, bei dem Peritoneum, ist die secundäre Natur der Affectionen mit Ausnahme der traumati>chen Kälte höchst ersichtlich, so dass die Erkrankungen des Peritoneums spar>am sind, in welchen nicht auf die ungezwungenste Weise die AtTection des Bauchfells von einer vorausgehenden Störunij eines andern Theiles erklärt werden könnte. Bei der Pleura er>cheint solches darum sch\%ieriger, weil bei den ersten Symptomen der Erkrankung, bei den Schmerzen so häufig der Beweis nicht geführt werden kann, \on webhem Theile dieselben au>- gehen; und es ist bei dieser, sowie bei den meisten übrigen serösen Häuten in zweifelhaften Fällen die Frage nach der Eutstehuugsweisc von um so geringerem [)ractischem Werthe, weil einerseits diese F^rkrankungen selten durch Rüksichtnahme auf die vorausgehenden Processo \ erhütet werden können und weil andrerseits, wenn sie einmal entstanden sind, sie eine so überwiegende Wiciitigkeit haben, dass der hie einleitende Process kaum mehr eine Berüksiihti^ung zu linden braucht. -- Wie es scheint, kommt eine gewisse Art der Störung in serö>en Häuten, nämlich eine Verwachsung der einander berührenden Flächen , natürlich unter vorausiresanirener Exsudation zuweilen allein srhon dadurch zustande, dass die beiden Blätter einige Zeit lang in unverrükter Berührung mit einander sind, was dadurch herbeigeführt wird, dass die von der serösen Haut umschlossenen Organe in L'nbeweglichkeit ver- harren. — Die Art der Störungen in den seiö>en Häuten ist nicht abhängig von der Art der Erkrankung der b(uiarhbarten Theile, von welchen aus die Serosa ergriflen wurde. Beiden verschiedensten F>krankuugen der anderen Theile, ebensowonl bei den leichtesten wie bei den schwersten, kann Inder serösen Haut die gleiche Secundär- störung folgen. In der Mehrzahl der F'älle hat diese die Form des serösen oiler plastischen Exsudats. Mag die ursprüngliche Erkrankung in den Nachbartheilen eine Hyperämie, ein einfacher Catarrh, eine Entzündung, eine Tubercuiose, ein Krebs, ein Mortificationsprocess, ein hämorrhagischer Infarct oder welch sonstige Anomalie sein: sobald der benachbarte Process bis zur Serosa fortschreitet, so beschlägt sich diese mit einer plastischen Ablagerung oder ergiesst sich Wasser in ihre Höhle. Nur
AfliftctloMii d«r MrAitn Hintt. 35
«Bl«r beeondexen iJniitindeo Dimmt auch die Erkranknug in der Serosa eigeBthfliiit- liehe GesUltonseii an: es wird s. B. Eiter producirt, Blnt ergossen, oder werden die Absesongen tobercnlGsen Massen ähnlich oder krebsartic, oder verkreiden sie; alles dicss aber ist ohne strenge Beziehnng zu den Processen der Nachbartheile, Ton denen SOS die Störung der Serosa angeregt wurde, nnd fast nnr allein bei dem Krebse ist eine hinflgere Oebereinstimmnng zwischen den Bildungen in den Nachbartheilen nnd in der Serosa an bemerken. Die Gestaltangen der Prodnctbildnng in der Serosa hingen anm geringsten Grade von den einleitenden Ortlichen Primirerkranknnsen, sondern voinehmlich von der Beschaffenheit der Constitution, von der Reichlichkeit der gebildeten Producte, von der besonderen Beschaffenheit der einzelnen Serosa (indem fast in jeder serOsen Haut eine vorwiegende Disposition zu gewissen Formen der Productbildungen besteht) und von den weiteren Einwirkungen ab, welche im Verlaufe der Erkrankung die Stelle treffen.
Es scheint, dass unter den serösen Häuten eine Art von Sympathie in der Weise besteht, dass eine Erkrankung der einen Serosa ohne Weiteres eine ähnliche Erkrankung einer andern serösen Haut herbeizufBhren im Stande ist. AehnUche Beaehungen finden auch zu andern Membranen statt
Am auffallendsten ist dieses Yerhalten bei den GdenkshSuten, docb auch zwischen diesen und den Qbrigen serOsen Hinten und zwischen der Pleura und dem Peritoneum scheinen ähnliche nicht nAher zu erldärende Beziehungen zu bestehen, so dass mind- estens bei schweren Affectionen der einen serOsen Haut obne weitere Veranlassungen Affectionen einer anderen entstehen können. Isolirter ist , in dieser Beziehung die Arachnoidea und die Serosa des Hodens. — Auch zwischen der Cutis und serOsen HiQten und zwischen den Schleimhäuten \md ser5sen Säken kann eine ähnliche lympathische Beziehung allenfalls angenommen werden, wenngleich sie weit nicht •0 häufig zur Wirkung kommt: Beispiele hiefür sind das Entstehen yon Arachnoideal- exsudaüonen nach UnterdrOkun^ von Hautansschlägen, das Eintreten einer Hydrocele bei einem Tripper. Indessen ist in diesen FäUen nicht zu leugnen, dass die Erkrankung der serösen Haut mögUcherweise auch von einer vorausgehenden , wenn auch unbe- trächtlichen Störung der von ihr eingeschlossenen Organe, also des Gehirns, der Hoden, ihren Ursprung nehmen kann.
Erkrankungen der Constitution haben, wenngleich nicht firOhzeitig, doch bei vorgerfikter EntwUdung häufig Afiectionen der serösen Häute zur Folge und zwar treten die lezteren sowohl als Miterkrankung bei einem mehr oder weniger reichlichen Complexe von Localisationen ein, als auch nicht selten in der Form von Tenninalaffectionen.
•
Keine AllgemeinstOrung hat so häufig und so gewöhnlich Störungen in den serösem Häuten aur Folge, als die vorgeschrittene Hydropsie. Aber auch alle Arteä von weitgediehenen cachectischen Zuständen fahren wie die Hydropsie zu wäse- rigen^und zuweilen blutigen Exsudaten in den serösen Häuten. Die blutigen Exsudate treten besonders häufig bei der scorbutischen Erkrankung und bei den an sie sich anschliessenden Consütutionskrankheiten (Alcoolismus, Krebsmaraamus, vor— geschriuene Gicht, HämorrhophUie) ein. Unter den acuteren AUgemeinstöruneen findea sich Erkrankungen der serösen Häute vomehmUcb bei der Pyänüe und den an sie^ rieh anreihenden Zuständen: den Puerperalkrankheiten, den fortschreitenden Genim^ Qogen in den Venen etc. — Als Terminalaffectionen kommen ErluankunÄeiÄ in fast aUen serösen Häuten vor, besonders häufig treten sie un Verlauft chromscUe- Kiankheiten ein, namentlich häufig die Pericarditis, nicht selten auch i'ieunien - wiewohl nur in sehr massigem Grade arachnoideale Exsudationen.
n. Pathjologie.
Der Beginn der Erkrankungen der serösen Haute entzieht sich in d^ meisten FSUen der Beobachtung und es kann wenigstens ^^*^^ ™*^^^^ heit auf factiache Wahrnehmungen hin ihr Anfang bcstunrnt weraen.
Der Anfang der Erkrankungen seröser Hftate ist in ^«K^^^Ve Störung zu C^St bexeichnetriir wissen aber Seht, ob diesem schon eme P^*^*|SiÄS|^ liegt. A priori kann ewar Temuthet werden , dass die meisten mimu u»««^ ^
oh AlTectiuuen der serösen Häute.
^p^ö^»•^ Haute (iurrh Hy[M'riiniieen <lf,'» siihscrü^^'n Zrllijp\vrl»> eiMir^'lcitei werden, allein jin si'li >iu*\ clie>e iindiairnostirirliur und in drr Lrirln* tiiidet man >ie Griten für sich allein, sondrrn niri>t mit iin<l»Ten ^ eränderuniTn r-dmldnirt. Ohjortiv nachweisbar währrnd des Lehens w^rdi^n ciie Erkrankumrcn der srr<">s('n Häute inei>t erst, wenn eine Aldairernn^ in den >ak stattiretunden hat. Ks kann Nernintljet werden, dass hei 'iewi.-^-^cn Mi^rlinnL^Mi des Blui^. z. H. hei ^eritser Be>r}ialVenlieit desselben, der- artine Ahlai:erMni:''n die primäre StTtrnnt: in den Tlieih-n sind, während alb' iiebalt- reichen Ah>ezMiii£en ohne Zweite! mindestens in den mei>ten Fällen \<»n einer C'ir- «•ulatinn^anoni.'die ( Hluinhertüllnnir. Iii>> der (•etä*>e) in dem unterlieL'enden Zellirewebe aldiäriL'en . wnhei das diinne serr»se Blatt Mtn dem An^setreienen ra>r}i imldhirt und liljersehritteu wird. Die Hyj)erändeen der serre-en Hänte sin<i in nrx }i \iel hüljerem i'rade. al- die des Zellijewehes ra-^rli \ou I'\<ndati«tn LMfol^t und (iiese erhält .«*irh län::er. w«il da> Au.-iretrefme wniiner na« h aljeu >eiiien i heilen \on helehiein ^iewcbe umxldosx.Mi i>t.
Die (lirecten Folgen der Krankheiten der serösen Häute sind
1. Schmerzen von gewöhnlich eigenthünilicher Ileftigkeit;
2. mechanische AVirkungen der in den serösen Sak erlnlgten Absez- ungen: Erschehiungen der Vorbuchtung nach aussen, der Veränderung des Percus.>ionsschalles. Geräusche bei Bewegung der rauh gewordenen serösen Flächen auf einander, Verdrängung der Organe durch die Einlagerung.
Ks ist ein eijzentliümliehes. in<dit aufnehelltes A'erhalten. dass gerade die Mrkrank- iimren der >erüsen Häute, welrlie Mend>ranen im .Normalzustände so weniir l'^mptind- liehkeit zeigen, mit >o au>::ez«'iehin'ten S ( li me r z e n \erlaufen. >mwo|j1 ;:anz spontan eintreH'ude Sehmerzen zi'i;:en , als au(h «'ine au^serordentlirjje Kniplindlit likeit des Theils für Benihrun^. Bewejrun:; und andere I-^intlü»«' hewirken kidinen. l'nd zwar verhallen sich die Erkrankuiiirei» dersell»en >er«»>en Haut dur(hau> rdc lit in allen. .s(dhst nicht in allni sieh sonst trioicliniden Fällen in dieser Beziehunir übf»rein- >tiramend. Kine Exsudation von gleicher Bex hatVenheit und pleielier Mentre und unter ziemlich den gleichen l mständen auftretend kann das eine Mal \un den intensivsten .Schnurzen begleitet, ilas andere Mal gänziicli sclimerzlos >ein. Aller- dings hängt das Eintreten des Srhmerzes zuweilen mit der Acuität der Erkrankung zusammen, in der AV ei>e. ilass a< ute ErkranktJiigen der ser^'i^en Häute weit gewidin- licher Schmerzen machen, als chronische; W(d>ei jedoch zu erinnern ist. dass gerade die alleiacutesien w iederum oft ganz s< huicrzlo.s sind. Haiiegen stehen die >( hinerzen mit der Intensität der Erkrankung in gar keinem directcn, eher vi(ll.i(ht in einem indire<ten \'erhältniss, indem wir bemerken, da^s gerade die rei« hhaltigsten und den schlimmsten Ausgang nelmienden Exsudationen ^erhältnissmässig selten von erheb- liclien Schmerzen eingeleitet sind, während tinhedeutende. leiclit n orühergelu'ncle Aflfectionen oft fast unerträglichen Schmerz machen. Zuweilen lä<st sieh d<»r Schmerz aus der Zerrung benac hharter Organe erklären, wenn die Exsudationen zu Auheft- ungen \'eran lassung gegehen hahen, aher es ist ciie>s weitaus cl«r seltnere Fall und i^ewcdinlidi lässt >ich darüber keine Erklärung gehen, wesshalh das eine Mal der Schmerz \orhanden ist. das andere Mal fehlt. Nicht selten zeigt sich der Schmerz im Anfange der AlTection, hört aber bei ihrem Fortschreiten auf ocler ermässigt sieh. Der Schmerz kann sich in allen seri'jsen Häuten zeigen, am häufiL^sien pllegt er in dem Peritoneum, in der Arachnoidea ilber der convexen Fläc he des (lehirns zu sein, sehr heftig zwar, aber häufiger fehlend in ci«r Pleura, weit gerini:er und gleichfalls oft fehlend im Pericardium und in der Serosa des IbMiens. Der Schmerz, der von den serösen Häuten ausgeht, wird am häufigsten als ein stechemier bezeic hnet, doch kommen auch andere Formen des Schmerzes oft geiuig vor und keine Modification desselhen kann als sicheres Zeichen für eine hestimmte Form cler Erkrankung ange- sehen werden. — Die me c liani sc hen P h am» me n e der Krankheiten der serc>sen Häute sind es, die die sicherste Diagnose geben. Sie bekunden sich aher begreiflieh je nach der Ver.schiedeidieit der alVicirten Stelle in sehr dilbrenter Weise, was bei der Localpalhologie des Näheren zu betrachten ist.
Die indirecten S> ni|)tonie der Krankheiten der serösen Häute beziehen sich auf Störungen der eingeschlossenen und benachbarten Organe, welche durch die veränderten Verhältnisse in dem serösen 8ak hervorgonilen werden: durch Druk, Zerrung und durch die wegen Schnierzhaftiffkeit
AffMtfoMn der ströMn HioU. 37
crschwaie FunctioiiiiTing; ferner auf die Theflnahme der benachbarten Thefle an dem Processe; und endlich auf die Betheiligung des Gesammt- organismus.
