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NUMISMATISCHE ZEITSCHRIFT.
Neunter Band.
Jahrgang 187 7.
Numismatifche
ZEITSCHRIFT
herausgegeben von der
numismatifchen Gefellfchaft In Wien
durch deren
Redacftions - Comite.
Neunter Band. — Jahrgang 1877
Mit VI. Tafeln und 28 Holzfchnitten.
WIEN, 1877.
Selbftverlag der numismatifchen Gefellfchaft.
Druck der k. k. Hof- und Staatsdruckerei.
In Coinuiission k'i Mauz, k. k. Hof-Verlags-Bii(iiliaii(lluiig in Wien.
Berlin: Mittlers Sort. Buchh. Leipzig: K. F. Köhler.
Paris: Hartge & Le Soudier. London: Williams & Norgate.
CT b
m
Inhalt des neunten Bandes.
A, Nach det' Heihenfolge der Artikel,
Seite
I. Dr. F. Imhoof-Blumer: Zur Münzkunde Boeotiens
und des peloponnesischen Argos 1
IL Dr. Otto Blau: Die Elymaeischen Pyraethen und ihre
Münzen 63
III. Dr. Otto Blau: Die Herren von Sophene und deren
Münzen 90
IV. Julius Neudek: Romische Kriegsmünzen von Carteia 115
V. Julius Neudek: Römische Inedita der Consularzeit 120
VI. Joseph V. Kolb: VICTORIA PERPET VA AVG und nicht VICTORIA PONTICA AVG auf Münzen des Kaisers Tacitus 123
VII. Prof. Dr. A. v. L u s c h i n - E b e n g r e u t h : Die Wiener
Pfenninge. Fundverzeichnisse und kritische Studien . . 132
VIII. Prof. Dr. Joseph Karabacek: Gigliato des karischen
Turkoraanenfürsten Urchän-beg 200
IX. Theodor R o h d e : Die Münzstätte Munkacs unter Franz
Rakoczy IL (1703—1711) 216
X. Prot. Dr. Arnold Busson: ZurMilnzkunde desKlosters
Disentis in Graubünden 235
XL Dr. Otto Blau: Mesenisches 263
XII. Lieutenant M. Bahrfeldt und Eduard Forch hei- mer: Zwei rönnschc Dcnarschätze 284
Seite
XIII. Dr. A. Misson^: ytenipelfehler und Correcturen auf
Münzen des Kaisers Probus 303
XIV. Joseph V. Kolb: Ein Aureus des Clodius Albinus mit
dem Augustus-Titel ... 323
XV. Dr. V. Raima nn: Der Münzfund zu Dorosma 326
XVI. Prof. Dr. A. V. Luschin-Ebengreuth: Ehrpfenninge der innerösterreichischen Landschaftsschulen während des XVI. Jahrhunderts 367
B. Nach numismatischer MntheUung,
AJte Zeit.
I. Dr. F. Imhoof-Blumer: Zur Münzkunde Boeotiens
und des peloponnesischen Arges 1
II. Dr. Otto Blau: Die Elymaeischen Pyraethen und ihre
Münzen 63
III. Dr. Otto Blau: Die Herren von Sophene und deren
Münzen 90
IV. Julius N e u d e k : Römische Kriegsmünzen von Carteia 113
V. Julius Neudek: Römische Inedita der Consularzeit. . 120
VI. Joseph V. Kolb: VICTORIA FERPETAV AVG und nicht VICTORIA PONTICA AVR auf Münzen des Kaisers Tacitus 123
XI. Dr. Otto Blau: Mesenisches 263
XII. Lieutenant M. Bahrfeld t und Eduard Forchhei- me r : Zwei römische Denar schätze 284
XIII. Dr. A. Missong: Stempelfehler und Correcturen auf
Münzen des Kaisers Probus 303
XIV. Josep h V. Kolb: Ein Aureus des Clodius Albinus mit
dem Augustus-Titel 323
VII
IMittelalter und IVeue Zeit.
Seite
VII. Prof. Dr. A. v. L us cliin-Eb engreuth: Die Wiener
Pfenninge. Fundverzeiclinisse und kritische Studien . . . 132
VIII. Prof. Dr. J o s e p h K a r a b a c e k : Gigliato des karischen
Turkomanenfürsten Urchän-beg 200
IX. Theodor Rhode: Die Münzr^tätte Munkacs unter
Franz Rakoczy II. (1703—1711) 216
X. Prot. Dr. Arnold Busson: Zur Münzkunde des
Klosters Disentes in Graubünden 235
XV. Dr. V. Raima nn: Der Münzfund zu Dorosma 326
XVI. Dr. Luschin-Ebengreuth: Ehrpfenninge der inner- österreichischen Laudschaftsschulen während des XVI. Jahrhunderts 367
Numismatische Literatur.
1. Literarisches aus Mysien 245
2. Literarisches aus Mösien 247
3. A. Weyl: Nachtrag zur Henckel'schen Sammlung Bran-
denburg-Preussischer Münzen und Medaillen 250
4. A. Engel: Documents pour servir ä la numisniatique de
l'Alsace 250
5. Beschreibendes Verzeichnixs der zu Ehren W. Jenner's und
A. Sacco's, sowie auf die Schutzpockeu-Impfung und
die Blattern-Inoculation geprägten Medaillen 251
ß. M. Bahrfei dt: Römische Consularraünzen in italienischen
Sammlungen. Ein Beitrag zur römischen Numismatik 251
7. A. Weyl: Katalog Brandenburg -Preussischer Münzen . . . 254
8. und 10. Dr. F. Kenner: Zeitschrift für Numisniatik von
Dr. Alfred v. Sali et 254,384
VIII
Seite
9. Dr. A. F.: A. Weyl. Die Jules Fonrobertische Sammlung überseeischer Münzen und Medaillen. Ein Beitrag zur Münzgeschichte aussereuropäischer Länder 382
11. J. V. K. : Sabinianus (ein vergessener römischer Kaiser) . . 389
12. Dr. 0. B.: B. Dorn. Fraehnii Ch. M. , oposculorum
posthumorum Pars II, adnotationes in varia opera numismatica continens 391
13. Dr. 0. B.: Müller Ludwig. Nuraismatique de l'ancienne
Afrique. Supplement, avec 3 planches et une table alphabetique de tont l'ouvrage 394
14. Dr. A. F. : Revue beige de numismatique 395
15. Dr. A. F.: H. Grote. Blätter für Münzfreunde 399
16. C. E. : The nnmismaticChronicle and Journal of the numis-
raatic Society ^ 403
Miscellen.
Goldab^chläge. — Sehr merkwürdige Münzen. — Fersische
Jubiläums-Medaillen. — Päpstliche Jubelmedaille .... 255
Fund eines Bracteatenstempels. — Oesterreichische Medaillen vom Jahre 1876. — Münzprägungen Oesterreich- Ungarns im Jahre 1876. — Eine neue Medaillen-Fräge- anstalt in Wien. — Aufruf der Redaction 406
Sachregister 414
IX
Mitarbeiter des neunten Bandes.
Bahrfeldt, M., 8tiido in Hannover.
Blau, Dr. Otto, kaiserl. deutscher General-Consul in Odessa. Busson, Arnold, Professor in Innsbruck. Ernst, C'arl v., k. k. Director in Wien. Forchheimer, Eduard, in Wien. Imhoof-Blumer, Dr. Fr., in Wintertliur.
Karabacek, Joseph, Dr., Professor für die Geschichte des Orients und ihre Hilfswissenschaften an der Universität in Wien.
Kenner, Dr. Fr., Custos des kais. Münz- und Antiken- Oahinels in
Wien. Kolb, Joseph v., Verwaltungsrath des Museum Francisco-Carohnum
in Linz. Luschin-Ebengreuth, Dr. A. v., Professor an der Universität
in Graz. Missong, Dr. A., Notar-Substitut in Wien. Neudek, J., Gutsbesitzer in Ungarn. Pawlowsky, Dr. A. v.. k. k. Hofrath, Director des k. k. TluM-esia-
nums in Wien.
Raimann, Dr. Franz, Ritter v., k. k. Landesgerichtsrath in Wien. Rhode, 'I'heodor, in Edeleny bei Miskolcz in Ungarn. Windischgrätz, Ernst Prinz zu, in Graz.
I.
Zur Münzkunde Boeotiens und des peloponne* sischen Argos.
Ueber Werthbezeichnungen.
Mit Tafel I und II und 19 HolzschiüttfU.
Vou Dr. W. Inahoof-Blixmer.
Seit der Veröffentlichung- meines ersten Aufsatzes über boeotische, akarnanische und argivische Numismatik i) sind mir wieder so viele, theils inedirte, tlieils von schon beschriebenen mehr oder weniger abweichende Münzen der in Rede stehenden Länder und Städte bekannt gewor- den, dass sich wohl von mehr als einem G-esichtspunkte aus die nachträgliche Zusammenstellung- dieses neuen Materials rechtfertigen lässt.
1) „Zur Münzkunde und Pahieograplüe Boeotiens; Au;iktoriou Argos undLei)siniandos." Numismatische Zeitschrift von Huber und Karabacek, Bd. III, 1871, S. 321—418.
Bei dieser Gelegenheit ist zu bemerken, dass im Register des Separatabdruckes die Angabe der Seitenzahleu der wirk- lichen Paginirung nicht entspricht, indem durch ein Versehen die erste Seite des Textes mit 3 beziffert worden u. s. f. Den Zaiiien des Registers sind demnach stets je zwei Seiten zuzuzählen.
1
** Dr. F. Tmhoof-TtluiiKM-: /nr M;in7kmid('
In Boeoticn tritt Akraiphion als nicht unbedeu- tende Prägstätte neu auf; unter den übrigen Städten ist es vorzüglich Mykalessos, welches durch seine archai- schen Münzen an Bedeutung gewinnt. Neben vielen Münzen , welche vorwiegend zum Zwecke der Vervoll- ständigung von Gewichtslisten angeführt sind, treten andere mit neuen Namen und neuen Typen auf. Die letz- teren, besonders die verschiedenartigen schönen Darstel- lungen des Herakles, haben grösstentheils auch Berück- sichtigung auf den beigegebenen Lichtdrucktafeln ge- funden.
Die argivischen Münzen führen abermals zur Bespre- chung des Symbols B, und einiger Werthbezeichnungen, über welche kürzlich Herr P. Lambros in Athen geschrie- ben hat.
Auf die Prägungen Anaktorion's werde ich in einem besonderen Aufsatze über das gesammte akarnanische Münzwesen zurückkommen.
Boeoti«ns und des poloponnesischen Argos.
I.
Boeotien.
lieber sieht: Gaumünzen-, Silber- und Kupferprägungeii mit Boeotarchennamen. ■— Akraiphion. — Münzen mit AI. — Haliartos. — Die angeblichen Kupfermünzen von Ismene. — Koroneia. — Münzen mit Afl. — Mykalessos. — Orchomenos ; „Niobiden" oder „Kallisto und Arkas". — Pharai. — Plataiai. — Tanagra; die Aufschriften TTOIMANAPOC und ACflTTOC; Hermes -Kriophoros und Promachos , Dionysos und Triton. — Thebai; Aphrodite auf Silbermünzen Thebens, der Perrhaiber und von Srayrna; Herakles- nnd Dionysos-Typen. — Thespiai.
Gaumünzen.
1. (2\) JR 5 Mm. Grni. ö 26. Schildes.
Viertel eines boeotischen
Ijif. Viereckiger Einschlag mit acht dreieckigen Fel- dern, von denen fünf vertieft sind.
In der Regel ist der ganze Schild das Bild boeoti- scher Obolen und Tetartemorien und der halbe dasjenige der Hemiobolien ; a) Tritetartemorien finden sich mit drei zusammengestellten Scliildhälften, oder, in Orcho- menos, mit drei neben einander stehenden Weizen-
2) Nura. Zeitschr. 111, S. :i2;JAbdr. Sep.--, S. ö.
^ Dr. F, Imhoof-Illumer : Zur Münzkunde
körnern. s) Die ßezeichuuug der Tetarteniorien mit dem Schild viertel scheint bis jetzt unbekannt geblieben zu sein.
2. (ß\) M 18 Mm., Grm. 12-28. — Boeotisclier Schild.
5fe. ^—0 (für BO) in zwei vertieften Feldern eines vierspeichigen Rades.
Brit. Museum, abgebildet Taf. I, Nr. 2. — Berlin, aus der Sammlung v. Prokesch-Osten, Grm. 11-80.
3. JR 20 Mm., Grm. 1210. — Aehnlich, mit ^—0—1 in
drei Feldern des Rades.
Brit. Museum, abgebildet Taf. I, Nr. 3. — Paris, Musee Luynes, Grm. 12- 12, mit BOI.
4. 3. 19 Mm., Grm. 12-27. — Boeotischer Schild.
^. Amphora in einem vertieften Quadrate, ohne Aufschrift.
Hieran schliessen sich völlig gleichartige Drachmen (Grm. 5-65 m. S. ; Grm. 5-36 Mionnet II, 100, 10); Hemi- drachmen (Grm. 2-92 und 2-88 ra. S. ; Mionnet Suppl.III, 503, 5 und 6); Obolen (Grm. 1, — m. S.; Mionnet, Suppl.III, 504, 7), und das Hemiobolion Nr.5 der Num. Zeitschr. III.
5. M 18 Mm., Grm. 4-85 (oxydirt und gereinigt). ~
Gleiche Typen ; auf der Mitte des Schildes ein eingeschlagener Stierkopf von vorn. M. S.
3) A. a. 0. S. 364 (Sep.-Abdr. S. 46).
Boeotiens und des peloponnesischen Argos.
Stierkopf und Vordertbeil des Stieres sind die Mlinz- bilder von Kopai*); es kann daher dieser Stadt mit einiger Wahrscheinlichkeit die hier erscheinende Contre- marke zugeschrieben werden.
6. AX 14 Mm., Grm. 2*72. — Gleiche Typen; links neben der Amphora, eine Mondsichel. Museum Basel.
1. Mb Mm., Grm. 0-24. — Boeotischer Schild.
9?. Epheublatt in einem vertieften Quadrate.
Cf. Catalogue de la collection de medailles de Phi- lippe Margaritis, Paris 1874, Taf. I, 29 (Grm. 0-22) und S. 12, wo die Beschreibung wohl nur irrthUmlich von einem halben Schilde spricht, der nicht auf ein Tetartemorion passt; das betreffende Exemplar hat sicher auch den ganzen, aber unvollkommen ausgeprägten Schild zum Typus.
8. (6*.), M 9 Mm. Grm. 0-45 — Schildhälfte.
1>. B— 0. Weintraube mit Stiel. — M. S.
9. JR 7 Mm., Grm. 0-20. — Schild.
ly. B — 0. Weintraube mit Stiel.
M. S. — Museum Kopenhagen, Grm. 0-23; — Num. Chron. VI, 126, (irm. 0-21.
10. M 8 Mm., Grm. 0-24. - Schild.
IV. B links neben der Weintraube.
*) Millingen, Ancient Coins, Taf. IV, 7 ; v. Piokesch-Osten Inedita 1854, Taf. II, 51.
Dr. F. Imhoof-Blumer: Zur Münzkunde
1 1 . .^ 8 Mm., Grm. 0-20. — Schild.
9j. 8 rechts neben der Weintraube. Catalogue Margaritis, Taf. I, 32.
12. M 27/22 Mm., Grm. 12-25. — Boeotischer Schild.
p. BO— in. Amphora, bis zum Fusse gereifelt; darüber, ein Bogen mit aufwärts gekehrter Sehne.
M. S.; — abgebildet Tat. I, Nr. 12. — Brit. Museum, Grm. 12-37. Eine ähnlich verzierte Amphora, mit IE — NO und Pfeil darüber, gibt Mionnet im Eecueil de planches LXXII, 6.
13. JR 20/21 Mm., Grm. 12-12. — Boeotischer Schild , auf
dessen Mitte eine Keule liegt.
B-. a 0 — I Xl. Amphora, deren sonst glatter Bauch oberhalb mit einem breiten Eierstab verziert (oder gereifelt) ist ; darüber, ein Bogen mit nach oben gerichteter Sehne.
M. S.; abgebildet Taf. I, Nr. 13.
14. M 2b/23Mm., Grm. 11-92. — Boeotischer Schild.
^. BO— in. Amphora; ein Band mit Rankenver- zierung theilt den Bauch in zwei Hälften, deren obere gereifelt und die untere glatt ist. lieber dem Gefässe, ein Delphin rechtshin.
Brit. Museum, abgebildet Taf. I, Nr. 14.
Aehnliche Didrachmen mit der Aufschrift BOIHtojv und wechselnden Beizeichen finden sich in Mionnet, II, 103, 55—58, Ed. de Cadalv^ne, Recueil, S. 152, Leake, Numismata Hellenica, Num. Chronicle VI, S. 125 und im
Boeotieiis und des peloponnesi&chen Argos. *
,,k. Müiizkabinet Berlin 1873" Nr. 124; deiijenig-en mit Boeotarcliennamen sind folgende Varianten anzureihen :
15. 3^ 23 Mm., Grm. 12-19. — Boeotisclier Schild.
U-, FA — 5T. Amphora (wie auf Kr. 13); darüber, ein Stierschädel von vorn. MUnzkabinet München.
Nach Leake, Num. Hellen. Eur. Gr. S. 28, ist Fajr. . .
auf W^T'jvGixog oder 'AcrrjjULyjoojv zu ergänzen.
10. JR 21 Mm., Grm. 11-82. — Boeotischer Schild.
FV- ^~~ Amphora (Nr. 13); rechts im Felde eine
Weintraube.
M. S. — Sestini, Descr. num. vet. 8. 172, führt ein Exemplar mit AZnP auf, was auf den boeotischen Personen- (und Fluss-) Namen 'A(joj-ög schliessen lässt.
17. ifl 22 Mm., Gr. 12. — Boeotischer Schild.
9» AA — MO. Amphora (Nr. 13), mit einem Epheu- blatt am linken Henkel; darüber eine Keule.
M. S. — Auf einem Didrachmon der Pariser Sammlung- (Mionnet, Suppl. HI, 504, 13) ist A A M 0 K A zu lesen. laiKo/^^-ioag war der Name eines Boeotarchen.
1>. A{ 24/21 Mm., Grm. 12-10. — Boeotischer Schild.
9'- EP — AMI. Amphora (Nr. 13); darüber eine Rosette.
M. S. und Brit. Museum, l)eide Exemplare aus identischen Stempeln. Abgebildet Taf. I,
Nr. 18.
8
Dr. F. Imhoof-Bhimpi- : Zur Müiizkutu1(
Die nämliche Alphaform, A weist auch das Pariser Exemplar auf (Mionnet II, 101, 25). Mit vieler Wahrschein- lichkeit bezieht J. Leicester -Warren (Essay on greek federal coinage 1863, S. 25) diesen Boeotarchennamen auf den grossen Epaminondas.
19. M 21 Mm., Grm. 12. — Boeotischer Schild.
ß*. Kl^ — EE5. Amphora (Nr. 13); rechts daneben ein Thymi aterion.
M. S. — Cf. Fox, Unedited or rare greek coins, Taf. VIII, 88, wo das Symbol irrig als Keule beschrieben ist.
Der Name lässt sich vielleicht Siuf Klsr^a in?: g^ ergän- zen. Leake's Vorschläge (Num. Hell. Suppl. S. 117) basirten auf die unvollständigere Aufschrift KI^EE, und fallen dahin.
20. M 22/21 Mm., Grm. 12-18. — Boeotischer Schild, der
Länge nach von einer Keule belegt.
9'* M~ Amphora (Nr. 13)-, rechts daneben eine Keule. M. S.
21. M 21 Mm., Grm. 1225. — Boeotischer Schild.
^. T I — M I. Amphora (Nr. 13) mit einem Epheublatt am linken Henkel; darüber eine Keule. M. S.
Tsi^uLsag oder Tsfxioig (so hiess nach dem Corp. Inscr. gr. 883 ein Platäer) konnte im boeotischen Dialekte
Boeotieus und des peloponnesisehen Argos. ^
Tt/jLiac geschrieben werden 5) und so ist vermuthlich die obige x\ufschrift zu vervollständigen.
22. j^ 22 Mm., Grm. 12-12. — Boeotischer Schild.
fy. Oq — AY für XAPO. Amphora (Nr. 13); dar- über ein Ephenblatt in einem Epheukranze. München.
23. R 'JO Mm. — Gleiche Typen , mit der Beischrift
YA — PO: ohne Beizeichen.
Wie das EYE boeotischer Didrachmen für EXE ('ExiXag, 'E'/sxparv;,-), so steht YAPO für XAPO. «) Eine Ergänzung- dieser Aufschrift auf Xap'jmvog oder ähnlich hat mehr Wahrscheinlichkeit für sich, als eine solche auf Xdpoyj oder Xapwvoac, da, — dürfte auch liier das 0 als langer 0-Laut aufgefasst werden, — für einen der beiden letzten Namen doch sicher YAPON stünde.
In die Rubrik der Gaumünzen fallen auch die gewöhn- lich Theben zugetheilten Kupfermünzen mit Beamtennamen ohne Ortsbezeichnung, ?) wie z, B. die Folgenden:
24. M 12 Mm., Grm. 2-65. — Bartloser Herakleskopf^
rechtshin, mit dem Löwenfell bedeckt. ^. Bogen und Keule; darüber/^; darunter: AFEI. M. S._ Cf. Neumann, Num. vet. II, Taf.YI, 7.
W/äGcc^jopog und 'A^sLulAccog üguriren als Namen von Orchomenierii und Thebanern auf antiken Inschriften.
5j Niini. Zeitschr. III, 8. 3-29 (Sop.-Abdr. S. 11). «j Leake, Num. Hell. 8iippl. S. 117; Leicester Warren, ;i. a. 0. S. 24; A. V. Sallet, Zeitschr. für Num. III, S. 134.
7) Num. Zeitschr. III, S.874 und 38«) ^Sep.-Abdr. S. öG und »i^;.
10
Dr. F. Iiiilioof-Kluraer : Zur MiinzkuTide
25. .^ K3 Mm., Grm. 2-70 — Derselbe Kopf linkshin.
Pf. API5 — 0EIAO. Bogen und Keule.
M. 8. — Cf. Mionnet, Suppl. III, 530, Nr. 167, 168, 178 und 179 mit je einem der beiden hier vereinigten Namen.
Die mit 'Aor^cr. . . . beginnenden Personennamen sind zahlreich; Osjgg . . . steht wahrscheinlich für ^stdolaog^ nicht für <I)£foog, welchem der Schlussbuchstabe gewiss nicht fehlen würde.
26. I^ 14 Mm., Grm. 2-13. — Gleiche Typen, mit dem
Kopfe rechtsliin und der Aufschrift ^A — FEPf.
M. S.
Das ziemlich späte Vorkommen des Digammas bezeu- gen die bekannten boeotischen Didrachmen mit FA^T lind EYFAPA. FEPF mag auf die Namen 'Epysa^,
'Ep^lvog u. a. zu deuten sein.
27. ^ 13 Mm., Grm. 1-72. — Derselbe Kopf rechtshin.
1^. 0EO — Tl. Keule und Pfeil.
M. S. — Cf. Mionnet, Suppl. III, 529, 164 mit 0E-TI.
Diese Münze ist im Musee Kotschoubey, I, S. 277 abgebildet, und von Baron v. Köhne für eine „sichere^ Münze von Theodosia ausgegeben worden, trotzdem ihm die gleichartigen Münzen mit AT El und TTYP wohl bekannt waren. Die Aufschrift ist vermuthlich auf 0£drt/j.o^ zu ergänzen.
28. .^ 13 Mm., Grm. 2-45. -Gleiche Typen mit AAAN-0E.
M. 8. — Mus. Hunter, Taf.LIX, 6; T. Combe, Mus. Brit. S. 124, 1.
Bocotieiis und dis pelopounesischcn Arges.
11
Der vollständige Name kann Aaavopoc, für Aiavopog, sein; auf einer Inschrift von Orcliomenos steht Adocpyog für lUocpxog (Kangabe, Ant. Hell. II, Nr. 1308).
29. ?^ 12 Mm., Grm. 2-22. — Derselbe Kopf linkshin.
R-. AYK — INH. Keule.
M. S.
Der Name Auxtvo? scheint hier im Genitiv auf w, boeo- tischer Dialeotform für o-j, zu stehen. Cf. Keil, zur Sylloge inscr. Boeotic. 1863, S. 547.
30. .^ 14 Mm., Grm. 1-95. — Derselbe Kopf linkshin.
^r. OAYM-EPI. Keule und Hermesstab.
M. S.; ein zweites Exemplar mit der Keule allein. — Cf. Mionnet, Suppl. III, 531, 175; Cat. Laborde, Taf. I, Nr. 432 u. a.
Die Aufschrift ist nicht skI 'Oav/jl. ... zu lesen, son- dern 'OlOixKtyog — 'ErzidATr^g oder ähnlich ; es geht dies aus den obigen Münzinschriften dieser Serie unzweideutig hervor.
31. N. 14 Mm., Grm. 1-75. — Derselbe Kopf rechtshin.
U-. y. i- Keule; darunter eine Weintraube.
M. S.
'OvccG'.fj.'-.g und 'O^^aaifxßporog sind Namen, welche auf boeotischen Inschriften vorkonnnen.
Ausser den hier angeführten Magistratsnanien boeoti- scher Kupfermünzen finde ich nur noch 0 1 11 N und TTYPPI(/os?) sicher beglaubigt. In diesen Aufschriften
12
Dr. F. Tmhoof-Blniner: Zur 3Iiinzkuiu1e
findet man nicht nur die nämlichen Dialekt formen, sondern zum Theile sogar die gleichen Namen wieder, wie auf den Didrachmen, z.B. AYKI, OAYM, ONAZ, 0EOT, <t)|AO. Mit den Kupfermünzen der makedonischen Könige Amyntas, Perdikkas und Philipp II. verglichen, stehen diesen die bocotischen dem Alter nach zur Seite, woraus auf die Gleichzeitigkeit der Silber- und Kupfer- prägungen mit Boeotarchennamen geschlossen werden kann.
32. R. 6 Mm., Grm. 0-22. ~ Boeotischer Schild.
\jr. Ohne Aufschrift. Obere Hälfte einer Amphora. Münzkabinet Stuttgart.
33. .% 15 Mm., Grm. 2 35. — Boeotischer Schild; quer ttber die eine Hälfte desselben liegt eine Keule.
^. Bol-'^T-^N. Linkshin stehende Nike, in der vorgestreckten rechten Hand eine Opfer- schale, in der linken den Dreizack haltend. M. S.
34. M 16 Mm., Grm. 2-33. — Gleiche Aufschrift und Typen ; der Schild ist hier seiner ganzen Länge nach mit der Keule belegt.
BoeotitMii- und dos peloponnesischen Argos. J-^
M. S. — Cf. T. Coiube, Mus. Brit. Taf. VI, 8, und Borrell, im Num. Chron. VI, S. 126, 5, wo Nike an^^eblich einen Kranz statt der Schale hält.
Akraiphion.
35. /R 17 Mm.. Grm. li^-42. — Boeotischer Schild mit
geripptem Rand.
}y. Pl in Mitten eines Quadrates , welches von vier ebenen und vier vertieften Dreiecken gebildet ist. Paris; Rs. abgebildet Taf. I, Nr. 35.
36. iR 8 Mm., Grm. 0-80. Boeotischer Schild.
^. f^ in einem vertieften Quadrat. Brit. Museum.
37. JK 8 Mm., Grm. 0-48 und 0-42. — Hälfte eines boeo-
tischen Schildes.
^. A( in einem vertieften Quadrat. Brit. Museum.
38. M. 7 Mm., Grm. 0-33. — Gleich mit A im ^.
M. S.
39. M 22 Mm., Grm. 12-25. - Boeotischer Schild.
^. A — K. Kantharos; darüber ein längliches Blatt. Das Ganze in einem vertieften Quadrat.
Auctionskatalog London, 8. Juli 1874, Nr. 163 ; — ein zweites Exemplar, Grm. 12-10 wiegend, und abgebildet Taf. I, Nr. 39, ist mir im Handel vorgekommen, und ein drittes, welches ich in der Num. Zeitschr. III, S. 335, Nr. 24
14
Dr. F. Iinlioof-Blniiier : Zur .Alünzkumle
(Sep.-Abdr. S. 18) beschrieben, besitzt das Rrit. Museum.
Den bekannten archaischen Boeotermünzen mit einem Buchstaben im vertieften Felde der Rückseite, d. h. den Münzen mit den Initialen B, 9, ö, 0, T und © (fürBoiotia, Koroneia, Haliartos, Pharai, Tanagra und Thebai), sind zwei neue gleichartige Gruppen zur Seite zu stellen. Die eine, mit M bezeichnet, gehört nach Mykalessos, die andere, mit F^, kann ohne Bedenken Akraiphion zugetheilt werden. Die Aufschrift AK der Didrachmen Nr. 39 hat dieser Stadt bereits einen Platz im Kreise der boeotischen Prägstätten gesichert, und kann somit die weitere An- nahme, Akraiphion habe gleich anderen wenig bekannten boeotischen Städten, wie z. B. Mykalessos und Pharai, auch älteres Geld als jene mit AK bezeichneten Münzen geprägt, nicht mehr befremden. Ohne vorherige Kenntnis» dieser letzteren hätte man behufs Zutheilung der Alpha- münzen in erster Linie an Haliartos denken können. Die ältesten Prägungen dieser Stadt sind indessen, vom Di- drachmon ab bis zur kleinsten Theilmünze herunter, alle mit dem Zeichen des Spiritus asper ö, gestempelt, welches erst auf den etwas späteren zweitypigen Münzen der Initiale A gewichen ist.