DuicJi die zahlreicheo PhlnomeDe, welche von der Einwirkung derErV.rank- vng serOserHänte auf die eingeschlossenen und benachbarten Organe tbhlDgen, wird der Symptomencomplex jener mannigfaltig modificirt, wie erst bei der Localpathologie aoseinandergesezt werden kann. Hier ist nur hervorzuheben, dtM gerade diese indirecten Symptome sehr oft die wichtigsten far die Diagnose sind, wie z. B. die der Verdrftn^ng des Herzens beim linkseitigen pleuritischen Exsudate and der Leber beim rech tseit igen, der hohe Stand des Zwerchfells und die Störungen der Defication bei der peritonealen Erkrankung etc. Andererseits tragen diese indirecten Symptome auch hfiufig dazu bei, die Erkrankung der serösen Haut zu maskiren und verkennen zu lassen und es hat hierin seinen Grund, dass man so lange diese Störungen Obersah und «tatt ihrer nur die ' abgeleiteten Functions- anomalieen in Betracht zog. Die nachtheiligen Folgen für die Functionen der benachbarten Theile treten gar oft zu einer Zeit erst ein oder dauern in einer Zeit noch fort, wo man die Krankheit der serösen Haut fflr ISngst geheilt ansieht, weil diese Productreste hinterlassen hat, die der directen Beobachtung beim Lebenden sich entziehen (Anheftungen u. dergl.), und es kann sich alsdann eine lauge Reihe von Functionsstörungen der benachbarten Organe anschUessen, welche, wenn man ihren Ursprung übersieht, um so unaufgeklärter bleiben, da in dem anatomischen Verhalten dieser Theile sich oft keine weitere Abnormität zeigt (Störungen der Ver- dauung nach Peritonitis, tiefe psychische Störungen bei Verwachsung der Hirnhäute, Störungen am Herzen bei Anheftungen des Pericardiums). — Die Theilnahme der benachbarten Theile an dem Processe in der Serosa selbst ist gemein- if^lich weit untergeordneter und steht beträchtlich zurOk hinter den Folgen, welche darch Dnik und Zerrung hervorgerufen werden. Fa^t nur die eitrisen, jauchigen und krebsi^n Absezongen in den serösen Häuten verwikeln die benachbarten Organe in ihren eigenen Process. — Die Betheiligung des Gesammtorganismus Allt bei vielen Erkrankungen seröser Häute gänzlich weg. IVo sie eintritt, kann sie ohne Zweifel auf sehr mannigfaltigen Wegen zustande kommen und nicht immer ist man im Stande, diese Wege zu verfolgen. Bei reichlichen Absezungen in grossen serösen Häuten mag die rasche Entziehung vieler Blutbestandtheile aus der Cir- culation von bedeutendem Einflüsse sein; in andern Fällen mag der Schmerz, den die Krankheit erregt, auf das Gesammtbefinden wirken; wiederum in andern Fällen hSngt das Verhalten des Gesammtorganismus inehr von den Folgen der Erkrankung der serösen Haut, den mechanischen Wirkungen auf die Nacnbartheile und den Störungen der Functionen derselben ab, als von dem Geschehen in der Serosa selbst. Aber es bleiben Verhältnisse genug zurOk, in welchen der Zusammenhang zwischen der Örtlichen Erkrankung und der Theilnahme des Gesammtorganismus nicht deutlich ist: troz der reichlichen wässrigen Absezungen, welche bei Erkrankungen seröser Häute erfolgen können, pflegt das Blut bei ihnen im Durchschnitt auffallend wässriger lu werden und zwar in dem Grade, dass bei keiner localen Affection, mit einziger Ausnahme derNierenerkrankungen, Oedeme und selbst allgemeine Wassersucht so frtJh ond so häufig sich hinzugesellen, als bei den Störungen in den serösen Häuten. Sind die kzteren acut und von einer gewissen Intensität und gerade wenn grosse Massen Faser- stoiTs in den serösen Bohlen abgegezt sind, so geschieht es abermals fegen alle Erwartung, dass neben der Vermehrung des Wassergehalts im Blute auch die Menge des 1 aserstons im ausgezeichnetsten Grade steigt und zwar wiederum mit einziger Ausnahme der rneu- «onie und des Gesichtserysipels mehr als in der Krankheit irgend eines anderen ^^^^f- Es ist femer bemerkenswerth, dass bei diesen Afl*ectionen, vornehmlich ^^n^ "« acut auftreten, eine so ungewöhnliche Geneigtheit zu profusen Schweissen Desteni und dass bei keiner Erkrankung innerer Organe auch nur annähernd ^*® ^*^ ^Tf" das Auftreten von Frieseleruptioneu gemein ist Die Fiebererscheinungen , i^c cuc die acuten Erkrankungen seröser Häute begleiten, können a^l^^^'"".^? »In udW zeigen von den leichtesten Spuren fieberhafter Gereiztheit bis zu der *».^"v imld eini^n artTgen Form des adynamischen Fiebers. Das begleitende Fieber nimmt ^«"» ^^^^ plözlichen, bald einen mehr allmäligen Anfang, es zeigt »ich mcM seiicn,^ t^u ^^ e u^i
eine Spur von Erkrankung in der serösen Haut bemerkt wird, ff P;' . Gewöhn .--1- JL ^! .y^ j. i._ x.^._»^v*i:^i,Ä r:r«ii« erreicht nai. wcwoon-
anch oft erst hinzu, nachdem diese schon beträchtliche Grade «"^'^J^i^* Lbiagerni^^ lieh fällt es oder mindert sich wenigstens mit Beendigung ^^^^-^JÄf^^^^ doch stellt sich selten nach dieser eine so vollkommene Fieberiosigkeii °^'^ j^^^^^^'* bei der Pneumonie, bei manchen Hautkrankheiten etc. nach beendigter rroa« «o.c^^
38 AffBettonen der bct^smi äkott.
nng gemetni^licb geschieht Mag das Fieber eineo Grad haben, welchen es will, ao zeichnet es sich durch seine Geneigtheit zu Wechselfällen und Schwankungen aus, es ist nach Zu- und Abnahme unberechenbar und die eben erst eingetretene Beruhig- ung kann unerwartet von neuer Aufregung gefolst, die heftigste Aufregung unerwartet schnell beschwichtigt werden. Nur in der Minderzahl der Fälle hat das Fieber jenen Grad und Character, den man wohl als entzandliches Fieber bezeichnet und wo es ihn bat, behält es ihn nur kurze Zeit; weit häufigerstellt sich die fieberhafte Theil- nähme des Organismus in jenen Formen dar, denen man frtlher den Namen des gastrischen, rheumatischen Fiebers beigelegt hat, oder zeigt es eine frühe Neigung zu Prostration und Adynamie. Heftige Gehirnau^gungen sind nicht ausgeschlossen bei acuten Erkrankungen der serösen Häute , aber es sind doch nur Ausnahmsfälle, in welchen bei Erkrankungen anderer serOser Häute als der Arachnoidea Paroxysmen von lebhaftem Delirium und von Krämpfen sich einstellen, und wo diese nicht in den besonderen Verhältnissen des Individuums ihre Erklärung finden, lässt sich der Grund ihres Eintretens gewöhnlich nicht durchschauen. Viel häufiger ist in schweren Fällen solcher Erkrankungen eine Neigung zu gelindem Stupor vorhanden. Alle schweren Symptome vom Nervensystem mtlssen aber bei Erkrankungen seröser Häute mehr als bei denen der meisten anderen Organe als höchst ominöse, wenn auch nicht als letale Zeichen angesehen werden. Bei lentescirenden AfTectionen der serösen Häute zeigt die Theilnahme des Gesammtorganismus häufig die Form der Hectik, jedoch so rasch sich ein gewisser Grad von Hinfälligkeit in solchen Fällen einstellt, so pflegt doch oft der Organismus wenn auch in siechem Znstande lange sich zu erhalten und das tödtliche Ende in chronischen Fällen meist erst durch hinzukommende weitere Localslörungen herbeigeftlhrt zu werden.
Der Verlauf der Krankheiten der serösen Häute neigt fiberwiegend zur Lentescenz. Die Herstellung ist selten vollständig. Der Tod erfolgt mehr durch die Folgen für die NachbartheUe oder durch weitere Complicationen, als durch den Process in der serösen Haut selbst.
Hienach gestaltet sich die Bedeutung dieser Erkrankungen. An sich in der Minderzahl der Fälle tödtlich und nur bei besonderen Umständen (bei den Erkrank- ungen der Arachnoidea, bei Herstellung von Gommunicationen des serösen Saks mit inneren Höhlen) rasche Gefahr drohend bringen sie um so häufiger Nachtheile und den Unterpng durch ihre lange Dauer, durch die Residuen, die sie hinterlassen und die sich nicht mehr heben, durch die Anomalieen in der Lage und in den Functionen der Organe, welche sie aberziehen. Nur die leichtesten Formen dieser Erkraukun£en und selbst diese selten heilen spurlos. Das Günstigste , was in der Oberwiegenaen Mehrzahl der Fälle zu erwarten steht, ist, dass die hinterbliebenen Reste der Erkrankung ihrer Beschaffenheit nach keinen Einfiuss mehr auf Nachbartheile und Gesammtorganismus ausüben oder dass leztere sich gleichsam an ihre Gegenwart gewöhnen. Aber auch wenn diess geschehen ist so bedarf es selbst lange nach al>er- standener Erkrankung oft nur geringer Unordnungen im Körper, damit jene Residuen eines abgelaufenen Processes aufs Neue sich bemerklich machen.
ni. Therapie.
Bei der Behandlung der Erkrankungen der serösen Häute ist abgesehen von der Besonderheit der Processe Rücksicht zu nehmen: 1. auf die vor- aussichtlich lange Dauer der Krankheit; 2. auf die Erhaltung der Functionen und eines erträglichen Zustandes der von der Serosa eingeschlossenen Organe.
Die Störungen der serOsen Häute, welche hauptsächlich Object der Behandlung werden, sind jene, welche man vornehmlich unter dem Namen der Entzdndungen zusammenzufassen pflegt, sowie die wässrigen Exsudationen, und es scheint seeigneter, bei diesen die näheren Modiflcationen des Gurverfahrens, welche von der Eigen- thOmlichkeit serOser Häute bedingt werden, zu beleuchten.
Vgl. über dis Krankheiten der serösen Häute ausser Oendrin's bistoire anatomiqna des iiiflaminations: Hodgkin (Lectures on the morbid anatoniy of the serous and macoas membranes 1836 Vol. 1), Velpeau (recherches anatomiqu«8 , physlologiqaes et patbo- logiquee sur les cavit^s closes, 1843), Oelez (bistoire generale des membranes s^euies et sjuo vieles 1845).
HjptrimiMn nad EnttttnduDgtii^der BwSsen HIoU. 39
SPECIELLE BETRACHTUNG.
A. ENTSTEHUNG VON ANOMALEN SERÖSEN HÄUTEN.
Es kommt häufig in krankhafter Weise eine Bildung von serösen Häuten oder doch von Membranen, die ihnen sehr ähnlich sind, an Stellen vor, wo sie sich im gesunden Zustand nicht finden.
1) Als Kapseln um fremde Körper, dislocirteGelenkskSpfe, Blutergüsse, Eiterherde u. dergL im Zellgewebe und in Parenchymen.
2) Als Umwandlung von Schleimhäuten, deren Ausgangscanäle ver- schlossen sind und deren Secret daher keinen Abfluss hat.
3) In allen Exsudaten auf serösen Häuten nimmt die innerste, frei gegen die Höhle gerichtete Schichte zulezt selbst die Beschaffenheit einer serösen Haut an.
4) An Stellen, welche einem anhaltenden Druke ausgesezt sind, können sich neue Synovialhäute bilden, so am RQken, an den Extremitäten, zwischen Muskeln und Sehnen, in Amputationsstumpfen, zwischen den Knochenenden nicht consolidirter Fracturen, an den Gelenksenden nicht eingerichteter luxirter Knochen. « •
5) Die serösen Cysten, die im Zellgewebe, in den Eierstöken und andern Parenchymen sich entwikeln.
B. HYPERÄMIEEN UND ENTZÜNDUNGEN.
L Aetiologie.
Die Hyperämieen und Entzündungen der serösen Häute werden herbei- gefiihrt durch traumatische Einwirkungen, am häufigsten durch Ueber- schreiten eines Processes aus der Nachbarschaft, durch secundäre Erkrank- ung einer serösen Haut nach Entzündung einer andern Serosa und bei intensiver Constitutionskrankheit
TraumatUch können Entzündungen einer Serosa herbeigeführt werden durch directe Verlezung. Ck>ntinuitÄt8trennung und Reizung durch Eindringen fremder Substanzen <Uft , Flüssigkeit , fester Stoffe) in den serösen Sak , durch Erschütterung (Stoss), anhaltenden Drak. Ferner kann die Entzündung entstehen durch ein U eberschreiten • einer Hyperämie der benachbarten Organe auf die Serosa: da eine Hyperämie fast jede Art von Krankheitsprocess einleitet, so kann auch fast jede Art von ^^^' heitsproces» in den der Serosa benachbarten Organen mit Entzündung m den serösen Membranen sich verbinden. Diese üeberschreiiung kann ebcnaowohl v<"» ,^®" *^ der parieUlen Fläche der Serosa anliegenden Körperwandungen als von aeni^m- pcweiden, welche von der Serosa umhüllt werden, ausgeben, doch geht %"^ JI aiZ lichkcit ungleich häufiger von Lezteren aus. Eine Kntzflndune d^^"n*n BiaitM a« Serosa zieht übrigens, wenn sie irgend beträch dich ist, fast jedwmal ^le Entzündung des andern gegenüberstehenden nich sich. Wofern die E«^^4^°6 ,^'^J' f/'^C Haut nicht durch äussere örtliche Einwirkungen herbeigeführt wird , leigt sie iwi immer eine örtUche Erkrankung der unmittelbar benachbarten J]jf!'« ®^^^'e^'^^^ gemeine Krankheit an; sie wird aber sehr oft gerade die •"^^^^^«"^^^fA^SI^lf^^ •ich auszeichnende Erkrankung ; die Entzündung der aeröscn Haut kann m aieaet Weise oft der Verräther Utenter Krankhcitea der Eingeweide werden.
40 Uyperämieen und Entzündungen der serösen Häute.
II. Pathologie.
Es liegt in der Art der serösen Häute, dass Uyperämieen in denselben, so unbedeutend sie aueh sein mögen, alsbald in Exsudation übergehen. Ilöehst selten findet man bloss Hyjjerämie (dine Ex^udation. oft vielmehr die leztere ohne die erstere, indem die an sich unbedeutende Hyperämie durch die alsbald darauf folgende Ausschwizung rasch erschö|)ft wird.