Von der Geschichte der Stadt Akraiphion ist wenig bekannt; ») sie scheint jedoch in früherer Zeit ein hervor- ragender Ort gewesen zu sein, und hat nach ihr die öst- liche Bucht der Kopaissees den Namen 'Axpaifig /t/jivvj geführt.
®) C'f. Bursian, Geogr. von Griechenland, I, S. 213.
Roootieüs und des peloponnesiechen Argos.
15
Mänzen mit der Aofsehrift AI.
40. (10\) /R ITVa Mm., Grm. 5-86 — Hermesstab auf einem boeotischen Schild.
9?. A — I und Amphora in einem vertieften Vierecke. M. S. — Brit. Museum, Num. Chronicle 1873, S. 109, 48 und S. 331, Grm. 5-87; — Privat- sammlung in Athen, Grm. 5-84.
41. .^ 5 Mm., Grm. 0-24.
Boeotischer Schild.
^. A— I und Kantharos in einem vertieften Quadrat. Brit. Museum.
Spuren des der Vernutzung sehr ausgesetzten Her- mesattributs sind auch auf anderen Exemplaren der räth- selhaften Münzen mit AI zu erkennen. Durch denHerold- stab ist der Typus der Hauptseite zu einem städtischen Wappenschilde gestempelt, wie man solche mit Keule, Dreizack und Aehre auf Münzen von Thebai, Haliartos und Orchomenos tritft. '•>) Bekanntlich sind Keule und Dreizack als Symbole der in den prägenden Städten be- sondere Verehrung geniessenden Gottheiten, des Herakles und des Poseidon zu betrachten, und nicht anders kann vi^ohl die Bedeutung des Hermcsstabes aufgefasst werden. Indessen ist auch diese Erkenntniss, dass die mit den
») Nuin. Zeit.sc'hr. III, S. M^ (Sep.-Abdr. S. 25).
16
l>r. F. Iiiilioof-Bluiue.-: Zur Münzkunde
Initialen AI prägende Stadt ein Heiligtlmm des Hermes besessen, nicht im Stande, uns in der Auffindung- des Stadtnamens zu fördern ;io) sie beseitigt einstweilen nur die jüngst geäusserte Ansicht, die in Rede stehenden Münzen seien vom Dionysosheiligthum zu Theben aus- gegeben worden, n) Die Stilverwandtschaft, welche zu Gunsten jener Annahme zwischen diesen Münzen und den gleichzeitigen ohne Zweifel in Theben geprägten anepi- graphischen constatirt und geltend gemacht worden ist^ lässt sich allerdings nicht wegleugnen; allein sie bezeugt nur die Gleichzeitigkeit der Prägungen, ohne eine gemein- schaftliche Prägstätte zu bedingen. Sonst müssten ja auch die in Technik und Stil mit jenen beiden Gruppen ganz übereinstimmenden Hemidrachmen mit API und Afl Theben zugewiesen werden, woran gewiss Niemand denkt. Ueberhaupt waren die Typen, Schild und Amphora, zu einfach, und der boeotische Bundesstaat zu klein, um wesentliche Stilverschiedenheiten in den Städtemünzen einer gleichen Epoche erkennen zu lassen.
Die in der Num. Zeitschr. III, als Nr. 16^ beschrie- bene Silbermünze hat, wie ich vermuthete, die Aufschrift AlO. Ein zweites Exemplar dieser Münze wiegt Grm. 0*75; ein drittes, mit bärtigem Herakleskopfe rechtshin, Grm. 0-67. AlO kann hier also nicht wohl für eine Werthbezeichnung, AjwßoAov, stehen, sondern wird ohne Zweifel einen Stadt- naraen bezeichnen, welcher nach dem Typus des Kantha- ros und der Beischrift zu schliessen, mit Wahrscheinlich- keit auf D i 0 n y s i a s ergänzt werden könnte.
^"j Boeotischer Hermesdieust iyt mehrfach bezeugt-, iu Taiia- gr,\, Lebndea, Koroneia, cf. Gerhard, Griech. Myth. §. 271, 3. 1') Num. Chron. l&7o, S. 331.
peloponnesis
17
Haliartos.
42. (17^.) jR 15 Mm., Grm. 5-50. — Gleich dem Didraeh-
mon mit ö, Nnm. Zeitschr. III, Taf. IX, 1. Brit. Museum.
43. yR 11 Mm., Grm. 3-06. — Ebenso, mit geripptem
Sehildrand und H. Brit. Museum.
44. iR 11 Mm., Grm. 2-82. — Ebenso, mit glattem
Schildrand und B. M. S.
45. Ä\ 8 Mm., Grm. 0-99. — Boeotischer Schild.
^. N in einem vertieften Quadrate. Brit. Museum.
46. M 4y3 Mm., Grm. 0-17. — Gleich der vorigen.
M. S.
47. (19^)iR 20 Mm., Grm. 12-25. — Boeotischer Schild,
dessen Rand mit Nägeln beschlagen ist.
IV. I — 51— A. Amphora, mit epheubekränztem Bauch. Das Ganze in einem vertieften Quadrat.
Abgebildet Taf. I, Nr. 47. — Dieses schöne Didrachmon sah ich vor mehreren Jahren im Besitze des Herrn G. Feuardent in London.
48. M 14 Mm., Grm. 2-34. — Boeotischer Schild.
9^. A— ^ und Amphora in einem vertieften Quadrate. Sammlung A. Soutzo in Athen.
18
1'. IinliooriUuiiicr : Zur Miinzkxinde
49. (21.) iR 9 Mm., Grm. Ml. - Boeotischer Schild.
^. I — i\ — A lind Kantbaros in einem vertieften Quadrat.
Berlin^ aus der Sammlung v. Prokesch- Osten,
50. yR 5 Mm., Grm. 0-22. — Boeotischer Schild.
1^. Kantharos; links daneben, A. Vertieftes Quadrat. Berlin.
Die Form des Hauchzeichens des Obolos und Tetarte- morion Nr. 45 und 46 mag durch die Kleinheit des Raumes bedingt sein; sie wiederholt sich auf der noch beschränk- teren Stelle der Schildausschnitte der Drachmen (Num. Zeitsebr. III, Taf. IX, 2). In Kirchhoif's „Studien zur Ge- schichte des griechischen Alphabetes" ist die Form H noch nicht verzeichnet; der zweiten deutschen Ausgabe von Maspero's „Geschichte der morgenländischen Völker im Alterthum" 1877 zufolge, scheint sie aber in dem archai- schen Alphabete von Tliera vorzukommen.
Ismene.
Die in der Num. Zeitschrift III, nach Eckhel und Mionnet beschriebenen Kupfermünzen Nr. 25 und 26 sind wirklich kretisch, nicht aber, wie nach Mionnet's Lesung zu vermuthen war, von Elyros, sondern von Poly r- henion. Statt EAYP.. ist nämlich TTOAYPH zu lesen, wie ein gut erhaltenes Exemplar dieser Münzen, das ich kürzlich für meine Sammlung zu erwerben Gelegenheit
Boeotiens und des pelopoiiiiesischeu Argo.--
19
hatte, deutlich zeigt. Damit fällt nun die von Eckhel auf- gebrachte Aufschrift IZMHN definitiv aus den MUnzlegen- den weg. ^-)
Koroneia.
51. if\ 14 Mm., Grm. (3. — Boeotisclier Schild.
1^. 9 in der Mitte eines Quadrates, welches von vier ebenen und vier vertieften unregelmässigen Feldern gebildet ist.
Sammlung Ed. Bunbury in London.
52. /^ 8 Mm., Grm. 0-92. — Boeotischer Schild.
^r. 9 in einem vertieften Vierecke. Brit. Museum.
53. M 8 Mm., Grm. 1-03. — Gleich, mit 9.
München. — Cf. Mionnet, Suppl. III, 511, 51.
54. M^ 6 Mm., Grm. 0-48. — Schildhälfte.
fy. 9 in einem vertieften Quadrate.
M. S. — Cf. Mionn€t, a. a. 0. Nr. 50.
55. IR 5 Mm., Grm. 0-26. — Boeotischer Schild.
:^. 9 in einem vertieften Quadrate. Privatsammlung in Athen.
56. ^ 13 Mm., Grm. 2-sr) und 2-95. Schild.
Boeotischer
l;^. KOkO unter einem (lorgoneiou mit heraushän- gender Zunge.
»2; Cf. E. < iirtm.s in A. v. .Sallfts Zt'ir.selir. Iiir Nmii. 11, S. -Jöl».
■so
20
Dr. F. iMilio.if-liliiiiiri- ; Zur Miinzkunde
M. S. — Museum Athen, Nr. 2475\ — Die von Millingen, Ancient Coins, Taf. IV, 8 publi- cirte Varietät dieser Hemidrachme , jetzt im Brit. Museum befindlich, wiegt Grm. 2*91.
57. iH 11 Mm., Grm. ()-72. — Boeotischer Schild.
^r. Ohne Aufschrift. Gorgoneion mit geschlossenem Munde und Schlangen über der Stirn. M. S.; abgebildet Taf. I, 57.
Der Gorgonenkopf dieses Obolos ist von ganz ande- rem Charakter als derjenige der gleichtypigen Obolen mit der Aufschrift KO, die etw^as älter scheinen, und volleres Gewicht aufweisen, wie Grm. 0*93 (Dresden), Grm. 0-86 (Paris) und Grm. 0-83 (m. S.).
58. M 9 Mm. Grm. 0-89. — Boeotischer Schild.
^r. 0 — >l. Pallaskopf von vorn.
Brit. Museum; abgebildet Taf I, Nr. 58.
Münzen mit der Aufschrift Afl.
59. M 14 Mm., Grm. 2-36. — Boeotischer Schild.
9?. A — n und Amphora in einem vertieften Quadrate. Berlin, aus der Sammlung vonProkesch-Osten ; — ein zweites Exemplar, Grm. 2-18 wiegend, ist im Katalog Margaritis Taf. I, 36, mit A — 0 abgebildet; — ein drittes, mit undeutlichem zweiten Buchstaben (Grm. 2-54) im Brit. Museum.
Die früheren Besitzer dieser beiden Hemidrachmen hatten sie übereinstimmend der Stadt Olmion zugetheilt, indem sie die Aufschrift rückläufig lasen. Allein weder ^OAtxiov noch 'OA,uLojv£g, welch' letzterem Orte eventuell
Biieotieu.s iinH .1.
21
der Vorrang- für die Zutliciluiii;' ij;cl)ülirt hätte. s'v'liriel)eii sich mit der Initiale 12, und somit fällt jene Attribution von vornherein dahin. Da auch für die gewiss richtigere Lesart Aoü. . . kein boeotisclier Stadtname zu finden ist, so bleiben die Münzen, wie diejenigen mit A'. ... , vorderhand unbe- stimmt. Ihre Prägstätten sind zu den boeotisehen Ort- schaften zu zählen, welche schon früh, theils nachweisbar, häufig aber unerwähnt , verschwunden und verschollen waren, und aufweiche die Bemerkung K.O.Müller's passt, ^viel Bedeutendes in dieser Gegend ist fast ohne Erwäh- nung untergegangen. 13)
Mykalessos.
60. iR 19 Mm., Grm. J2-27. — Boeotisclier Schild.
9». M in der Mitte eines Viereckes, welches von vier ebenen und vier vertieften Dreiecken gebildet ist. Paris; abgebildet Taf. I, Nr. 60.
61. /K lo Mm., Grm. 605. — Gleich der vorigen.
Berlin.
Diese Drachme ist schon von Sestini, Lettere e dissert. VIII (1805), Taf. VI, Nr. 11 publicirt und S. 142 richtig Mykalessos zugetheilt worden. Mionnet hat es über- sehen, sie in seinen Katalog aufzunehmen, wodurch sie späterer Beachtung für Viele entzogen wurde. Der Buch- stab ist sicher ein M und nicht etwa ein Sigma (^), dessen Form zur Zeit der Prägung dieser Münzen durch ^ oder ^ hätte ausgedrückt werden müssen.
18) Oichoiiifiio.^, /Avt'itc Aiitl. S. 2ii'i
22
Dr. F. Inihoof-Hluiner : Zur Münzkimdf
62 .^
62. Jl 6 Mm.; Grni. 0-29. — Hälfte eines boeotische« Schildes.
^. M in einem vertieften Quadrate. Catal. Marg-aritis, Nr. 34.
63. m. 11 Mm., Grm. 0-44. — Wie Nr. 28 der Num.
Zeitschr. III. M. 8.
64. ^ 5 Mm., Grm. 0-15. — Boeotischer Schild.
^. In einem vertieften Quadrate ein Kantharos mit M darüber.
Vielleicht ist das 5 des Tetartemorions , welches ich in der Num. Zeitschr. III, Taf. X, 13 publicirt habe^ als M aufzufassen, in welchem Falle das Mtinzchen hiebe r zn ziehen wäre.
Orchomenos.
65. i\ 9 Mm., Grm. 0-90. — Keimendes ausgehülstes
Weizenkorn.
li. E— k in einem vertieften Quadrate.
Brit. Museum; abgebildet Taf. I, Nr. 65.
66. ^ 9 Mm.; Grm. 0'92. — Gleich, mit EP im Vierecke.
Berlin.
67. Jl 9 Mm., Grm. 0-94. — Keimendes ausgehülstes
Weizenkorn.
noeotieus und des pLloponiie-ischeu Argos. •'•'-'
H-. E — P in zwei Feldern eines nach Art der äg\- näischcn Münzen fünfaetheilteu vertieftem Quadrats.
Brit. Museum.
ü8. iR 9 Mm. Grm. 0-85. — Gleich, mit E allein. Museum Athen, Nr. 24S2.
H9. /R !) Mm., Grm. 0-85. — Gleich, mit 3—^.
Münzkabinet Dresden; abgebildet Taf. I,
Nr. ()9.
Münzen dieser Art scheinen es gewesen zu sein, deren Aufschriften im Quadrate Sestini willkürlich, um alle Felder des Einschlages auszufüllen, auf EPY und EP VOR ergänzt hatte (Num. Zeitschr. III, S.359, Sep.-Abdr. S.41).
70. A{ 10 Mm., Grm. 0-92 und 0-82. — E—P. Weizen-
korn. ^. Dasselbe fünfgetheilte Quadrat.
M. S. und Sammlung Walcher de Moltheim in Paris; abgebildet Taf. I, Nr. 70.
71. M 10 Mm., Grm. 064. — E — P über drei neben
einander liegenden ausgehülsten Weizenkörnern.
^. Dasselbe Quadrat. Brit. Museum.
72. M 6 Mm., Grm. 0-47. Hälfte eines keimenden
Weizenkorns. 1^. Vertieftes in sechs Felder getheiltes Quadrat.
P>rit. Museum; cf. Nr. 32 d. Num. Zeitschr. III.
73. M 6 Mm., (!rm. 0-23. — E— P. Keimendes Weizen-
korn.
24
Dr. F. Inilioot-ftlnmer : Zur Münzkunde
<^. Vertieftes Quadrat, nach Art der äginäischeii Münzen in fünf Felder getheilt.
Brit, Museum; ef. Nr. 33 d. Num. Zeitschr. III.
74. M 6 Mm. Grm. 0-21.-^ Gleicher Typus und Einschlag-, ohne Aufschrift.
M. S.
Tö. M 8 Mm., Grm. 0-49. — Hälfte eines keimeinden Weizenkorns. {t*. Ohne Aufschrift; Aehre.
M. S. ; cf Nr. 34 der Num. Zeitschr. III.
76. JR 8 Mm., Grm. 0-42. — Gleich, mit q— 3 auf der
Hauptseite.
M. S.; abgebildet Taf. I, Nr. 70.
77. M. 8 Mm. (subaerat). — Gleich, mit E— P auf der
Hauptseite. Berlin.
78. M 8 Mm., Grm. 0-52. — Gleich Nr. 35 der Num.
Zeitschr. III, mit E — ^.
79. JR 8 Mm., Grm. 0-43. — Gleich Nr. 35, mit fl-</.
Rohe Arbeit.
80. JR 6 Mm., Grm. 0-28. — E— P. Keimendes Weizen-
korn,
9?. E — P. Aehre mit Stiel linkshin gebogen. Brit. Museum. Nr. 37 der Num. Zeitschr. III, im Brit. Museum befind- lich, hat wirklich die Aufschrift q — 0
<S1. iH 9 Mm., Grm. 0-56. — Gleich Nr. 39, über dem Pferde ein grosses 3- Brit. Museum.
Boeotiens und dos pplc>j>oniie.>i;?t neu Ai^va. ■"*^
82. M 24 Min., ih-m. 12-17. — Roeotischer Schild.
^. EP — XO- Amphora j dessen obere Hälfte des Bauches gcreifelt ist: reclits im Felde eine Aehre. Brit. Museum.
8:;. /Pi 23 Mm., (^rm. 1082 (mit Loch). — Boeotischer Schild.
IV. p p. Amphora, wie die vorige; darüber, EVD.
M. S.; abgebildet Taf. I, S. 83.
84. .¥. 12 Mm., Grm. 3-45 und 2-15. — Gleich Nr. 55 der Num. Zeitschr. III; Aufschrift und Dreifuss der Rückseite sind von einem Kranze umgeben.
Viel Neues lehren diese Varietäten nicht; ihre Zahl beweist aber, wie reichlich Orchomenos g:epräg:t hatte.
Was nun die auf S. 370 der Num Zeitschr. III (^Sep.- Abdr. S. 52) besprochenen Bronzemünzen mit der Auf- schrift EPXOMENinNi*) (stets so, und nicht OPXO- MENIHN) anbetrifft, so ist nur zu wiederholen, dass sie nicht boeotisch, sondern sicher arkadisch sind. Der hübschen Erklärung-, welche Herr Director Friedländer ihren Typen aus dem Niobemvthos zu geben versucht hat, glaube ich, den arkadischen Mythos der Kallisto und ihres Kindes Arkas gegenüber stellen zu können. Eine kürzlich erworbene schüne Bronzemünze des arka- dischen Methydrion, welche die Aufschritt ME0Y- APIEIIN und die von einem Pfeile getroffene weibliche Figur, mit einem kleinen, neben ihr am Boden zappelnden Kinde zeigt, wird mir anderswo Gelegenheit bieten, auf diese Darstelluni;' zurückziikoniiiicii.
'V ('(. Num. Cliroiiielo 1873, s. 1 lo, :;n'.» und ;{;;i, iaf V, 1.
26
Dr. F. Imhool-Iilunier : Ziw Miinzkun<!e
Pharai.
85. M 20/18 Mm., Grm. 12-94. — Boeotischer Schild,
mit ® in einem seiner bogenförmigen Aus- schnitte.
^. © in der Mitte eines von vier grossen und vier kleinen Strahlen gebildeten Sternes. Vertieftes Viereck.
M. S.; abgebildet Taf. I, Nr. 85.
Dieses Didrachmon, dessen Schilds eite aus dem identischen Stempel herrührt wie diejenige derNr.57*, der Num.-Zeitschr. III^ ist das Gegenstück zu dem the- baeischen, welches sich a. a. 0. Taf. X, 19 abgebildet findet. Das Gewicht des Stückes ist ungewöhnlich stark; indessen sind auch Didrachmen von Thebai bekannt, welche Grm. 12-04 und 12-85 erreichen. ^^)
Plataiai.
86. il 11 Mm., Grm. 0-91. — Boeotischer Schild.
^. PAA. Herakopf rechtshin, mit hohem Stephanos mit Palmettenverzierung, Ohrgehänge und Hals- band geschmückt.
Sammlung PIiotiades-Bey in Athen.
87. ^ 10 Mm., Grm. 0-85. — Gleiche Typen, ohne sicht-
bare Aufschrift.
Münzkabinet Haai>'.
"O-
'5) Num. Zeitsehr. III, S. 385, Sei).-Abdr. 67; .Mioiinet, Suppl. UI, 527, UO.
Boeoliens und des peloi».nine.sif.cheii Argoü
21
88. M 10 Mm., Grm. 0.92. - Boeotischer .Schild.
j^. Herakopf mit Stephane rechtshin, in vertiefter Rundung-.
Sammlung Ferd. Bompois in Marzy.
Die Form der Stephane ist hier dieselbe, wie auf der Kupfermünze Taf. IX, 12 der Num. Zeitschr. III.
Tanagra.
89. .il 15 Mm., ürm. 6-25 — Boeotischer Schild mit
T — P^ in dessen Ausschnitten.
9f. Wie Nr. 67 der Num. Zeitschr. III. Berlin.
90. M 17/13 Mm., Grm. 5-30. — Gleiche Aufschrift und
Typus.
9?. Vierspeichig'es Rad in einer vertieften Rundung.
M. S.
91. .1\ 14 Mm., Grm. 3-09. - Wie das Didrachmon Nr. 69
der Num. Zeitschr. III. Brit. Museum.
92. M 20 Mm., Grm. 12-27. — Wie Nr. 70 der Num.
Zeitschr. III; das aufgezäumte Pferd ist aber nicht bekränzt.
Münzkabinet Winterthur.
93. M 21 Mm., (Jrm. 12. ~ Boeotischer Schild mit
geripptem Rand.
^. T~A. Vordertheil eines aufgezäumten links- hin springenden Pferdes. Vertieftes Quadrat. M. S. ; abgebildet Taf. I, Nr. 93.
28
I>r. K. liiiluiot'-HIumer: Zur Mün/kmule
94. ift 12 Mm., Grm. 2-66. — Hoeotischer Schild mit
glattem Rande. IV- T— A. Gleicher Typus und Quadrate M. S.
95. M 7 Mm., Grm. 022. — Wie Nr. 73 der Num. Zeitschr. III, mit der Pferdebüste linkshin.
96. iR 10 Mm., Grm. 1. — Hoeotischer Schild.
9?. _ . Vordertheil eines linkshin springenden freien
Pferdes. M. S.
97. /R 10 Mm., Grm. 1. — Boeotischer Sch.ld.
^. "^77^^. Gleicher Typus rechtshin. M. S.
98. M 10 Mm., Grm. 0-88. — Gleiche Typen, mit
T — A und einem Ep heu blatte unter dem Pferde. M. S.
99. 3. 10 Mm., Grm. 0-70. — Gleiche Typen, mit T— A
und Wein trau b e. Berhn.
100. ^ 8 Mm., Grm. 0-16. — Boeotischer Schild.
fy. T — A. Vordertheil eines linkshin springenden Pferdes. Concaves Feld. M. S.
101. iR 11 Mm., Grm. 0-83. — Boeotischer Schild.
^. AT über einer Schiffsprora rechtshin. M. S.
oeotiens und des peloponnesibcljeu Argot-.
29
102. M 8 Mm,, Grm. 0-38. — Sehildliälfte.
9?. TA über eine Schiffsprora linkshin. Brit. Museum.
103. iSi 16 Mm. — Fliegender Pegasos recbtshin.
^r. T— A. Geflügelter Heroldsstab. Berlin.
104. ^15 Mm., Grm. 3-55. — Weiblicher Kopf recbtshin,
in einem Perlkreise.
fr. .. .. Rechtshin schreitende Artemis, mit beiden N — A
Händen eine brennende doppelte Fackel vor sich ■ haltend.
M. S. — Cf. V. Prokesch-Osten, Inedita 1859, Tat'. II, 31.
105. i^ 14 Mm., Grm. 2. — TANA-TPAI. Weiblicher
Kopf mit Thurmkrone, rechtshin.
\}^. Gleich der vorigen.
Cf. Mionnet, Suppl. III, 521, 102 und 103.
106. J^ 17 Mm., Grm. 415. — H 0 l(M A N A) P 0 C Bärtiges Haupt des Gründers von Tanagra, rechtshin.
30
Dr. F. rmlp.of-Klüiiier : Zur .Mii.izkiiiidt
1^. TANAfP — AIHN Hermes Kriophoros von vorn inid stehend, über die Schultern und den Nacken einen Widder mit rechtshiii gewendetem Kopfe tragend.
M. S.— Cf. V. Prokesch-Osten's Inedita 1854, Taf.II, 62- ~ Catalogue 0. Borrell, 1868, Nr.24 : F^ 3. TTO-MANAPOC Head of Poemander ^. TANATPAinN. A figure Standing.
Eine dritte Varietät mit dem Hermesbild ging aus der Sammlung Th. Thomas, Nr. 1477, in das Brit. Museum über, und ist im Journal of philology IV, von S. 8. Lewis veröffentlicht und abgebildet worden.
107. R. Iß Mm. — In einem Kranze das lorbeerbekränzte Brustbild Apollons rechtshin, mit Gewandung, und Bogen über der Schulter.
^. TANA — rPAlON. Hermes Kriophoros von vorn .
Ueber dieses Hermesbild, von der Hand des Kaiamis, berichtet Pausanias, IX, 22.
tos.
108. M 15 Mm., Grm. 2-11. — ][| /Jy Bartloser Kopf (eines Kaisers?) rechtshin.
1^. (A)CnTTOC um einen bärtigen Kopf rechtshin herum.
M. S.
KoeotieriÄ und des iMloponr.Püischen Argos,
31
Diese Münze, die vermuthlich dem Anf'an^^e des ersten Jahrhunderts n. Chr. zuzuweisen ist, ist leider von sehr roher Arbeit, so dass am Kopfe des Asopos keine der einen Flussgott charakterisirenden Merkmale zu unter- scheiden sind.
Asopos, Tanagra und Poimandros, — dessen Bild die Münze Nr. 106 trägt, — sind alles Namen, welche auf die tanagraeische Gründungssage Bezug haben. Korinna, die hochgefeierte tanagraeische Dichterin, nennt Asopos den Vater der Tanagra und diese soll des Poiman- dros' Frau gewesen sein. <6)
109. J^ 11 Mm. — Haupt des Augustus (V) rechtshin.
ft. ., .... Rechtshin stehende, nackte männliche
N — (A)
Figur, die rechte Hand auf einen Speer oder Scepter stützend , und mit der linken einen am Boden aufgerichteten, einem Getasse ähnlichen Gegenstand erfassend.
M. 8.
Die Kupfermünze des Germanicus, welche Mionnet, H, S. 108, iH, mit einem Apollobilde von vorn, beschreibt, kömmt auch ohne die Aufschrift der llauptseite vor.
1 10. i^26Mm. — AYTKAIANTCONCINOC
CYCCBHC. Lorbeerbekränztes Haupt des M. Aurelius, rechtsliiii.
i«j PaiirsaiiiaM, IX, 20, 1.
32
l)r. K. Imhoof .Hlumer : Zui' Miinzkiinde
IV. TANArPAlON. Hermes, naekt und mit geflii- gelteii Füssen rechtsinn stehend. Die rechte Hand in die Seite gestemmt, hält er in der linken den Heroldsstab vor sich hin. Vor ihm steht ein krummer Baumstamm, auf dessen oberstem Aste ein x\dler rechtshin, mit zurückgewendetem Kopte und halb erhobenen Fittigen sitzt. M. S. — Münzkabinet Wien. ^7)
Die vorstehende Beschreibnni; ist eine Berichtigung der in der Num. Zeitschr. HI, Nr. 80, gegebenen. Ob sich am Baumstämme noch irgend ein Gegenstand, wie z. B. ein Schabeisen (arlsyyig) befinde, lässt sich des rohen Ge- präges der Münze wegen nicht sicher bestimmen; ich glaube aber, es sei hier nur ein abgedorrter, verkrüppelter Baum dargestellt, wie ein solcher vortrefflich zu der Figur des in Tanagra verehrten Hermes Promachos passt. i«) Denn im Tempel dieses Gottes wurden noch zur Zeit des Pausanias die Reste des uralten A n d r a c h n 0 s b a u m e s gezeigt, unter welchem Hermes auferzogen worden sein soll. Seinen Beinamen Promachos habe der Gott eines
<7) Cf. 8estini,Descr. di molte med. ant. greche etc., 1828, Tav.X, 8, S. 74, 1 und 2, wo neben anderen Unrichtigkeiten g*anz willkür- liche Zuthaten, wie Börse und Altar, erscheinen.
18) Pausanias, IX, 22, 2; C. Bötticher, der Baumciiltus der Hellenen, 8. 27.
Boeorien> und des pelnponiiesifcht n Argus. ^*^
Sieges wegen erhalten, den er, mit dem Streicheisen bewaffnet, über die auf tanagräisches Gebiet eingefallenen Eretrier davon getragen hätte.
111. I^ 26 Mm. — Hauptseite identischen Stempels, wie diejenige von Nr. 110.
1>. TANA — rPAl — G)N. Unter dem Gehälke eineß Tempels oder Portieus steht linkshin Dionysos in kurzem Chiton^ einen Kantharos in der rechten, und einen Thyrsos in der linken Hand haltend. Zu beiden Seiten, auf hohen Postamenten, stehen zwei männliche Figuren, ebenfalls in kurzem Chiton, dem Gotte zugewendet, und ihn bekrän- zend. Zu den Füssen des Dionysos bewegt sich linkshin ein Triton, das bärtige Haupt zurück- wendend. ■ M. S.
Ein ähnliches Stück ist im Catal. Northwick, Nr. 797, beschrieben : „Bacchus von zwei Niken bekränzt , welche das Tempeldach tragen; im Abschnitte, ein Meerunge- thUm?^ Und Dumersan, im Catal. Allier de Hauteroche, Taf. VI, 7, liess Dionysos ohne Thyrsos und statt des Tritons einen Panther abbilden.
Wiederum ist es Pausanias, IX, 20, 4, welcher die Erklärung zu der obigen Darstellung liefert: es ist Dionysos mit dem von ilim bewältigten Trit(m, ein Werk des Kaiamis.
Diese wenigen Tanagräermünzen der letzten Epoche beweisen neuerdings, wie lohnend der Versuch wäre, Bilder a n t i k e r M ü n z e n mit Textstellen des Pau- sanias zu vereinigen. FAnc derartige Illustration des
34
Dr. F. Imhoof-Blumer: Zur Miinzkuiide
ältesten bekannten Reisehandbuches wäre in mancher Beziehung anregend und fördernd.
Thebai.
112. M 18 Mm., Grm. 12-25. — Boeotischer Schild mit
glattem Rande, identischen Stempels, wie Nr. 84 der Num. Zeitschr. III, Taf. X, 19. 1^. 0 in der Mitte einer Vertiefung, wie Taf. IX, 1, der Num. Zeitsch. III.
113. M 18 Mm., Grm. 12-20. —Boeotischer Schild mit
geripptem Rande, auf demselben ein Epheu- blatt in ovaler Contremarke. Pf. Gleich dem vorigen. M. 8.
114. ^ 5 Mm., Grm. 0-24 und 0.21. — Wie Nr. 83 der
Num. Zeitschr. III, mit ©.
115. M 5 Mm., Grm. 0-25. — Ebenso, mit 0 im vertieften
Quadrate.
M. S.
116. M 17 Mm., Grm. 12-32. — Boeotischer Schild mit
glattem Rande. ^5. 0__^_^_|:^ in vier dreieckigen Vertiefungen, welche wie Windmühlenflügel um eine ebenfalls vertiefte kleine Scheibe herumstehen.
Brit. Museum. — Leake, a. a. 0. Suppl. S. 178, Grm. 1117. — Mus. Parma, Grm. 11-50; letztere abgebildet Taf. I, Nr. 116. Leake fasst die Aufschrift als Nominativform des Stadtnamens auf.
Boeotitii.-! und cie> jieimi, ihm >is.iif i Argos. «JO
/
117. .41 22 Mm., Grni. 12-02. — lk>eotisclier Schild.
^. OE^A. Weibliche Figur im Chiton, auf einem Sessel ohne Lehne rechtshin sitzend ; ihr rechtes Bein ist über das linke geschlagen, welches auf einem Schemel ruht. In der Rechten hält sie einen Helm mit langem Schweif vor sich hin, während sie die linke Hand in die Seite stützt. Vertieftes Quadrat.
Brit. Museum. —Abgebildet Taf. II, Nr. 117.
Die Darstellung dieser bis jetzt einzigen Münze (das identische Exemplar, welches ich in derNum. Zeitschr. III, S. 383, — Sep.-Abdr. S. 65 aus dem Auctionskatalog Ivanoff angeführt hatte), ist beinahe dieselbe, welclie auf kleinen Silbermünzen der Perrhaibier i») vorkommt, nur dass hier — abgesehen von anderen unbedeutenden Abweichungen — einmal die Figur den Helm auf den Knien hält, das andere Mal sie den in der linken Hand vor sich gehaltenen Helm mit dem Zeigefinger der rechten Hand berührt. Cavedoni i») glaubte in dem thessalischen Münzbilde „Thetis in Betrachtung des Helmes des Acliil- leus-' zu erkennen: eine Erklärung, welche höchst unwahr- scheinlich ist, und vollends nicht auf eine boeotische Figur passt. Eher ist an eine Aphrodite, vielleicht eine Arei[a zu denken 21), oder da die Beischrift OEBA lautet, und
1«) Cf. Mionnet, 8uppl.IIl, 302, 2U, Taf. Xll, ö — und Nr. 117^ der hier beigegebenen Taf. I.
20) Spicilegio num. 1838, S. 36.
21) Von einer Verbindung der Stanimgötter der Kadmeionen, des Ares und der Aphrodite, berichtet die Thebaner-JSage. lieber die Areia cf. Welcker, griech. Mythol. 1, üGü und II, 707/8. — Venus in Betrachtung des Helmes erscheint häufig auf römischen Münzen -, sie hält daneben ein S c c p te r , einen Speer
3*
86
Dr. P\ Iiiilioof-Hlumcr : Zur Münzkunde
nicht 0EBAIO^7 wie auf anderen ungefähr gleichzeitigen Didraehmen, an die Thebe, von der wir allerdings viel zu wenig wissen, um den Helm in ihrer Hand deuten zu können.
Eine dritte ähnliche Darstellung findet sich auf einer, wie ich glaube, unedirten kleinasiatischen Münze des Musee Luynes:
J\\ 22 Mm., Grm. 9-41. — Lorbeerbekränztes bartloses Haupt des Herakles linkshin, mit der Keule über der rechten Schulter.
^. Linkshin sitzende weibliche Figur, auf derrechten Hand einen Helm vor sich hinhaltend, die linke auf ein Scepter gestützt. Vor ihr PYOEOS;
hinter ihr MYPIN
Abgebildet Taf. I, Nr. 117^
Die Stelle, wo der Stadtname steht, war offenbar beschädigt, und hat dieser Umstand zu einer modernen Ueberarbeitung der ursprünglichen Aufschrift verleitet, welche wahrscheinlicher ZMYPNAIflNalsIVlYPINAinN lautete.
Vielleicht ist auch hier die sitzende Figur als Aphro- dite aufzufassen. Freilich zeigen die Bronzemünzen Smyr- na's diese Göttin gewöhnlich als stehende Nikephoros. 22)
oder einen Palmzweij^; hin und wieder steht ilir ein Schild zur Seite am Boden. Cf. Cohen, Julia Nr. 65, Titus Nr. 70, Sabina Nr. 33 J. Domna Nr. 103, Mamaea Nr, 25 u. s. w.
23) Eine smyrnaeische Kupfermünze meiner Sammlung^, mit dem gleichen Namen PYOEOIL, zeigt Aphrodite rechtshin stehend, mit dem Kalathos auf dem Haupte, mit der Rechten seitwärts das Oewand fassend, und den Hnken Fuss auf die Basis eines Posta- mentes stützend, auf welchem ihr linker Arm mit der sie bekrän-
hofotieiis und dos pelopomusischen Argos. ^ •
Es ist (lies aber kein zwingender Grund, jene Deutung- auf- zugeben, da sich der Beispiele genug anführen Hessen, welche beweisen, dass auf Münzen ein und derselben Stadt eine Gottheit in sehr verschiedener Gestaltung dargestellt wurde. So trifft man z. B. auf Münzen des karischen Tri- polis die Leto sowohl sitzend und ein Scepter haltend, als fliehend, mit den beiden Kindern auf den Armen.
Das Didrachmon Nr. 117 mag um die Mitte des V. Jahrhunderts v. Chr. geprägt worden sein. Um dieselbe Zeit ungefähr mögen die ersten Münzen mit den He räk- le stypen entstanden sein. Wie die folgende Zusammen- stellung zeigt, bilden diese eine ebenso interessante als reichhaltige Serie.
118. Schreitender Herakles mit Bogen und
Keule.
M 20/23 Mm. — Boeotischer Schild.
0
IV- — ^- Herakles, nackt und bärtig, rechtshin m
schreitend, in der gesenkten Rechten die Keule, in der vorgestreckten linken Hand den Bogen haltend. Vertieftes Quadrat.
Grm. 12-25. — Catal. Th. Thomas, Nr. 1484. — Grm. 12*05. — Brit. Museum; abgebildet Taf. II, Nr. 118.
119. S c h i e s s e n d e r Herakles, mit der Beischrift
eE^Aio^.
zenden Ni^e ruht. Vor der (TÖttin, hinter dem Postamente, ist ein S(ey)tor oder Speer Huffiepflanzt.
"'^ Dr. F. linliool-Blumer: Zur Münzkunde
Wie die Abbildung Nr. 8P der Num. Zeitsehr. III. Grni. 12-40. — M. S. Grill. 12' oO. — Museum Berlin. „Dns kgl. Münz-
kabinet 1873", Taf. I, 56. Grm. 12-28. — Museum Berlin, aus der Samm- lung V. Prokesch- Osten. Grm. 11-65. — Museum Hunter, Taf. LIX, 3.
120. Knieender Herakles, den Bogen rüstend,
miteE^AlO^.
a) Mit der vor Herakles angelehnten Keule.
Grm. 12-64 u. 12-40. — Num. Zeitsehr. III, S. 385
(Sep.-Abdr. 8. 67). Grm. 12-46. — Berlin, a. a. 0. S. 55, Taf. I, 55. Grm. 12-09. — Cat. Th. Thomas, Nr. 1486. Miounet, Suppl. III, 527, 141 ; Millingen, Reeueil,
Taf. II, 14.
b) Mit der Keule h i nter Herakles.
Grm. 12-85. — Mionnet, Suppl. III, Taf. XVII, 6. Grm. 12-35. - M. S. - Cat. H. de La Salle 1877, Taf. II, 360.
c) Ohne Keule.
Grm. 12-19. — Brit. Museum; abgebildet Taf.II,
Nr. 120.
121. Herakles stehend den Bogen rüstend.
JR 21 Mm. — Boeotischer Schild.
^r. 'E^AIG^. Herakles, nackt und bartlos, in gebückter Stellung rechtshin stehend, die Oehse der Sehne über das eine Ende des Bogens schiebend, und diesen mit dem linken Ober-
lioeotiens und des i)eloj)oiine&ischen Arg^s.
39
Schenkel zum Kriinnnen festhaltend. \ Or ihm eine aufgestellte Keule. Vertieftes Quadrat.
Grm. 12- 10. — Sammlung Ferd. Bompois in Nevers; abgebild et Taf. U, Nr. 121. Museum Berlin.
122. Herakles als D reifu ssräuber.
.V\ 21 Mm. — Boeotischer Schild.
ft'. -E^AIO^. Herakles, nackt und bärtig, rechts- hin eilend, in der erhobenen Rechten die Keule schwingend, mit der vorgestreckten linken Hand den geraubten D reifu ss vor sich herhaltend. Vertieftes Quadrat.
Grill. 12. — Brit. Museum; abgebildet Taf. 11, Nr. 122.
Grm. 11-35. — M. S. — Mionnet, II, 108, 94, Taf. LIII, 4; — Sestini, Lett. contin. H, S. 34.
123. Herakles als Kind, die Schlangen
würgend.
a) M 25 Mm. — Boeotischer Schild.
IV ® E^AIO^ Herakles linkshin am Boden knieend, mit erhol)enen Armen die Schlangen würgend, von denen die eine sein linkes Bein mehrfach umringelt hat. Vertieftes Quadrat.
Grm. 12-22. — Sammlung Pliotiades-Bey in Athen; abgebildet Taf. H, Nr. 123"^.
Grm. 12-17. — Musee Luynes, abgebildet in der Rev. num. 1863, Taf. XI, 2.
(Jim. 12-14. Brit. Mnsciim.
40
Dr. F. Imhoof-lilnmer: Zur Münzkunde
b) ^^ 23 Mm. — Gleich der vorigen^ mit ©E^AIO^-
Grm. 12-30. — Brit. Museum.
c) M. 24 Mm. — Aehnlicli der vorigen, ohne deutliche
Aufschrift. Das linke Bein des Kindes ist hier frei, und eine der Schlangen liängt erwürgt vom rechten Arm herunter. Vertieftes Quadrat.
Grm. 12-49. — Brit. Museum ^ abgehildet Taf. 11, Nr. 123^
d) M 22 Mm. — Gleich der vorigen; links oben im Felde, ein grosses Epheublatt.
Grm. 11-66. — Brit. Museum. ej M 23 Mm. — Boeotischer Schild.
^. 0 E unter dem von vorn auf dem Boden sitzenden Herakles, dessen Kopf rechtshin gewendet ist. Mit der gesenkten rechten und der erhobenen linken Hand würgt er die Schlangen, von welchen seine beiden Beine umringelt sind. Rechts im Felde, ein Bogen. Das Ganze in schwach ver- tiefter Rundung.
Grm. 12-12. — Brit. Museum; abgebildet Taf. II, Nr. 123«.
Grm. 11-94. — Paris; Mionnet, Suppl. HI, Taf. XVII, 4, mit dem Bogen links oben im Felde.
f) M 24 Mm. Aehnlich der vorigen, ohne Beizeichen, noch Vertiefung. Beide Arme des Kindes sind hier etwas gesenkt.
Grm. 12-35. - Millingen, Recueil, Taf. II, 15; Cat. Th. Thomas, 1482.
Grm. 12-25 und 12-10. — Brit. Museum.
Boeotiens und des peloponnosischen Av^os. ** *
Grm. 12. - M. S.; abgebildet Tat". II,
Nr. 123 f.
Diese letzten Didraclimen gehören wohl zu den letzten Prägungen Thebens vor dem Jahre 338 v. Chr. Etwas älter sind die ihres Typus wegen hier einzureihenden seltenen Elektronmtinzen.
124. El. 13 Mm. — Bärtiger Dionysoskopf mit Epheu
bekränzt, rechtshin.
p?. p rechts im Felde. Herakles von vorn am Boden
sitzend, den Kopf linkshin wendend, und mit der erhobenen rechten und gesenkten linken Hand die Schlangen würgend. Vertieftes Quadrat.
Grm. 3.-M.S.,' abgebildetTaf.il, Nr.l24.
Cf. Waddington, Revue num. 1863, Taf. XI, 3.
125. El. 12 Mm. — Gleich der vorigen, mit den beiden
Buchstaben links im Felde. Ohne Vertiefung.
Grm. 3-05. — Millingen, Ancient Coins, Taf. IV, 11; Tat. Th. Thomas, 1419.
126. El. 10 Mm. — Aehnlich der vorigen, mit Herakles
rechtshin gewendet.
Grm. 1-02. - Cat. Th. Thomas, Nr. 1420.
Die Gewichte entsprechen silbernen Triobolen und Obolen äginäischen Systems.
Der bärtige Kopf des Herakles, mit dem Löwen- fell bedeckt, erscheint als Typus von Didrachmen in drei Varietäten :
127. ifl 21 Mm. — Boeotischer Schild.
^. 0 — E. Herakleskopf linkshin. Vertieftes Quadrat.
42
l>r. F. Iinlioof-Blumer : Zur Münzkunde
Grm. 12- 19. — Brit. Museum; abgebildet Taf. II, Nr. 127.
Grm. 11-94. — Paris; Mioiinet, Suppl. IIL Taf. XVII, 5.
128. M 21 Mm. — Aehnlich der vorigen, mit rechtshin gewendetem Kopfe.
Grm. 12-29. — Musee Luynes; abgebildet Taf. II, Nr. 128.
Grm. 11-95. — Mus. naz. Neapel, Nr. 7100. Uffizien in Florenz.
129. M. 22 Mm. — Aehnlich der vorigen, mit dem Kopfe
von vorn.
Grm. 12. — Mus. naz. Neapel, Nr. 7099; ab- gebildet Taf. II, Nr. 129.
Grm. 11 -97. — Fox, Unedited Coins, Suppl. plate Nr. 12.
Die Silberobolen (Nr. 91 der Num. Zeitschr. III) und die Kupfermünzen haben den Typus des bartlosen Herakles.
Von Dionysos sind nur Kopftypen bekannt.
130. M 23 Mm. — Boeotiseher Schild, mit einer Keule quer über die eine Hälfte desselben.
ij». 0— E. Bärtiger Dionysoskopf mit Epheu bekränzt, rechtshin. Vertieftes Quadrat.
Grm. 11-75. - M. S. ; abgebildet Taf. II, Nr. 130.
Grm. 1202. - Mus. Hunter, S. 324, 5.
d i\>f< pelo|H>iiiii'.-.i.>eiieu Argo».
4a
Grm. niT. - Mus. Hunter, Tat. LIX, 4, ohne Keule auf dem Schilde.
13] 3. 2o Mm. — Schild mit Keule.
5k. 0 im linken oberen Winkel des Quadrates; der- selbe Kopf rechtshin.
Grm. 1206. — München.
Grm. 1 ] -96.— Mionnet, Suppl. III, Taf.XVI, 3.
132. ^K 24 Mm. — Boeotischer Schild ohne Keule.
^'. 1 hinter dem bärtigen Dionysosko])fe rechtshin.
Vertieftes Quadrat.
Grm. 12-33. — Brit. Museum.
Grm. 12-27. — Berlin, „das kgl. Miinzkabinet 1873", Taf. III, 127.
Grm. 12-10. — Abgebildet Taf. 11, Nr. 132.
133. M 22 Mm. — Gleicher Typus.
9?. 0 — E. Derselbe Kopf von vorn, in beinahe flachem Felde.
Grm. 12-19. — Brit. Museum, wovon Liclit- druckabbildung im „Portfolio" London, March 1875, Taf. II, 11.
Grm. 11-95. — Mus. naz. Neapel, Nr. 7097; abgebildet Taf. II, Nr. 133.
Grm. 11-60. — Paris; Mionnet, II, 110, 104; Suppl. III, Taf. XVII, 3.
Ausser den Elektronmlinzen Nr. 124 — 126, zeigt das Hemiobolion, welches ich in der Num. Zeitschr. III, Taf. X, Nr. 20 publicirt habe, das Haupt des Dionysos, und zwar ein ziemlich alterthUmliches.
44
Dr. F. Imhoof-Blumcr: Zur .MünzkMndt
Den Didrachmen Nr. 85 und 86 der Num. Zeitschr. III, stehen als Fractionen die folgenden Stücke zur Seite:
134. M 12 Mm., Grm. 2-97 und 2-80. — Boeotischer
Schild.
^. 0 links neben dem Fusse einer x\mphora. Ver- tieftes Quadrat.
Cf. Mionnet, Suppl.III, S.525, 130; Cat. Allier de Hauteroche, Taf.VI, 5; 23) y. Prokesoh-Osten, Inedita 1859.
135. JK 6 Mm., Grm. 0-35. — Hälfte eines boeotischen
Schildes.
1^. Amphora; links daneben 0. Vertieftes Quadrat. Cf. Mionnet, Suppl. III, S. 526, 135, nach einem Exemplar in München von Grm. 0-28.
136. M 21 Mm., Grm. 12-40. — Boeotischer Schild mit
glattem Rand.
ft. % ~ ,.. Amphora, deren obere Hälfte des 0 — t ^
Bauches gereife It ist. Vertieftes Quadrat.
Brit. Museum.
137. M 20 Mm., Grm. 12-16. — Boeotischer Schild.
Rr. 0 — E. Amphora und Quadrat wie oben. Brit. Museum.
23) Die dort abgebildete Münze Nr. 6, wovon mir kürzlich ein Exemplar von Gr. 3-30 durch die Hände ging, scheint eine moderne Fälschung zu sein.
Boeotieiis und dcs> ptloporinesischcn Aiüoj. '*«^
138. .R 11 Mm., Grni. Vrlb und 2-85. — Boeotiseher
Schild.
CQ
9f. 3 — 0. Kantharos. Vertieftes Quadrat. M. 8. und Mus. Berlin.
139. IR 9 Mm., Grm. 1. — Gleich der vorigen.
Münzkabinet Dresden.
140. M 8 Mm., Grm 0-49. — Schild hälfte mit Keule
darauf.
CQ
9?. 0— E. Amphora. Ooncaves Feld. M. S.
141. il 7 Mm., Grm. 0-21. — Boeotiseher Schild, mit
einer Keule quer über die eine Hälfte derselben.
1^. 0 — E. Kantharos; darüber eine Keule, Coneaves Feld. M. S.
142. M. 7 Mm., Grm. 0-22. — Wie die vorige, mit
0-EB.
143. M 23/19 Mm., Grm. 11-94. — Boeotiseher Schild.
1;^. In einem Epheukranze eine Amphora mit gewöhn- licher Verzierung, zwischen den Buchstaben 0 — E. Brit. Museum; abgebildet Taf. I, Nr. 143.
144. M 21 Mm., Grm. 12-12. — Gleich der vorigen, mit
0 über und E rechts neben der Amphora.
Brit. Museum: abüobildet Taf. l. Nr. 144.
46
Dr. V. lmhrM,f-I}),uru>r : Zur .MünzkuiMi.
145. M 21 Mm., Grm. 11-80. — Boeotischer Schild.
B-. 0 — E. Amphora, halb gereifelt, mit einer vom rechten Henkel herabhängenden Weintraube. M. S.
146. M 10 Mm., Grm. 0-55. — 0 in der Mitte von drei
Schildhälften, von denen jede mit einer Keule belegt ist.
ß«. Wie die Hauptseite.
M. S. — Cf. Num. Zeitschr. HI, S. 383 (Sep.- Abdr. S. 65).
147. 3^ 6 Mm., Grm. 0-17. — Boeotischer Schild.
8«. Keule zwischen den Buchstaben 0 — E, diagonal in einem vertieften Quadrate.
148. iR 6 Mm., Grm. 0-24. — Boeotischer Schild.
ß«. Keule zwischen Epheublatt und 0.
M. S. — Katal. Phil. Margaritis, Taf. J, Nr. 45, Grm. 0-28.
149. M 7 Mm., Grm. 0-45. — Hälfte eines boeotischen
Schildes mit geripptem Rande ; darauf die Hälfte einer Keule.
(t. Keule zwischen 0 E ^ A links und einem Epheu- blatt rechts. M. S.
150. M 8 Mm., Grm. 0-42. — Schildhälfte mit glattem
Kande und halber Keale.
Bototieus und des peloponrn^ischin Argos. ^*
5«. Keule zwischen Epheiiblatt links und 0E^A rechts.
M. S. — Cf. Mionnet, Suppl. III, 526, 37; Sestini, Lett. VIII, Taf. VI, 12.
151. M 8 Mm., Grm. 0-45. — Hauptseite wie Nr. 150 ohne
Keule auf der Schildhälfte.
a-. Wie Nr. 149.
Museum Athen, Nr. 2519.
152. M 7 Mm., Grm. 0-19. — Boeotischer Schild.
I^. Weintraube mit Zweig zwischen 0 — E oben, und zwei Epheublättern unten. Katalog Margaritis, Nr. 44.
153. J^ 11 Mm. — Keule auf einem boeotischen Schilde.
^. 0HBAI-^N. Nike mit Opferschale und Drei- zack, links hinstehend.
Mus. Berlin. — Cf. Borrell, Num. Chron. VI, S. 126 und die gleichartigen Münzen mit Bol^T-i^N, Nr. 33 und 34.
Thespiai.
154. M 10 Mm., Grm. 0-80, durchlöchert. — Boeotischer Schild.
1^. Weiblicher Kopf mit Stephane und Ohrgehänge rechtshin ; vor ihrem Hals 0.
M. S.
48
I>r. F. Tiiilioof-Itliimcr : Zur Münzkunde
155. /R 11 Mm., Grm. 0-42. — Schildhäfte.
U-. ^ 3 0 über einem Stern mit acht Strahlen ; unter diesem, eine Mondsichel. M. S. — Mus. Berlin.
156. M 6 Mm., Grm. 019. — Boeotischer Schild.
^. 0E^ über einer Mondsichel.
Brit. Museum. — Cf. Mionnet, Suppl. III, 532, 181, Grm. 0-2].
Ein Hemiobolion mit den gleichen Typen, wie Nr. 156 hat V. Prokesch-Osten in der „Archäologischen Zeitung" 1849, Taf. IX, 13, veröffentlicht.
Ueber die Sigmaformen thespischer Münzen cf. die Num. Zeitsehr. III, S. 341 (Sep.-Abdr. S. 23) Anm. 4.
4Q
Koeoti- n'- und des pelopomiesischeii ArgOi. ^"^
IL
Argos in Argolis.
Ueb er sieht: Das Symbol H auf Münzen von Argos. - UeberWerthbezeichnungen auf peloponnesischen Münzen. Thurioi Kroton.
Herr Paul Lambros in Athen, welcher in der von Sallet'schen „Zeitschrift für Numismatik'' II, S. 167—179 die Resultate seiner scharfsinnigen Forschungen, betref- fend W e r t h b e z e i c h n u n g e n auf autonomen griechi- schen Münzen, bekannt gemacht hat, kommt a. a. 0. S. 170 auch auf die durch das Zeichen H charakterisirte, früher Thyrea zugeschriebene Münzserie zu sprechen, welche ich in der Num. Zeitschr. III, S. 391—409 Argos restituirt hatte. Indem er dieser neuen Zutheilung seine volle Zustimmung gibt, fügt er bei, es sei mir indessen nicht gelungen, auch die Erklärung jenes alterthümlichen Hauchzeichens beizubringen, welches seiner Ansicht nach sicher nichts anderes, als die Initiale des Wortes 'H/jl£oj- ^ö/^ov darstelle.
Aus meinem Verzeichnisse der mit B bezeichneten Münzen berücksichtigte aber Herr Lambros nur eine seinem Systeme entsprechende Silbermünze (Nr. 4), erklärte dann sämmtliche Kupfermünzen (Nr. 16 — 31) für Hemiobolien und scheint daneben das ganze übrige Mate- rial weiterer Beachtung nicht uertli gefunden zu haben.
50
!•. liiilnMii-|;iuuifr; Zur .Mün/.kunrie
Abgesehen davon, dass es sehr bedenklich ersclieint, in dem B der jüngeren Kupfermünzen ein wirkliches Schrift- zeichen zu vermuthen, welches trotz seiner seit ungefähr zwei Jahrhunderten nicht mehr gebräuchlichen Form i) und Bedeutung 2) als allgemein verständliche Werth- bezeichnung für 'H/jitwjSöAtov dastehen soll, sind es zufällig gerade alle jene unberücksichtigt gebliebenen argivischen Prä,gungen, welche einer Auffassung des B nach dem Sinne des Herrn Lambros aufs Entschiedenste wider- sprechen.
Eine Zusammenstellung der in Frage kommenden Münzen und Gewichte wird die Richtigkeit dieser Behaup- tung am deutlichsten beweisen.
I.
] . Ä — Grosses B.
1^. Grosses A in einem vertieften Quadrate, dessen oberer Theil durch die verlängerte Spitze des Alpha in zwei tiefere kleine Vierecke getheilt ist. Grm. 0-50. — Leake, Num. Hell. Eur. Gr. S. 164, 1 und 2 (gleich Nr. 5 der Huber'schen Num. Zeitschr. HI).
tj Die Forni des Zeichens ist nie Ö , wie sie z. B. nbwecli- selnd neben B auf den Münzen von Haliartos und in verschiede- nen archaisciien Alphabeten vorkommt, sondern constant B , in einem Falle Q.
8) Im vorliegenden Falle müsste nämlich das Zeichen B die Bedeutung- der Spiritus asper auf archaischen, diejenige des Et.i auf den jüngeren Münzen haben. Statt des Hauchzeichens B trifft man aber auf allen ähnlichen von Lambros beschriebenen älteren peloponnesischen Münzen ein E , das für beide E-Laute geltende Zeichen.
Bceotieiii und des peloponnci^ischen Argos.
51
Grm. 0-4S, S. 170, 15.
Lambros, Zeitschr. fllr Nuni. II,
:2. x^ — Gleich der vorigen, mit einem Punkte unter dem A.
Grm. 0-55. — M. S.
Grm. 0-33. — Kat. Ph.Margaritis 1874, Nr. 66.
.Vx
Gleich der vorigen, mit m s) unter dem A; vertieftes Feld mit den zwei kleinen Quadraten. Grm. 0-42. — M. 8.; Nr. 4 derNum. Zeitschr. III, Taf. X, Nr. 23 und Nr. 16 bei Lambros.
4. x^
^. A in einem nicht stark vertieften regelmässigen Quadrate.
Grm.0-40.— M.S.; abgebildet Taf. 11, Nr. 4.
II. 5. x^ — H.
^. 9K in einem vertieften Felde.
Grm. 0-23. — Leake, a. a. 0. Suppl. 8. 149 (Nr. 6 der Num. Zeitschr. III).
^. A — E.
li-. B in einem vertieften Felde.
Grm. 0-24. — Mtlnzkabinet Kopenhagen. Mit- theilung und Copie dieses interessanten MUnz-
^) Auch dieses m kann nicht für 'H(xiwj3o).tov steheu, weil €8 in gleicher Lage sowohl auf den Ob ölen mit dem Wolfs- kopfe, als auf Tritetartemo rien mit den drei T um den Tempel- schlüssel (Nr. 'ii2 u. 33 der Num. Zeitschr. III; vorkommt. E erscheint iiuch selbstständig als Typus auf dem Tetn rtem o rio n II, «j.
52
Dr. V. Tnihüof-Blumer : Zur .Münzkunde
chens verdanke ich der Zuvorkommenheit des hochverdienten Directors der genannten Samm- lung, Herrn Dr. L. Müller.
III.
7. .^ — B über dem Halse eines linkshin auf der Lauer
stehenden Wolfes.
9»- A — PI zu beiden Seiten eines linkshin gewen- deten Helmes.
Grm. 1-10.— M.S., Nr. 15 derNum. Zeitschr.III, wo unter Nr. 13 und 14 ähnliche Münzen mit 0 an der Stelle des S beschrieben sind. Abge- bildet Taf. II, Nr. 7.
IV.
8. Bronzemünzen mit dem Wolfskopf auf der einen, H
unter dem grossen A auf der anderen Seite.
Grm. 1-70 und 1-65. — Nr. 16 und 17 der Num. Zeitschr. III, wo der Zusatz, die Beizeichen betreffend, zu beachten ist.
9. Bronzemünzen mit weiblichem Kopf und H unter A.
Grm. 1-50. — Nr. 18 der Num. Zeitschr. HL
V.
10. Bronzemünzen mit Apollokopf und Dreifuss als Typen,
und B im Felde.
Grm. 4-30— 2-30. — Nr. 19— 27 der Num. Zeitschr. III.
11. Bronzemünzen mit Wolfskopf und Köcher, nebst B
im Felde.
Grm. 3-50. — Nr. 28 der Num. Zeitschr. IIL
Boeotiens und des pelopontiesischen Argos. ''^
12. Bronzeraiinzen mit Herakopf und Köcher, nebst H im Felde.
Grm. 3-70—3. - Nr. 29—31 der Num. Zeitschr. III.