Die Hyperämie der serösen Haut beginnt immer zunächst im subserösen Zellgewebe, die Röthe schimmert aber bei der Dünnheit der Serosa durch diese hindurch. Bald bemerkt man in jenem auch kleine Extravasate, wodurch rlas xVussehen gesprengelt wird. Darauf werden die Serum führ- enden (lelasse au.>gedehnt und mit Blut gefüllt und das seröse Blatt selbst mit Exsudat getränkt ; indem dieses organisirt. können sich auch in ihm Gefässe entwikeln. So zeigt allmälig die Serosa selbst eine mehr oder weniger reiche (iefässentwiklung. anfangs nur in haarförmigen Strichen, später und bei höheren (traden concentrirter und gesättigter. Sie hat dabei ihre zarte (Jlätte verlorm, hat an Dike zu- und ein sammetartiges Aussehen angenommen. Zuweilen verklebt sie mit einer Nachbarstelle. Löst sich die Hyperämie frühzeitig, so bleibt nur eine Trübung oder eine Verdikung des serösen Blattes zurük, zuweilen bleibt auch die Stelle mit einer andern Stelle der serösen Haut verwachsen. Das befallene Stük ist zerreisslicher und hängt weniger fest mit den unterliegenden Theilen zusammen.
Kin/clric ?"erö>(' Häute zcij:ori die Ixötliunt; oft rmr lirHh>t iinvollkomiiH'n oder gar niclit. reihst dann nidit. wenn reirhlirhe Kxsudatf in der H<'»|il<' l)e>ieh<'ii . >o die Svn<>\ialliäute und die AraelinoifJea. Audi hcnierki man, da>> (dt die KöihuD;^ der >en"i>ien Häutr und des 8iil>i<erösen Zell^ewebs mit der Il.\>udiruni: aliriimmt, be>nn(lers dann wenn ein reichliches plasti.sches Kxsudat ra-irli ijesezt wurde
Die leichtesten (irade der Hy[)erämic und Entzündung: enden uhne weiteres in eine Verdikunjj; und Trühunj; der sen'jsen Haut, herv(tr;j:eruren durcli ein lei(hte> ]^la^tis(•hes FA>udat im sul»erüsen ZeHireweh«' und in dem (iewtlie der Serosa. Auch auf der Fläche d<?s serü>(Mi Blatts werden in diej^em Fall«? mei^t mil«hii:e, weisse Fleken wahri^enommen. Reste massiger K\8U<lalioii. welche jeiltxli die Functionen gar nicht heeinträchtiiren.
Fllx'nso entsteht in leichten Graden der acuten wie der chronischen Hyperäiaie, besonders wenn die beiden >er(>sen Hlätter unbewciluh auf einander ruhen, eine einfache Anlndtung derselben an einand« r durch Austritt ^on el\\a> Ncrklebeudem plastihchem StotT zwis(hen die Hlätter,
l)i(j i!y[)erämieen der serö.>en Häute, sowie die h'iclitest(;n (jrade der Fxsndation können zwar Schmerz hervorrufen und Hemmung der Function «ler eingtdai^erten Orq:ane bewirken, sind aber seljr oft ganz sym|)toiidos und dur<h nicht> zu diagnostiviren. Selbst etwas gesteiirertere (irade, web he Tnilmnjzen und Milclitleken hint«Tla>sen oder Verwachsungen Ix'wirken, kr»nnen ohne alle Symptome verlaulcn und oft treten solche erst nachträglieh durch die >r(»rungen , wtdche die dauern(U' NCrwachsung bedirjgi. und durch deren Fidgen ein.
Hei irgend bedeutenden (iraden einer acuten Entzündung zeigt sich immer nicht nur Hyperämie, Infiltration, Exsudation und Verdikung des subserösen Zellstoffs und des serösen (iewebes selbst, sondern auch mehr oder weniger reichliches Exsudat auf die freie Fläche iWr w^erosa, in ihre Höhle, und zwar ist lezteres immer das überwiegend massenhaftere.
Die Exsudation in die Höhle ist das geläuhge Merkmal einer Kiitzilndunir der Serosa und Fälle, bei welchen es nicht einmal zu jener kommt. iJÜe^en gewöhnlich practisch gar nicht berüksichtigt zu werden : denn eine solche Fxsndation in die Höhle, (hidet fichon bei ziemlich massigen (jraden der Erkrankung und wohl bei allen statt, welche
Byp«rImS«Mi und £atsündaiif«]i dar lerof«!! H&iit«. 41
irgead eibebHcfae Symptome machen. Nor allein die Arachnoidea macht davan eine Ausnahmef bei welcher nar bei sehr stflinaschem Verlauf in die Höhle hinein, d. h. ilso auf die freie Fliehe die Ruudaüon geschieht, in den gewöhnlichen Fällen aber dieMlbe anter die Arachnoidea erfolgt.
Die Exsudation bei Entzündungen seröser Häute in die Höhle des Sakes kann plastisch, fiberwiegend serös, eiterig, blutig oder jauchig sein.
Die Verschiedenheit der Exsudation hängt ab von der Aeuität und Intensität der einleitenden Processe, von der Beschaffenheit der Constitu- tion und von den Einflüssen, welche den befallenen Theil nach begonnener Erkrankung treffen.
Die Symptome, mit Ausnahme des Schmerzes, der bei geringmassigen Exsudaten vorhanden sein und bei reichlichen fehlen kann, hängen mehr ib von der Masse des Exsudats, als von seiner Art, da die vomehmlichsten Erscheinungen mechanische Wirkungen der erfolgten Absezungen sind. Der Einfluss auf die Constitution ist im AUgemeinen ähnlich dem Einfluss, den entsprechende Exsudationen in jedem anderen Organe auf die Con- stitution üben, wird aber modificirt durch die Zurükhaltung des Exsudats in dem serösen Sak und durch die mechanische Wirkung, welche dasselbe auf mehr oder weniger wichtige benachbarte Organe ausüben kann. ^
Das entzündliche Exsudat seröser Häute kann entfernt werden durch Resorption , oder durch Durchbruch des Saks nach aussen oder in einen Raum des Körpers selbst, welcher Durchbruch spontan jedoch ziemlich selten ist und nur bei dem eitrigen oder jauchigen Ergüsse zu erfolgen pflegt. Es kann femer verschiedene Stufen der Organisation erreichen und auf jeder derselben in entsprechenden Modalitäten die regressive Meta- morphose eingehen.
Die Terscbiedenen Arten des Exsudats scbliessen sich in der mannigfaltigsten Weise an einander und lassen sich nicht vollkommen getrennt auffassen. Dm
KUstiftche Exsudat ist stets mit einiger FlOssigkeit, gewöhnlich mit etwas Eiter ver- uoden und enthält immer eine Anzahl von BlatkOrperchen. Das eitrige ist niemal» ohne plastische Absezungen und ohne Blutkörperchen. Das blutige enthftlt mehr, oder weniger plastische Bildungen und meist Wasser in grösseren Proportionen, als das Blut in den Gelassen.
1) Das aberwiegend plastische Exsudat gehört den acuten Fällen von massiger Intensität an und findet sich vornehmlich bei Individuen , die zuvor gesund waren, oder deren Constitution mindestens noch nicht zerrflttet ist. Es wird eine Substanz tosgeschwi^, welche dem Blutliquor entspricht und Faserstoff in verschiedener Proportion enthftlt Diese Substanz consolidirt sich durch Gerinnung oder Organ- isation früher oder später zu einer Schichte, die auf der freieu Fläche der Serosa sich absezt, die Form von Membranen. Ligamenten (Pseudomembranen Psendo- )i|;amente) oder von kleinen kuglichen oder conischen Granulationen, oder von disseminirten , linsengrossen Fleken zeigt , oder zuweilen ein grobzelliges Maschen- werk bildet, das die übrige Flflssigkeit (Serum, Plasma, Blut, Eiter) einschliesst. Die aaseeschiedene Ma«se kann die verschiedensten Mengen zeigen, von den kleinsten Anfiflgen auf der Fläche bis zu zolldiken Ablagerungen. Die Gerinnung der Fltlssig- keit kann bald rascher, bald langsamer geschehen, die Erstarrung bald vollkommener, bald unvollkommener sein, die Organisation .bald lan^amer,i bald schneller fort- schreiten. Von diesen Verhältnissen, welche von der Menge des Exsudats, von der Proportion des Faserstoffs, vielleicht auch von .seiner ursprünglichen Beschaffenheit, endlich von deo nachherigen Einwirkungen und Zufällen bedingt werden , hängen die Sympiome und die weiteren Schiksale des Exaudats und des Krankeh ab.
s) Der Moment- der Exsudaüon und die unmittfelbar' folgende Zeit kann, wena dag Exsudat sehr geringfügig ist, ohne* alle Svmptome sein und Bub)ecüve Encheio- angcn köanen selb« bei eTnem sehr reichlichen Exsudate wochenlang und noch länger vollkommen fehlen. Doch: sind sehr häufig reissende oder stechende bchmerzea
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HyporimlMn und EattfindiiogMi dir S6i6a«n Hlnte. 43
Dadofch kann 8ich, abgesehen von den besondero Örtlichen Symptomen, allmilig ein cachectiKher und hectiacher Zustand herateilen.
Die Znnahme des Exsudats durch fortdauernde neue Exsndirung erschwert und hindert die Organisimng des Ausgeschwizten und wird häufig die Ursache einer eitrigen Umwandlung der plastischen Bestandthoile des Exsudirten. Ausserdem wirkt die Zunahme in vermehrtem Maasse durch Druk. Die allgemeinen Erscheinungen adimen an Heftigkeit zu oder die Form der Lentescenz an.
c) Die eigenthflmlichen Veränderungen des plastischen Theils des Exsudiits sind folgende verschiedene.
Es organisirt zu einem Bindegewebe von verschiedener Form und verschiedener Dichtigkeit, in welchem frOher oder später eine Gefässentwiklung eintritt, die mit den t>enachbarten Theilen Gefäss Verbindungen eingeht Im Alleemeinen sind diese oeoen Bindegew ebsbüdunsen um so lokerer, je jflnger sie sind» und sie lassen in diesem Falle, wenn die Kachbarschaft später der Siz einer neuen Hyperämie und EalzOndnug wird, oder wenn in der serösen Haut selbst Wasser sich oeiindet, eine Infiltration zu , wodurch sie ein gallertartiges Ansehen bekommen , oder kOnnen sie> wenn die Hyperämie zeitig erfolgt und heftig ist, in Eiterung übergehen. — Die Formen, in welchen me Organisation erfolgt, sind dieselben, in welchen die primitive Cbn- solidation statt findet: das Gewebe bildet entweder eine Schichte, durch welche eine lokerere oder festere , dünnere oder dikere Verbindung zweier einander zuge- kehrter Flächen der Serosa hergestellt wird, wie besonders an Stellen, welche ruhig neben einander liegen, und in Fällen, in welchen rasch eine Consolidation des Ftaeretoffii eintritt (wie namentlich bei gerinser Zumischung von Wasser zum Exsudate). Die Folgen davon sind gering und unmerklich, wenn zwei einander Domial benachbarte und wenig auf einander sich bewegende seröse Flächen hiedurch verwachsen; etwas bedeutender, wenn die Flächen zwar normal benachbart sind, sber aufeinander stärker sich bewegen sollen: es bleibt dann oft noch lange Schmerz ond Fnnctionserschwerung zurük; sehr bedeutend können die Folgen sein, wenn die verwachsenen Theüe nur zufällig während der Verwachsung in P^achbarschaft sich befanden: sie bleiben dann in dieser abnormen Lage fixirt, was die mannigfalt^ten FunctionsstOrungen, lästigen Empfindungen und Dlformitäten der Organe zur Folge haben kann. — Oder es organisirt das Exsudat zu platten Schichten, die auf der Serosa liegen und mittelst der einen Fläche mit dieser mehr oder weniger fest verwachsen sind, die andere aber frei gegen die Höhle kehren (organisirte Pseudomem- branen). Die freie Fläche derselben ist bald flokig, zottig, nlzie, unregelmässig, Dezartig, bald wie mit Granulationen bedekt, Gestaltungen, welche besonders von der Bewegung des Exsudats bei seiner Consolidirung abhängen; bald und besonders bei Ungerem Bestehen wird sie glatt, und einer Serosa ähnlich und sogar mit Epithelium überzogen; die Seröse Haut selbst geht, wenn die Pseudomembran seit liu^erer Zeit besteht, zu Grunde und wandelt sich in Zellstoff um. Diese Form hat nur dann Symptome, wenn die freie Fläche der Pseudomembran rauh ist, die von der Serosa überzogenen Organe in Bewegung begriffen sind und nicht zugleich Flflssigkeit in die Höhle ergossen ist. In diesem Falle erhält sich ein hörbares Geräusch und an oberflächlichen Theilen ein fühlbares Reiben. — Zuweilen gestalten sich einzelne Partieen des Exsudats zu bandartigen Streifen und Strängen, welche von einer Wand der Serosa an die andere BrOken bilden und daneben mit dem flbrigen eonsolidirten Exsudate mehr oder weniger fest zusammenhängen. Es sind dies» Theile des Exsudats, welche beide Flächen erst verklebt hatten, durch die Bewegung der Organe aber gezerrt und in die Länge gezogen wurden. Sie können, wenn sie sehr straff und für die auszuführende Bewegung zu kurz sind, Schmerz und Fnnctionshemmung bedingen, überdiess bei grosser Derbheit Geräusche veran- lassen. — Endlich stellen sich zuweilen kleinere Granulationen rundlicher Körper von Hirsekomgrösse bis Erbsengrösse her, die Anfangs weich, später derb utid sehr fest sind und oft der Siz von Kalkablagerungen werden. Man findet sie besonders auf der inneren Wandung des Herzens , aber auch auf anderen serösen Häuten.