Aus dieser Uebersicht ergibt sich, dass drei Gruppen Silbermünzen verschiedenen Gewichts bestehen, welche mit B bezeichnet sind: zwei ältere gleichzeitige von Grm. 0-55— 0-33 und Grm. 0-24- 0-23, d. h. Hemio- l)olien und Tetartemorien äginäischen Fusses, und eine dritte jüngere von durchschnittlich höherem Gewichte als dasjenige äginäischer Obolen, wahrscheinlich Trihe- miobolien. Die Deutung des Zeichens B als Werth- be Zeichnung für Hemiobolion fällt somit als unmöglich dahin, und muss dafür eine andere Auslegung gesucht werden.
Schon bei der ersten Besprechung dieser Münzen hatte ich es versucht, *) das B als ein Symbol hinzu- stellen. 5j Ich halte an dieser Ansicht fest, ohne indessen meinen Vorschlag zur Erklärung des Symbols als den der Wahrscheinlichkeit zunächst stehenden ausgeben zu wollen. Dass B aber ein Symbol sein muss, dies bezeugt nicht nur sein selbstständiges Vorkommen als Typus und als Bei- zeichen auf ganz verschiedenartigen Münzen, sondern in noch weit auffälligerer Weise seine Verbindung mit anderen Münztypen, wie die folgenden Beschreibungen zeigen.
*) Num. Zeitschr. III, 8. 395 (Sep.-Abdr. S. 77).
5) Panofka (Archaeol. Zeitung 1817, S. 142) hielt es für un- zweifelhaft, dass die Kehrseitebilder der Kupfermünzen V, 11 und 12 als Elemente der Bildersprache für die Stadt Thyrea zu erklären seien, da» B als Fenster, B-jrjig, und der Köcher als Thurm. ^vp<xt !
54
Dr. F. Imhoof-Ulumer : Zur Münzkunde
13. A\ 14 Mm., Grm. 2-91. — Vorclertheil eines Wolfes^
linkshin, dessen Pfoten auf dem Symbol B auf- liegen 6). ^. A in einem vertieften Quadrate, dessen oberer Theil durch die verlängerte Spitze des Alpha in zwei kleine tiefere Quadrate getheilt ist. Zu beiden Seiten des Alpha und im Winkel desselben,, je ein Kügelchen. Brit. Museum.
14. Ä15Mm., Grm. 2-45. — Vordertiieil eines Wolfes
reehtshin. 9?. <t> — A zu beiden Seiten der Spitze eines grossen A ; zwischen den Schenkeln desselben ein Adler, reehtshin auf dem Symbol B stehend. Vertieftes- Quadrat.
M. S.; abgebildet Taf. II, Nr. 14.
15.
Ä 15 Mm., 2-43. — Gleiche Typen, Symbol und Quadrat; statt <t> ^ steht hier Z — EY.
M.S.; abgebildet Taf. II, Nr. 15.— Mionnet,. II, 231, 14.
16.
?L 20 Mm., Grm. 6-70. Lorbeer bekränzt.
Zeuskopf reehtshin, mit
ft. HPAKA — EIToY. Adler mit erhobenen Fittigen reehtshin, den Kopf zurückwendend, und auf dem Symbol B stehend. Rechts im Felde, das Mono- gramm ff.
M. S. ; abgebildet Taf. II, Nr. 16. - Paris, München. — Cf. Mionnet, II, 234, 39 und
6) Der unteie Querstrich des Symbols ist nicht sichtbar,
Suppl. IV, 239, 21—23; Sestini, Lett. contiii. IX, S. 12, Taf. II, 9 und 10. - Cat. Rollin und Feuardent, Nr. 1607.
Die drei Silbermünzen sind Tetrobolen, von denen das erste chronologisch den Hemiobolien und Tetarte morien Nr. 1 — 6, die beiden anderen der Münze Nr. 7 entsprechen. Die Kupfermünze Nr. 16 scheint jünger als die anderen autonomen Prägungen gleichen Metalls zu sein. Auf allen erscheint wiederum das Zeichen B, und zwar nicht, wie gewöhnlich, im Felde freistehend, sondern dem Wolfe oder einem Adler gleichsam zur Basis dienend, und sich somit deutlich genug ebenfalls zum Typus oder Symbole stempelnd. In Avelch' innerem Zusammenhange nun diese Typen zu einander stehen, ist allerdings eine Frage, aufweiche einstweilen nur mit Vermuthungen ge- antwortet werden könnte. Es genügt vor der Hand gezeigt zu haben, dass die von Herrn Lambros gegebene Erklärung des H nicht haltbar ist, und dagegen Alles darauf hin- weist, dass meine frühere Auslegung des Zeichen>< als ein Symbol die berechtigte war.
Als Hälfte der zuletzt beschriebenen Ku])fermünze ist die Folgende zu betrachten :
17. A\ 17 Mm., Grm. 3. — Vordertheil eines rechtshin springenden Wolfes.
ft. HPAKAEITOY. Vordertheil eines rechtshin springenden Stieres.
50
Dr. 1'". Iiiihoof-Klumer : Zur Münzkunde
M. 8. — Cf. Chr. Ramiis, Mus. reg-. Daniae I, Taf. IV, 5 und v. Prokescli-Osteii, Arch. Zeitung 1848, Taf. XVIII, 16 und Inediia 1854, Taf. III, 91, wo überall, wahrscheinlich in Folge der schlechten Prägung und geringen Erhaltung der Stücke, das Bild der Kehrseite irrig als Löwen- Vordertheil angegeben ist.
Sämmtliche bekannt gewordene Exemplare der Münzen Nr. 16 und 17 sind mit dem Namen 'Epä/Xsirog geprägt, dessen buchstäbliche Bedeutung für die Stätte des berühm- ten argivischen Herakultus eine sehr geeignete zu nennen ist. Die Typen der kleineren Münze sind offenbar auf den Kampf des Wolfes mit dem Stiere zu beziehen, in Folge dessen Danaos das Heiligthum des ApoUon Lykios zu Argos errichtet haben soll. Daher wohl die agressive Stellung beider Thiere. ?) Diese Kampfscene war auch auf einem Relief dargestellt, von welchem Pausanias II, 19, 3, 4 und 7 berichtet.
Die drei Kupfermünzen mit A p o 1 1 o k o p f und lauern- dem Wolf, welche ich in der Num. Zeitchr. III, S. 404/5 (Sep.-Abdr. S. 86/7), Anm. 6, angeführt habe, und von denen die zweite nicht OIOAE, sondern, wie auf einem anderen Exemplare zu lesen, OIOAE hat, '^) finden ihre Gegenstücke unter den durchschnittlich gleich schweren Münzen desselben Metalls, welche einen Köcher und das Symbol H auf der Kehrseite haben. Die erste mit A und
7) Rinder und gezähmte Wölfe sind auch als der Hera ge- heiligte Thiere bekannt (Gerhard, Griech. Mythol. §. 216, 5; 218, 6a und 222, 3). Diese Deutung der Typen kann aber hier kaum in Betracht kommen.
7a) Vielleicht dialektisch für Qe^jdixrr.c oder ähnlich.
lioe"rifiii> und des peli.>i)ojitiesisclicn Argos. ♦-' *
ITA entspricht derjenigen mit H und TTA (Mionnet, Suppl.IV, 266, 182); die zweite mit A und 010 AE der Münze Nr. 30 der Num. Zeitsebr. IIl, mit B und 010 AE (nicht 00 AE), und die dritte endlich, mit dem Monogramm % der Nr. 28 H und %. Wie schon bemerkt, kommen diese letzteren nicht dem arkadischen (Miarisia,^) sondern sicher Argos zu.
Von den kleinen Silbermünzen mit dem Schlüssel als Typus, hat sich noch die folgende Varietät vor- gefunden :
18. .^10 Mm., Grm. 0 51. — Kopf der Hera links- h i n ; ihr Stephanos ist mit P a 1 m e 1 1 e n ge- schmückt.
5k. T T T. Ein mit Tänien geschmückter Tempel- schlüssel.
Musee Luynes.
Auch hier ist Herr Lambros » ) meiner Deutung des Kehrseitebildes als Schlüssel entgegengetreten, und hat dasselbe als einen Spinnrocken erklärt. Nach der gründ- lichen Untersuchung, welche daraufhin H. Heydemann i«) über „Schlüssel und Spinnrocken" angestellt, kann wohl nicht mehr gezweifelt werden, dass der fragliche Gegen- stand in der That einen Schlüssel darstelle.
^) Diese Zutheiliing kam kürzlich wieder in der Zeitsolir. für Numismatik, II. S. 240 vor.
»j Zeitschr. für Numismatik, II. >. ITti.
1«) A. a. 0. III, S. ll.S— 1-2-2.
58
Dr. F. Imhoof-Blumer : Zur Mün/kuncle
Dass in der interessanten und anerkennen swerthen Arbeit des Herrn Lambros über die Werthbe Zeich- nungen auf altgriechiscben Münzen auch einige unhalt- bare Bestimmungen mitlaufen, ist dem Verfasser kaum zu verargen. Denn es hält oft schwer, besonders unter den ersten Eindrücken einer Entdeckung, sich vor zu weit gehender Generalisation gänzlich zu schützen.
In der neuen und vermehrten Bearbeitung des Auf- satzes, welche in Vorbereitung liegt, und mit Abbildungen versehen werden soll, werden auch ohne Zweifel einige der früheren Zutheilungen fallen gelassen werden, so dass ein näheres Eintreten auf alle Punkte der Schrift in ihrer jetzigen Form, und Ergänzungen zu derselben, für einmal nicht als geboten erscheinen. Es mag hier aber bemerkt werden, dass schon 1859 L. Müller in Kopenhagen die Frage aufgeworfen, ob die vielfach und vorherrschend auf peloponnesischen Münzen erscheinenden Tau nicht etwa den Werth der Münzen ausdrückten; n) ohne die- selbe absolut zu verneinen, stellte er indessen die Ver- muthung auf, das Zeichen möchte eher ein Symbol ge- wesen sein.
Aus den Zusammenstellungen des Herrn Lambros, der über ein viel reicheres Material verfügte, muss man aber die Ueberzeugung gewinnen, dass, insofern es pelopon- nesische Prägungen betrifft, das einfache T ein Vier- telobol (rcrapr/jjULopiov) und das dreifache T drei Viertelo- bolen (TptTcTOiprnixopiov) bezeichnen, wie das einfache E, oder H, ein Hemiobolion und das dreifache E drei
Hemiobolien (rornix'.
'). Fraglicher bleibt es, ob da-
H) Rev. nun). 1862, S. 302 ff.
Boeotieiis uud des ptloponnesiM-hcn Arg'i>.
59
neben das einfache T auch lYihemiobolien und Tritetarte- morien bezeichnen konnte. 12)
Beinahe alle diese MUnzchen sind offenbar vor der Einführung- des Kupferf^eldes geprägt. Die Schwierigkeit, im täglichen Verkehr den verschiedenen Werth so kleiner Stücke ohne nähere Prüfung zu erkennen, hatte hier zu den Werthbezeichnungen durch Buchstaben ge- drängt, während zu derselben Zeit und schon früher viel- leicht, andere hellenische Prägstätten sich eines verschie- denen Systems zu demselben Zwecke zu bedienen pflegten. Andeutungen darüber habe ich bereits in meinem ersten Aufsatze über boeotische Münzkunde gemacht, 13) wo ich für die kleinen boeoti sehen Silbermünzen die Bedeutung des ganzen, halben und Vi ertel Schildes und der drei zusammengestellten Schildhälften, — des gan- z e n und iialben Weizenkorns und der drei neben einander stehenden Weizenkörner hervorgehoben. Diesen Beispielen lassen sich noch andere anreihen, aus Athen, dem nördlichen Hellas und auch aus Mantineia, welches drei Eicheln zur Bezeichnung des Tritetarte- morions (Grm. 0'(37) und des Triobolons (m. S. Grm. 2*90) als Münzbild führte. Mit der Einführung des bequemern Kupfergeldes, welches anfangs blosse Zeichenmünze ge- wesen zu sein scheint, verschwinden dann nach und nacli die kleinsten Silberprägungeii gänzlich.
«2j Zeitsciir. iiir .mihi., IJ, S. 178 und 178. • «j Nuiii. Zeitschr. III, S. 323 und 364 (Sep.-Abdr. S. ä und -I«!) und im jetzigen Nachtrage zu Nr. 1.
60
)r. F. Iiiihoof-Rlumor : Zur Münzkunde
Das Müiizcheii von Tliurioi mit dem dreifachen T hätte Herr Lambros niclit mit den pelopennesischen Trite- tartemorien zusammenstellen sollen; denn in Grossgrie- «henland scheint T nicht die Geltung eines Tetartemorions gehabt zu haben. Der von dem leicJJten Didrachmon von Thurioi abgeleitete Obolos wiegt höchstens ungefähr Grm. 0-65, in Wirklichkeit aber häufig unter Grm. 0-60, so dass die Silbermünze mit A und Grm. 0-28 Geweicht einem Hemiobolion gleich käme. Daneben existirt in meiner Sammlung ein merkwürdiges unedirtes Stück mit dem Zeichen P über der Aufschrift 00 Y der Kehrseite^ welches offenbar fünf T bedeutet. ^*) Das Gewicht der Münze, Grm. 0-47 steht auch in genauem Verhältnisse zu demjenigen von Grm. 0-28 für drei T. Die Hauptseite mit dem Pallaskopfe recbtshin, zeigt auifallender Weise noch ein grosses T am Helme, über dem Oelkranze desselben in den Helmbusch hineinragend. Ferner gibt es kleine tliuri- sche Kupfermünzen mit dem Pallaskopfe, Grm. 1-11 — 0-97 wiegend, welche ein einziges grosses T zwischen 00 — YP mit EPI darüber zeigen (Nr. 20), und Kupfermünzen von Kr 0 ton, Grm. 3-60 — 3-15 (m. S.), welche einerseits einen Stern mit sechzehn Strahlen , anderseits gekreuzte Bogen
1*) Abgebildet auf Taf. II. Nr. 19.
Boeotieiis und des peloponiitsisch-n Argos.
Ol
K
und Keule uebst K— P oder ^ — P und 7v im Felde haben.
(Nr. 21.) Das Gewicht dieser beiden Gattungen Kupfer- münzen entspricht wiederum ziemlich genau der Zahl ihrer Tau. Es scheint, als ob hier (in Thurioi und Kroton) ein Obolos sechs T gleichgekommen wäre, was indessen, ohne nähere Untersuchungen der unteritalischen Münzsysteme nicht als Behauptung hingestellt sein soll.
Die Ijuclistaben TE der Kupfermünzen von Sikyon i*^) sind gewiss nicht als Werthzeichen, sondern als Initialen eines Beamtennamens zu betrachten. Einmal gehören diese Münzen einer viel jüngeren Zeit an, als die übrigen Werth- bezeichnungen, und dann sind eine Reihe gleichartiger Kupfermünzen von Sikyon bekannt, auf welchen die Buchstaben TE durch Z, ZI, AP, AH, AHM, EY, 0 u. s. w. ersetzt sind; wieder andere zeigen in kleinerer Schrift innerhalb des Kranzes die Aufschriften EY, OEY^ Y3 0, 0EY0, KAE, ME u. s. w. — Von Sikyon besitze ich auch ein Trio bo Ion (Grm. 2*70) mit t und T, dem Zeichen des Tetartemorions Nr. 2 bei Lambros, und einen Obolos (Grm. 1-— ) mit 5 und 0.
Die mit Grm. 0-10 unter die Tetartemoricu ein- gereihten MünzchtMi einer unbekannten kleinasiatischen Stadt 15) kommen auch mit dem Gewichte von Grm. 0-28 vor; es bleibt demnach vorläufig unentschieden, ob ihr Monogramm "E die ihm zugeschriebene Bedeutung einest Werthzeichens haben kann.
i*a) Zeitschr. für Nunii.suiHtik, 11, IS. 175, Nr. 3 und 4. JSj A. a. 0. 175, Nr. 7.
62
Zur Miiiizkiindt TJoeotiens n. d. peloj)on. Ar^
Verzeiciliiiss der in den Teil gedruckten Holzschnitte.
|
N^r. |
1 iVt Boeotisches Tetartemorion. |
|
r |
32 ]^ Boeotien. |
|
T* |
33 „ dto. |
|
77 |
34 „ dto. |
|
n |
40 Ä Drachme mit AI. |
|
T! |
41 „ Tetartemorion mit AI. |
|
V |
48 „ Haliartos; Hemidrachmon. |
|
r |
49 „ dto. Obolos. |
|
r |
62 „ Mykalessos; Hemiobolion. |
|
r |
104 .^ Tanagra; Artemis. |
|
V |
106 „ dto. Poimandros und Hermes Kriophoros, |
|
V |
108 ,.. dto. Asopos. |
|
r |
109 „ dto. |
|
r |
110 ,, dto. Hermes Promaclios. |
|
r |
111 „ dto. Dionysos und Triton. |
|
r |
149 M Thebai ; Hemiobolion. |
|
V |
11 R^ Argos; Wolf- und Stiertypen. |
|
V |
20 ,, Thurioi; T. |
|
V |
21 ,, Kroton; 7y. |
63
IL
Die Elymaeischen Pyraethen und ihre Münzen.
Von Greiieralconsu.1 Dr. Otto Blau.
avOpa MfjSoV CT'JVilX7][J.IJ.£V0V, OTl Öp&TjV
T7JV xiSapiv zspi&£;;L£vo; ^auiXia Ttpoasirjv aÖTov n e p j ü) V TS xal M 7) 5 lu v , xal ;'Jv to6t<« touc [XExaffy/JVTa; a'J-:o) to'j vsiUTspiaaoü Ts xal «TCOjTäiJStu;- toüto'j; |ji£v Stj ä-£XT£iv£v 'Az-E^avSpc«;.
Arrian Anab. VI. 39.
„Während nach Alexanders Tode" — sclireibt Strabo, XV, p. 736 — ,,die Hegemonie Asiens zerfiel und sich unter die Diadochen und deren Epigonen theilte, consti- tuirten sich die Perser in eigenen Staatengebilden unter Königen, die jedoch mehrere Jahrhunderte hindurch den fremden Königen , erst den Makedoniern , dann den Par- tliern botmässig waren".
Eine volle Unabhängigkeit bewahrte sich nur ein Volk, dieElymaeer.
Sie bewohnten die wilde Landschaft ElymaYs oder 'El am zwischen Susiane undPersis, von jenem durch den Eulaeus, von diesem durch den Fluss Oroatis getrennt.
t'»4
Dr. Otto l;iau: Die Elymaeischen
ein überwiegend steiniges und gebirgiges Land bis herab zum Meere.
Einbegriffen waren unter diesem Namen die Distriete Massabatene, Gabiane und Korbiane(Strabo, XVI, p. 744) und zeitweilig wenigstens Charakene (Plin., VI, 136). Moses von Choren setzt den Bezirk Eliraasih zwischen Medien und Persis (Lagarde, Abhandl. S.60, 12) und führt in 'Elam 13 Distriete auf, zum Theile unter entstellter Namensform, einzelne kenntlicher z. B. Sirakan = Sira- kene Strabos, Maspan wohl = Massabatene (s. Niebuhr, Assur und Babel, 391, Note 2).
Die Königsburg war nach dem im J. 174 v. Chr. ver- fassten Buche Daniel „das Schloss Schuschan im Lande 'Elam am L'lai"(Eulaeus), eineOertlichkeit, die, wie Henry Rawlinson scharfsinnig nachgewiesen hat, von dem per- sischen Susa am Choaspes wohl zu unterscheiden ist. (Ritter, Erdk. IX, 310 ff.)
Gestützt auf die unzugängliche Natur des Landes und eine erprobte Wehrhaftigkeit der Bevölkerung, die beson- ders als Bogenschützen berühmt war (Xenoph. Cyr. 2, 1, 16; AppianSyr. 32 u. a.), trotzten die Elymaeer mit Erfolg den eroberungssüchtigen Nachbarn, so dass — fährt Strabo XVI, p. 744 fort — „ihr König im Besitze einer grossen Macht nichts gleich den übrigen, dem Partherkönige bot massig ist; ebensowenig als dies den M ;i k e - doni scheu Herrschern von Syrien gegenüber der Fall gewesen ist.''
Die Existenz dieses besonderen elymaeischen König thums ist terner durch die Nachricht Justins (XLI, 6) ver- bürgt, dass der sechste Arsakide Mithridat I. einen König der Elymaeer mit Krieg überzog — „bellum cum Elymae-
Pyraethen und ihre Münzen.
65
oriirii rege gessit-^ Ein anderer HuiiAsjg 'E^vjuiatc/jv zu Pompejus' Zeiten, stand mit den Römern in freundlichem Austausch von Gesandtschaften und Briefen (Phit. vit. Pomp. 36).
Von Namen der elymaeischen Könige ist bei den ch\ssischen Schriftstellern, meines Wissens, keiner er- halten. Nur entfernt gehört hierher der Etpor/ 6 ßaaili-jg 'EÄujjiatcDv Judith I, 6.
Zur Reconstruction ihrer Geschichte ist indess viel- leicht eine räthselhafte Königsliste bei Magudi (Prairies d'or II, 78 ff.) dienlich, wo 10 Fürsten als die ältesten syrischen Könige der Welt (Muluk-al-Alem) aufgeführt werden, eine Reihe , die sonst bei den Chronologen nicht vorkommt und wie ein nicht dahin gehöriges Einschiebsel aussieht. ') Das Fragment handelt nämlich augenschein-
1) MaQudi setzt sie allerding-s vor die assyrischen Könige, weil er von den alten Königen von 'Elam (s. Lenormant Hist. anc. I, 460, 4G8 ff.) eine Ahnung haben mochte. Allein: 1. sind die Regierungsjahre der Liste viel zu wenig im Style mythischer Fiction, um nicht die Annahme zu begründen, dass der 8toff vielmehr einer dem ursprünglichen Verfasser naheliegenden Geschichtsepoche an- gehöre; '2. verräth an einer Stelle der Ausdruck „fi- tarichi-s- Syrjanin" die Berechnung „nach der Aera der Seleukiden"; 3. auffallend ist der traditionelle Titel des Fürsten von Sedschestan, den Ma^udi hier j-juj schreibt. Andere aber (Jouni. asiat. 1868
Mars-Avr.p. 251 3*^J schreiben, und dessen historische Berechti- gung einer späteren Zeit angehört; 4. mehrere Eigennamen der Liste erinnern deutlich an die Landschaften Susiane und Elymais, so z.B. Schusan, Tuster, andere an persische Mythologie, z. B. Ahrimun und Marut. — Die Namensreihe ist folgende: 1. oL^^ 16 Jahr. 2 yy »ein Sohn 20 Jahr. 3. O^l ^j*^/^^ •> ''^i''«- 1. öy^^\ 10 Jahr unter dessen Regierung Krieg mit dem Fürsten von Sedschestan und einem Könige der Araber v(ui 'Iraq. ö. y>^
b
60
Dr. Otto Blau : Die Elymaeischen
lieh von einem Landstrich zwischen Sedschestan (Sakas- tene) und 'Irak (Medien), und es ist wahrscheinlich, dass in dem aramaeischen Originale der Quelle, aus welcher Magudi schöpfte, statt 'Ol am „Welt^- vielmehr 'Elam- ElymaYs gestanden hat und die Könige der Elymaeer auf- gezählt waren, welche während einer Periode von mehr als hundert Jahren Zeitgenossen der Seleuciden waren.
Von historischen Episoden aus dieser Zeit ist manches anderweit bekannt.
Bei einem Feldzuge gegen die Elymaeer, den er unternommen hatte, um die dortigen reichen Tempel zu plündern, büsste im Jahre 187 v. Chr. Antiochus der Grosse sein Leben ein. (Porphyr. Tyr. Fragm. 6, 12, bei Müller Fr. Hist. Gr. IT, 711: „Susa profectus manu cum Elymaeis conserta internecione caesus est.'') „Als er nämlich dahin kam^^ — erzählt das zweite Buch der Mak- kabäer 1, 14 — ,,zur Göttin Artemis, als wollte er sie freien und alles Geld aus dem Tempel zur Morgengabe nehmen, und die Priester der Nanaea es hervortrugen, während er mit etlichen in die Capelle gegangen war, schlössen sie hinter ihm zu und warfen ihn mit Steinen zu Tode.^^ Statt des Tempels der Navaca 'jj, den auch Melito (siehe Ztschr. DMG. XXVII, 334, Anm. 6) in Ely- mais kennt, erwähnt Strabo, XVI, p. 744 in der Erzählung des gleichen Ereignisses ein Heiligthum des Bei, und ein
var. \ect. j<ti, \j^^^, \j^ 8 Jahr. ii. öy ^y^\ var lect. '^y^y^^
Oy^y.) 12 Jahr. 7. lij^'» sein Sohn 22 oder 23 Jahr. 8. ^-'jjU
var. lect. O^jU 15 oder 12 Jahr. 9. j^j! und 10. ^^Lsi-^ zwei Brüder, zu deren Zeit auf der König-sburg ein Wundervogel er- scheint, dem die Weincultur verdankt wird.
Pyraethen nnH Ihre Münzen. '•*
syrischer Lexico^raph (bei de La^Mrde, Ahhdl., S. 15 f.), fU<j^t hinzu, da88 die Göttin, welche bei den Arabern Nani oder 'Uzzä, in Susiana Anahfd ^eheissen habe, in ElymaYs unter dem Namen Belthi (Hesych, Bi^/^eg) verehrt worden sei. Alle diese Culte beziehen sich auf den Planetendienst, und deuten auf eine Gruppe von meh- reren IIeilig:thUmern.
Einen ähnlichen Kaub/ii^ f^egen ElymaYs unternahm im Jahre 104 Antiochus P^piphanes (s. Keinaud, Mes6ne, p. 28). Dieser hatte, nach Josephus Antiqu. 12, 9 (vgl. 1 Macc. 6, 1—4. Polyb. :n, 11, Ap])ian Syr. 6i^) gehört, dass inPcrsis eine reiche und berühmte Stadt läge, Namens ElymaYs, und darinnen ein prachtvoller Tempel der Aphrodite oder der Artemis , «) der viel Gold und Silber und Schätze berge, und überdies die goldenen Gewänder, Harnische, Schilder und Waffen, die Alexander der Make- donier dort niedergelegt haben sollte. Darum zog Antio- chus gegen ElymaYs (in', rrtv 'E/u/jl««^«) sie zu belagern und zu plündern. Die in der Stadt aber waren auf ihrer Hut und wehrten sieh ta|)fer. Und Antiochus konnte nichts schaffen und kehrte um gen Babylon mit grossem Uu- muth. — 2 Makk. 9, 2 heisst diese, sonst nirgend bestimmt erwähnte „S t a d t" ElymaYs geradezu Pe r s e p o 1 i s (Cod. Alex.: ^v 'EXvfASc h rr, Usp'jioL nohg). — H. Kawlinson hin- gegen sucht die Ortslage jener Tempelstadt in den Ruinen unterhalb Susan am oberen Karun , in dem gebirgigen Theil der alten Landschaft ElymaYs, der zur Zeit noch eine Terra incognita ist (siehe Ritter, Erdkunde, IX, 169,
2| „Diana«' tciijplitiii augiititiHisiiiiiiiii üHh gcntibiih- iit-nni rim aiichPlin.VI, 135, wo er von SuHiaiic und ElymaYs spricht. — Appiaii Syr. <>G nennt denselben to tyj; 'EXvfjiata; 'A^poöingv iip'iv.
68
Dr, Otto Blau : Die Elymaeischen
314). — Die jüdische Legende wiederum kennt neben Schusch und Schuschter in Chuzistan eine Stadt 'Elmein j'af?r, die ihrer Herrlichkeit wegen mit der Tempelstadt Jerusalem verglichen wird, und welche Neubauer, Geogr. du Talm. p. :]81 für Elymais hält.
Die dritte grosse Expedition gegen diese Tempel unter- nahm der Partherkönig Mithridat I. gegen das Ende seiner Regierung, also zwischen 150 — 140 v. Chr., nach Reinaud a. a. 0. S. 30, um das Jahr 143. Glücklicher als seine Vorgänger, gelang es ihm, die Elymaeer zu besiegen und den Tempelschatz von 10.000 Talenten zu rauben. Bei dieser Gelegenheit nennt Strabo (XVI, 744), namentlich die Heiligthümer der Artemis und der Athene und bezeichnet sie mit dem gemeinsamen Namen rä ' X'Ca^a..
Die Ausleger (siehe besonders Ritter a. a. 0.) haben längst erkannt, dass in diesem Worte, wie in dem gleich- namigen ' k'Capa in Armenien, die persische Bezeichnung für die Feuertempel des jüngeren zoroastrischen Ritus Azar-gah zu suchen sei.
In der einfachsten Form lautet der neupersische Aus- druck Adzarjjl, und die Tradition der Perser kennt als namentlich hochberühmt die sieben Adzare von Iran, welche den sieben Planeten geweiht waren und der Reihe nach wie folgt , aufgezählt werden (Vullers Lex. Pers. I, 22^ und Fragm. Schahn. 19, 25 Annot.):
A
1. Adzari-Mihr (Herod. I, 131 AL'rpav- 'A^p&oj'ry? 0-Jpavta); 2. Adzari-Nüsch oder Anosch ; 3. Adzari- Bahram (ignis Martis) ; 4. Adzari- Ajin; 5. Azdari- Chürtn oder Chordad, so benannt von dem Mobed, welcher ihn erbaute; 6. Adzari- B arzin ebenfalls nach
Pyraerhen und ihre Münzen
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dem Namen des Erbauers, eines Imams oder geistliehen Oberhauptes der Secte; 7. Adzari-Zaradnseht.
Wie solche Feuerstätten zugleich als Heiligthümer und Schatzhäuser dienten, 3) erläutert das Stück aus der Alexandersage, welches Vullers unter d. W. wwiSjJi gibt: ,,Adzari-Gäsc!iäsb, nomen })yraei haud procul ab urbe Balkh a Gushtaspe rege exstructum, qui thesauros suos ibi occultavit, quos postea Alexander Magnus, ipso pjraeo deleto, omnes abstulit^', und die armenische Sage von dem Tempel des Vahagn (Verethragna-Behram) in der Provinz Daron, ,,rempli d'or d'argent et d'offrandes offertes par les Rois; car c'etait le Heu preiere des sacri- fices des Souverains'^ (Langlois zu Mar-Apas-Catina p. 41, Note 2).
Hierzu genonmien, dass ausdrücklich bezeugt wird, dass die persischen Magier auch noch in späterer Zeit einen ihrer Hauptsitze in Elymais hatten, *) und dass ein Theil der Bevölkerung 'Elanis jene Colonien aus Kom- niagene und Assyrien waren, welche Sargon im Jahre 710 V. Chr. dorthin verpflanzt hatte (siehe Lenormant llist. anc. I, 460), so erscheint Elymal's in der Zeit nach dem Zerfall des achaemenidischen Reiches als eine Centralcultusstätte jener aus einer Mischung alt-arischer und medisch-assy- rischer Elemente entstandenen Religionsform, die im Perserreiche seit Artaxerxes dem Dritten Platz gegrifl'en
3; Vgl. Irtidor ("liarac. Fragiii. ♦>: (-)y:<xaj&oyj).äxtov /.a'. u&öv 'AvatTiiJoc, bei 'A^r^arrava in Medien.
*j Caesarius quaeat. 47, 48: 5c o)v tlv-; [J.ix^'- >««<^ "^'^'^ •jT:d[jX'^'j7i'j £v yir/'jfjig xat Iläo^oic xat 'E X af«. ir a i c xai At'/urTtoif, £v <l>pv^'. xa'c laXäraic; in der I*aralU'lHteile Euseb. piaep. evang. (fragin. bist, graec. V, II, p. S;{ wird binzngefiigt : oi'rtvs; xa) oOvrai M «•/ 0 v ? a t 0 i.
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Dr. Otto Uhui : Die Elymaeischeu
hatte niul in dem Dienste der Analiid und dem Fener- cultiis gipfelte. Als solche war ElymaYs eine Zufluchts- stätte nationaler und religiöser Unabhängigkeitsbestre- bungen im Südwesten des Seleukidenreiches geworden^ wie es Armenien im Nordwesten war (vgl.Rapp in ZdMG. XX, 81).
Da nun Strabo in der Einleitung zu der Schilderung der persischen Religion und des persischen Cultus zu seiner Zeit und nach seinen persönlichen Erfahrungen ausdrück- lich bemerkt, dass diese ebenso für die Meder^ Elymaeer und Susier gelte (XV, 732), so dürfen wir ohne Weiteres den Cultus in Elymais und die Formen des dortigen Tempeldienstes uns nach den Angaben vorstellen, die Strabo von den HeiligthUmern der Anaitis und den Feuer- tempeln in Armenien und Kappadokien macht.
Wie Aehnliches unter ähnlichen Verhältnissen sich imm,er wiederholt, und in unseren Tagen sich an dem Beispiel Montenegros veranschaulichen lässt, wo unter der Führung des kirchlichen Wladikates ein politisches Gemein- wesen 400 Jahre hindurch das Palladium religiöser und nationaler Freiheit gegen die turanische Grossmacht in der Nachbarschaft erfolgreich vertheidigt hat, so haben wir uns auch Elymais an der Grenze des seleukidischen und parthischen Reiches, als einen theokratischen Staat vorzustellen, in welchem Priesterthum und Königthum enge verbunden waren.
In diesem Sinne schreibt Strabo XII, 559: ,,Die Stadt mit d e m H e i 1 i g t h u m d e r A n ai t i s . . a d m i n i- strirten anfänglich die Könige nicht als staat- liches Gemeinwesen, sondern als Heiligthum der persischen Götter; und der Priester war
Pyraefhen xin<\ Wwv Münzen.
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Herr über alle'^, — und von einer andern Stadt mit dem Tempel der Enyo (das ist eben dieselbe Göttin, die sonst AnaYtis^ Nanaea heisst) XII, 535: „Die Ein- vvohner stehen zwar unter dem Könige , gehorchen aber mehr dem Priester; ... dieser ist der zweite im Range hinter dem Könige ; meistens sind übrigens die Priester aus gleichem Geschlechte, wie die Könige." (Vgl. auch p. 557.)
Von den Priestern und dem Cultus entwirft derselbe Autor XV, 733, folgendes Bild:
,, Zahlreich ist dort die Kaste der Mai;ier, welche Py raethen heissen, zahlreich auch die Menge der Heilig - thiimer persischer Götter;, .insbesondere die sogenannten Pyraethaeen, eine merkwürdige Art von Capellen oder Gehegen («jv^xot); in der Mitte derselben ist ein Altar, auf welchem viele Asche ist und auf dem die Magier das un- auslöschliche Feuer bewahren. Sie gehen täglich hinein, halten ungefähr eine Stunde ihren Gesang vor dem Feuer, das Ruthenbündel in der Hand, auf dem Kopfe die Tiara von Filz, w^ eiche auf beiden Seiten so weit herabgeht, dass die Backenstücke der- selben die Lippen verhüllen. — Das Gleiche ist bei den heiligen Stätten der AnaYtis und des Omanos Ge- brauch; auch da sind solche inKoi, wie wir mit eigenen Augen gesehen haben. ^
DerName derPyraethen mag den Griechen hellenisch genug geklungen haben, um darin nach einer naheliegen- den Volksetymologie ein TzOp aOo^^rsg (Herod. 4, 145; Eustath. ad Dion. V. 970) zu finden. Die Wahrscheinlich- keit indessen, dass darin ein asiatischer Terminus tech-
nicns /n Ci nnulr llc't drr nur L'i;i<'isiit winde li|«'i]>t von
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Dr. Otto JJlau: Die Elvniaeii-cheii
vorn herein offen, da jenes jzvpoü^oc jedenfalls kein ge- läufiges hellenisches Wort ist, sondern ad hoc gebildet sein mtisste.
Im Uebrigen darf in Betreff der Entwickelung nnd Symbolik des Cultus, den Kappadokien und Armenien mit Elymais gemein hatten, als feststehend erwähnt werden, dass deren Bliithezeit gerade die Epoche seit dem III. bis I. Jahrhundert v. Chr. und ihr Verfall die Zeit von da bis auf die Sassaniden gewesen ist, bis Ardeschir Babegan, der selbst dem alten priester - königlichen Geschlecht ent- stammte, seine religiös - politische Eeform hauptsächlich durch Reinigung der alt-arischen Ormuzd Religion von den fremden Elementen einleitete.
Ad. Kapp hat in seinem lesenswerthen Aufsatz über Religion und Sitte der Perser in der ZdMG. XIX und XX, mit Recht hervorgehoben, wie eben jene Cultusform der jüngeren zoroastrischen Lehre eine unverkennbare und bedeutsame Beimischung semitischer Elemente zur Schau trägt.
Mag nun die ursprüngliche Heimat derselben Medien oder Assyrien sein, jedenfalls bot gerade für eine solche Mischung von iranischem und semitischem Wesen kein Land einen bereiteren Boden als eben Elymais.
Kurz und treffend lässt sich darüber Jul. Fürst aus, in Merxs Archiv für wissenschaftliche Erforschung des Alten Testaments, Bd. I, S. 12:
„Nach der uralten Ethnographie der Genesis bezeich- nen die semitischen Völker als ihren ersten Abzweigungs- ort von den Eraniern die Landschaft 'Elam. El am ist das Elymais der Classiker und die 'Elamaeer haben sich nach griechischen und römischen Berichten bald nach
Pyraeihen und ihre Münzen. *
Susiana, bald nach dem südlichen Medien verbreitet
Die 'Elamaeer wurden oft zusammen mit Medien, Baby- lonien und Susiana vor«:eflihrt, als ihre Hauptstadt wurde Susan, als ihr Hauptfiuss der Euläns bezeichnet, und die Geschichte verkündet uns, dass sie bereits in der ersten Erzväterzeit eine g:ewisse Cultur besessen und Vasallen- könige gehabt haben. — 'Elam liegt nach Ethnographie und Geschichte an der Grenzschei de von Eran und an dem östlic hsten Semitengebie te. Während also die 'Elamaeer einerseits in C'ultur, Sprache und Religion als Semiten angesehen wurden, erfahren wir, dass sie andererseits viel P>anisches bewahrt haben. Dass die 'Elamaeer schon frühzeitig, wie die benachbarten Assyrer und Babylonier ein geordnetes Staatsleben gehabt haben, wissen wir einer alten hebräischen Urkunde (Genes, cap. 14) [und aus Keilschriften]^'.
„Die rein semitischen Götter B e 1 und A d o n i s wurden von ihnen verehrt (Aelian bist. anim. 12, 23. Isidor Fragm. 29); durch Vermischung mit Eraniern entstand daselbst später das Pehlewi (Hnzwaresch) , welches gerade für die gewöhnlichen Dinge des Lebens semitische Wörter hat und überhaui)t von semitischen Elementen in allen Redetheilen durchzogen ist. Jedoch waren die era- nischen Bestandtheile der 'elamaeischen Sprache darum nicht gering (über das Sanscritische in der 'Elam-Sprache vgl. F. Luzzatto in der Rivista Europea, Padua 1847), und selbst der Landesname 'Elam gehört der eranischen Sprache an (J. Müller im Journ. asiat. 18;)9, Apr. S. 289).'- «*)
5)Ueber die laiitliclii' GliMclistellnug- von Elam mit Airyama siehe auch Pott in '/Am^. XIll. 8.379. — «achlich aber decken sich Elyniais und Iran nicht.
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Dr. Otto HIau : Die Elyiuaeischen
Von den Folgen eines solchen Gemenges der Sprachen und Sitten ist es wohl auch zu verstehen, wenn der Talmud klagt, dass 'Elam und Gabiane die Provinzen seien, in denen das Volksthum der Juden die bemerklichsten Ver- änderungen und Mischungen erfahren habe (Neubauer, Geogr. Talm. S. 324).
Das sind im Wesentlichen die Nachrichten über die Geschichte, den Cultus und die Sp räch Verhält- nisse von Elymais in der Zeit nach Alexander.
In diesem Materiale nun glaube ich den Schlüssel zur Lösung des Problems gefunden zu haben, welches unter den Namen „Baktrische Satrapen'^, „aimenische Könige", „ost-eranische" und „persepolitanische Münzen" seit einiger Zeit die Numisniatiker in Spannung hält.
Ich meine jene Classe, die in deutschen Kreisen hauptsächlich durch Levys Arbeit in ZdMG. XXI: Bei- träge zur aramaeischen Münzkunde Erans und A. D. Mordtmanns Artikel : Persepolitanische Mün- zen in der Berliner Zeitschrift für Numismatik, Bd. IV, bekannt geworden ist; und zwar insbesondere die ältere Serie (Levy, Taf. I, 1-18; Mordtmann, Taf. I, 1 — 10).
Ausser diesen Abbildungen habe ich eine ziemliche Anzahl von Originalen zu prüfen Gelegenheit gehabt, welche sich in Händen von Reisenden befanden, die aus Persien kamen, wie z. B. des Generals von Gasteiger, des Arztes Dr. Pollak, des französischen Gesandtschaftsdol- metschers Nicolas. Graf Prokesch theilte mir vor Jahren galvanoplastische Abdrücke der von ihm erworbenen Stücke mit.
Pyraethen und ihre Münzen. • ^ '^
Ich glaube sagen zu dürfen, dass diese Münzen d i e h a n d g r e i f 1 i e h s t e 1 1 1 11 s t r a t i 0 n zu dem bieten^ was wir über Elymais nach der obigen Darstellung wissen.
Zunächst ist für dieHeimat h derselben vonWichtig- keit — was auch von Levy und Mordtraann betont worden ist, — dass sie immer in Gegenden gefunden werden, die auf die Nachbarschaft von ElymaYs hinweisen.
Die Exemplare der Prokesch'schen Sammlung stam- men sämmtlich aus der Gegend von Hamadan, Schiraz und der Provinz Kerman.
Pater Sibilian bemerkt in dieser Zeitschr. II, S. 333: „Auf den sogenannten persepolitanischen Silbermünzen, welche Prof. Levy den Satrapen der Provinz Persis zuge- theilt hat, sind die Legenden in Pehlewisohrift. Diese Münzen werden nur in Südpersien gefunden. Während der sieben Jahre, die ich in der Provinz Adserbeidschan zu- brachte, konnte ich keine einzige dieser Münzen bekom- men, und auch die wenigen, die ich dort gesehen, stamm- ten aus dem Süden. Auf meiner Reise von Ispahan nach Schiraz und Benderbuschir gelang es mir 40 SilberstUcke mit Pehlewischrift zu kaufen. Auf einer Reise hingegen, die ich sieben Monate später von Ispahan durch die Salz- wüste nach Jezd unternahm , fand ich in dieser grossen Stadt, nicht ein einziges Stück mit Pehlewi-Inschrift. Dies ist ein Beweis, dass die Heimath dieser Münzen jenseits des Gebirges Zerdekuli zwischen den Städten Schiraz, Schuster und Bender- Buschir zu suchen ist." Nun das ist eben ungefähr die alte ElymaYs und ein Theil von Persis. Ein zwingender Grund, sie um dieser territorialen Heimath
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Dr. (»rto lilau: Die Elvmaeischeii
willen speeiell persepolitanisclie zu nennen, liegt nicht vor. 6)
Was die chronologische Einreihung, der hier 7Ainächst zu besprechenden Münzen (der von Mordtmann in der ,,ersten Periode^ zusammengefassten) anbelangt, so pflichte ich hinsichtlich des Terminus a quo der Meinung Levy's bei, dass Fabrik und Schrift, sowie der Münzfuss derselben dafür sprechen, dass diese Präge bereits unter den ersten Seleuciden, vielleicht schon unter Alexander begann. Auch die Sprachmischung aus semitischen und
*) Auch für die jüngere lieihe, welche den unmittelbaren Uebergang zu den Sassaniden bildet (Levy, Taf. II, Mordtmann Taf. II und Nr. 50 ff.) wird die Benennung „persepoli tanisch" sich nicht festhalten lassen. Einheimische Nachrichten, wie die bei Tabari (türk. Uebers. III, lA) aufbewahrten, melden ja ausdrück- lich, dass kurz vor dem Auftreten Ardeschirs die Provinz Fars in Händen der Dynastie der Bazdandschiden war, von denen zwei namentlich Padischahe von Igtachr genannt werdenj^* al. J^y^ (wohl Tiribaz) und jJ^>^^^ ; überdies hatte fast jede grössere Stadt der Provinz einen eigenen König, und in den Nacli- barprovinzen herrschten gleichzeitig mit dem letzten Parther Arde- wan-el-Pehlevi (Artabau III.) von Ispahan, Ahwaz und Kuhistan nicht weniger als fünf unabhängige Dynasten in den Landschaften südlich der parthischen Grenze, B alasch von Kerraan, Parwiz von Zor, Oy^\ Osthan vom Küstenland, J^J" (?) von Charakene-
Maisan, und^^^^s»^^ (?) von Igtachr, die den Titel „Padischah" oder „Melik" führen. Zweifelsohne werden da auf dem Gebiete der Numismatik manche interessante Entdeckungen zu machen sein; aber es wird vorher noch sorgfältigerer historischer Forschung be- dürfen. Die von Mordtmann aufgestellte Keihe von 21 persepoHta- nischen Königen, „von denen keine geschriebene Urkunde, kein anderweites Denkmal Auskunft gibt", bloss auf seine Autorität hin als zu Recht bestehend anzuerkennen, wird sich Niemand ent- schliessen.
'yraetüen uud ihr« Miinx(>n. i i
iranischen Elementen ist für diese Zeit vollkommen be- rechtigt (^Levy a. a. 0. 443 f.).
Der Terminus ad quem ist die Katastrophe, welche mit der Zerstörung des Tempels von ElymaYs durch Mith- ridat L die Selbstständigkeit des Landes vernichtete oder doch unterbrach. Die Thatsache^ dass auf den Münzen der sogenannten zweiten Periode (Levy, Taf. II, 2—4), das Porträ t Mithridats als Grosskönigs an Stelle des ein- heimischen Münzherrn tritt, lässt sich trotz Mordtmann» abweichender Auifassung nicht wegleugnen, wie denn auch G. Rawlinson (the sixt Orient, monarchy, S. 69) auf die ikonographische Gleichheit dieses Typus mit dem der griechischen Münzen das gebührende Gewicht legt.
Unsere Münzen fallen also der Zeit nach in eben jene Epoche, in der das elymaeische Priester-Königthnm in seiner höchsten ßltithe stand.
Betrachten wir den Typus der Münzen in seinen Ein- zelnheiten, so führt Alles darauf, dass die Münzherren eben diese elymaeischen Priester-Könige sind.
Zunächst ist überaus charakteristisch der K opfputz^ besonders wie er auf den Stücken von Levy !Nr. 3 an ganz constant erscheint. Levy glaubte darin die Mitra mit einer eigenthümlichen Binde zu erkennen und folgerte daraus : dass dadurch die Bildnisse der Personen auf unsern Münzen als solche von Statthaltern und Unterkönigen kenntlich gemacht seien. Vielmehr ist aber die Kopfbedeckung aus einem Stücke, und repräsentirt deutlich jene Tiara der Pyräthen mit den zu beiden Seiten herabgehenden BackenstUcken, die Strabo, ') als Augenzeuge so anschau-
') XV, p. 733: ot Mä^oi . . ridpag rrcpixetfxevor riAwrag xa^eixuiaj ixayspw^ev p.c'xpt toO xaXurrreiv ra x^Utj rac raoa'/va^tVjac. — Vg^I. Paiisan. V, 27, 3.
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|ir. Otto Ulan: Dif Eiymaei.schei
lieh beschreibt. Die Träger nlso sind schon liiernach als Feuerpriester unverkennbar.
Die Tracht der Tiara auf Nr. 2 und Nr. 1 bei Levy ist nur insofern etwas anders, als die BackenstUcke nach hinten zurückgeschlagen sind.
Auf der Rückseite ist durchgängig dieselbe Persön- lichkeit, deren Kopf auf der Hauptseite erscheint, in beten- der Haltung dargestellt; nur auf den eben erwähnten älteren zwei Stücken (Mordtm. Nr. 1 und Levy Nr. 2) in sitzender Stellung, mit der /.tdaptg 6p^r,.
Das Mittelfeld der Rs. füllt das Pyrätheum, ein -eigenthüniliches Gebäu von Fachwerk, für welches Strabo den Ausdruck arr/sjg gebraucht. In der ursprünglicheren Darstellung endigt dasselbe oben in drei frei in die Luft ragende architektonische Spitzen. Später tritt dazu das Bild des darüber schwebenden sogenannten Feruers, das Symbol des göttlichen Segens. Auf den jüngsten Münzen ^eht die Zeichnung des Fachwerkes immer mehr in gröbere bloss lineare Andeutung über, und die Krönung des Ge- bäudes ist ein crenelirter Aufsatz, woraus man auf einen mit der Zeit nöthig gewordenen Neubau oder Umbau des Tempels wird schliessen dürfen. Denn, dass wir hier nicht ein Phantasiestück, sondern die Nachbildung eines wirk- lich bestandenen Bauwerkes vor uns haben, steht ebenso fest, wie dass, nach den Proportionen der menschlichen Figuren, das Dargestellte nicht der ßojixog, sondern nur das Kvpoa^siov selbst sein kann. Für die Kunstgeschichte des Orientes ist somit diese Münzgattung in hohem Grade interessant.
Besonders bedeutsam sind ferner, im Lichte der elymaeisehen Geschichte besehen, alle die Embleme, die
Pviaethen und ihre Münzen.
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ausser dem Pyrätbeiim auf der Rs. der Münzen angebracht sind.
Auf einer bestimmten Anzahl von Stücken steht zwischen dem betenden Magier und dem Tempel der Bogen, als Sinnbild der Vertheidigung des Heiligthums durch die Nationalwaffe der berühmten elymaei sehen Bogenschützen. Man möchte an den Kampf gegen Antiochus III. denken.
Noch unabweislicher ist eine historische Beziehung in der Darstellung derjenigen etwas jüngeren Stücke zu finden, welche hinter dem betenden Priester das Bild einer Nike zeigen, die ihm an der Schwelle des wiederher- gestellten und durch die Gnade der Götter geretteten Tempels den Lorbeerkranz auf's Haupt setzt. Diese reiche Gruppe bezieht sich meines Erachtens auf das glorreichste Ereigniss der Herrschaft der elymaeischen Priesterkönige, auf den Sieg über A n t i o c h u s E p i p h a n e s im Jahre 164 V. Chr.
Auch die auf fast allen Stücken neben dem Tempel sichtbare Fahne gehört zu diesen bedeutungsvollen Em- blemen. Meinem Befremden, dass Levy deren Bedeutung nicht erkannt hatte, gab ich bereits in meinem Katalog der Orientalischen Münzen des Odessaer Museums, S. 3, Ausdruck, indem ich auf das Schurzfell des Käwa, den Direfschi-Kawani, hinwies. Es freut mich in dieser Deutung mit meinem alten Freunde Alischan in Constantinopel zusammengetroffen zu sein, welchem Mordt- mann Zeitschr. für Num. IV, S. 155 gefolgt ist. ~ Diese Fahne, ursprünglich das Schurzfell des Schmiedes Kawa, war das Panier des persischen nationalen Königthums. Direfschi -Ka wijan, sagt Tabari II, ()2, war eine
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Dr. Ott'i lilau: Die KJymacisclien
grosse Standarte^ ohne deren Besitz keiner König- sein konnte. Es heisst, dass jeder König von Feridun an bis auf den letzten der Pehlewi-Könige etwas von Schmuck an Edelsteinen und Zierathen hinzufügte (Malcolm Hist. Pers. I, 29). In der Tliat ist sie auf unseren Münzen bald einfacher, bald reicher verziert. — Wie die Arsakiden ihre Legitimität dem persischen Volke gegenüber darauf stütz- ten, dass der Gründer ihrer Dynastie im Besitze des Kawa- Paniers gewesen sei, welches sein Oheim bei der Nieder- lage des Darius gerettet und verborgen hatte (Malcolm 1. c. S. 121 nach Zinet-et-tawärlch), so soll auch Ardeschir der Sassanide den Euhm in Anspruch genommen haben, die Kawa-Fahne wiedergefunden zu haben. ») Wo er sie entdeckt haben mag, kann kaum zweifelhaft erscheinen, da er nicht bloss einfacher aarparirtg röjv ^Tocy^ptrojv v^ar, wie Agathangelus sagt, sondern aus einer Familie stammte, die erbliche Vorsteher der Feuer tempel in Ictachr und Obermagier gewiesen waren (Tabari III, lA). In den Heiligthümern der Nationalgötter, die als Eüst- und Schatz- kammer Jahrhunderte lang die Insignien der Vorzeit bargen, soweit sie nicht von den Makedoniern weggeführt waren, wird auch das Panier- des Königthums verborgen gewesen sein. Ein solches Zeughaus war aber insbesondere der Tempel zu ElymaTs. Und so erscheint auf unseren Münzen dies Abzeichen des freien nationalen Königthums, gleichsam wie ein Protest der Elymaeer gegen die syri- schen und parthischen Usurpatoren, als das Palladium der persischen patriotischen Partei. Als diese der Macht
8) S. Patkanian, Essai Hist. des Sassan. im Journ. asiat. 1866, S. 128. L'ötendard du forgeron de Kaweh (durufsh-i-Kavani) qui servait d'etendard politique ä la Perse, fut retroiive.
Pyraethen Miid ihre Münzen.
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des grossen Parthers unterlegen^ das Bollwerk ihrer Unab- hängigkeit in Elymais gebrochen war, verschwand auch ihre Fahne vom Schauplatz der Oeffentlichkeit, und wird in einem der Heiligthtimer weiter im Binnenlande ein Ver- steck gefunden haben. Man darf unsere Münzen als Zeu- gen dafür anrufen, dass mehrere Generationen hindurch bis auf Mithridat I. die Kawafahne in sicherem Gewahr- sam der Pyräthen von ElymaYs war, etwa wie die „Fahne des Propheten- noch jetzt an den heiligsten Stätten des Islam aufbewahrt wird.
Die Abbildung dieses Kleinods der Perser ist eben sowohl von kriegsiicschichtlichem als kunstgeschichtlichem Interesse und bereichert unsere Kenntnisse und Vorstel- lungen davon in ungeahnter Weise. Als die Fahne in der Schlacht bei Kadesia im Jahre 63(3 in die Hände der Araber fiel, wurde ihr Werth an Pretiosen auf 1,200.000 Dirhem geschätzt (Tabari ed. Koseg. III, 56). Am reichsten ausgestattet erscheint sie auf den Münzen mit der Sieges- göttin (Levy Nr. 10, 11), mit vier Quasten und dichter Perlenstickerei; auf den älteren Stücken (Levy Nr. 1) fehlen die Quasten. Als jüngste Zuthat an Zierathen tritt auf den spätesten (Levy Nr. 16 — 18, Mordtm. Nr. 7 — 10) ein oben darauf angebrachter Vogel hinzu, der an den Adler der römischen Feldzeichen erinnert, und in dem 'Okab der grossen Standarte Muhammeds (v. Kremer, Culturg. d. Islam I, 81) wiederkehrt. Da bei einem dieser Stücke (Levy Nr. 16) der Vogel auch auf der Kopf- bedeckung des Königs erscheint, so liegt wohl eine be- stimmte historische Veranlassung* zu Grunde; möglicher Weise hängt damit die Legende von dem Weinvogel in der oben (Anm. 1) angeführten Königschronik zusammen.
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L>r. Otto liUiu: Die Elyinacischen
Die gesammte ornamentale Ausstattung unserer Mlinzen passt also auf ElymaYs in vorzüglicher Weise.
Wir kommen nun zu der Frage, wie weit die Legen- den mit dieser Auffassung harmoniren und in dem Rahmen des bisher gewonnenen sächlichen Verständnisses eine feste und gute Stätte finden.
Das in den Aufschriften gebotene Sprachgut zerfällt in zwei Hälften, indem, wie alle bisherigen Erklärer ein- gesehen haben, neben den wechselnden Eigennamen fast stereotyp sich eine Gruppe von Buchstaben abhebt, die einen Titel oder sonstige auf die Darstellung bezüg- liche Appell ativa enthalten muss. Die Schrift ist eine an- fänglich sehr reine, später sich verschlechternde Nuance des aramaeischen Alphabetes, wie es auf den Satrapen- münzen des IV. Jahrhunderts üblich ist.
Die fragliche Gruppe nun ist von Levy nbi^ n J^lDniD oder j^\-faj< n J^lDmD gelesen, durch pratikara zi Eloha umschrieben und „das Bild des Gottes" oder „des Gött- lichen" übersetzt worden, indem er sich auf Analoges in sassanidischen Inschriften bezieht.
Mordtmann dagegen liest dieselbe i^M^K Jt J^lJmD Feritkara zag Alohia und übersetzt: „Der Herrscher, Nachkomme der Götter", wobei persisches j^^^ „Schöpfer^' und ein angeblich parthisches Zag „Sohn" (Brugsch, Reise nach Persien I, 338 f.), herbeigezogen werden.
Vom palaeographischen Standpunkt aus kann das streitige mittlere Wörtchen nur n z i, nicht :ir z a g, gelesen werden, da das durchaus gleiche Zeichen in der Schluss-
und ihre Münze:
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Silbe des letzten Wortes wieder vorkommt, wo beide Gegner über die Lesung K^^ einverstanden sind.
^<^'^■^K 7 zi Elohajja, in einzelnen Exemplaren n^t^ n zi El ah, kann in dem aramaeischen Dialect der Zeit und Gegend, um die es sich handelt, nur bedeuten: „der Götter" oder „Gottes". Höchstens könnte zwei- felhaft bleiben, ob da, wo die Form ^?^•^J^f mit n deutlich dasteht, wie Levy Nr. 2, 3 und Mordtm. I, Nr. 1, bloss eine durch das Pehlewi belegbare Variante desselben Wortes (Levy a. a. 0. S. 432) zu Grunde liegt, oder ob zu sprechen wäre Anahijja als gleichwiegend dem griechi- schen 'Avafa, welches bei Strabo (XVI, 738: ra k'jool ■AOL'. 70 7r,g 'Avalag t£pöv) eine Nebenform von W^jo^izig ist, und dem Nava'.a des Buches der Makkabäer zunächst steht (vgl. Lagarde, Abhandl. 8. 16, 20 f.).
In dem diesen beiden voraufgehenden Worte aber kann nach meinem Gefllhl weder pratikara noch feridkar gesucht werden, sondern muss, worauf schon das stehende Epitheton der Sassaniden „Mazdajasn^' „Ormuzdverehrer" hinführte, ein Wort stecken, das „Ver- ehrer", „Diener", „Priester" oder dergleichen bedeutet.
Die gesuchte religiöse Bedeutung haben neupersisch p e r e s t , p e r e s t a r , p e r e s t e , p e r e s t e n d e , p e r e s- tide und daraus entlehnt im aramaeischen wenigstens die Femininalformen : perestana (Lagarde a. a. 0. 79), jLjiuöV? P^i'istavata {<ri;ripnB (Fleischer zu Levy Chald. WB II, 574), minister, ministra, cultor, cultrix. Nach einigen Etymologen hängt auch deutsches Priester, franz. pretre, ital. prete mit obigem peres- tar zusammen, und ich trage kein Bedenken, sowohl das griechische ;rep-^rtap/o^, als auch das kappadokische
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Dr. Otto Blau: Die Klvmacischen
u'jpai^og dahin zu ziehen, obwohl letzteres ebenso gut eine Transposition ans OpKal^og huzwar. iiQT'fi:? Feuer- priester (s. VuUers Ph. II, 1492) sein kann.