In Betreff der Dichtigkeit zeigt das organisirte Gewebe gleichfalls mehrere bemerkens- werthe Verschiedenheiten: es ist sehr weich, zerreisslich, ziemlich incohärent, so lange es noch neu ist: bei solcher Beschaffenheit ist es am ehesten noch dem voll- kommenen Zerfallen oder eiterigen Schmelzen und d^r tuberculösen Umwandlung zu^lnglich — oder es zeigt einen zarthäutigen cellulösen oder etwas derberen zelli{^- fibrösen Bau, dem jedoch Festigkeit und Cohärenz nicht mangelt: diess ist die vollkommenste Art der Organisation , die sich am längsten erhält, am wenigsten die Functionen hindert, am wenigsten üble Umwandlungen eingeht, dagegen am ehesten durcb allmäliges Atrophiren wieder rükgebildet wird — oder das Exsudat consohdirt »ich zu compacten derben Schwarten, welche oft eine knorpelartige Härte zeigen:
44 Hyperämieen und Entzündungen dpr serösen Häute.
solche bilden sich besonders in rasch fest werdenden Exsudaten nnd wie es scheint. \ornehmli(h daiiu. uenn dem Ex>udate viel Blut beiiicniischt ist. Diese callü>"fn Schichten laircrn entweder wie di(? Pseutioniembran uxii' einer Seresa. oder sie bildtii die verbindenden S( hichten zwischen beiden Blättern «ierselbeu. Sie hab«n ein vveissliches, irrauweisslidies oder auch bläuliches Aus>ehen, sind sehr pefäs^arm, zeigen aber oft stellenweise rigmentirunfr. Sie j^ehen zuweilen eine partielle tubcr- (nlöse rniwandlunir, zuweilen eine kreb>i«:e ein. — Kndlicfj komnien sehr häutiir Verknöchcrunsen in dem oreanisirendcn Exsudat«? durch Absaz von Kalksalzcn vor. thcils in den weicheren. seiii>t in den lul)er( ulisircnden . theils in den telluiöseü. librösen und ( artilasinTisen Schichten und (Jranulatienen.
Das Exsudat, welche.»» man bei ält<*ren oder doch nicht <ianz frischen Entzünduncen sern>er Mäule vortindet, bietet oft die versdiiedenen Eurnien und Di( htickeitszusiäiid»'. welche eben be>chrieben wurden. zui:U'i( li dar. Auf der Serosa lie<ren dann nii mehrere Scljicluen ^er^chieden dichten l^x>U(la(s. liald fest, bald loker mit ihr iiü«i untereinander \erbunden. Die lezie S( iiit ht«* i:e^en die freie Eläche liiu kann daiiü ein maschiiics Nezwerk bilden, auf dem noch überdem lose Zotten nnd Elokcn auflieiren. Daneben können an einzelnen Stellen bandaitiae Streifen, an aunerii tiranulati(»nen sich linden und so alle l (trm<'n de> or«ranisirt«'n Exsudats in ciii< r und dersel})<>n serösen Haut vereinigt >ein. Solches \ drktimmen lässt vermuthcn. dass die Producte verschiedenen und succosiNcn l^x-^udatiiuien angehören.
in jeder l!n(\N ikhini:>pefi<»de des {da>ii>(.heii Exsu<iats kann da>>ell>e aber audi eiterijr schmelzen, die lieuonmne ( )ri:iiriisaiion dad\irch \ereitelt un«l da> 7«i\<ir fest gewesene Exsudat in einen Eiterljerd xerwaridclt werden. l>ie>s jieschieht >or- nehndich . wt'un bald naih i:<'>chehener er>ier Iv\>udation die Stelle d<'r Siz ciii«*r erneutcMi heftigen Entzünduni; wirtl. Die S\m|it(»nie >ind dann wiv bei dem mio- purulenten und eiterii:«'»» Exsudate.
Auch kann das [dasti>rhe Ivxsudat t u be r culi s i re n. THese Eniwandlung tritt in serö>cn Häuten vcrhälini>>nKis>ij: >elten und inei>t r»ur partiell ein. nn<l /^ht entweder jrleich nou Anfanir an bei !»ehr rax h <'r>tarren(len. frülu' sehr trokeii werdcini»'U Exsudaten, o<ler erst später in abliefe ldo>"*enen Abxcsscn. weUlie n.ich und na(h einiredikt werden, odvT in harten, m h\N aitenartiiren Sihi«hten. l\> ist das Tuhi-r- culisiren niemals an besondern S\niptonien zu erkennen; es ist nur mit ^resMT Unsicherheit aus dem j^leiclizeitigen Auftreten von Tuberkeln an andero Stellen zu vermuthen.
2; Das liberwieircnd eiterijje Ex.-udat entsteht liei sehr heftigen oder bei recidiven Entziiudiiniren und bei vorhandener Diatliex« ((lerieifTtheit zu eitcriirin Produdionen, rNämie). Die .'^ero^a erxheint dabei >elir stark i:eröthet, aufireloKiTt und wie schwanuniir ; sie zcint zuweilen selbst S\ibstanz\erlu>te. Es ist entweder das ijanze Exsudat überwiciiend eiterifr oiid nur einzelne pseu(iomembr;niö.>«(» Sdiidilcn lie^ren auf «b-r Serosa, oder es sind in einem überwici^end plastischen Exsudate einzelne i:rös>ere oder kleinere Eiterherde einL'ehcttet.
Das Eintreten eine> eiterigen Ex.sndate> kann ebenso s\ inptomenarm sein, wie da«' eines ]dastiNchcn : ja es wird xii^ar nIcI leicht noch häuliircr übersehen, insofern e> Ott im Verlauf anderer .N(hwerer Krankheiten erfolut. lläuti*: sind bei demselben die alliremeitien S\inj»tome, die bei irlei« her ^las>e des (M*teriiren Exsudats im l)ur( h>( hnitt \iel schwerer siml. al> beim plastivdien, seriJsen oder bluticen, <li«' autVallendsten : hei pbizli(hem Entstehen de^ Exsudats S(hütteltrost, ibT sich zuweilen wiederholt, heftiires Eiebcr mit l*ro>tration und xhwcrer Darnn analserknuikuniT". bei der I'^r)t>iehuni:; durch recidirende Eiii/üiiiluiiic Hectik. Doch sin<i mindestrri> bei umfanL^reic heren eiteriircn Ex>udationcn ln'i eini^xer Aufmerksamkeit auch örtlidie Syni[itome nicht zu verkennen: der Sdimerz ist niei«^t ni( ht bedeutend, die Eiinctions- erschwerunj^ und namentlich die l'aralyse l»cna( hharter ^lu^kel (Darm, Bauchwand- un::en, Zwenhfell beim Peritoneum, lnterco>taInniskel und Zwerdifell bei PlciiraV sowie die Di«»lo( ation der Organe, die A (dum-verirrösscruriir des Theils sind dacciren weit beträchtlidier als beim pla>tiscben Exsudat gleichen (irades. Die physicalischen Zeichen unterscheiden si( h nirht von denen jeder anderen llib.-iiren Exsudiruns.
Da> eiteriL'e l'lxstidat, wenn es reichlit h ist, kann unmittelbar unter schweren Fiebersymptomerj, Sopor, Prostration trxiten. oiler durch di<' Miterkrankunp; anderer Eingeweide, häuliij durch seröse P^ri^Mi.sse in andere seriise (iewehe ^Arachnoidea) tmd Parenchym(\ — Oder es erf«d;;t unter Siationärldeihen <ies Ex>udats der Tod im hcctischen Zustand, meist unter indessen v(Ui:egan^enen weiteren Destructiunen von Ein<jeweiden.
Nicht selten erfol;rt ein Dtirchbruch des eitrigen Exsudats nach aussein oder ein Einbrechen in eine innere Ib'ihle, einen Innern Canal. Erfolgt der Dtirchbruch nadi aussen, so wölbt sich an der Stelle die [laut vor, wird roth uiul bricht sofort durch.
HjpttSmiMD und EaUfindancen d«r ttrdMn Hiat«. 45
Dfr Eiter, der eatkert wird, kann ganz rein erscheinen. Selten findet jedoch sofort ^ine unmittelbare Verwachsung der serOsen Membran 'statt; diese nimmt vielmehr sllmftlig das Aussehen einer rothen, schwammigen, aufgewulsteten, abscessmembran- artieen Fliehe an, fährt fort, Eiter zu produciren, der nun aber immer dflnner und jiufhifer oder auch dik, aber in rascher Zeisezune begriffen erscheint, und wobei unter hectischen oder soporOsen Zuf&llen der Kranae seinem Untergang fast sicher fatgegengeht: das Eindringen von Luft in die geöffnete Höhle pflegt in solchen F&ileD fast immer zu erfolgen. Geschieht der Einbruch in ein inneres Organ, so sind die Symptome je nach der Beschaffenheit des Leztern verschieden.
Endlich kann aber auch das eitrige Exsudat, besonders wenn es abgesakt ist, an Volumen abnehmen. allmäUg in einen weissgelblichen fetthaltigen Brei verwandelt werden, der nach und nach immer mehr einschrumpft oder im Inoem stellenweise verkreidet und zuweilen auch an seinen Grenzen mit einem lokem Kalkgehäuse Aberzogen wird. Dieser Process der Eiudikung und allmäligen Verkreidung des Abscesses ist symptomlos und nur aus dem allmäligen Abnehmen froherer auf eine Eiterablagening hindeutender Erscheinungen zu vermuthen.
3) Das hämorrhagische, blutige Exsudat kommt meist durch allgemeine oon^itutionelle Ursachen zustande bei Scorbuti sehen, Säufern, bei Tuberkeln, Mark- «chwamm, bei manchen Fällen von exanthematischen und typhOsen Fiebern und bei Bright'scher Nierendegeneration.
Selten ist die Ursache des hämorrhagischen Exsudats eine bloss locale Hyperämie und dann gewöhnlich eine Hyperämie, welche nicht allein die Serosa, sondern auch darch eine frflhere Entzündung auf ihr abgelagerte, organisirte und halborganisine Pseadomembranen ergreift und die neuen Gefässe derselben zum Bersten bringt; daher es bei Becidiveu von Entzündungen seröser Häute unendlich viel häufiger Ut sls beim ersten Anfall. Das hämorrhagische Exsudat ist kein einfaches Blutextra- visat. es ist nur ein mit Blut gemischtes Exsudat und seine Farbe ist zuweilen nur röthlich tingirt, zuweilen aber auch tiefroth. Gewöhnlich ist dieses Exsudat >on Anfang an voluminös und tritt rasch auf. Es trennen sich bald nach seiner Eoutebong die festen und gerinnbaren Bestandtheile von der Flüssigkeit ab, schlagen »ich auf der Serosa nieder, ändern ihre Farbe dabei ins Braune und Gelbe und erbleichen zulezt ganz, indem nur stellenweise Pigmentirung zurflkbleibt. Dabei or^anisiren sie cerne zu einer callösen , lederhurten , meist sehr diken Schwarte , die die Organe, welche in der Serosa enthalten sind, erdrflkt und ihre Wiederausdehn- ang verhindert Oft treten in diesen festgewordenen Theilen des Exsudats Tuberkel- bildnngen auf. Auch krebsige Bildungen können in ihm entstehen.
Der flüssige Theil des Exsudats verliert nun auch allmälig seine ursprüngliche Farbe und wird um so mehr, ie reichlicher Blut beigemischt war, zu einer chocoladfarbencn, zwetschgenbrühartigen Flüssigkeit, die sich nur sehr allmiüig etwas, selten vollständig sufbellt und aus der fortwährend noch einzelne Bestandtheile sich ausscheiden, die ab secundärer Niederschlag in Form eines schwarzeii oder braunen Breies auf dem ceronnenen Theil des Exsudats anfliegen und loker an denselben adhäriren. Die Resorption des flüssigen Theils des Exsudats ist durch die festen Massen des Geronn- enen sehr erschwert und erfolgt mindestens sehr langsam.
Die Symptome dieses Exsudats unterscheiden sich oft nicht von Exsudaten anderer An, aber ebenfalls überwiegend flüssiger Beschaffenheit: sie können jedoch bei raschem Eintreten grosser hämorrhagischer Exsudate oft sehr beträchtlich sein und alsbald den Character derAdynamie und Prostration zeigen: ja es kann selbst schlagartig der 'f od erfolgen. Aber auch in minder heftigen Fällen kann man oft die hämorrhagische Natur des Exsudats mindestens vermuthen: 1) bei entsprechenden constitutionellen Ver- hlltnissen, 2) wenn im Momente der Exsudation Zufälle von Anämie, auffallende Blässe des Gesichts, Sausen in den Geilssen, Neigung zu Unmachten, Kleinheit des IHilses eintreten. 3) Wenn das Exsudat sich sehr lange auf gleichem Stande erhält, ohne dass der Kranke darunter beträchüich leidet; denn es treten bei diesem Exsu- date »ecnndäre chronische Zufälle (Siechthum) gewöhnlich lange nicht ein, ausser insofern solche durch die vorangegangene Blutanonulie oder durch Behinderung einer wichtigen Function bedingt werden.
4) Das überwiegend seröse Exsudat mit massigen plastischen, eiterigen oder blatigen Beimischungen (scrösplastisches, seropurulentes, serosangtiinolentes Exsudat). K^ kann bei massigen örtlichen Hyperämieen auftreten, vornehmlich bei etwas schlecht genährten Individuen, bei jungen Kindern, bei Greisen. Ausserdem bilden sich diese Kuttdatformen bei wirklich cachectischen Subjecten, namentlich die seropurulenten Exsudate bei Tuberculosen, die serosanguinolenten bei Krebskranken, oder kommen •ie ja Fällen vor, wo die Entzündung als Recidive auftritt
46 Hxperimiteii und Entifindnngen d«r 8«r6f«ii HInt«.
Das £x8udat ist im AUgemeineD, wenlgsteiw in den grosseren serOsen HOblen sehr reichlich , kann in kurzer %eit in ausserordentlicher Menge abgesezt werden nnd lisst auch eine allmälige Zunahme zu. Seine Beschaffenheit ist verschieden, ie nachdem Faserstoff in verschiedenen Quantitäten oder auch noch Eiter oder Blut Deisemischt ist Wenn ein Exsudat dieser Art durch die Paracentese entfernt wird, so ist es oft anfangs vollkommen klar und dannflClssig, dabei meist von gelbgrflntir Farbe, gerinnt aber nach einigen Stunden oder selbst erst nach einem Tage zu einer weichen Gälerte: dieses schliesst sich den eigentlichen faserstoflBgen Exsudationen am meisten an (Hy- drops fibrinosus). Meist iedoch erscheint das Exsudat trflb, molkig, oft etwas T0t{i> lieh, enthält einzelne Floken und Klflmpchen suspendirt und Iftsst diese in der Ruhe fallen. Auch solche Exsudate können einige Zeit nach der Entfernung noch Grerinnsel bilden. Auch innerhalb des Körpers scheiden sich Floken aus und bilden einen weichen Beschlag auf der Serosa. Selten tritt in solchem Niederschlag später ein höherer Grad von Organisation ein. Die Serosa selbst zeigt sich bald mattWeiss, etwas uneben und aufgelokert, bald geröthet und geschwollen und Ihr subserOses Zellgewebe, sowie die benachbarten Organe sind meist serös infiltrirt.