Ob nun in dem fraglichen Worte unserer Münzlegen- den ein Lautübergang stattgefunden hat, wie in gleicher Landschaft bei Sc hu seht er und Tu st er, Artaschasta und Artachschatr, oder ob die Wurzel in zend. pereta opus, officium zu suchen sein wird, überlasse ich Sprach- forschern. Es wird noch einer besseren Durcharbeitung des Materials nach Originalmünzen bedürfen, um über die Lesart selbst sicher zu entscheiden. Vielleicht ist j<n2i-iD herauszulesen; vielleicht gar t^innn, das armenischem Vartabed oder persischem '>^j^ entspräche.
Vorläufig werde ich keinem Anstände begegnen, wenn ich KnniD peretdara vorschlage, da die Zeichen für 1 und D in diesem Alphabet mit offenen Köpfen einander so zum Verwechseln ähnlich sind, und nach Massgabe des persischen jl^^ ihm die Bedeutung „Verehrer" oder „Priester" vindiciren, so dass geradezu der Titel der Pyräthen in seiner orientalischen Form vorläge. Ganz ähnlich gebildet ist der aus gleicher Zeit überlieferte Titel der Satrapen von Mesene : „I s t a n d a r a d e - M e s c h 6 n, j^'njlD'5^'^ (s. Neubauer Geogr. Talm. 382).
Der volle Titel der Münzherren lautete hiernach „Dien er der Götter" oder „Priester der Anaiti s". Den ersten dieser Begriffe gibt Plato wieder, w^enn er das Wesen der ixaydcc Zojpod^Tpov durch -S-töJv ^ipccKsicc aus- drückt; den letzteren das Buch der Makkabäer mit dem ispElg rr/<; ^avcciag.
Mordtmann hat seine Auffassung des „feritkara" dami; begründen wollen, dass in den Legenden der
'yraethen uad ihre Münzen-
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späteren Münzen, der zweiten und dritten Periode an gleicher Stelle der Titel j»}d^>3 Malka, König, stehe und demnach ^feritkara'^ ebenfalls die w e 1 1 1 i e h e Königs- wlirde bezeichnen müsse.
Allein, wenn wir nach dem oben Gesagten nns die Würde der Münzherren als Häupter eines Priesterstaates denken, in dem der Priester der AnaYtis ein Kjotog röiv ;ravrwv war, so werden wir es nur natürlich finden, dass der geistliche Titel dem weltlichen voranging; viel- leicht auch das Münzrecht eben dem Up^Og, nicht dem ßccjiA-'jg zustand.
Von dem Augenblicke an, wo auf den Pehlewimünzen der Titel Malka eintritt, verschwindet eben das Pjräthen- tlnim als solches; die Tracht des Magiers weicht der des parthischen Unterkönigs; das Reichspanier erscheint nicht mehr; die Niederlage, welche Mithridat dem ely- maeischen Wladikate bereitet hatte, gibt sich in Allem kund.
Ja ich bin selbst noch nicht einmal so überzeugt, wie Mordtmann es zu sein scheint, dass die Münzreihen, die er der zweiten und dritten Periode von Persepolis zu- schreibt, gerade so und nicht anders hinter einander als fortlaufende Folge anzuordnen sind. Es ist sehr wohl möglich, dass ein Theil auf verschiedene gleichzeitige Dynastien zu reparliren sein wird, die unter der parthi- schen Oberherrschaft in Persien bestanden. Es beruht in den europäischen Cabineten noch eine Menge unbenutztes, weil unverstandenes Material für diese Partie.
Das was Mordtmann als lithographische Beigaben zu seinem Aufsatze neu mitgetheilt hat, macht nur den einen Wunsch rege: dass es ihm hätte gefallen mögen, statt
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]>r. OtteBlau: Die Klymaeisclien
der etwas flüchtigen Handzeichniingen eine sorgfältige mechanische Reprodiiction wenigstens der Inedita zu ver- anlassen, da ohne eine solche die Mitarbeit unbefangenerer Forscher fast unmöglich ist.
Wenn ich trotzdem auch über die Reihenfolge und die Namen der elymaeischen Pyräthen noch einige Andeutungen gebe, so geschieht es einerseits zwar in der Ueberzeugung, dass Einzelnes schon jetzt mit grösserer Sicherheit zu erkennen ist, andererseits aber in dem Wunsche, dass zur Berichtigung obwaltender Irrthümer und Zweifel und zur Ausfüllung der vorhandenen Lücken recht bald eine sorgfältige Zusammenstellung alles hier- her gehörigen numismatischen Materiales , in einer den Ansprüchen der Wissenschaft genügenden Form, erfolge.
Zunächst hege ich nicht den mindesten Zweifel, dass derjenige Priesterkönig, welchen die Stücke Levy Nr. 1 und 2 (Mordtm. Nr. 2 und 3), respective Luynes Satrap. pl.VI, darstellen, Niemand anders ist als jener Baryaxes, Bccpvd^Tjg, von welchem Arrian An. Alex. VI, 29 berichtet : er wurde, weil er die Kidaris aufrecht auf sein Haupt gesetzt und sich selbst zum König der Meder und Perser proclamirt hatte, von dem Satrapen Mediens gefangen genommen, und vor Alexander zur Zeit seines Aufenthaltes in Pasargadae geführt, der ihn und seine Anhänger als Rebellen und Neuerer hinrichten Hess. Obwohl hier nicht gerade gesagt ist, dass dieser Baryaxes der erste Priesterkönig der Elymaeer gewesen, — da Arrian überhaupt den Ausdruck Elymaeer weder in geo- graphischem noch in politischem Sinne kennt, — so ist doch die Situation ganz klar. Die von Alexander einge- setzten Satrapen und Unterbefehlshaber in Medien,.
la und ihre .'Miiiizen.
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Paraetacene und Persis hatten sich die ^rössten Erpres- sungen und T e m p e 1 r ä u b e r e i e n zu Schulden kommen lassen (Arrian An. VI, 27. 30. VII, 4). Die Revolution dagegen brach aus, während Alexanders Zug nach Indien. Als erstes Opfer derselben fiel Baryaxes, der die fana- tische Rolle des Religionseiferers gespielt hatte, welche ja auch sonst die Obermagier zu persischer Zeit zu über- nehmen pflegten, indem er, wie Gumäta vor ihm und Ardeschir Babegan nach ihm, die Fahne des Aufstandes aufpflanzte und sich zum Könige der Perser und Meder ausrufen Hess.
Das Symbol der Souveränität ist eben jene Tracht der Kidaris , welche mit dem stehenden technischen Ausdruck als op^r} bezeichnet wird. Ich darf darüber auf Brandis Münz-, Maass- und Gew. S. 242 Anmerkung verweisen, dessen Nachweisungen nur noch die eine Hauptstelle, welche gerade für die Diadochen-Zeit bedeutungsvoll ist, Joseph Antiqu. XX, 3, 3, hinzuzufügen ist.
Dem Satrai)en von Medien Atropates gelang es den Baryaxes gefangen zu nehmen. Alexander Hess der Gerech- tigkeit freien Lauf, war aber auch rücksichtsvoll genug für die Perser, die Urheber jener Tempelräubereien, Or- xines und Oxathres zum Tode zu verurtheilen. Der Schau- platz dieser Dinge ist sichtlich vorzugsweise ElymaYs und Susiane gewesen, und Baryaxes als erster in der Reihe der elymaei sehen Priesterkünige zu betrachten.
Sein Name wird auf den Münzen n^n, |''n^a, das ist Bayraz, Bayraztn geschrieben, woraus die Griechen B a r y a z, B a r y a z i n hörten. Kaum verschieden davon ist der jenes Obermagiers ^y.jy Barzin, welclicr n's Er-
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J>r. Otto Elau : Die Elymaoisch»
bauer des sechsten Adzar genannt wird (s. Yullers P. L. I, 219), und wenn man etwas kühn sein will, der zweite König-sname in Magudis Liste, wo aus dem jedenfalls cor- riunpirten^j ohne Weiteres ^i^ hergestellt werden kann.
Als einen zweiten sicheren Namen sehe ich den auf den Münzen bei Levy Nr. 12 und 14 (Mordtm. 4) an, welche ich um der Form des Pyrätheums willen mit Mordtmann für älter hatte, als Levy wollte. Gegen die von früheren Erklärern vorgeschlagene Lesung nnti^nms^, was Artaxer- xes wäre (Ardeschir I. bei Mordtmann S. 158), spricht die Form des zweiten und dritten Buchstaben. Nach meinen Materialien lese ich vielmehr inti^mn, das ist Huwa- chschatra = 'Ofudo-pvjg oder 'Oid^-pyjg, ein Name der in Medien und Persien mehrfach vorkommt. Ein Oxathres war Satrap von Paraetakene (Arrian III, 142). In der Liste bei MaQudi ist vielleicht ein Rest desselben Namens in^;Z*J zu suchen: — schatr. Die keilschriftliche Form Uwakhshatra für Kyaxares dient meiner Lesung zur Stütze.
Endlich ein dritter für mich fast zweifelloser Name ist der auf der verhältnissmässig am häufigsten vorkom- menden Art unserer Münzen, welche Levy Nr. 7 — 11 ab- gebildet hat, Mordtmann seinem Zaturdat I. zutheilt. Aus allen mir vorliegenden Varianten lese ich heraus G an- der z, Gotarzes, und zwar 9^ in der Form nnii^j, 7, 8, 10, deutlich nnnj, in einigen anderen vielleicht minJ. Pott über altpersische Eigenamen (Zdmg. XIII, 416) be- handelt auch diesen, versteht ihn aber etymologisch nicht. Wenn, wie mir scheint, Gatuderz die ältere Form des späteren Jj^^ ist , so würde es 1 o c u m t e n e n s bedeuten, von zend. gäta, pers. Av Den gleichen Namen führen
I
Pyraethen und ihre Münzen.
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zwei Aschganier, einer darunter Sohn eines Iränschali (s. Vullers L. P. s. v. Jj->/) und ein Pehluwan von Iran. Unsern Gotarzes halte ich für einen Zeitgenossen von Antioehus Epiphanes, sofern gerade von ihm die Münzen mit der Nike sind. In Magudis' Liste könnte der mit der langen Regierungszeit von 23 Jahren angesetzte ^„^y* entsprechen.
Die Namen der sogenannten „Pehluwane von Iran*" empfehle ich überhaupt jedem, der diese Untersuchungen fortsetzen will.
Cabineten aber und Privatpersonen, welche mich durch Mittheilung von Münzabdrücken zur Förderung dieser Studien begünstigen wollen, werde ich sehr ver- bunden sein.
Odessa, März 1877.
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Dr. Otto Blau : Die Herren
III. Die Herren von Sophene und deren Münzen,
Von GS-eneralconsul Dr. Otto Blau,
„A'JvdaTat. . . .xaTsr/ov äsi. . . .ttjv SiücpTiVT^v" Strabo 555.
Das uralte König-reich Aram-Qoba oder Syria Sobald) bei den Syrern Quphan, den Griechen Swojvjvrj, den Armeniern Dzop genannt^ ist seinem territorialen Kerne nach die Hochg-ebirgslandschaft um die Tigris- quellen bis an den Euphrat heran , der die Grenze gegen Melitene und Kommagene bildet, in weiterem Sinne aber das ganze Gebiet zwischen Masius und Antitaurus.
Hier herrschte, nach Josephus, 3) schon jener A dra- zar S. des Arä, den König David am Euphrat schlug; und das Reich des Königs Barzaness) zu Ninus Zeiten war kein anderes.
1) Judith 1, 3. — Strabo p. 527: *H 2oa(p;jvv7 xetrat p.£ra£u roO re }il<xrjirjv xat roö 'Avrtraupou.
ä) Antiqu. 7, 5, 1: erra sVt 'Adpa^apov, rdv 'Apaou /xev ui&v, jSaaiXe'a ds zr^g 2w'^vjvv;i, i'jvpy.revae. — S. 2 Sam. 8, 3 ff.
3) Diodor IL 1.
,011 Sophene und deren MI
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Bei der beispiellosen Verwüstung Armeniens durch Sargon, im Jahre 710 v. Chr., welcher in seinen Annalen sich rühmt, dort 100 Städte, davon 23 in Westarmenien bis nach ^lelitene (Mildis) hin eingeäschert zu haben, *) gieng die alte Herrlichkeit von Sophene zu Grunde und es wurde assyrische Provinz.
Ihre Hauptstadt war damals Zikarta, wohl dieselbe? die späterhin 'Asxc^iV.sjsra, Arcathioce rta, Kaox.a^tö- ■/.spTcc heissi, nachdem Arkathias, der Sohn des Mithridat, sie wieder aufgebaut hatte, 5) und welche in Exagi- g a r d a des Ravennaten , dem heutigen S y j y r t , S ö'ö r t zu suchen sein dürfte.
In diesen abgelegenen Winkel des Eeiches flücliteten sich nach der Ermordung ihres Vaters, die beiden Söhne des Sannaherib, um der Rache ihres Bruders Assarhaddon zu entgehen, im Jahre 680 v. Chr., — Adramele.ch und Sarazar heissen sie in der heiligen Schrift und bei Josephus, 6) bei ßerosus aber x\rdamuzan und Sa- nasar. 7)
*) Lenormunt, liist. anc de l'Orient I, S. 457, 458.
5) '^1f.x£(7U£//ra ö iaxvj 'Arjxeairyj ktIiixcc, xara Tr/r^cv Steph. Byz. p. 274. — BaatXsiov dk TY^g Sw^yjv^? Kapxajcoxspra, Strabo p. 527. — Bei Plin. VI, §. 28 haben die Codd. Arguctiocerta, Agi athio- certa. — Ueber 'Apxa.^ta?, den kleinarmenischen Reiterantuhrer, s. Appian Mithrid. 17, 35, 41.
«) Jos. Ant. 10, 1, 5: '0 l'svaxvj.o^iSo? doXo'jj&vv^^sl? uzo twv -peajSurs'pwv Trai'^wv 'A 5 p a (x e X ;'/ o u xai 1' a p a j ä p o u reXsura rov jSc'ov . . . xal Ol fxev 'pv/afjsu^evre? izi rw '^ovw roO rarpoj 'j--j rwv TToXtrojv eij r>5v 'Apf;.cviav ar^pav.
') Mit Beros. Fragiu. 12, wo Ardumuzan steht, vergl. Mar Apas Catina ed. Langh)is p. 34'» Note 1. — Auf einer Gemme, die ich mit Rawlinson für assyrisch halte, wird der Name -|5x&<1D g'<'l(?sen. Vgl. Levy Siegel n. G. Tat". T, 9.
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Dr. Otto Blau : Die Herren
Von letzterem berichtet die Chronik des Mar Apas Oatinas): „Sanasar Hess sich in den südwestlichen Theilen Armeniens nieder; seine Nachkommen breiteten sich in das Gebirg'sland Sim aus; und die vornehmsten und edel- sten darunter wurden später Herrscher dieser Land- schaften." Sim, d. h. S emiten-Land, ist der Gebirgs- district westlicli von Van bis zum Tigris, 9) das Grenz- gebiet von Assyrien, die TocjEavircg Sv^swv des Strabo.
Auf altaramaeischem Boden hat sonach hier bereits in vorpersischer Zeit ein assyrisches Element seine Zu- flucht gefunden, und ndt ihm ist ein Stück assyrischer Cultur lebendig geblieben, das sich besonders in der Ver- ehrung der assyrischen Götter als Landesgott- heiten bekundet.
üeberall in Vorderasien, wohin assyrische Colonien vorgedrungen sind, finden sich die Heiligthümer der assy- rischen Urania und ihres Symbomos. lo)
Wie von Sanaherib berichtet wird, dass er in Tarsus den berühmten Tempel der Athene als Denkmal seines Sieges über die Griechen errichtete, i*) so erscheint in Kilikien, Kappadokien, Lydien und Paphlagonien neben dem assyrischen Sandan dieselbe Göttin unter den Namen Athenais, Tanais, Anaitis, Anaea, Enyo mit den Attri- buten einer Kriegs- und Siegesgöttin, ^-) als jene ^sa
8) a. a. 0. 34'"^. Strabo 528 mit Lagardes Note, Abhandl. 188, 2.
9) St. Martin Mem. sur rArmenie I, p. 54. — In derselben Oegend nennt noch Ptolem. V, 7, 6 eine Stadt Sv^fAc^o,-. — Vgl.
10) Movers Phöniz. I, G20. n) Al^ydenus Fragm. 7.
12) Die wichtigsten Nachweise aus Kunst- und Literaturdenk- mälern, siehe bei Ritter, Kleinasien I, S. 1019 ff. wo auch auf die
von Sophene und der« n Mnnzen.
9a
TTOAcixixr, der Perser, der zu Ehren Cyrus nach einem Siege über die Saken das Sakäentest eingeführt haben soll. ^^} Die Perserherrschaft unter den jüngeren Achaemeniden trug zurVerbreitung dieser Culte noch weiter bei, seitdem Artaxerxes III. der Anaitis in allen persischen Satrapien VorderasienS; wo sie nicht schon vordem verehrt war, z. B. in Babylon, Susa, Ekbatana, Damaskus und Sardes Bildsäulen zu errichten befohlen hatte, i*)
Woher und auf welchem Wege also gerade in das Gebiet der Dynasten von Sophene der AnaYtis - Cult ge- kommen ist und warum er gerade da in so hoher Blüthe stand, ist nach jenen Nachrichten über den assyrischen Ursprung der Dynastie zu beurtheilen.
Eine besonders eifrige Verehrung der Anahid ist aber nicht bloss für Westarmenien im Allgemeinen verbürgt, i^) sondern speciell für die Landschaften Akilisene und Ka- taonia, welche beide in die Herrschaft Sophene einver- leibt waren (Strabo p. 532, 534, vgl. 527, 528).
Auch die ethnographischen Verhältnisse gestalteten sich hier dem entsprechend während des VII. und VI. Jahrhunderts, in jener Epoche, wo die Gross- niächte Medien und Lydien um die Herrschaft in diesem Gebiete rangen bis der Halys dauernde Grenze zwischen beiden wurde (616 v. Chr.).
Münzen mit einschlägigen DarsteHungen Kiicksiclit genommen ist^ und Langlois zu Aganthangal. S. 126, Note 1.
13; Mov. 1. 1. — W. Hupfeld Exerc. Herod. III, 8. GG. Anm. 9.
i4j Berosus Fragm. 16.
15) S. Mordtmann üben die armen. Keilinschriften Z. D. M. G. XXVI, S. 465—696; besonders S. 507.
fM
l>i-. Otto h\:\u : I)i(; Heri-i
Das aus der Mischung- von assyrischem Blute mit der aramaeischen Urbevölkerung entstandene Volksthum sind die Leuko Syrer der älteren Geographen, le)
Von dem bei den Armeniern 8im genannten Land- striche ausgehend, umfasst dieser Name dann in weiterem Fortschreiten die auf der Völkerscheide zwischen dem issischen Meerbusen und dem Pontus siedelnden Stämme, Kilikier bis an den Taurus, Kappadokier bis an den Halys, Tibarener und Chalyber bis an den Pontus und die Um- gebung* von Sinope. i^)
Soweit der Name reicht, bezeichnet er die Existenz semitischen Volksthums — eine Thatsaehe, die für das Münzwesen unter den Achaemeniden hochbedeutsam ist, insoferne sie die weite Verbreitung semitischer Sprache und Schrift und das Bedürfniss, die Legenden der Satra- penraünzen in Kilikien wie im Pontus aramaeisch abzu- fassen, erklärt.
In der ältesten Provinzialeintheiluug ües Darius L, die für das fragliche Gebiet etwa nach der Bewältigung der armenischen Aufstände im Jahre 519 und 518 v. Chr. Platz gegriffen haben wird, ist der ganze bezeichnete Gürtel in zwei grosse Steuerbezirke getheilt, den süd- lichen, Kilikien, und den nördlichen, welchen die Inschrift von Behistun unter dem Gesammtnamen Kappadokien befasst, Herodot aber aus dem Gebiete der Paphlagonen,
16) Andron Fragin. 2 (ed. Müll. II, p.348): Tyjv Qk rwv 'A^auptojv
1') Strabo p. lol, 552—554. Hecat. Fr. 194, 350 Appian Mithr. 69; bei Herodot VII, 72, heissen dieselben einfach lOpot (III, 90
I
von Sophene und deren Münzen.
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Mariandynen und Syrier bestehen lässt. In der Einthei- lung' nach Militärbezirken, die aus Xerxes Heeresverfas- sung- ersichtlich ist, bilden ebenfalls diese Syrer mit den Mariandy nern und Ligyern i«) ein Corps.
Zu Artaxerxes IL Zeit, als Paphlagonien sich wieder unabhängig gemacht hatte, und ein Theil von Kappado- kien mit Lykaonien zu einer neuen Satrapie vereinigt worden war, wurde aus den oberen Euphrat- und Tigris- Ländern eine eigene Satrapie gebildet, deren Mittelpunkt Sopbene war. Es ist die, welche Xenophon i») West- armenien nennt. Sofern sie die Phasianei am oberen Araxes mit umfasste, grenzte sie ostwärts an Grossarme- nien und umspannte westwärts den grössten Theil des leuko syrischen Gebietes. Die Residenz ihres Satrapen war, wie Xenoi)hon als Augenzeuge berichtet, 10 Para- sangen von den Tigrisquellen entfernt, südlich vom soge- nannten Teleboasfiuss — nacb meinem Dafürhalten keine andere als die alte Landeshauptstadt von Sophene, Ar- kesikarta. 20) Satrap war damals Tiribazus, bekanntlich einer der ersten, dessen Münzen mit aramaeischer Schrift versehen sind. Soweit wir dieselben kennen, scheinen sie allerdings nicht in dieser Satrapie geschlagen zu sein, sondern in der cilicischen Münzstätte Issus. '^^)
18) Unter dem Namen Ai'fjsg bei Herodot sind die Lykaonier zu verstehen.
i»j Anab. IV, 4.
20) Auch Arzen, was die Ausleger zu Xenoph. 1. 1. hier suchen , k önnte die gleiche Ortshige : p r o x u m a T i g r i Plin. VI S. 2G, sein; aber Xenoplions Tigrisquellen sind ja nicht die eigent- lichen Hauptquellen
21) V. Sallet, Ztschr. f. Num. IV, Uö. — Diese Ztschr. II, ollö.
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Dr. Otto Blau: Die Herren
Bedenken wir nun, class persische Satrapien nicht kleine landschaftliche Bezirke waren, sondern ausgedehnte Provinzen, so erscheint als kaum verschieden von der ebengenannten westarmenischen Satrapie des Tiribazus diejenige, welche kurz darauf als Verwaltungsbezirk des Camissares und dann des Datames mit den Worten beschrieben wird : ,,habuit provinciam partem Ciliciae juxta Cappodociam, quam incoUint Leucosyri". 23) Ebenso nämlich, wie die Satrapie des Tiribazus die Fehden gegen die Karduchen zu führen hatte (Xen. 1. 1.), so fiel auch Camissares in den Kämpfen gegen die Kadusier und im Nordwesten hatte er mit Paphlagonien zu thun, so dass Kataonien, wo unter Datames Thaten der Zug gegen den Rebellen Aspis charakteristisch ist, innerhalb eben dieser Satrapie lag.
Wenn diese Satrapie — wie nach den armenischen Nachrichten zu vermuthen ist — mit gemeinsamem einhei- mischen Namen damals Sim hiess^ wovon Leucosyrien nur eine Verdollmetschung wäre, so ist es nicht unwahr- scheinlich (ich gebe das nur als Vermuthung), dass die den kilikischen ähnlichen Münzen mit der Legende dd dahin zu legen sind. 23)
Auch unter den Münzen mit Datames Namen sind einige, 24) deren abweichender Typus Raum für die An- nahme lässt, dass sie nach Ort und Zeit in die erste Amts- führung des Datames fallen.
22) Cornel. Nepos Dat. 1—4.
23) Andere Ansichten über die Bedeutung dieser Legende sind zusammengestellt bei Levy Z. D. M. G. XV, 628.
24) Luynes pl. 11, Nr. 1, 2. Die Darstellung bezieht sich nach Luynes p. 20 auf den assyrischen Cultus.
lon Sophene und deren Münzen.
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Nach seiner Empörung gegen Artaxerxes, bei welcher die Armenier und Kaptianer (d. h. Anwohner des Capotes- Berges oder des Kapanta-Sees) gegen ihn standen, 25^ zog er sich bekanntlich nach Kappadokien und Paphlagonien zurück und schhig , wie Waddington ausser Zweifel ge- stellt hat, in Sinope Silbergeld mit aramaeischer und grie- chischer Legende.
Die Abzweigung Kappadokiens als eigener Dynastie vollzog sieh unter Ariaramnes I.. dem Sohne des Datames, welchem Friedländer eine Kupfermünze mit der Aufschrift APIAPAMNoY zutheilt, während dessen Sohn Ariara- thes I. wieder aramaeische Legenden nach dem Typus des Datames schlug ^«).
Daneben hat nun Kleinarmenien im Laufe des IV. Jahrhunderts eine festere politische Gestaltung erlangt.
In der Schlacht bei Arbela standen nach Arrian 37) die Armenier unter zwei Heerführern Orontes und Mi- thraustes, die Kappadokier unter Ariakes. Curtius 2») trennt die „Armenii, quos minores appellant" von der „natio majoris Armeniae'* und den Kappadokiern.
Ethnographisch tritt das leukosyrische Element merk- lich zurück gegen das von Osten her vordringende arme- nische.
Die Cultur ist aber noch immer vorwiegend semitisch.
25) Com. Nepos. Dat. 8, 2.
2«) Zeitschr. f. Niimism. IV, 201).
27) Anal), ill, 8.
28 j Alt'X. IV, 12, 1») ff.
v^
Dr. Otto Ulan : Die Herren
Neben den aramaeischen Münzen Ariarathes des I. tauchen ein paar Denkmäler dieser Epoche auf, die ich mit jenen Heerführern oder Satrapen in Darius' Schlachtord- nung, A r i a k e s und M i t h r a u s t e s , in Verbindung brin- gen möchte.
Dem Ariakes sclireibe ich jene interessante kleine Kupfermünze mit dem Steinbock zu, die Merzbacher 2») einem Ariarathes, Friedländer soj bestimmter Ariarath I. zutheilt, welche aber nach Styl und Fabrik nicht zu den kappadokischen Königsmünzen gehört. Der Name ist ent- schieden auf beiden Exemplaren nicht mvif^, sondern •^riK Ariok.
Derselbe Name kehrt auf einem Cy linder des briti- schen Museums neben einer Jagdscene wieder, wo ein mit Bogen und Speer bewaffneter Mann in gleichem Costüm, wie der Bogenschütze dieser Münze einen springenden Eber durchbohrt. 31) Die Form des Namens, den Levy ver- kannte, weil er das ^? unter dem linken Arm übersah, ist genau dieselbe, wie im assyrischen n. pr. '^1'>'i^ Genes. 14, 1, 9. Daniel II, 14. Judith 1, 6.
Nächstverwandt damit ist ein ebenfalls mit aramaei- scher Legende versehener Siegelstein, der in Armenien gefunden, von mir zuerst »3) erklärt und wegen des Namens i;ii£iria auf jenen armenischen Feldherrn Mithrau- stes, gedeutet wurde. Auf diesem ist ein gestürzter Stein- bock und ein springender Eber dargestellt.
29) Num. Zeitschr. III, 429.
30) Ztschr. f. Numism. IV, 2G9. — Dass die phrygische Tracht auch die der Leukosyrer war, ergibt sich aus Herod. VII, 72, 73.
31) S. die Abbildung bei Levy, Siegel und Gemmen Taf. I, 15. '2) Z. D. M. G. XVIII, 299.
von Sophene und deren ^Münzen. ' *-
Mithraitstes war. soweit ich die Sachlage überblicke, Herzog von Kleinarmenien, inclusive Sophene, Arjakes desgleichen von dem Theile Kappadokiens, der nicht unter dem Satrapen Sabiktas (Arrian Anab. II, 4, 2) stand, also des südlichen mit Kataonien und Melitene. Orontas aber wird die Grossarmenier geführt haben und vielleicht der- selbe sein, den Strabo als einen Nachkommen des Hydar- nes und den letzten Perser nennt, welcher Armenien beherrschte 33) ; etwa ein Enkel des Orontas, der zu Xenophons Zeit Satrap von Ostarmenien war. si)
Eine sehr unsichere armenische Nachricht will wissen, dass in den Kriegen gegen Alexander den Grossen ein Fürst von Armenien Namens Vahe, Sohn des Van und -Sprössling des alten Königshauses, gefallen sei. ».'»j
Der erste von Alexander eingesetzte Satrap Armeniens w^ar Mithrenes, 36) der vordem persischer Schlosshaupt- mann von Sardes gewesen war und seine Gunst bei dem Könige dem Verrath verdankte, welchen er im Verein mit der Priesterpartei in Sardes bei der Uebergabe der Burg und des Schatzhauses geübt hatte. Er war ein weichlicher Höfling von persischer Erziehung, wesshalb ihn Alexander zuerst zu vertrauten Aufträgen an den Harem des Perser- königs verwendete.
33j strabo p. 531.
^*; Anab. III, 5, 17, IV, 3, 4. Pliitarch Artax. -JT.
3&) Mar Apas Catiiia p. 40».
3») Arrian An. III, 16, 5. Curt. V, 1, 40: Armeuia Mithreni, ^Sardiura jModitori data est.