Die Symptome dieses Exsudats sind vornehmlich die Örtlichen physicalischen und die Zeichen' des Druks auf benachbarte Theile. Doch sind Leztere weniger gelähmt als beim purulenten und selbst beim plastischen Exsudate. Schmerz fehlt oft ganz, eher ist ein GefClhl von Druk und Schwere vorhanden. Ebenso sind die allgemeinen Symptome sehr gering und das Exsudat kann sehr beträchtlich sein, ohne dass solche emtreten ) besteht es sehr lange , so stellt sich meist Hectik und allgemdne Wasaer- sucht ein.
5) Das jauchige, septische Exsudat. Das Exsudat kann von Anfang an die jauchige Beschaffenheit zeigen oder sehr bald solche annehmen, wenn es in sehr schweren septischen Fiebern oder bei tief cachectischen Subjecten oder nach Eintritt von septischen, sich zersezenden Stoffen (Darmgas, Koth, Gangränherde) in die Serosa erfolgte, oder es tritt erst später in einem zuvor plastischen oder eiterigen Exsudate Verjauchung ein, vornehmlich wenn Luft zutritt, oder auch wenn der Kranke im Verlaufe in hohe Entkräftung und Marasmus verfällt. Das jauchige Exsudat stellt sich als eine dflunflOssige, missfarbige, bald mehr gelbgrünliche, bald mehr bräunliche und röthliche FlOssigkeit dar, meist von höchst widerlichem Geruch, zuweilen mit Entwiklung von Gasen. Die seröse Haut ist bedekt mit missfarbigen Exsudatfezen, aufgelokert, selbst missfarbig, oft corrodirt und stellenweise verschwärt, zuweilen selbst Brandschorfe zeigend. Das Exsudat fahrt, wenn es nicht erst nach einer voran-
gegangenen Eröffnung der Serosa diese Beschaffenheit annimmt oder wenn nicht der [ranke frtlher zu Grunde geht, zur Durchbohrung. — Die Symptome sind bei primär jauchigem Exsudat die eines sehr schweren adynamischen Fiebers mit tiefer Prostra- tion, Sopor und stillen Delirien, kleinem Pulse und raschem Collapsus. Hinter solchen Symptomen bleiben die örtlichen Erscheinungen meist verborgen und entgehen völlig der Aufmerksamkeit — Tritt die Verjauchung erst später ein , so sinken mit ihrem Eintritt gewöhnlich rasch die Kräfte, die Zunge belegt sich, der Puls wird f^ueot und klein, colliquative Ausleerungen steilen sich ein und unter zunehmender Prostra- tion, oft unter Sopor geht der Kranke meist bald zu Grunde.
m. Therapie.
Die Behandlung richtet sich nach der Heftigkeit des Auftretens und der Symptome, nach der Menge und Beschaffenheit des Exsudats und nach der Dignität der ergriffenen serösen Haut. Sie muss aber sehr häufig bestimmt werden durch die begleitenden Erscheinungen in anderen Organen und durch die Art des allgemeinen Befindens.
Bei unbeträchtlichen Exsudationen kann ein sorgfältiges hygieinisches Verfahren genfigen. In bedeutenderen Fällen muss zuerst die Behandlung mit antiphlogistischen Mitteln und vornehmlich örtlich eintreten, sofort aber versuchen, den den Umständen nach günstigsten Ausgang herbeizu- Itihren, nebenbei den Gesammtzustand berfiksichtigen. In den schwersten Fällen ist zuerst auf den Gesammtzustand und auf die dringendsten Gefahren, woher sie auch kommen mögen, Büksicht zu nehmen und nur daneben oder nachträglich die örtliche Behandlung einzuleiten.
HypAfimiMn oDd Eatiflndongra der ferösea RJkite. 47
Cftusale Indieationen sind bei Entzündniigen serOser Hinte nur aasnahmsweise vorhanden, da in den meisten Fftllen das Süssere oder im Körper selbst 'eeleeene Verhiltniss , das die Erkrankung der serösen Haut veranlasst hat , entweder beseitigt vsi, wenn der Fall zur Behandlung kommt, oder sofern es fortbesteht, gar nicht ent- fernt werden kann. Wo jedoch eine fortdauernde Ursache der £ntztlndunj? der serösen Hsat gehoben oder gemildert werden .kann (z. B. wo eine eingeklemmte Darmschlinge' Ursache einer Peritonealentzündung ist), ist diess zwar ungesäumt auszuführen, aber in den meisten Fällen ist nicht zu erwarten, dass sofort auch der Process in der serösen Haut zum Stillstande konunt, vielmehr dauert er, wenn er bei Entfernung der Ursache einen gewissen Grad oder eine gewisse Ausdehnung erreicht hatte, ge- wissermaassen selbständig fort und verlangt ganz abgesehen von der Gausalindicatioa die ihm entsprechende Behandlung.
Tritt das Exsudat acut mit massigen Örtlichen Beschwerden (Schmerz^ Fanctionsstörung) auf und zeigen die physicalischen Zeichen keine zu grosse Aus- dehnung, so ist es im Anfang am zwelunässigsten , eine entsprechende örtliche Blut- entziehung zu machen, Diät und Kühe zu halten und etwa innerlich salinische Mittel oder Calomel zu reichen. Auch kann in solchen Fällen die Anwendung der Quek- silbersalbe, der gleichmässigen feuchten oder trokenen Wärme, die Anwendung eine» Blasenpflasters nüzlich sein. Nur zuweilen ist gleichmässiger Druk zur Verhinderung der Exsudation zu versuchen (Hoden, Gelenke).
Sind die Örtlichen Symptome heftiger, so muss die örtliche Blutentziehung energischer sein und im Nothfall wiederholt werden, auch kann bei sehr heftigen Entzündungen die Anwendung von Eis nüzlich sein: sie ist es vornehmlich bei der Serosa des Gehirns, weniger bei dem Pericardium, dem Peritoneum und den Gelenken, am wenigsten bei der Pleura-, werden verschiedene seröse Häute alternativ befallen, so hat man mit Blutentziehungen sparsam zu sein und sie nur bei sehr heftiger Steigerung zu benüzen.
Sind von Anfang an allgemeinere Symptome vorhanden, so hat man sich neben der örtlichen Behandlang vornehmlich nach deren Art und nach ihrem Ver- hiltniss zu der Menge und Stelle des Exsudats zu richten. Ist das Fieber überhaupt massig, die Allgemeinreizung wenig bedeutend, so hat man sie nicht weiter zu be- rfiksiditigen, als dass man den Kranken um so mehr Ruhe und 'Diät halten und ihn kühlende Mittel , Salze und reichliches Wasser trinken lässt. Ist der Puls voll, das Fieber, wie man zu sagen pflegt, entzündlich, so ist die Anwendung einer oder wiederholter allgemeiner Blutentziehung neben starken Gaben von Nitrum oder Calomel neben der örtlichen Behandlang angemessen. Ist dagesen das Fieber sehr heftig, •dynamisch, nervös , so kommt es darauf an , ob diese Heftigkeit sich aus der Aus- dehnung des Exsudats oder aus seiner Stelle (z. B. Arachnoidea, Pericardium) er« klären lässt Ist diess der Fall, so hat man Alles an die Örtliche BehancUung zu sezen, die noch durch allgemeine Blutentziehungen unterstüzt werden kann. Erklärt sich die Heftigkeit des Fiebers nicht aus der Menge und Oertlichkeit des Exsudats, so ist zuerst zu untersuchen t ob nicht sonstige Ursachen für die Beschaffenheit des Fiebers in den verschiedenen Theilen des Körpers aufgefunden werden können und hienach zu handeln. Können keine solchen aufgefunden werden, so entsteht der Ver- dacht, dass die Art des Exsudirten, namentlich dessen eiterige oder jauchige Be- schaffenheit der Grund des schweren Fiebers sei. Alsdann muss man suchen , durch kräftigende, belebende und reizende Mittel den Kranken über die Zeit der höchsten Gefahr weszubrinsen. — Zuweilen hängt das schlimme Aussehen des Kranken nur von einem hohen Grade von Reizbarkeit ab, die bei heftigeren Entzündungen seröser Hlate nicht selten ist; in solchen Fiülen ist die Anwendung einer gehörigen Dose von Opium oft sehr hilfreich.
Wenn die angegebenen Mittel zunächst auf die Bekämpfung des causalen Processea der Exsudation, d. h. der Hyperämie und der in der ersten Zeit die Entzündung be- tleitenden subjectiven und allgemeinen Symptome sich beziehen, das Zustandekommen üer Exsudation oder doch ihre Zunahme verhindern oder beschränken wollen, so entsteht nun die weitere Aufgabe , die ferneren Entwikinngen des Exsudats selbst in der dem Organismus möglichst günstigen Weise zu gestalten. Hiezu ist jedoch die Kunst weit unmächtiger. Es fragt sich zuent, welche Veränderungen in dem Exsu- date Je nach den besondem Verhältnissen gewünscht werden.
1) Eine alsbaldige Verklebung beider serösen Blätter liegt nur ausnahmsweise in der Absicht des Therapeuten, z. B. bei den künstlich durch Einsprizune hervorge- nifenen Entzündungen der Serosa des Hodens zum Zwek, das Eintreten und die Wieder- holung einer Hydrocele unmöglich zu machen, femer in den Fällen, wo Entzündungen
48 Hvperämieea und EntzüudungeD der serösen Hiute.
dcj? BaiichlVlIs iliirch Perforation des Darms lierbeij^efülirt werden, zuweilen ferner zur Kadicalrur von Hernien ete. Im Alliremeinen dient zum Zwekc der Verklebunij die Krlialtunii der Kntzündunir auf selir massigem Grade und also die Anwendun*: euts]»rechender örtlielier Mittel bei Jeder unaniremessenen Striirerunj; «ier Entziinduns. vomehmlieh aber al>solute Kühe und namentlirh fortdauernde ü;<'naue und unbewei:- liehe IJerVllirunü: der sieh entiieirenstehenden serösen lläut(\ wehhe verwachsen soIIimi. Wo diese Rulie nicht (iurch ruhine Körperhiore alh^n erzielt werden kann, wie bei 4lem Darm, ist die Auwcmlun^ von starken Dosen Opium am IMaze.
2) Der gewöhnlic]l^te Zwek i>t, das Kxsudat wieder aus (b-r serösen Hölile we«^zu- schalVeu. Dirss kann «:^eschehen durch Bcförcb'runii; cies Aufbruchs uacli aussen, durch directe Eutleeruui; mittel>t der Punction , durch Heturd«'run» der Resorption.
Der erstere Weg ist niemals ein erwiinschter und für «len Kr>rper wohlthiitiner und höchstens in dem Falle. \\o ein ICxsudat, schon ehe es zur Behandlung; kommt, dem Aufbruche ganz nalie ist. könnte die spontane Eröffnung dur< h Cataplasmen }>ef()rdert werden.
Der zweite Weg ist nur bei Hiissigem Exsudate zulässig und erleiclitert allerdings die Serosa am raschesten , lässt eine baldige Wiederau^delmung der zusamnien^e- drttkten Orirane. ehe sie ijeueblich verändert sinci, eine liiikkelir dislocirter Theile. ehe sie auf ihrem abnormen Lager «lurcli Adhäsionen befestigt sind, z\i. Allein es steluMi dieser Methode nixli manche ije wichtige Nachtheib^ und Inciuivenieuzeu zur Seite. Einmal >ezt sie eine ganz i^enaue anatomische Diaix^iose voraus und jeder Zweifel ilber das \ orliei^en einer Flüssigkeit rauss von ihr abhalten. Ander«'rseits ist das ErölTnen mancher serösen Ib'dilen geradezu unmöglich: der Arachnoidea spinalis^ der Arachnoidea cerebralis bei verknöchertem Sehädeldaclie. anderer wenigstens miss- lich und leicht von sehr schlimmen Folgen begleitet: «lie der Arachnoidea vor der Verkuöcherung der Fontanellen . die der Gelenkshöhlen, de> Pericardiums: durch Umstände gelahrlich kann wenigstens die der Pleura und des Peritoneums werden; am wenii;si(Mi mdährlich ist die Endfnung der IJodenserosa und der einzelnen serösen Cysten : diese sind aber gerade am stdtensten der Siz belangreicher (Mitzündlicher Ex- sudationen. — Weiter ist die ojK'rative Entfernung fast stets von schle« htem Erfolge, solange die Hyperämie in der Serrjsa forKlauert, das Exsudat noch in der Zunahme begriffen ist. — Endlich ist sie erfolglos oder doch von geringem, den (tefahreu ge- genüber nicht in Vergleich kommen<lem \ ortheil, wenn die Eingeweide seit lanue zusammengedrükt sind und durch gewebliche Veränderun:xen oder durch dike Gehäuse callöser Massen «jie Fähigkeit der W^iederausdehnung verloren haben. — Die Punction ist daher vor Allem nur zu machen bei überwiegend llüssigem Exsu- date und ül^erhaupt bei sehr reichlichem Exsudate und bei leicht zugänglichen serösen Hölilen : sie ist indicirt, wenn entschiedene dringende und augenblikliche Eebei»sgefahr von dem FLxsudate zu irgend einer Zeit seines Be>tehens droht , in welch(»m F'all alle übrigen Küksichten zurükstehen; sie kann ferner indicirt sein, wenn ein Exsvulat \oi\ der angegebenen I^'schatVenheit troz aller angewandten Mittel sich nicht verkleinert und zwar i>t si(* in solchen Fällen einerseits nicht zu früh, andererseits aber au( h nicht zu spät vorzunehmen. Ihre sehr frühe Vornahme kann nur da gerechtfertigt sein, wo mit grosser Zuversicht da^ plözliclie Eintreten eines reichlichen hämorrhairischen Exsudats diannosticirt werden kann, weil ein solches sehr wenig Aussicht auf Resorption gibt und andererseits Je läMg<'r es best<dit . um so mehr die Fähigkeit der Organe zur Wiederausdehnung sich verliert und damit der Nuzen der Punction schwindet. — Wird die Punction vorgenommen, so ist vor allem der Eintritt von Euft in die Höhle nach Möglichkeit zu vermeiden. Sofort ist nach derselben grösste Ruhe des Kranken und die aiifmerksamste Berük^ichtigung etwa eintretender erneuter Hy|)erämie und Entzündung unerläs>lich. Ein massiger Druk muss das Austreten von neuem Exsudat in d<'n Raum erschweren; die Wieder- ausdehnung tler enthaltenen Orgaue darf nicht stürmisch ireschehen, nicht erzwungen werden, sondern muss freiwillig und allmälig erfolsen.
Der dritte Weg der Wegschatfung der Exsudate durch Resorption ist der gelindeste und im Allgemeinen am wenigsten Gefahren bringende. Freilich ist die Resorption wenig durcli directe Mittel zu f(>rdern, mamhmal gar nicht a\if sie einzuwirken und zuweilen sind die Verhältnisse so ungünstig, dass Resorption überhaupt w<'nij? zu hoffen ist, so bei grösseren eiterigen Ansammlungen, bei hämorrliagischen Exsudaten, bei Bildung diker Schwarten auf der Serosa, bei tiefire^un^euer Constitution und bei jedem sehr alten Exsudate. Die Methoden, durch welche dii' Resorption befördert wcrdeu kann, sind: a) Verminderung der Blutmasse überhaupt im Körper (durch alliiemeinc Bluteni-
viAhnnc;, durch Diät): oder doch des Wassergehalts «iurch Diuretica, grosse Vesicatore» Hica, starke Einwirkungen auf denDarm und durch Beschränkung der Getränke.
Entzflndongen, BlatoxtnTuaU und WAMtrsncht d«r 8er58en Hiate. 49
b) Mittelr welche die bereits eeronnenen Stoffe wieder ISslichmaehen: Sabse, Jod.
c) An geeigneten Stellen Drukwirkung.
3) Bei denjenigen nicht flflssigen Exsudattheilen, welche nicht resorbirbar sind, ist es ftm gflnstigsten^ wenn sie möglichst vollkommen organisiien. Gerade ihre Omn- isirung lAsst dann die Resorption der Aussigen Reste später eher wieder zu. fiine solche Organisation Ist aber nur bei einem günstigen Verhalten des Gesammtorgan- innns mOglich. Daher darf das schwächende Verfahren , die strenge Diät nicht zu lange for^esezt werden : vielmehr bemerkt man häafig, dass gerade oei besserer und krfiiliser Kost, bei Bewegune, bei günstiger Einwirkung einer milden frischen Luft lang Bestandene und hartnäkige Exsudate am meisten sich bessern.
Die Bflksicht auf Erhaltung und Unterstüzung der Kräfte ist Oberhaupt bei den Exsudaten in serösen Höhlen äusserst wichtig und in zwei Beziehungen nicht zu ver- nachllssigen, einmal bei den mit grosser Vehemenz und frOhzeitieer Prostration auf- tretenden, andererseits bei den sich lange hinausziehenden und einen hectischen Zaatand veranlassenden Exsudaten.
Neben diesen wesentlichen Indicationen sind in den einzelnen Fällen von Ent- zflndung seröser Häute gewöhnlich noch mannigfache accidentelle, untergeordnete und symptomatische Indicationen zu erfollen, deren Betrachtung nicht hieher gehört
C. BLÜTEXTBAVASATE.
Reichliche Blutextravasate geschehen, wenn man vom hämorrhagisdien Exsudate absieht, durch Verlezung oder bei Durchbruch eines erwei- terten Gefassraumes, der an eine Serosa grenzt (Herz, Aorta, Aneurysmen, Venen), kleinere bei Markschwämmen ^ die in der Serosa sich entwikelt haben. CapillSre Extravasate kommen in dem Sake der Arachnoidea sowohl bei Erwachsenen, als auch und besonders häufig bei neugeborenen Kindern, petechienartige subseröse Blutergüsse aber in allen serösen Häuten vor. Bei stärkerem Bluterguss in eine Serosa kann augenbliklich oder binnen weniger Stunden der Tod eintreten: bei massigen Extravasaten ist das Verhalten und die Therapie wie bei einem hämorrhagischen Exsudate.
D. WASSERSUCHT DER SERÖSEN HÄUTE.
Wasseransammlungen treten mit grosser Leichtigkeit in der Serosa auf und verschwinden, wenn sie nicht zu gross sind, ebenso leicht wieder. Sie entstehen durch Hyperämieen massigsten Chrades, durch Stokung des Blut- lauts in den Venen und durch Constitutionserkrankung, namentlich Wasser- vennehrong im Blute.
Die Stokunjg der Circulation und der Functionen ^ welche die lezten Stunden des Lebena begleitet, bewirkt oft genug noch während der Agonie einen Waeseraustiitt. Man findet solche Absezungen, die aus der Agonie kommen, am häufigsten im Peri- cardium und in der Pleura. — Aber auch bei noch lebenskräftigen Individuen treten sehr hlufiff Hydropsieen der serösen Haute ein, sei es dass leichte Capillarhyperftmieen stattgefunden haben, sei es dass der Rflkfiuss des Venenbluts in dem Herzen, in der Leber, in grosseren Venen erschwert ist: in den Pleuren durch Herzkrankheiten und Bronchialwlsenanschwellungen, im Peritoneum durch Leberkrankheiten und Mesen- terialdrOseDgeachwfllste. Der Wassererguss begleitet femer äusserst gewöhnlich feste Ablageruneen: chronische Verdichtungen, tubercolöse Absezungen, krebsige Bild- ungen. — Ausserdem findet ein solcher in figtst allen Fällen von seröser Cachexie, bald in diesem, bald in ienem serösen Sak statt. Doch bemerkt man, dass in solchen Fällen die Wassersucht der serösen Haut meist erst dann eintritt, wenn die Function des darin enthaltenen Organs nothzuleiden beginnt oder wenn Stokungen im Laufe derjenigen Venen staUfinden, welche das Blut des subserösen Zellgewebs der betreff- enden serösen Haut fortzufahren haben.
Wundsrlieh, PathoL u. Tbsrap. Bd. 11. 4
50 Hydrops. TaberkdD.
Der Ergoss besteht aas Wasser mit einem geringeren oder grosseren AntlieU an Aibumen, Salzen und Extractivstoffen, zuweilen einer sparsamen Beimischung von Blutkörperehen, FaserstofflDoken und selbst Eiterkugefai, mit mehr oder weniger Fett und unter besondern Umständen mit Crehalt an Harnstoff und Galleniarbstoff. — Die ortlichen Zeichen sind theils physicaUsche, welche dem Wassererguss mit andern Exsudaten gemein- schaftlich sind, theUs subjective und functionelle, welche beim Hydrops niemals so bedeutend sind als bei gleichen Mengen entzündlichen Exsudats.
Die hy dropischen Absezungen zeigen in den verschiedenen serösen H&uten einen verschiedenen dnrchschqittlicheD Gehalt an oreanischea Bestandtheilen, sind namentlich in der Arachnoidea weniger gelialtreich, als in den Clbrigen serösen Membranen (vgl. Lehmann phvsiol. Chemie, II. 308). Aber auch das Alter, die Constitutionsverhältnisse , das gleichzeitige Bestehen lehchter Hyperämieen influiren auf den Gehalt dieser Absezungen. Ueberhaupt darf man dieselben nicht als eine von den sogenannten entzOndlicnen Prodacten streng abgegrenzte Exsudimn^ ansehen ; denn sehr oft werden sie durch leichte Hyperämieen eingeleitet und schliessen sich alsdann den serösen entzClndlichen Exsudaten in den nnmittelbarsten Ueber^ngen an. — Die subjectiven und functionellen Erscheinungen gehen proportional der Menge der Absezung und der Acuität, mit welcher diese erfolgt, sind aber ceteris paribus immer gerin^flgiger als bei entzQndlichen Exsudaten, namentlich fehlt der Schmerz gana oder hängt er nur von der Spannung ab; die benachbarten Theite werden nicht oder weniger paralysirt, daher sie weniger passiv nachgeben und in ihren Functionen weniger beeinträchtigt werden. — Auch die allgemeinen Symptome sind weit gering- fügiger, als bei gleicher Menge entzflndlichen Exsudats und fehlen oftmals ganz.
In Betreff der Therapie ist die Resorption bei nicht zu grossen Exsudaten und bei nicht zu ungünstigen Umständen zu hoffen; ausserdem aber die directe Entfernung durch Function weniger gefährlich, auch nach langer Dauer noch niizlich und eher mehreremal zu wiederholen.
E. TUBERKEL DER SERÖSEN HÄUTE.
Die tuberculösen Bildungen kommen nur in den serösen Säken im engem Sinne vor und zwar namentlich, wenn die von diesen umhüllten Eingeweide tuberculös afficirt sind, femer und besonders reichlich in manchen Fällen hochgediehener, allgemeiner Tuberculose, endlich zuweilen isoürt und für sich allein in einer serösen Haut, lezteres fast nur durch tuberculose Umwandlung einzelner Stellen alter Exsudate.
Die Tuberi^el auf serösen Häuten linden sich entweder als discrete Ablagerungen meist in sehr reichlicher Zahl in Form von kleinen, hirse- komgrossen bis linsengrossen, selbst noch umfangreicheren und in diesem Falle platten Körnern über eine Serosa oder auch über mehrere zerstreut.
Die kleinsten Körner dieser Art, oft nicht verschieden von den Miliargranulationen, die man in den Lungen findet, sizen im subserösen Zellgewebe , die grösseren aut der slatten Fläche der Serosa, mit dieser nur lose zusanunenhänjgend und von ihr losficniibar. Niemals haben diese Ablagerungen eine deutlich kXsige Consistenz and eine Grenze zwischen ihnen und einfach plastischen , disseminirten Exsudationen ist lediglich nicht anzuheben. Stets ist die Höhle der serösen Haut zugleich der Siz einer massigeren oder ' reichlicheren serösen , serös-punüenten oder bluttii^rten flflssigen Exsudation; oft finden sich daneben auch ausgedehntere Exsudatfezen. Bei der acuten Form dieser Erkrankung der serösen Haut sind die Tuberkel meist ziem- lich gleichförmijg, in sehr grosser Anzahl und gewöhnlich Aber mehrere seröse Häute zugleich verbreitet; bei der chronischen ist an der dichteren Häufung der Tuberkel an einzelnen Stellen der Ausgan^punkt der Tuberculose selbst dann noch zu erkennen, wenn diese bereits aber eine ganze Membran sich ausgebreitet hat
DlTBne StSrangaii d«r serSstn Hiot«. 51
Oder die Tuberkel entstehen in einem Mher vorhandenen Exsudate aus ortlichen Gründen (Vertroknung des Exsudats) oder unter dem Einfluss einer allgemein gewordenen Tuberculose.
Aach in dieieii FADen steken mweilen Bur einaebie KOnier von miliftrer GrOete oder Nester von solchen in der gewöhnlich diken und oft betrSchtlich harten Exsn- datschichte; zuweilen aber sind auch grössere Streken in eine käsige, tuberkelartige Masse verwandelt oder doch einzelne grössere gelbe, meist unförmliche Tuberkelknoten in dem Exsudate enthalten. Auch kann es geschehen, dass in einer serösen Membran Schichten von Exsudat verschiedenen Alters sich vorfinden, von welchen zumeist die ftltem tuberkellrei, die jungem tuberculisirt erscheinen.
Die Tuberkel der serösen Häute, mögen sie in der einen oder in der andern Weise entstehen, bieten örtlich keine andern Zeichen, als ein sonstiges Exsudat von gleichem Umfang. Dagegen rufen sie, wenn in irgend reichlicher Menge abgesezt , sehr rasch allgemeines Siechthum und die Erscheinungen der Phthisis hervor.
F. KREBS DER SERÖSEN HÄUTE.
Der Krebs, namentlich der medulläre und alveolare, durchbricht sehr hiufig von «aussen her, von einem Organe kommend die Serosa und ent- wikelt sich nun frei ' in deren Höhle, während meist gleichzeitig in dieser ein gewöhnlich blutiges, zuweilen auch seropurulentes Exsudat in oft sehr reichlicher Menge sich ansammelt. Doch kommen auch krebsige Bildungen in der serösen Haut selbst, von dem subserösen Zellgewebe ausgehend, vor, indem aus harten, derben und diken Infiltratschichten desselben sich nicht ganz selten Krebsknoten entwikeln oder jene Infiltrate auch ihrer ganzen Ausdehnung nach in eine hökerige, ungleichförmige, mehr oder weniger einem harten Markschwamme ähnliche Masse sich umwandeln. Die Krebse der serösen Häute pflegen auf die benachbarten TheUe einen beträchtlichen Drutc auszufiben, sie zu comprimiren, an ihren Bewegungen sie zu hindern, CanSle zu verengem, ihre Gefässe zu obliteriren und bringen dadurch eine Reihe secundärer Störungen zuwege.
6. FIBROIDE, LIPOME, KALKABLAGERUNGEN.
Fibroide Bildungen finden sich nicht selten an serösen Häuten (Perito- neum, Arachnoidea, Scheidenhaut des Hodens, Gelenkshöhlen). Zuweilen sind sie an ihrer Basis atrophirt, werden dadurch zulezt abgetrennt und liegen sofort frei in der Höhle.
Auch Lipome finden sich in den Gelenken, im Peritoneum.
Kalkablagerungen, scheinbare Ossificationen kommen zuweilen im sub* serösen Zellstoff, noch häufiger in Exsudatschichten der serösen Häute vor.
Alle diese Störungen haben nur mechanische Wirkungen. Je nach ihrer Lagerung und Grösse können sie ohne alle Beschwerden getragen werden; in andern Fallen hindern sie die Functionen und machen sie nach Umständen schmerzhaft und bringen durch ihrenDruk weitere Störungen (neueExsud- ationen oder Schwund der benachbarten Theile) zuwege.
53 DiTane 3tSinii(«D der mtSmo HSnta.
H. MORTIFICATIONSPROCESSE.
Erweichung, Verschwäning und Brand entstehen in serSsen Häuten nur seeundär, nur wenn das von der Serosa überzogene Oi^an von dnem der genannten Mortificationsprocesse zuvor ergriffen war. Diese Processe bieten nichts Eigenthümiiches in den serösen Häuten dar.
J. PARASITEN.
Parasiten findet man nicht ganz selten in serösen Häuten. Ohne Zweifel gelangen sie dahin nur von Nachbarorganen aus. Sie rufen einen Exsu- dationsprocess in der Serosa hervor, der tödtlich werden kann oder sie ein- sakt. Sind die Parasiten in einem solchen eingesakten Raum von Eiter umgeben, so kann unter günstigen Umständen (besonders beim Peritoneum) später ein Vordringen des Abscesses und eine Entleerung des Eiters mit- sammt den Parasiten erfolgen.