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Dr. Otto Hlau : Die Herren
Diesem Mithreues als Satrapen von Westarmenien möchte ich eine Münze zntlieilen, die zu der Gruppe der »Satrapenmünzen gehört, welche, wie Brandis 37) bemerkt, bald nach Alexander geschlagen sein müssen. Ich habe dieses Unicum in meinen Beiträgen s») beschrieben und nach den damals im Besitz des Baron Tecco befindlichem Original abbilden lassen, wie folgt:
Av. Die Festkönigin der mit dem Anaitiscultus ver- bundenen Sakäen mit Krone und Armspangen^ angethan mit dem durchsichtigen Kokkosge- wande auf einem von zwei Sphinxen getragenen Throne sitzend, in der halberhobenen Rechten einen Blumenkelch (vgl. Movers Phon. I, S. 49o ff.).
Re V. Die kriegerische Anaitis, welche mit der Athene- Nikephoros verglichen zu werden pflegt, Gesicht von vorn mit einem helmartigen Kopfschmuck, die Linke auf den offenen Schild gestützt, auf der Rechten die Nike, statt der Lanze ein Baum- stamm.
37j Münz, Maass und Gew. S. 347. 3
38j Beiträge zur phönik. Münzk. II, in Z. D. M. G. IX, S. 76 Taf. 1, Nr. 12.
von Sophcne und deren Münzen.
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Da die Münze auepi^raph ist und bestimmte Anhalts- punkte aus ähnlichen Typen nicht gegeben sind, so ist die Zutheilung ung:emein schwer.
Die Verwandtschaft in der Fabrik und Technik mit denjenigen Silberstateren, die ich nach Nisibis setzte, andere aber vielleicht mit grösserem Rechte für pamphy- lisch halten und welche überwiegend in Kappadokien gefunden werden 39) ^ weist auf eine der Landschaften, wo neben aramaeischer Sprache und Schrift der Anaitis- dienst blühte.
i^iest man nun, was Movers a. a. 0. und W. Hup- feld *<>) über den Zusammenhang der Anaitis mit der lydi- schen Omphale beigebracht haben, und was Tansanias *i) über die Rivalität zwischen Lydern nnd Kappadokiern in Betretf des Bildes der Artemis-Anais sagt, und hält man dazu, dass Mithrenes von Lydien nach Armenien versetzt wurde, so darf man wohl die durchaus originellen Figuren auf beiden Seiten der Münze dahin auslegen, dass auf der einen Seite Mithrenes die Göttin in dem Habitus der lydischen Omphale als Erinnerung an seine Verdienste um Sardes, auf der anderen aber dieselbe in ihrer Eigenschaft als Landesgöttin seiner nunmehrigen Satrapie darstellen liess, — wenn er nicht gar, was seinem Charakter recht entspräche, in der auf dem Sphinxthron ruhenden üppigen
39j Luynes S. 23; meine Beiträge II, 8. 70 tf. — Brandis Ö.o4 f.
*0j Exercit. Herodot. III, c. 2: De Diis Lydorum, imprimis de Hercule et Omphale. Man lese besonders S.G2 ü'. und J^.48, wo auch des Symbols der Sphinx in diesem Oultus gedacht wird.
**) Pausan.III. 10, 8; über die Sphinxe am Throne des Apollo s. ebenda III, 18. 14. — Auch der Sphinxtliron auf der Gemme Levy Taf. II, 0 ist ähnlich.
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Dr. Orto Ulan: l)ie Herren
Gestalt seine eigene Person in sardanapalisclieni Costünr^ a la Midas und Andrakottos, ^a) verewigt hat. Eine ety- mologische Beziehung auf seinen Namen liegt dabei nahe^ denn die Perser nannten eben diese assyrische Göttin MtTpav, *3) und persische Sprachkenntniss war ja auch eine der starken Seiten des Mithrenes. **) Die neupersi- sche Form des Eigennamens Mi h ran ist speciell in. Armenien landläufig.
Im Verlaufe des nächsten Jahrhunderts nach Alexan- der vollzieht sich die Zersetzung des leukosyrischen Elementes immer mehr und im Zusammenhang damit stehen Parteikämpfe in Armenien unter Anhängern des alten und des neuen Volksthums.
Mar Apas Catina*^) weiss über den ganzen Ze-itrauni; von fast zweihundert Jahren nichts zu berichten, als: „au milieu du confiit des bandes insurgees, on voyait beau- coup d'ambitieux se disputer le gouvernement de notre patrie" — und Langlois bemerkt dazu: ,,I1 n'existe dans aucun historien armenien, de renseignements sur les Gou- verneurs de rArmenie apres la destruction du royaume par les Maeedoniens. Les seules donnees qui nous sont parvenus a ce sujet, se trouvent dans les ecrits des Grecs
*2) Mnaseas Fragni. 14 mit C. Müllers Note, und W. Hnpfeld 1. 1. S. 59.
43j Herod. I, 131, wo Mt'rpav nicht Accusativ ist, wie sich aus dem danebenstehenden MuAirra und 'AXi-ra ergibt.
**) Curt. III, 12, 6; Mithrenem qui Sardis tradiderat peritum linguae Persicae.
*5) a. a. 0. p. 4U.
von Soplieiie und deren Münzen.
103
Neoptoleme, nomme par les Generaux d' AI exan- dre, remplage Mithrines. Apr^s celui-ci vint Ardoates, puis Oront^s et Artavasde, nommes par les Seleu- eides (?). Antiochus le Grand donna ensiiite le Gou- vernement de TArmenie a Artaxias" .... Ein anonymer König von Armenien um 260 v. Chr. wird erwähnt bei Memnon Fr. H. Gr. III, 537; und ein damit vielleicht identischer Wpadßrjg um 230 v. Chr. bei Polyaeu, IV, 17, welchen Antiochus Theos auf seiner Flucht von Mesopota- mien nach Kappadokien aufsucht.
Von Münzen kennen wir aus diesem Jahrhundert die von Xerxes und Abdissares , *6) kleinen Dynasten, von denen wir wenigstens den erstgenannten chronolo- gisch fest ansetzen können, da mit ihm Antiochus der Grosse um das Jahr 215 v. Chr. den Frieden zu Armosata abschloss *7) und ihm seine Tochter oder Schwester zur Gemalin bot. Die Lage von Armosata weist darauf hin, dass der Sitz dieser Dynasten ebenfalls Sophene war und nicht das östliche Grossarmenien.
Ostarmenien stand damals vielmehr unter den iberi- schen Königen. Nach georgischen Chroniken regierte dort von 302 — 237 v. Clir. Pharnavaz I. *») Diesem Pharnavaz hat Bartholomaei 4») gewisse kolchische Münzen zuge- sprochen , die wegen der darauf dargestellten Ko])f- bedeckung des Fürsten von Interesse für uns sind. Ranho- lomaei bemerkt die auffallende Aehnlichkeit mit dem
*•) Nuin. Zeitschr. III, 343. Zeitschr. f Niiiii. IV, -JCl). 4') Polyb. exe. VIII, 25. Joann. Antioch. Fr. r)3. *8) Brosset bist, de la Göor^no I. p. ;u; ff. Lani^lois- 1. I. 198. — Oaj3vaj3a?oc II. Dio Cass, 49, 24.
*») Bartliolomaei Lcttre.s niiiiiisiiiat. S. 70, 71.
104
Uiau : Die Herreu
Capiiclioii oder Basclilik, der hei den Berii:bewohnern des Kaukasus und Armeniens noch heute Landestracht ist.
Zur Zeit Antiochus III. tritt Sopliene wieder deutlieh in den Vorderi;rund mit seinen Traditionen und den Ansprüchen der alten Herrscherfamilie.
Strabo berichtet : so) Armenien war bis dahin klein und politisch unwichtig. Erst unter Antiochus dem Grossen gelang es, die durch den gemeinsamen Gebrauch der armenischen Landessprache national verbundenen Districte der Umgegend zu einigen und den Begriff Armenien zu erweitern. Dies war das Werk zweier eingeborncn Fürsten, die zuerst als Strategen des Antiochus die Macht in die Hand genommen hatten und nach dessen Niederlage (190 V. Chr.) sich zu Königen des Landes machten. In Ost- armenien gründete Artaxias eine neue Dynastie; Sophene und Kleinarmenien bildeten einen Staat für sich unter Z a r i a d r i s und dessen Nachkommen.
Der Kern dieses neuen Königreiches Sophene waren die Landschaften Sophene, Akisene, 51) Odomantis 52) und annectirt wurden dazu: 1. vom Gebiet der Chalyber und Mosynöken die Districte Karenitis und Derxene, welche — fügt Strabo hinzu — an Kleinarmenien angrenzen und eigentlich Theiie davon sind; 2. vom Gebiete derKataonen das Land am Antitauros und Akilisene und 3. von den Syrern (NB. Leukosyrern) Gauzanitis, während das
50j p. 528.
s') Steph. Byz. W[).r^iarrjTt.
5-1 Vielleicht um 'Opofj.avr}o,' in Klein Armenien. Ptol. V, 7, 4.
von ^opiiene und deren Münzen.
105
eigentliche Armenien seine Grenzen an Medien, Kolehis nnd dem pontiselieii Knppadokien lintte •>«). Die Zariadri- den besassen also den j^'-anzen Südwesten des Landes, rä vörta iJ^ipr, y.ccl rovroüv rd Tzpog d'jor^ p^äXlov , eben jene Gegenden, wo einst die Nachkommen Sanassars sich niedergelassen hatten und den ältesten Landadel bildeten.
Dass die neue Dynastie diesem alten Adel entstammte, ist schon von vornherein niclit unwahrscheinlich. Der Name des Zariadris selbst ist von Pott 54) mit dem des Saria- ster, wie ein Sohn des Königs Tigranes von iVrmenieu hiess, verglichen worden; sonst liegt auch assyrisches ZacpdTocg und persisches Y^apr^ng, nach Hesych ein Beiname der Artemis p e r s i c a, nicht fern. Der Wechsel zwischen Z und 2 zur Wiedergabe des armenischen D z ist genug- sam bekannt aus ^do'jipig und (^^dpliipigj (I>«pc7ot&g und Oaptwos", SwQjV/vyj und Dzop.
Auf diese Orthographie und Etymologie ist einiges Gewicht zu legen, um die Zutheilung der folgenden Münze an Zariadris von Sophene zu reciitfertigen.
J. Friedländer 5-\) legte jüngst den Orientalisten die nachstehende merkwürdige Kupfermünze des königlichen Berliner Cabinets zur Erklärung vor, die er aus allgemei- nen Gründen in Armenien, (Jeoigien oder einer diesen nahen Provinz von einem unlM'kanntcMi Sntra])en geprägt glaubt.
53^ «tiabo p. r)28, 5a-2. '->'*) Z . D. M . ( i X 1 1 1 , S . I -28 : / 7,0 / a^) 0 ■ 57;')«: 'Aoi.piöi.dprj;.
*5j Zeitseiir. f. Nuin. IV, S. 2G0, Nr. 2.
IIHI M
Ath
XITI.
106
Dr. Otto Blau; Die Horren
A V. Vorgebeugter Kopf eines Kriegers nach rechts, mit einer Stahlhaube oder Lederkappe und Hals- schirm.
Rev. Anaitis mit halberhobener Rechten, die einen Kelch zu halten scheint, stehend auf einem von zwei geflügelten Sphinxen getragenen oder ge- zogenen Thronwagen. Umschrift links AZA PI, rechts ANIZA AH.
Die Darstellung der Rückseite erinnert natürlich so- fort an die oben dem Mithrenes zugetheilte Silbermünze. Die Landesgöttin Anaitis, deren Haupttempel in Akili- sene, einer dem Zariadris untergebenen Provinz, damals hochberühmt war ^^), steht hier auf dem Sessel, auf dem sie dort ruht; die beiden geflügelten Sphinxe zu den Seiten hier wie dort.
Den ersten Namen ergänze ich zu AZAPlao^tg, zumal ja auch sonst Satrapennamen in griechischer Schrift in der Regel verkürzt erscheinen.
Der zweite wird der Vatersname im Genitiv sein, vielleicht vorn noch durch einen über den Rand hinaus- gefallenen Buchstaben zu ergänzen. Wvtadong gehört in die Reihe der skvthischen und thrakischen Namen, wie
5«j Strabo p. 532. Plin. XXXIII, 24. — Piocop. B. P. I, 17. Agathanj^. p. 126 ff.
von Sophene und (Itien Münzen.
107
Mcc'.'jdrjng. Mr,ü':,^dong, Hnp'.adong, llaipiidong, 'OxrG^aa^Äor.c, (■)ccix'.ixafjdrjag, deren Vorkommen im Bereich der Sakäen- feste und des Ana'itisdienstes nichts Befremdendes hat.
Ein merkwürdiges, aber wohl zufälliges Zusammen- treifen ist es, dass auf einer Gemme (LevyT. II, 9), wo ein König- auf einem Sphinxthrone erscheint, die Legende l*wy*i: d. i. Varnacco steht.
Das Zeitalter des Zariadris und seiner ]\lünzen lässt sich ungefähr danach bestimmen , dass sein Zeit- und früherer Amtsgenosse Artaxias bis ins Jahr 165 v. Chr. geherrscht hat, wo er den Kämpfen gegen Antiochus Epiphanes erlag, j^') Ihm gleichzeitig war also AriarathlV. von Kappadokien, der um den Besitz der Landschaft Melitene einen harten Kampf gegen den syrischen Präfecten Ptolemaeus zu bestehen hatte, s») Aus der Technik und aus dem Schriftductus allein lässt sich in Anbetracht der Abgelegenheit der Münzstätte kein sicherer Schluss ziehen.
I
Dass die Nachkommen des Zariadris an K)0 Jahre unter dem Titel Könige von Sophene die Herrschaft des Landes übten, ist aus Strabo p. 531, 532 zu ersehen. Die Lücken, welche griechische Quellen hier im Einzelnen lassen, sind aus armenischen Berichten auszufüllen.
Als Arsakes VI. seinem Bruder Valarsakes die Se- cundogenitur Armenien übertragen hatte und nun die parthische Wirthschaft und Verfassung Platz grilf, — in den Jahren 150 — 148 v. Cin*., wehrte sich die National- st; (j. Müller Fragin. II. Griiec II, p. X, Not. *8j Ebenda p. XI.
108
Dr. Otto Blau; Die IL rreu
partei in Westarmenien aufs tapferste gegen den Usur- pator unter der Führung* angestammter Fürsten. 59)
Valarsakes, oder wie er bei Justinuseo) heisst, Bacases rückte von Medien und Atropatene aus in Ar- menien vor, drang bis in die Mitte des Landes, lagerte sich am Araxes und zog noch Hülfstruppen aus der Land- schaft Chaldia an sich. Datrat in Westarmenien ein Partei- gänger der Seleukiden ihm entgegen, der ein grosses Heer in Kappadokien, Pontus, Phrygien und Ghaziv (Lasistan?) gesammelt hatte: es kam zur Schlacht bei Colonia, «1) und Valarsakes blieb Sieger. Der Held dieser Kämpfe heisst bei Mar Apas Catina mit einem assyrischen oder syrischen Namen Morphilig 62). Es war, heisst es, „un vaillant guerrier, aux membres vigoureux et bien proportionncs et d'une force egale ä sa stature; tout couvert de fer et d'airain; fort comme il etait, Champion exerce."
Da wir nach der Lage von Colonia hier nur einen Vorstoss von Südwesten her erwarten können und der territoriale Umfang des Aufstandes ganz jenen Grenzen entspricht, die Strabo für Kleinarmenien unter der Herr- schaft der Sophener angibt (p. 555, §. 28), da ferner die Ereignisse kaum um ein Menschenalter nach Zariadris Lebzeiten stattfinden und wir nach Strabo (p. 532 und 528) einen aus dem Geschlechte des Zariadris als Haupt
59j Ausfiiliilicli Mar Ap. Catina j). 44, XXIX und XXX. «0) XLI, 5.
6*) Ueber dies Coloiiia s. meine Aphorismen zur alten Geo- graphie Klein-Asiens in Petennanns Geogr. Mitth. ISGo, S. 252, §.4.
«2j Entweder Aniraphel '^D"^p^{ Genes. 14. oder syr* ] v^^^-a M o r p h e 1 g o „Theilfürst".
1
von Sophene und deren Münzen.
109
der Erhebung gegen die Fi*emdherrscliaft voraussetzen dürfen, so kann dieser Morpbilig sehr wohl ein Sohn von Zariadris gewesen sein.
Dies bestimmt mich, die zweite der Friedländer'schen Münzen (a. a. 0. Nr. 1) mit der Legende MOPI — ZA PI auf Morph i lig, Sohn des Zariadris zu deuten: MOPI- mlqog ZAPlaoptog; die Stellung der Worte ebenso ge- nommen, wie bei der Münze des Zariadris, so dass der Vatersname rechts oben steht.
Die Münze, die wir hier wiederholen, gehört, wie Friedländer richtig gesehen hat, mit der vorherigen zu- sammen. Die Kopfbedeckung ist nur wenig anders, jenem Baschlik auf den iberischen Münzen ähnlicher. Die Stel- lung der Göttin mit Mauerkrone und erhobener Rechten auf einem Piedestal erinnert auf's deutlichste an die Dar- stellung der Anaitis auf den Seulpturen von Pterion in Kappadokien. ßs)
Unter dem rechten Arme der Figur erkenne ich noch ein H, was vielleicht auf ein Regierungsjahr zu deuten ist.
(Jegen die frühere Deutung dieser Münze auf Saricha und die Provinz Morimene spricht ausser dem, was Fried- länder eingewendet hat, ganz besonders der Umstand,
88) Ritter. Krdk. Kleinasien I, 1020. VV eis^nlioni Niiiivt* l, S. -24, Taf. IT, 7. - H. Bartii in Mon. Ber. der Berl. Akad. d. Wiss. 18öi>, S. 145 deutet die Figur auf eine lydisciie Prinzessin.
110
Dr. Otto Jüai
cUiss Sariclia iiiclii in Morimene, dem nordwestlichen Kap- padokien, sondern im Südwesten an der Grenze von Meli- tene lag, wie sich ans der Erwähnung- hei den Arabern ß*) in der Form Qäricha und in den griechischen Patriar- chatsacten als /jiGvr/ roO I^vpiyjc im Sprengel des Metro- politen von Melitene c'') ergibt.
Weitere Münzen und Qnellennachrichten über Mor- pliilig können allein die sichere Entscheidung der Frage bringen, ob meine Zutheilung richtig ist.
Die Eeihe der Dynasten von Sophene lässt sich aber noch weiter verfolgen.
Nachdem Valarsakes Herr des ganzen Landes ge- worden war^ setzte er überall die Abkömmlinge der alten Strategen wieder als Unterstatthalter und Vasallen ein.
Vor allem stellte er ee) ^die Grosssatrapie von Dzop in Armenia quarta wieder her, sowie dieSatrapieni^balmni, Manavazian und Peznunian. Er wählte die Vornehmsten der einheimischen Geschlechter und ernannte sie zu Herren der Landschaften." Und weiter heisst es:
„Seh arasch an aus dem Hause Sanassar wurde Grosstoparch und Statthalter des südwestlichen Theiles des Landes an den Grenzen Assyriens, an den Gestaden des Tigris. Er erhielt den Canton Artzen, das Land um das
«*) Hacy ehrest. Arab. III, 43, 44. Joiini. Asiutiqiie 1866, 8. 270. Edrisi II, 309.
«5) Act. Patriarch, ed. Miklosich et Müller I, p. 84. ö«) Mar Apas Catina p. 50, 51.
)pheiie und deren Miiuzei
111
Ta urusgebirge, sammt dem Districte 8 im und ganz Syrien".
Morphilig war 148 v. Chr. in der Sehlacht bei Colonia gefallen. In Scharaschan haben wir also seinen unmittel- baren Nachfolger und Sohn oder Vetter. Die Anknüpfung an den assyrischen Ursprung seines Geschlechtes und das Wiederauftauchen der semitischen Tradition in den Namen der Landschaften ist charakteristisch. Die Nachricht, so fragmentarisch sie ist, ist in geographischer und histo- rischer Beziehung unverfänglich richtig. Die Grosssatrapie Dzop ist eben das Soja^y/vf/ des Strabo mit den durch Zariadris dazugeschlagenen Districten.
Ob Scharaschan als Vasall des Arsakiden Münzen geschlagen haben mag, ist zur Zeit nicht festzustellen. Es wird aber auf vorkommende Stücke etwa mit der Legende ZA PA zu fahnden sein. Eine Gemme spät -assyrischen Styles mit der Inschrift |ty"iti> oder jriin Scharaschan oder Tartan kennen wir bereits, ß') Der darüber schwe- bende Feruer ist dem der Satrai)enmünzen sehr ähnlich.
Endlich kommt noch der letzte Zariadride in Betracht. Zwischen Scharaschan und der Vereinigung von Sopliene mit dem Reiche des Tigranes, welche sich in den Jahren 74 — 70 V. Chr. vollzog, liegen mehr als zwei Menschen- alter. Aus diesem Zeiträume besitzen wir nur die dürftige Kunde, dass ein Sophener das kappadokische Fort Tomisa am Euphrat fUr 100 Talente käuflich erworben hatte, es)
*') S. Zeitschr. D. Morg. Ges. XIV, S, 55().
112
Dr. Ottu Blau : Die lU
Man hat ans der Stelle einen ;,König Sophenos^' berans- lesen wollen;««) es ist aber augenscheinlich nur „der Sophener^. Im Uebrigen steht fest, dass das Geschlecht desZariadris erst durch Tigranes seiner Macht als Dynasten von Sophene entkleidet wurde.
.,ToO 0£ Zapidopiog [dKoyovog W) 6 Soj'^v/vö? 'Apc7avr/g s'^cüv Tc: vÖTiOL ixipTj /.cä roi)T(jiv xa. npog oOaiv ixccAaov. xccTSAv^Yi ry o'jTog VKÖ rov Tiypävov, y.ai nävroiv /.ccriaTrj xOptog £X£tvog>' Strabo p. 532.
Stephan von Byzanz ^o) hat in seinem Codex aber gelesen: ,,Iloj^-//VÖg 'Apad^r^g eyoiv rd vöria fxiprj^^.
Hier wäre also der Arsakes gefunden, welchen Pater Sibilian suchte, als er die merkwürdige in dieser Zeitschr. II, S. 343 besprochene Münze dem Sohne des Valarschag für so lange zuzutheilen vorschlug, „bis man nicht einen andern König dieses Namens gefunden haben wird, welchem dieselbe mit mehr Fug und Recht zuzu- sprechen wäre".
V. Sallets Bemerkung, 7 1) dass diese Münze zu mangel- haft abgebildet sei, um classificirt werden zu können, ändert nichts an der Thatsache, dass auf der Rückseite die kappadokische Artemis mit Speer und Schild dar- gestellt ist, und die deutliche Legende B A Z I A E . . A P Z A K o • lautet ; sowie dass der jugendliche Kopf mit
«9) Pape-Benseler Wtb. Gr. Eig-. 1478. 2ovjv;vcc „Name des Königs der Sophener".
7«) ed Mein. p. 597, 4 mit der Note. Die Varianten bei Strabo sind 'Aprav/j? und 'Apaavvjg.
71) Berlin, Zeitschr. t. Numism, I, 8. 312. — Die Leser wollen hierzu die Abbildung in der Wiener Num. Zeitschr. II, Tat". VIII, 3 vergleichen.
von Sophene ui.d deren Münzen.
113
Diadem auf der Rückseite keinem der bekannten parthi- schen Arsakiden gehören kann.
Eben wegen des Typus und der von allen Codices bei Stephanus verbürgten Lesart 'Ao^axY/c nehme ich die Münze für den letzten Sophener in Anspruch.
Es wird indess damit noch nicht das letzte Wort in dieser Sache gesprochen sein.
Auf dem Gebiete der altarnienischen Numismatik sind noch die schönsten Entdeckungen zu machen. Die Unter- suchung:en werden Hand in Hand mit denen über die kappadokischen Königsmünzen zu gehen haben, welche neuerding« so erfolgreich angeregt zu haben, FriedlUnders Verdienst ist (a. a. 0. S. 272).
Durch Pompeius wurde Sophene dem Reiche des Ario- barzanes von Kappadokien einverleibt. 72)
I
Fassen wir in kurzer Uebersicht diejenigen Namen zusammen, die sich in vorstehendem Versuche nach den Nachrichten der Schriftsteller und aus Denkmälern histo- risch fixiren lassen, so sind es die Folgenden:
I. Satrapen von Sim oder Leukosyrien.
Tiribazus
Camissares
Datames
Ariakes j
Mithraustes )
Mithrenes
Neoptolemos
|
ni |
i 400 |
V. |
Chr. |
|
V |
390 |
w |
r |
|
r |
3S0 |
r |
r |
|
j) |
333 |
r |
V |
|
Ji |
330 |
r |
r |
|
r |
31Ö |
V |
r |
72; Appian Mithrid. 10;'
114 Dr. Otte Blau: Die Herren von Sophene und deren Münzen.
II. Strategen und Könige von Westarmenien.
Ardoates, Orontas, Artavasdes ?
Anonymer Basileus um 260 v. Chr.
Arsabes „ 230 „ „
Abdissares
Xerxes ,, 215 „ ;,
Zariadris „ 200 „ „
III. Könige von Sophene.
Zariadris seit 190 v. Chr. bis 165? Morphilig „ — „ -, n ^48
Scharaschan von 14S „ ,,
_9
Arsakes „ — „ r ;? '^^•
Odessa, April 1877.
J15
IV.
Römische Kriegsmünzen von Carteia.
Von «Tiilitis INendecb.
In der description generale des monnaies antiques de FEspagne par Alois Heiss, Paris 1870, auf Planche XLIX finden sich Fig. 1 — 30, die Münzen aus Carteia aus der sehr gewählten und reichen Sammlung des Autors und der wichtigsten öffentlichen Sammlungen beschrieben und abgebildet; der folgende in meiner Sammlung befindliche Semis findet sich daselbst, so wie in anderen mir zugäng- lichen Werken nicht vor.
Av. Jupiterkopf nach rechts, dahinter S. Rev. Prora nach rechts, oben L. AARp, unten GART El, rechts S.
917 Grm., schwach uncial, gut erhalten, licht grüne Palina. Bei Heiss sind unter anderen beschrieben:
V o ni u n c i a 1 e n F u s s.
Q. PEDECAI Q. PEDEC
Delfin Prora. S.
CAR"EIA leer.
IKi
Jiiliu» N'eudick
Q OPS
Delfiii CAR-EIA
Q. OPS
Prora. S.
CAR-EIA.
L MARCI 0 Delfin CARTEIA
Die oben beschriebene Münze meiner Sammlung- bildet daher das Gegenstück und ergänzt die Reihe mit der Prora.
V 0 m s e m u n c i a 1 e n F ii s s.
Jupiterkopf Uli VIR TR
Jupiterkopf S.
Eev. Q.
C. MINI
Prora. S-
CAR-EI.
CAR-EI CAR-EI
Delfin S. Delfin
C MINI C. MINI-Q F. Q. F.
Ausser diesen sind noch kleinere Theilstücke mit Delfin, Ruder und Cadueeus beschrieben.
Ganzstücke fehlen, da sich Rom im ganzen Reiche das Monopol vorbehielt, alles Gold und Silber, sowie die Kupferganzstücke zu prägen und nur Scheidemünze den autonomen Gemeinden zu schlagen erlaubte.
Auf den älteren schwach uncialen Prägen sieht man keine Amtstitel, nur bei den schwach semuncialen findet man selbe, wie AED oder AID, IUI VIR, Q- ^^^ Münze scheint daher bald unter Aufsicht eines Aedils, bald eines der Quatuorviri oder eines Decurio gestanden zu sein. Unter letzteren werden auch Prinzen, die häufig von Provin-
^) Im Katalog Jose Garcia della Tone unter Nr. 194, als Nei)timuskopf falsch beschrieben.
Uöniisehe Kriegsmiinzeii von Carteia.
117
zialstädten in ihren Gemeinderath gewählt wurden, genannt, wie L. Caesar, Drusns und Germanicus, Heiss Fig. 15 und 29. Bei der Unzuverlässigkeit der einheimischen spa- nischen Bevölkerung scheint man in Rom dahin gewirkt zu haben, dass in den Städten das Amt eines Decurio stets von einem Mitgliede einer altrömischen Familie besetzt war, welches durch seine Stellung und durch sein Ansehen sicher und verlässlich zu Gunsten der römischen Herrschaft wirken konnte.
Es ist ein eigenthUmliches Vorkommniss bei Carteia und anderen Städten Spaniens, dass deren Münzmeister mit zwei Stempeln oder Typen prägten, bald mit localen Symbolen, bald nach Muster des Gepräges der Stadt Rom. p]s ist mit grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Münzen mit der Prora in Kriegszeiten für den Sold der Truppen geschlagen wurden, nach zurückgekehrten fried- lichen Verhältnissen aber derselbe Münzvorstand wieder mit localen TypcMi prägte.
Für diese Ansicht scheinen mir die Münzen mit der Prora selbst zu sprechen. Sie sind stets weniger sorgfältig ausgeführt gegenüber dem analogen Stempel mit dem Deltin, die Schrift ist abgekürzt, die Schrötlinge sind ungenau verfertigt ; überhaupt deutet diese Ausmünzung auf Eile und geringe Sorgfalt in der Ausführung hin. Dazu kommt , dass die Münzen mit der Prora sehr selten sind, also nicht für gewöhnlich, sondern ausnahmsweise geschlagen wurden.
Zu derselben Gattung gehört eine im Katalog Garcia unter Nr. 204 beschriebene und bei Heiss Fig. 8 abge- bildete Münze, die sich auch in meiner Sammlung be- findet.
118
A\
ius Neudevk :
A V. Jiipiterkopf iiaeli rechts S.
Rev. M. SEP. Prora S. KAR.