K. GAS IN DEN SERÖSEN HÄUTEN.
Gas gelangt in die serösen Häute entweder mittelst einer traumatischen oder pathologischen Perforation von den eingeschlossenen Organen aus (Lungen, Darm) oder auch von der Körperoberfläche aus, dehnt sofort den serösen Sak aus, drükt auf die benachbarten Organe, comprimirt und dis- locirt sie; zugleich ruft die eingedrungene Luft einen Exsudationsprocess in der serösen Haut hervor, der je nach der Beschaffenheit und Menge der eingedrungenen Luft bald mehr, bald weniger rasch deletär wird.
Oder es kann auch Gas durch Zersezung der in der Serosa befindlichen pathologischen Flüssigkeiten sich bilden, sei es dass leztere von Haus aus eine Neigung zur Zersezung haben (bei septischer Erkrankung) oder solche erst nachträglidi in ihnen eingeleitet wurde. Solche FäUe sind übrigens gewiss ziemlich selten, inuner aber von raschem Untergang gefolgt
Eine Resorption des eingedrungenen oder gebildeten Gases durch die Gefässe des subserösen Zellgewebs ist nicht sicher erwiesen, ihre Möglich- keit jedoch nicht zu leugnen und einzelne Krankheitsfälle scheinen in der That für das Zustandekommen der Gasresorption zu sprechen.
Die Therapie ist, soweit sie nicht in mechanischer Entfernung des Gases besteht, was aber fast immer die grössten Schwierigkeiten hat, meist geradezu unmöglich ist, nur exspectativ.
AFFECTIONEN DER SCHLEIMHÄUTE.
PHYSIOLOGISCHE VORBEMERKÜKGEN.
Die Schleimhäute, weiche, feuchte, dehnbare, aber wenig elastische, weissliche, rothe oder auch dunkel pigmentirte Membranen, welche durch Maceration mit kaltem Wasser oder mit verdfinnten Säuren sehr schnell zerstört oder in einen Brei aufgelöst werden, sind wesentlich aus einem dichten, gefässreichen Bindegewebe mit elastischen Fasern und zum Theil mit glatten Muskelfasern gebildet und mit einer Epitheliallage bedekt und kleiden die sämmtlichen inneren, mit der Körperoberfläche in ununter- brochener Verbindung stehenden Canäle und Höhlen aus: sie sind die Deken dieser Gänge und Räume, wie die Cutis die Deke der Körperober- fläche ist. Sie hängen daher mit der Cutis selbst zusammen und gehen theils unter schärferer Begrenzung, theils unmerklich in diese über.
Die SchleimhSute stellen die iflnere AbgreDzuDg des KOrpers gegen die -^.^^^^gg^ dar, wie die Cutis die äussere. Sie haben auch vornehmlich mit diesei eme gr ^^^ Uebereinstimmung in der Zusammensezung und unterscheiden sich von iny V ^^igj-^ durch grössere Weichheit, geringere Elasticität, ^urch ihre Befeuchtung "^* I^den lind durch ihre Lage. Allem diese scheinbar untergeordneten Verh<niMe n g^ ^ ^^ eine nicht geringe Verschiedenheit im krankhaften Verhalten. Doch "»ci ^^ ^^^ einzelnen Stellen beliebig, ob man die vorhandene Deke zu der Cuti» oQ ^ ^^u^ Schleimhäuten rechnen wiU (Glans penis, innere Fläche des ^^P^^^ besonders lösserer Gehörgang). — Die Grenzen der Schleimhäute und Cutis una " ^^^^et diejenigen Stellen, welche mit fast gleichem Rechte zu beiden ^^71^^ breitet werden können, nehmen an beiderseitigen Erkrankungen Antheil. ,^^^^^«^«112 sich »ich häufiff eine Hautkrankheit, welche in der Nähe einer Schleimhauwann^^ ^^ ^^^^ entwikeh hat, eine Streke weit in diese hinein aus; und anderersei ^^ ^ucosa pewöhnlich, dass Schleimhautaffectionen sich nicht an der Mündung^^^ ^^^^^1^,^ begrenzen , sondern diese überschreiten und die näcbsten Wautpartiecn ^^^ einiee - Auch den serösen Häuten ähneln die Schleimhäute und emerseu»^.^ Auskleid- dünne und drtlsenlose Schleimhautausbreitungen (wie die der Lungen, ^^^ gchViessen. wieen der Gesichuknochenhöhle etc.) den serösen Häuten sehr ^^^ das AngenBchein- »icn auch in Beziehung auf das Verhalten in Störungen an sie * g j^^vialhaute me\ir lichste an. AndrerseiU sind unter den serösen Membranen *^? V^ijergang *^ ^%\^ whleimhautähnlich und stellen ihrerseits in anderer ^^^^^^^^^r^indlace der »chlerm.^ Schleimhäuten her. — Das Bindegewebe bUdet die eigentliche ^^" ^/ «arten "Faa^Tx^ Uate und stellt ein nezartiges Geflechte von im AU^emeineii ^^ eingefügt %Vi\^ d«, welchem elastische Fasern bald mehr bald weniger reic .^^ _ Ausser ^^s^^ und das an vielen SteUen durch glatte Muskelfasern ^f "ll^uter dem EpüheWvk:,^^ Bindegeit ebsgeflcchte wird in der Mucosa als äusserstc i^ag
\-ri M.i'i' } »ri r!«"M ^-in- -tr'.x turl-t-n M^rui'r.tn iijr»-mir<^. i.'ir-"' Haut an^onomm^Ti,
li.-iltiii«-»' l'i- i»'Zt *>]ihf B»/i''}iM)i: i-t. — l»i»' Xrräinirrüiiif tirr ni'if •"»-.•n Häntf* diinh Ma-'-'T uii'l **."iijr»'D »TkLir: «li" H;i'ifii:k'-it i}ir»T ^>^^ »-jr }iiiij:j in Kranklifiicn. iM*' Z*--^iU'\<- >' )il''in:)i i'jt . NsiruMJil iij }i»'?i;iri.iii:.ni i'niiT.j't n.it Fli>^ii:kfit»'n und zum 'I }m il a'.« h niii '^äiir»-n. »tI« i«l«-i k'-iii»- Z»r»i'''r'iiii: \<'ii <iif'-f'r.. Aiuli tu'i Dum« h»ii Flrkrankiiiii:' ri i-i kf-in^ \ » riijtiirt»' N»i_'tji_' .in <i»T i^rlil.iiuiiaiji /w h»'nierk«'n. n on <l»'r riii->i^k» ii ai;i:'_'rir:t'!i /w w •r'l'Ti : u .'i):rtii<] )•»'! an'l'-rn. "hri»- «ia» >i< h dafür jnmj» r «in i'< nni:':i«i»-r «»ri.rid ani:»-l'»-n lit^-.-. di»- >« lil» imliaut ti^n /•'r''tt">r«'ndtij f IhiuIm }i»-n l-.njt',n--<'n nnl«')ill,ar und r.i-ili \rrtalli — Id«.- I>'dinl'ark»'ii der >< hlrini- lirini»' ]ä^-i » ii;» ),. (l(Mii«_-ij<]'' Am^w »-itiiiiL' zu. ihr-' i:»^rin_'>' Kla^iit iiät i««t drr (irunrl. da-«? ^i';. \Nf[in ^i.' an^ii« d»'lint ^^ar»•n. an^li na« li ••ntn-rnn-n Ir^adit-n nur J^^dir iani'^am aul da«» nr?{'rünidii h«: (_'alil'».'r ?i< li /w?.imn]en/.irh«:'n.
Die Sclilf'iinliäiite haben eine frei»', <:o<:en den Canal oder die Höhle ^^eriehtete und eine mit den benachbarten Theilen verwachsene Fläche. Sie >ind mit Lezterer durch eine bald lokere. bald >tra!Tere Laire Zellgewehe f.>ubmucü<er Zellstoff) an die unterlieirenden Orirane am^eheftet und dieser Zell-totr «:«dit ohne merkliche Grenze in die ejirentüeh»' Srhleindiaut über. Die Oberlläche des Schleindiaut''ew«bs ist an wenii^'n Stellen iranz ^rlatt. :?(»ndern «:rös>tentheils uneben und zwar bei einzelnen Schleinüiiiuten mit zalilreichen Hervorragun;:en (Papillen. Zottm. Falten), bei last allen mit unendlich vielen kleinen Vertiel'uniren und Einbuchtun*:en be^ezt. — In den meisten Schleindiäuten -ind drii-iire ()r;:ane eingesenkt, theils ge>chhj-sene Bälge vun kleinster Dimen>iön. tluil^ olTen sich mündende Bläschen und Gänge, die in ihrer einfachsten Form nur als seichte Ein- buchtungen der Schleindiaut er.-cheinen (Cryptae mucosae), bei grösserer Zu.'-ammenge-eztheit aber allmälig den c<»mplicirteren Drüben sich an- schlie-sen (Follikel) und den Uiberiranir zu den grossen driisiiren Organen bilden, die nicht mehr in die Schleimhaut und ihr l nterzellirewebe ein- gesenkt sind, sondern nur in deren Ganäle >ich münden.
I)iit(li das Mil/nim »"ihc ZelL'<'\vr)te li.iniii dir Si hKdiidiaut inil den iM-nachliarteii OrLMtn-n zu-ainFiifn und kann diirili >»'in«* \ «'innllluni: an dfitu Krankli'-ilt'n Tlioil rndini'H. I)i^ «.\d»niii« •»•«<' /«lli't'wtl»»^ rrkrankt lad drn AlV»'rii<»iM'p d»T >( hlfiiubanl rin'i'«l»Mi> mit: otf i-t ili»* M<irunL' in ilun iinl»<Ml<Milt'iid: andiTrmal eriridit i:»Tad«' in ihm «Ji»' M'truni: dt-n Ik'm li>i«'n drad und rjlani:! di«- i:tri>-f(' W i< liii::k«dl ( e>rd«-ni.i irlnltidi"). (h|( r /itjit >U' ^ii h in drni<»dl'«ii in di»* KäiiL:«'. vsährrnd di«: >« hlriinhaui sidh-t, \nn d<T die lirkrankuni: au^L'ini'. laiii:-! w irdcr Irri i^i in;d »dt rr>t na<li- trÜLdi« li \vif'<l«T dui« Il l • liris( Ju jjtc dt-r indr^Ntn -tli.Niäjidi;,' w ,ifrrL'«'di«dirnrn Mi»runi: iU'^ >\0>uiU( ii^cn ZelNinilN in die l-.rkrankmiL: li<'i«'iiiLM'Z"i.'«'n wir«! ><• z. IJ. s>('iir liünfii: }i('iiii Maü'Mit. — Ihr in (irr Sriijrindiani ln'iindli« Inn Idnini« liiiin'_M'U il)rii>«Mi- .i:rul<( Ihmi , di«* zij>ani[jj«'nL:''-(/t«'n. \>'\> in da«« •«uliinurii^r /••üii'W •lu' laiiriid«-!!, ^♦d})^t /jiwoil'U riiM-nf' JJrL'anr dar.^ttllrndi'n l>rii-rn, die l'apillt-n. /..ttm «-ir. \ <*r;Lrrr>*^t'rn für Ofti rlki« In- drr Mrinl'ian inni rilnduMi dadnr«h ilic M«"._di« lik»dl UFni lläutiirkcit d«'r Krkrankwni:. Iläuliir ■»ind \ «>il»U( litun^rii il>njdi( aturm dtT Si lilrimhaul , noi.li liiinlii^fT die \ rrtirfnni:»'n d«'r^«dlM n, }M><»iidt'r> ai'«r die \sirkli(lH'n 1 «dlikrl \ or/.u^?'- w(d"««T >i/ oder Au>L'anL'>(innkt drr l^^kI•ankullL^ I)it* nc^» hl..>>rn('ii Ka|'>idn M>\N(dil. als di«* ofh-nrn Kuliiktd tdctm L't'tdL:n''t«* >frll('n lür Alt^r/iiUL' Nun Kdu(.t«'n. die jrcrnc . in ilmrn «'inii:«^ /»dt lani' /.urükindialiiii , nac li d»'r Aii->iM««^uniZ ilir Laijfr iui Zustand des (ö'xhw ürs IdntrrkoxMi.
Das Schleimhautgewebe ist an den meisten Stellen äusserst reich an Stoff efässi^n, welche aus den gröberen Kandfieationen im submucösen Zell- Blutgeindringend. in der Schleimhaut höchst dichte Neze bilden, welche jedoch je nach der Art der Stelle, nach dem Vorhandensein von Papillen und Zotten und nach den in der Schleindiaut befmdlichen Drüsen und den
sie einmündenden Ausführungsgängen der Lezteren verschiedene Geflecht-
Affictionen der SchlebnbSiite. 55
formen bilden. Die Capiliargefasse sind zum Theil von sehr feinem CaUbw, an einzelnen Stellen selbst schmäler als die Blutkörperchen. Auch Lymph- gefässe enthalten die Schleimhäute in grosser Menge. — Endlich vertheÜen sich sehr zahlreiche Nervenfä^en in den Schleimhäuten, die je nach der Stelle sehr verschiedenen Stämmen angehören.
Die Menge der Blutgefässe ist so gross in den Schleimhäuten, dass diese an vielen Stellen fast aus nichts, als aus einem CapUlargefllssconvolut zosammenffesezt erscheinen. Dieser Blutrelchthum begünstigt in hohem Grade die Erkrankung dieser Uäute; auf der andern Seite wird bei der Leichtigkeit des Abflusses der Educte sehr leicht der Schaden wieder repariil, die Störung gelöst. Troz des grossen Blutreichthoma sehen gesunde Schleimhäute im Allgemeinen blass aus. Fast nur solche Stellen, weldie deo Aperturen nahe gelegen sind oder zullllig nach aussen zu liegen kommen, pflegen eine rothe Farbe zu zeigfbn. Auch sie werden blass, sobald das Blut an Kflgelchen arm wird. — Die Nerven sind nicht nur au den meisten Schleimhautstellen io grosser Menge vorhanden« sondern vorzflglich zahlreich in den papillenartigen Vorragungen des Gewebs. Die Störungen der Schleimhäute sind theifs schmerzhaft, theils nicht. Diese Verschiedenheit hängt nur zum Theil von der Art der Stelle und der in ihr sich vertheilenden Nerven , fast mehr aber von der Acuit&t und manchen Zufälligkeiten ab, so dass die Schmerzen oder ihre Abwesenheit höchst unzuverlässige Zeichen in Schleimhauterkrankungen sind. Allerdings zei<ren einzelne Schleimhäute weit häufiger Schmerzempfindungen, als andere (Magen, Dikdärme z. B. mehr als Dflnndärme). Jedoch sind diese nicht nothwendig auch im gesunden Zustande empfindlicher, als die andern. Schon physiologisch lassen sich manche Dicht ganz zu erklärende Kmpfindungserscheinungen in den Schleimhäuten bemerken, wie z. B», dass derselbe Reiz, der von einer Schleimhaut sehr lästig empfunden wird, auf die andere gar keinen Eindruk macht (z. B. werden die Temperaturgrade, welche von der Rachenschleimhaut sehr deutlich unterschieden und senr lästig empfunden werden, von dem Magen nicht gefühlt; der Harn, fflr welchen die Blase unempfind- lich ist, macht der Augenschleimhaut Schmerz, während diese ihrerseits fQr die Thränen fast ganz unempfindlich ist). Noch mehr aber zeigen sich in Krankheiten unerklärliche Verhältnisse. Hier werden die Schleimhäute oft in ausserordentlich hohem Grade gegen Substanzen und Einwirkungen empfänglich, von denen sie im f^esunden Zustand niemals FlindrQke annehmen, und bei einer und derselben ana^ tumischen Störung (z. B. des Magens) zweier Individuen können wir bei dem Einen die höchste Empfindlichkeit gegen gewisse Substanzen und Gleichgiltigkeit gegen andere finden, während bei dem andern Individuum gerade das entgegengeseztc Verhalten stattfindet. Im Allgemeinen sind Schleimhäute, welche vom Cerebrospinal- >ystem mit Nerven versorgt werden, auch in Krankheiten empfin41icher, als jene, welche vom Sympathicus Nerven erhalten. Doch gibt es hievon sehr zahlreiche Ausnahmen in einzelnen Krankheitsfällen. Häufig scheinen die Schleimhauterkrank- ungen erst dann schmerzhaft zu werden, wenn benachbarte Theile (z. B. seröse Häute) zu leiden anfangen. — Sehr häufig rufen Reizungen der Schleimhäute und Störungen in ihnen weniger Örtliche Schmerzen, als Mitempfindungen und noch häufiger Reflex- actionen in musculären Provinzen hervor und zum Theil stehen einzelne Schleimhaut- segenden mit bestimmten Muskel partieen in sympathischem Connex (Larvnxkrankheit und Reizung ruft Husten, Reizung der Nasenschleimhaut Niesen hervor); aber auch bei diesen ist man noch weit davon, das pathologische Geschehen und Nichtgeschehen in den einzelnen Fällen genOgend erklären und unter fe:«te Geseze bringen zu können.
Auf der Schleimhaut liegt eine Schichte von gefäss- und nervenlosem Epithelium, das an vielen Stellen mit den Epidermisschuppen überein- kommt, an andern aber eigenthümliche Beschaffenheit (Cylindereplthelium, Flimmerepithelium) zeigt und bald eine mehr zusammenhängende Haut, bald mehr eine zusammenhanglose Auflagerung darstellt.
Das Epithelium, welches die Schleimhäute bedekt, wird in Krankheiten derselben mit grösster Leichtigkeit abgestossen und regenerirt. An einzelnen Stellen kann es sich in Krankheiten aus nicht immer zu erklärenden GrOnden in grosser Menge anhäufen, austroknen und alsdann eine gelbe, braune, ja selbst schwarze Masse darstellen.
Die gemeinschaftliche Function der Schleimhäute ist die Secretion des
56 Affcctionen der Schleimhäute.
Schleims, einer sowohl ihrem Ursprung, als ihrer chemischen Zusammen* sezung nach ziemlich zweifelhaften Flüssigkeit. Im Allgemeinen ist der Schleim wasserhell oder schwach trübe, zähe, fadenziehend und enthält neben einer schwach gesalzenen Flüssigkeit^Schleimsaft) in ziemlich spar- samer Menge Molecularkörner, granulirte (den Eiterkorperchen ähnliche) Bildungen (die sogenannten Schleimkörperchen), Fett und abgestossenes Epithelium. Diese Flüssigkeit erhält die Schleimhaut schlüpfrig, erleichtert den Durchgang derContenta durch ihrenCanal, verhindert das Verwachsen zweier einander berührender Sclileimhautflächen und erschwert das Fest- kleben und die Organisation von Exsudaten, die auf der Fläche abge- sezt sind.
Die wesentlicho chemische Natur do^ normalen Schleims und des in ihm ange- nommenen ^o^renannten Schleimstcdls (Mucinj ist soiiut ^vie unbekannt und um so wenio^er lässt sich über seine Ab\veirhuni:en, deren es ohne Zweifel zahlreiche cibt und bei denen der Schleim bald trüber, l)ald zäher, oft iranz irallertartit: wird, bald klumpi«:. bald eiterarti;: sich zei^t, Hestimmtes ermitteln. — Die Menge des abse- sezten Schleims ist theils in den verschiedenen Sdileimhäuten sehr verschieden, theils aber audi in einer und derselben Schleimhaut bei verschiedenen Individuen oder auch zu verschiedenen Zeiten und unter versehiedenen Umständen. Jede Reiz- ung der Schleimhaut, jede Blutüberfüllung dersellien hat eine Vermehrung des Schleims und alsbald auch eine \'eränderunir desselben zur Folire. Ks kann aber auch diese Secretion habituell vermehrt ersdieinen. was. wenn (»^ in beträehtlichem Cxrade ireschieht, als Blennorrhoe bezeichnet wird. Bei der vorüberirehenden . wie bei der habituellen \'errnehruni: kann der wä<seri£re (ieluilt des Schleims ztinehmen lind dieser daher dünnllüssiiier werden, oder es ers( heinen in dem Schleim Albumen, FaserstotlTezen , Kntzündunirskuireln und sellist Filutkörpercheu und es nimmt der (n'halt an Schleimkörperehen zu, wodurch der Schleim mehr und mehr dem Kiter ähnlich wird und in unmerklicher Weise wirklich in solehen übemeht. E))en damit ist aber auch die "\ermeintliche Unterscheidung \ctn Sc hleini und Kiter eine Illusion, da nach dem ^regenwärtiiren Stande des Wissens niclits in dem leztern enthalten ist, was nicht auch in dem Krstern vorkommen kann, der Interschiecl beider nur auf ProportionsNcrhältnissen der Bestandtheile berulit, die Frenze also auch willkürlieh gesczt werclen kaim. Um die Uelteriraniislurmen mit eineni be>c)nderen Ausdruk zu Itele^en, hat man den remiinus: j»uriformer Sehleini eiucfeführt, was aber nicht als Bezeichnung für eine sfiecitisch eii;enthümli( he Sc^hleiniiiattunir, sondern nur als Mittelstufe zwisclien bei(len Kxtremen zu nehmen ist. — Aue h an andern Stellen des Köri^ers, ausser auf <len Sehleimhäuten, zeigen sich s(hleinni:e oder schleimartiire, \on Schleim wenigstens kaum oder :rar nicht zu unterscheidende Substanzen: in den Svnovialkapseln . in manchen Cvstenbildunizen.
Ausserdem sind die Schleimhäute oder die in ihnen enthaltenen Drüsen an den verschiedenen Stellen der Siz eiirenthümlicher und specifischer Secretionen. welche sich dem Schleim beimischen. Es ist bemerkenswerth, dass diese Secretionen in den meisten Fällen von Roizun<i: der Schleimhaut und bei Vermehrung des Schleims sich vermindern. — Ferner sind die Schleimhäute an mehreren Stellen der Siz besonderer Empfmdungsmoda- litäten, die zum Theil als eigenthümliche Sinne ((ie>(limak, Geruch), zum Theil auch nicht (Hunger. Durst, P]kel, Empfindung des Athmungsbediirf- nisses, Geschlechtsempfmdungen) betrachtet werden und welche in der VertheUung bestimmter Nerven begründet sind.
Bei Erkrankungen der Schleimhäute hänut eine Reihe von Zeichen von der Alter- ation der specitischen Functionen ab, die nur selten ije-teiirert, i;ewc'»hnlich vermindert sind oder ganz darniederliegen. Oft ist g'Tade nur aus dieser Functions vermindeninj: der abnorme Zustand verborgener Schleimhäute zu diaL:nc^^tic iren : andrerseits ist aber auch nicht zu vergessen, dass bei vc»llkommeuer Inteirriiät des Schleimhaut- ' ~H die Functionen desselben auf Grund centraler Erkrankung oder veränderten
Aireotion«D der SeUefmliiiit«, 57
Blutes t oder selbst in Folge unbekannter sympathischer Beziehungen beeintrSchtigt sein können.
Die mannigfaUigeii und wichtigen Functionen der einzelnen ScMeim- hlnte besondters für Ernährung und Umwandlung des Bluts geben den- selben eine äusserst einflussreiche Bedeutung fOr die gesammte Oeconomie des Korpers: die Integrität des grössten Theils dieses Systems ist Beding- ung des Credeihens des ganzen Organismus.
Bei allen ausgebreiteten Schleimhauterkrankungenr um so mehr, je rascher sie auf- treten, ist gemeiniglich eine grosse Hinfftlligkeit des GesammtkOrpers zu bemerken: und jene Erkrankungen zeigen, wenn sie einige Intensität erreichen, fast immer den Character der Adynamie, erscheinen als schwere, die ganze Oeconomie störende Affectionen. Andrerseits leiden aber auch die Schleimhäute nicht nur bei den ver^ schiedensten primären, wie secundären Anomalieen der Constitution und des Blutes, daher bei allen fieberhaften Krankheiten, sondern sie werden sehr häufig bei all- gemein treffenden Schädlichkeiten zunächst und vorzugsweise ergriffen. Oft ist auch eine gewisse, jedoch durchaus nicht constante Beziehung einzeCier KOrpertheile zu bestinunten Schleimhautstellen und Provinzen zu bemerken, so dass Schädlichkeiten, welche jene treffen, vorzugsweise in diesen Störungen veranlassen : z. B. die Bauch- haut und der Magen, die !■ tlsse und die Respirationsschleimhaut, das Gesäss und der Darm etc. Diese sogenannten Sympathieen der Schleimhäute wurden von der Broussais'schen Schme im weitesten Maasse ausgebeutet*, aber obwohl dabei auf manche interessante Wahrnehmungen aufmerksam gemacht wurde, so wurden doch aus einzelnen, noch nicht in ihrem wesentlichen Zusammenhang begreifbaren Vor- fällen zu rasch allgemeine Schltlsse gezogen und diese in viel zu dogmatischer Weiie zu Gesezen eiboben, deren Noth wendigkeit weder aus den Erfahrungen der Physiologie, noch aus den pathologischen Thatsachen zu begründen ist; es trug in Wahrheit nichts zur Aufklärung dieser geheimnissvollen Beziehungen bei, dass sie in die schlaffe und vieldeutige Categorie der Sympathieen untergebracht wurden.
Das System der Schleimhäute zerrällt in zwei von einander getrennte HaupQ>rovinzen : 1) die Schleimhaut der Respirations - und Digestions- werkzeuge mit den Seitenprovinzen der Augen- und Ohrschleimhaut und der Schleimhaut, welche die Kiefer- und Stirnhöhle auskleidet, und 2) die Schleimhaut der Harn- und Geschlechtswerkzeuge. Die gesammte Schlelm- hautausbreitung in jeder dieser beiden Provinzen, so vielfache und so ver- schieden functionirende Theile sie auch fiberzieht, steht in ununterbroclf- enem Zusammenhang. — Ausser diesen sind noch zwei kleine isolirte, paarige Schleimhautprovinzen vorhanden: die der Milchgänge und des äussern Gehörgangs.
Mit den Hauptcanälen der Schleimhäute hängen durch ihre Auafahmngsgänge die meisten grossen Drflsen des KOrpers zusammen : Fortseaungen der Schleimhaut kleiden nicht nur jene Ausfahrongssänge ganz aus, sondern man kann selbst die Secretiona- Stätte der Drflsen als die Fortsezung der Schleimhäute ansehen. Indessen scheint es geeigneter, bei der pathologischen Betrachtung die Drtlsen als gesonderte Gewebs- formen gelten zu lassen, während ihre Ausfflhrungsgänge theils an den Affectionen der DrOsei theils an denen der Schleimhäute participiren.
oS AffectioneQ der Schleimhäute.
ALLGEMEINE BETRACHTUNG.
I. Aetioloffie.
Die Schleimhäute erkranken unter allen Geweben am häutlirsten und zwar bei jeder Körperbe^chaffenheit. bei jedem Alter und bei jedem Geschlecht. Eine erhöhte Disposition zu den Erkrankungen der Schleim- häute fällt zusammen mit erhöhter Dispo>ition l\ir Krankheiten überhaupt und mit allgemeiner Schwächlichkeit. Inter den Altern ist vornehmlich das jüngste und das betagteste zu Schleimhauterkrankungen disponirt. Das Geschlecht bedinirt keinen Unterschied in der Erkrankuncrshäuficrkeil des Schleimhautsvstemes.
Die Krankheiten der Schlriiuliäuie sind s« hou darum al- dif al 1 erbäufiss t eii au- zusf'heii. ^sv[\ e< kaum jeuials eine irnmd erhtd>li( h»' Krkraukuni: im K<irper sil^t, hei \^elrher nicht auch in ein»'r uder mehren .>( hleimhaiii.-tfdlen SinruniieD si( h vortinden. Aller selii^t <lie autda^ ^^hleimhaut^^>tem ht\H( hräiiktfU AllVciiont-n u^ehitreu zu denen, wehhe am nllerlriutiir>ten den 3Ien-( ht^u hetallen. Man hat alh-n (irund anzniiehuien. da^^ üherdem Sihleimhauterkraukuni'en no» li unendlidi \iel tiäufiirer vnrkoinnion. aU >ie in die Er>eheinuni: treten umi (ia-> \iele StiduuL'en. ^^^^l^he ^'uh dunh unhe>tiuimie und intlirecte >ymptome anzeigen, in Wahriirit in Erkrankuni: ein»T SehUdiiihaui beirründet <iind. ♦d»en<n da?< bti maui hen Hrkraiikun-jen brlifbii:»>r TheiU' di«' vorhan- denen beiib'itenden Stüruui;«'n in den Sehb-imliäuten der lJe'»ba( liiuni: "i« h entziehen. Oit sind z>\ar Symptome Ntirhanden. aber >le