9*67 Grm., schwach iincia]
gut erhalten.
Obgleich Heiss selbe Carteia zuspricht, bezweifle ich diese ZiitheiluDg; denn es ist nicht anzunehmen und durch kein Beispiel bewiesen, dass zu gleicher Zeit (und zur Annahme der Gleichzeitigkeit berechtigt das fast gleiche Gewicht) die Schreibweise einer Stadt so verschieden gewesen sei, wie eben da; übrigens ist auch die Arbeit verschieden, selbst roh, das Gesicht grossnasig und unförm- lich, der Bart gekräuselt und der Hals unrichtig angesetzt; auch die Prora ist oben flach und der Schiffskörper nur mit gekreuzten Stricheln geziert, mit einem Worte es besteht keine Aehnlicbkeit der Fabrik zwischen der Münze mit KAR und jener von Carteia.
In Spanien finden sich noch andere autonome Gemeinden, von welchen Münzen bekannt sind und die mit Car. . . beginnen, als da sind: Caravi, Carabaca, Car- thago nova, Carbula, Carissa, Carmo, etc. etc. vielleicht gehört der Semis mit KAR nach Carthago nova im Sinne einer Kriegsmünze.
Dass diese Kriegsmünzen mit den Typen der Stadt Rom geprägt wurden , mag seine Ursache darin haben, dass man den römischen Truppen bei den fortwährenden Kriegszügen und Märschen durch verschiedene, einander oft feindlich gesinnte Stadtgebiete in Spanien, deren jedes sein eigenes locales Courant hatte, eine in allen Städten gültige und C'ours habende Münze geben wollte.
Kömische Kriegsmiin/on vr>n Cateia.
119
Nach dem Gewiclite sind sowohl der Semis von Carteia, als auch der Semis mit KAR auf den uncialen Fuss, also nach Mommsen's „Geschichte des römischen Münzwesens" zwischen 537 und 665 der Stadt Rom ge- prägt. Nach dem Mangel der Amtstitel und nach der Kürze der Inschrift gehören sie aber in die erste Zeit dieser Periode, sie sind daher in der That während des spani- schen Krieges unter Scipio geschlagen worden.
Lucius Marcius Septimus im Jahre 540 — 547 der Stadt Rom Ünterbefehlshaber unter den Scipionen, war nach deren Tode Oberbefehlshaber bis zur Ankunft des P. Scipio Afr. und zeichnete sich im spanischen Kriege vielfach aus.
Von M. Sepullius oder M. vSeptimius konnte ich keine Daten auffinden.
P od- Tu r na im November 1876.
120
Julius Noudeck: Rötiiische
V.
Römische Inedita der Consularzeit
Von Jviliiis* ZVeiideck.
1. Triens. Av. Pallaskopf, . • .
Kev. Prora , oberhalb RoM- im Abschnitt • • • • rechts, als Münzmeister- Wappen Simpulum. 3-50 Grm. Semuncialer Fuss, rohe Fabrik, gut erhalten.
2. Qiiadrans. Av. Herkuleskopf» • •
Kev. Prora, an der mittleren Spitze derselben^ ein Menschenkopf, oben RoMA und • • •
3-20 Grm. Semuncialer Fuss, gut erhalten,, schöne grüne Patina. Diese beiden Münzen finden sich weder in Kiccio, Mommsen, Dechant noch in dem grossen Werke des Baron d'Ailly publicirt.
3. Triens. x\v. Pallaskopf» • •
Rev. Prora, rechts A, im Abschnitt • • • oben
Roma.
7-70 Grm. Uncial-Fuss. Sehr gut erhalten.
Inedita der Coiusiilarzeit.
121
l)aron d'Ailly besehreibt einen seniuneialen Qundrans mit 5\, welches Monogramm jedoch ober die Prora ge- stellt ist, — dann einen sextantaren Triens mit /E rechts. Bei der vorzüglichen Erhaltung obigen Exemplars ist für A kein Zweifel.
Ob dieses Monogramm ein Münzstättezeichen oder ein Familienname sei, ist kaum zu bestimmen ; mit mehr Wahrscheinlichkeit dürfte es letzteres sein, da Münzstätte- zeichen meist auf Av. und Rev. vorkommen. Man hat es also hier mit einem Familiennamen zu thun, der nach Mommsens „Geschichte des römischen Münzwesens" in die Zeit des Uncialfusses zwischen 537 und 665 der Stadt Rom fällt, und zwar da die Amtstitel fehlen, in den Anfang dieser Periode, also gegen die Mitte des VI. Jahrhunderts.
Mommsen sagt „reichlich unciale Asses sowie Stücke mit Monogramm oder daran gränzende Aufschriften fallen zwischen 560—580", in unserem Falle als höchst ein- faches nur aus zwei Buchstaben bestehendes Monogramm, um das Jahr 560 d. St. R.
Dieses Monogramm löst sich in L und A auf und be- zeichnet wahrscheinlich einen Cognomen LA ; es in
AL aufzulösen, entspricht die Lage des L nicht, da es dann richtig geschrieben A zeigen müsste.
Als Beispiel Dechant Tafel I, Nr. 1.
Dieser uns vorliegende Fall gibt uns auch eine Regel zum Auflösen der Monogramme, z. B. T bei Momm- sen Nr. 26 löse ich in Consequenz nicht wie dort in L. F. P., sondern in F. P. L. ; ebendort Nr. 28 \S nicht in L. PL. H., sondern in L. H. PL., also genau nach der Nacheinander- folge der Buchstaben; nur in späterer Zeit der Republik hielt man sich nicht mehr genau an diese Regel.
122
Julius Neiideck: [{ömische liu dita der C
4. Trieiis. Av. Pallaskopf/ unten CA; rechts RoM'
Kev. Prora, darüber RoMA, rechts CA und • • • 6-45 Grm. Schwach uncial^ schöne Fabrik, gut erhalten^ schöne licht grüne Patina.
Moramsen gibt an: „Roma auf dem Rev.", hier haben wir auf beiden Seiten den Stadtnamen; ferner sagt selber: ,.fehlt das Werthzeichen auf beiden Seiten nie" ; hier man- gelt es auf den Av., da auch die Perleneinfassung voll- kommen sichtbar und erhalten ist, das Werthzeichen aus dem Schrötling nicht ausgefallen sein kann.
Vielleicht ist diese Münze, wie auch Mommsen dabei angibt, auf eine römisch - campanische überprägt, das RoMA im Av. nur das Ueberbleibsel der alten Münze; übrigens ist eine Ueberprägung nicht bemerkbar und die Präge scharf.
Pod-Turna im November 1876.
]'23
VI.
VICTORIA PERPETVA AVG und nicht VICTORIA PONTICA AVG auf Münzen des Kaisers Tacitus.
Hitizu Tafel [II.
Von
Josepli V. XColb.
In meiner Specialsammlung der Münzen der beiden römischen Kaiser Tacitus und Florianns befinden sich folgende drei Antoniniane^ und zwar:
Nr. 1239 1) Vs. IMP C TACITVS INVICTVS AVG Brustbild von rechts mit Sirahlenkrone und Paludamentum.
Rs. VICTORIA PERPETVA AVG Der Kaiser stehend, von links, das Haui)t bekränzt, im Kriegsgewande mit dem Paludamentum, mit der Linken einen Scepter aufstützend, die Rechte gegen einen Lorbeerkranz ausstreckend, welchen die vor ihm stehende Siegesgöttin entgegen hält. Im Felde zwischen Kaiser und Siegesgöttin ein Stern, im Abschnitte KAA. Tafel in. L
t) Ich gebe liier um Vt rwechslungen und Wiederholungen vorzubeugen die Nummern meiner Specialf^ammlung.
\
1^4 J. V. Kolb: YICTORIA I'EUPKTVA AVG und nicht
Nr.^^. Vs. IMP C M ANN FLORIANVS P AVG
Brustbild von reclits mit Strahlenkrone und Panzer.
Rs. VICTORIA PERPETVA AVG Die gleiche Vor- stellung. Im Felde Stern, im Abschnitte KA-B*. Tafel IIL 2.
Nr. 1373. Vs. IMP C M CL TACITVS AVG Brust- bild von reclits mit Strahlenkrone und Paluda- mentum.
Rs. VICTORIA PERPET der übrige Theil der Um- schrift fehlt in Folge Stempelrutsches. Vorstel- lung: wie vorher. Im Felde Stern, im Abschnitte KAA.
Tafel III. 3.
Ausserdem fand ich bei Durchsicht der Münzsamm- lung des National -Museums zu Pesth noch folgenden Antoninian :
Vs. IMP C TACITVS INVICTVS AVG Brust- bild von rechts mit Strahlenkrone und Paluda- mentum.
Rs. VICTORIA PERPETVA A VG Die gleiche Vor- stellung, im Felde ein Stern, im Abschnitte
KA r
Tafel III. 4.
Die Umschrift der Rückseite VICTORIA PERPETVA AVG dieser, wahrscheinlich zu Serdica ausgebrachten Antoniniane, war mir durch die übereinstimmende Vorstellung und einschlägige Abschnitts-Sigle mit jener des so überaus seltenen Stückes mit VICTORIA
VICTOKrA PONTICA AVG auf Münzen des Kaif.eis Tacitiu
125
PONTICA AVG 2) aufgefallen. Die beiden Umschriften verglichen ergibt sich, dass der ganze Unterschied auf sechs, beziehungsweise fünf Buchstaben beruht.
VICTORIA PERPETVA AVG VICTORIA PONTICA AVG
Cohen beschreibt die Münze mit Victoria Pontica folgend :
Nr. li>l). IMP. CM. CL. TACITVS AVG- Son buste radie.
fy. VICTORIA PONTICA AVG. Victoire debout
offrant une couronne ä Tacite debout en habit
militaire; au milieu une etoile ; a l'exergue K A A.
Eckhel, du musee du prince de Waldeck.
P. B. 100 Frcs.
Mionnet (Ausgabe 1815, p. 319 ; Ausgabe 1827. Bd. II, p. 114) beschreibt nur die Rückseite u. zw.
Victoria pontica. (AVG scheint durch ein Uebersehen ausgefallen zu sein.)
Victoire debout, presentant une couronne a TEmpereur debout, v6tu du paludamentum; dans le champ, un astre; ä Texergue KAA.
(Cabin. du prince de Wal deck.)
P. B. () Frcs.
Wie aus diesen beiden Beschreibungen ersichtlich ist, beschreiben Mionnet sowohl, wie Cohen ein und das- selbe Stück aus der Sammlung des Prinzen von Waldeck. Cohen nennt seinen Gewährsmann, und zwar Kckhel.
3) Collen Med. [lup. 'INuiie V, p. 2()7, Nr. \.'2\K
»
1'2(\
.1. V. Knlb: VICTOPvTA PEKPETVA AVC und nicht
Letzterer beschreibt zum ersten Male das Stück in seiner Doctrina numoriim veternm ») folgend:
VICTORIAPONTICAAVG. Victoria stans impe- ratori palndato adstanti lanream oifert^ in medio astriim, in imo KAA.
AE. III. (Mus. princ. de Waldeck).
„In singulari hoc, et quod hactenus norim, numo unico, quemque ipse vidi, literae VICTORIA PO raani- festae sunt, reliquae minus luculentae, quin tamen dubitari possit, eas explendas legende PONTICA, neque etiam dubitari, hanc victoriam Ponticam eandem esse cum ea, quae in numis praecedentibus Gothica dicitur, cum vici- nam Ponto partem insiderint Gothi. Neque alia existimo de causa Castorum unus in numo supra landato dicitur CONSERVATOR AVG, quam quod Dioscuri , in quorum tutela fuisse regiones Ponto adsitas in numis urbium Ponti diximuSj visi l'uerint Tacito, sibi in Gothico hoc hello opem tulisse."
Wie aus diesem hervorgeht, war das von Eckhel hier beschriebene Stück, der Sammlung des Prinzen von Waldeck angehörig, nicht zum besten erhalten und eben dieser Umstand, dass ein Theil der Umschrift verschie- dene Lesarten zuliess, v^ar Ursache der Hypothese Eck- hels, auf dessen anerkannte Autorität die Victoria Pontica in die Werke von Mionnet, Akermann *), Cohen u. a. m. aufgenommen wurde.
3; Tomus VII, p. 498.
*j J. Y. Akermann. A desciiptive catalogue of rare and unedited ßonian coins. London 1834.
VICTORIA POMTCA AYO auf Münz, n des Kaisers Tacitiu^
Münze mit Victoria Foiitica wurde als Beleg; de» Sieges des Kaisers Tacitiis über die über Pontns bis Kili- kien vorgedrungenen Skythen benützt 5).
Auffallend genug ist die Legende VICTORIA PONTICA AVG nnd erregt in ihrer Zusammensetzung verschiedene Bedenken.
So die Verherrlichung eines Sieges in einer einzelnen Provinz, denn eine solche war Pontus doch zu Jener Zeit ; mir ist hiefür sowohl wie auch für die Stellung des Orts- oder Ländernamens zwischen VICTORIA und AVG keine Analogie auf Münzen der Kaiserzeit bekannt.
Namen der Kaiser selbst kommen wohl in dieser Stellung vor, wie z. B. VICTORIA GALBAE AVG«), VICT GAL AVG -), VICTORIA PROBI AVG M u. a. m. Orts-, Länder und Völkernamen kommen häufig nach dem Worte VICTORIA vor, jedoch folgt hierauf niemals AVG.
Alle diese Zweifel an der Existenz der VICTORIA PONTICA AVG und die Gründe für die Identität mit der VICTORIA PERPETVAAVG bewogen mich als Special-
5) Pauly Keal-Encyclopädie der class. AUerthiims-Wissen- schaft Bd. VI, Abtli. 2, S. 1579 wo ebenso die irrige Lesart VICTORIA GOTHI neben der richtigen VICTORIA GOTTHI auf- gefiilirt erricheint, jedoch wurde übersehen , dass gerade Zosinius der hier citirt wurde, wohl von einem Siege des Kaisers über die Skythen berichtet, jedoch in folgender Weise: (Lib. I. cap. (i.S)
KtAuias £7re'(5pafjiov ot? ettc^sX^wv Täx'.rof Tovg p.£v cc'jzog xaraTroXefArjffag E^etXe, X. T. X. Hiernach sind Skythen über die Maeotis durch Pontus bis Kilikien vorgedrungen und geschlagen worden.
ßj Galba Ai Quinar. Cohen T. L p. 22«;, 227.
7; Gailienus A' und Antoniuian, ebendorr 'J . IV. p. 4U).
8) Probus N ebendortT. V, p. 231.
1:8
.1. V. K. U.: VrCTOHTA F'KUPETVA AVf. und iiicl
Sammler der Münzen der Kaiser Tacitus und Fiorianus, der Quelie Eckhels nachzustehen und das, wie schon erwähnt aus der Sammhing- cels. principis Christiani de Waldeck beschriebene Stück selbst näher zu besehen.
Eckhel gedenkt der Sammlung und des Besitzers derselben folgend in seiner Doct. num. veterum.»)
„Museum cels. principis Christiani de Waldeck exer- citus Caesarei promareschalli, legionis equestris supremi tribuni etc.
Virum nominavi. quem Mars, cum res armis gerenda, Minerva, cum ab his cessatur, in familiarissimis suis putant. Illustrem imperatorum seriem, ac si aeneos primae formae spectes, e praestantissimis unam, quas per Euro- pam reperias, non tam sumptibus suis debet, quam insti- tutis fere quotannis cluso Jani templo in Italiam itine- ribus, 1«) ac purgato suo judicio, quo numorum fidem longo, multoque usu explorare didicit. Pracclarum hoc museum nunc Vindobonam translatum insignes mihi ad praesens opus commoditates attulit in quo non pauca reperies numorum dvsx.oorwv exemplaria, quos in literarum bonum vulgandi princeps liberalissimus veniam lubens fecit."
Der hier erwähnte hohe Stifter der Sammlung war Christian August Prinz zu Waldeck und Pyrmont , dritter Sohn des Fürsten Carl von Waldeck und Pyrmont (gest.
») D. N. V. Prolegomena caput XXIIl, p. OLXXVIl.
'«) Götlie. Italienische Keise (Stuttgarter Ausgabe 1867, Band XIX) 1. März 1787, S. 188; 9. März 1787, S. 198. „Heute waren wir mit dem Fürsten von Waldeck auf Capo di Monte, wo die grosse Sammlung von Gemälden, Münzen u. dgl. sich befindet" etc., end- lich 28. März 1787, S. 225.
VICTOinx POXTICA AVG auf Münzen dti. Kaisers Tacitus.
129
am 29. August 1703) und der Fürstin Christiana (gest. am 11. Febr. 1816) Tochter des Pfalzgrafen Christian IIL von Zweibrücken-Birkenfeld; er wurde am 6. Deceniber 1744 zu Arolsen geboren, trat in österreichische Militär- dienste, ward 1778 Oberst, 1781 Inhaber des damaligen zweiten Dragoner- (heute 15. Hussaren-) Regiments, 1783 Oeneralmajor, war längere Zeit in Italien, wo er wie oben erwähnt mit Göthe in Verkehr trat, und wahrscheinlichst den Grund zu seiner Münzsammlung legte. Er ward 1789 Feldmarschall-Lieutenant, verlor 1793 bei der Belaü-erunü* von Thionville einen Arm und wurde 1794 General der Cavallerie, übernahm 1797 das Obercommando der kgl. portugiesischen Truppen, erhielt die Feldmarschallswürde und starb am 28. September 1798 zu Cintra bei Lis- sabon, n)
Die von diesem kunstsinnigen Prinzen angelegte Sammlung von Münzen und Antiquitäten, welche sich in Wien »2) befand, wurde entweder am Schlüsse des Jahres 1799 oder Anfangs 1800 nach Arolsen gebracht und durch den Bruder des Begründers derselben, Fürsten Georg (ge- boren 6. Mai 1747, gestorben 9. September 1813) und des letzteren Sohn , Fürsten Georg Heinrich, den Vater Seiner Durchlaucht des regierenden Fürsten Georg Victor, bedeu- tend vermehrt.
Da nun keine weiteren Nachrichten über den Verbleib der besprochenen Münze vorlagen, so war mit ziemlicher
iij Wo auf dem engliöclieu Kirchhofe ein schönes Marmor- Denkmal dessen letzte Ruhestätte bezeichnet.
1-) Eckhel w. o. Prole^omena caput XXIIl.
.SchlichtegToll, Annaleu der gesammten Numi.smatik, Loipzij^- 1804, S. 101.
130
J. T. Kolb: VICTORIA PEKPETVA AVG und nicht
Sicherheit anzunehmen, dass sich dieselbe dermalen in der Sammlung zu Arolsen befinde.
Ich begab mich demnach nach Arolsen, und suchte^ behufs Besichtigung der Sammlung, beziehungsweise Con- statirung des fraglichen Stückes, um Audienz bei Seiner Durchlaucht dem regierenden Fürsten von Waldeck und Pyrmont nach.
Seine Durchlaucht hatten die Gnade mir nicht nur die Bewilligung zur Besichtigung des Münzcabinets zu ertheilen, sondern mich auch auf die alldort befindlichen an der Zahl weit ein paar Hundert übersteigenden pracht- vollen Herakles-Statuetten Höchstselbst aufmerksam zu machen.
In der Münzsammlung, die besonders reich an schönen Contorniaten , fand sich die gesuchte Münze bald ; sie lag auf einem, wie mir schien noch von Eckhels Hand beschriebenen Zettel, mit der Bezeichnung VICTORIA PO(ntica). Das Resultat der Besichtigung und Verglei- chung mit meinen drei mitgenommenen Stücken 13) ergab^ dass die Umschrift der Rückseite nicht VICTORIA PONTICA AVG, sondern , meine Ansicht bestätigend^ VICTORIA PERPETVA AVG zu lesen sei.
Die Vorderseite stimmt überein mit meiner Nummer 1373, obwohl nicht stempelgleich, die Rückseite mit 1239 wie die Abbildung zeigt. Tafel HL 5.
Da keine weitere Münze des Kaisers Tacitus mit VICTORIA PONTICA AVG bekannt, diese einzige
!) Nr. 1239, yytj ^"^1 1^'^^ w. o.
VICTORIA PONTICA AVG auf Miiuztn des Kaisers Tacitus.
131
I
jedoch irrig gelesen worden ist, was hiemit bewiesen wurde, so ist wohl diese absonderliche Rarität als abgethan zu betrachten.
Ich habe noch die angenehme Pflicht Seiner Durch- laucht dem regierenden Fürsten von Waldeck und Pyrmont den ehrfurchtsvollsten Dank auszudrücken für die Erlaub- niss zur Besichtigung der Sammlung, da ohne diese Bewilligung eine Constatirung, ob VICTORIA PONTICA AVG oder VICTORIA PERPETVA AVG die richtige Lesart sei, zu den Unmöglichkeiten gezählt hätte.
1
I
L
32
A. Luschin-Ebengreuth
VII. Die Wiener Pfenninge.
Fiindverzeichuisse und kritische Studien.
(Fortsetzung von Seite 314 vori;;en Bandes.) Von A.. Luscliin - Ebengi'etitli.
§• 16. Die verschiedenen Ermittlung^sarten des JTIünzfusses der ¥l^iener Pfenninge.
Huber hat in seinen Untersuchungen über die Münz- g-eschichte Oesterreichs im XIII. und XIV. Jahrhunderte einen dreifachen Weg zur Bestimmung der Münzwerthe und der Vergleichung älterer Werthzeichen mit den heuti- gen vorgeschlagen: 1. Prüfung des Feingehaltes und (füge ich hinzu) des Durchschnittsgewichtes noch erhaltener Stücke. 2. Benützung von Nachrichten über die Art der Ausprägung^ und 3. über das Cursverhältniss verschie- dener Münzsorten, wobei dann der unbekannte Werth der einen Münzsorte durch Rückschluss von dem bekannten einer anderen, festgestellt wird.
Bisher wurde zur Ermittelung des Münzfusses der Wiener Pfenninge nur der letztangegebene Weg betreten, technische Schwierigkeiten verlegten den ersten, die Seltenheit der älteren Münzgesetze und die Schwierigkeit sich darin zurechtzufinden, erschwerten den zweiten.
In dieser Abhandlung soll jedoch der Versuch ge- macht werden, den Münzfuss der Wiener Pfenninge im
Die Wiener Pfenninge.
133
XIII. lind XIV. Jahrhunderte durch gleichzeitige Anwen- dung aller drei Methoden zai bestimmen. Zu diesem Ende werden in §. 17 zunächst die Ergebnisse der von mir ver- anlassten Gewichts- und Feuerproben vorgeführt, während in §. 18 unter Benützung der früher (§. 14, 17) gefundeneu Grössen und mit Berücksichtigung aller mir bekannt gewordenen Urkundenstellen, das Scliema des Münzfusses selbst entwickelt werden soll.
§.1'7. Erg^ebiii^^se von Oewiehts- und Feuerproben.
Es liegt in der Natur der Sache, dass bei mittelalter- lichen Münzen, welche wie die Oesterreichischen nur al raarco ausgebracht wurden, das zufällige Gewicht eines einzelnen Stückes zur Ermittelung des beabsichtigten Schrot's ungeeignet ist. Man wird vielmehr nur dort an- nähernd richtige Zahlen tinden, wo man eine grössere Menge gleichartiger Münzen zur Verfügung hat. Versuche von deren Richtigkeit sich Jedermann vorkommendenfalls selbst überzeugen kann, werden darthun, dass trotz aller Unterschiede im Einzeigewichte die z. B. beim Marburger Funde B zwischen 0-40— 082 (Nr. 45, Abb. 15) oder ().47_0-90 Gramm (Nr. 213, Abb. 217) u. Ä. schwankten, die Gesammtgewichte von 20 und 10 Stücken wenig von einander abweichen, und darum auch ziemlich überein- stimmende üurchschnittsgewichte ergeben. Je grösser die Zahl der gewogenen Stücke ist, um so genauer müssen dann die Resultate werden, und so führe ich denn als Beleg für das Gesagte die Proben an, welche ich mit 480 Steinbock-Denaren vornahm, wie sie mir aus dem Gutten- steiner Funde (vgl. Anm. 73) zukamen.
134
A. Luschin-Ebengreuth :
Stck. Gesammt- U.Durchschnitts- Stck. Gesammt-u.Durchschnittsg.
gewicht.
60 34-4 Grm. 0-573 Grm.(2Male)
|
30 |
17-0 |
Grm. |
0-56() Grm. |
60 |
34-5 |
„ 0-575 |
|
30 |
17-8 |
n |
0-593 „ |
60 |
34-7 |
„ 0-578 |
|
30 |
18-3 |
n |
0-61 „ |
60 |
34-9 |
„ 0-581 |
|
30 |
18-4 |
v |
0-613 „ |
60 |
35-6 |
„ 0-593 |
|
30 |
18-4 |
» |
0-613 „ |
60 |
36-1 |
„ 0-601 |
Alle 480 Stück zusammen wogen 279-6 Gramm oder fast genau eine Wiener Mark (280-006) es ergibt sich demnach 0-5825 als das durchschnittliche Gewicht der Steinbock -Denare wie sie im Guttensteiner Münzfunde vorkamen.
Solche Resultate von Durchschnittswägungen sind aber zunächt nur für das Gewicht entscheidend, das der betreffenden Münzsorte im Umlaufe zur Zeit der Vergra- bung des Schatzes zukam. Sie werden darum einen um- sogenaueren Schluss auf den ursprünglichen Münzfuss zulassen, je kürzere Zeit die gewogenen Exemplare vor der Verscharrung umgelaufen sind , und umsomehr von demselben abweichen, je längere Zeit sie bis dahin im Verkehre geblieben waren. Dies leitet von selbst auf das Thema des Verkehrsverlustes über, dem die Münzen zu allen Zeiten ausgesetzt sind.
Versuche die Grösse desselben im Wege systematischer Beobachtungen zu ergründen, hat man bei cursirenden Geldsorten erst seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts angestellt und in frühere Zeiten, namentlich in das Mittel- alter zurückgreifende Studien über dies Thema sind mir überhaupt nicht bekannt, »e) Immerhin ist aber auch hier
86) Karmasch, Beitrag zur Technik des Müuzweseiis Cap. 5,
S. 58 ft.
Die Wiener Pfenninge.
135
eine Probe denkbar, wenn man nämlich die Diirebschuitts- gewichte derselben Münzsorte nebeneinanderstellt, so wie sie sieb aus versebiedenen Münzfunden nachweisen lassen. Zieht man die Vergrabungszeit der letzteren in Betracht, so kann man dann, vorausgesetzt, dass ein hinläng- lich grosses Beobachtungsmaterial vorliegt, einen an- nähernden Schluss auf den Verlust-Coefficienten machen. Vergleichen wir z. B. die Durchschnittsgewichte aus den um 1400 vergrabenen Funden B und C, mit jenen des etwa 25 Jahre jüngeren Guttensteiner Fundes (Q), so erhalten
|
wir |
folgende Ta |
belle: |
|||||||
|
Nr. |
Durchschnitt |
Abnützung |
Nr. |
Durch |
schnitt |
Abnützung |
|||
|
AB |
Q |
AB |
Q |
||||||
|
1 |
0-65 |
0-596 |
0-054 Gramm |
8<J |
0-62 |
0-58 |
0-03 Gramm |
||
|
22 |
0-62 |
0-585 |
0-035 |
n |
83 |
0-64 |
0-59 |
0-05 |
r |
|
23 |
0-67 |
0-596 |
0-074 |
r |
87 |
0-60 |
0-57 |
0-03 |
n |
|
24 |
0-60 |
0-56 |
0-04 |
n |
100 |
0-63 |
0-57 |
0-06 |
n |
|
45 |
0-64 |
0-5825 |
0-0557 |
n |
110 |
0-60 |
0-58 |
0-02 |
n |
|
58 |
0-62 |
c.0-58 |
0-04 |
n |
112 |
0-62 |
0-59 |
0-03 |
n |
|
64 |
0-62 |
0-55 |
007 |
n |
135 |
0-62 |
0-59 |
0-03 |
n |
|
60 |
0-60 |
0-53 |
0-07 |
n |
137 |
0-59 |
0-53 |
0-06 |
T) |
|
74 |
0-64 |
0-59 |
0-05 |
n |
143 |
0-57 |
0-54 |
0-03 |
V |
Die Gattungen Nr. 3 und Nr. G wogen gleich schwer, Nr. 19, 52 und 54 ergaben sogar im Guttensteiner Funde ein Ueberge wicht von 0*03— 0035 Grm. Diese Ausnahmen können jedoch der Kegel gegenüber umsoweniger in Be- tracht kommen, als die betretfenden Gepräge in allen drei Münzfunden zu den spärlicher vertretenen gehören. Ihre Durchschnittsgewichte sind daher aus den weiter oben entwickelten Gründen weniger genau , als bei den übrigen meist aus doppelt und dreifach so grossen Posten abgeleiteten Zitfern , welche durchweg ein Untergewicht von 0*02— 0-()74 Grm. per Münzsortc zeigen.
loG
A. Lusiliiii-Ebeiigreuth:
Umso genauere Berücksichtigung' verdienen die soge- nannten Steinbocke (Nr. 45, Abb. 15), von welchen ich überzeugt bin, dass sie jene Münze sind, welche von Herzog Albrecht IV. im Jahre 1399 aus Anlass seiner Münzrefoim ausgeprägt wurde. Die Uebereinstimmung ihres Korns mit dem Münzgesetze, das scharfe Gepräge dem man aber gleichwohl die Eilfertigkeit einer Massenerzeugung ansieht, mit dem sie in den um 1400 vergrabenen Funden B, C und selbst dem späteren Guttensteiner Funde vorkamen, ferner die weit überwiegende Menge, in welcher sie in 0 und den obengenannten Funden auftreten (sie bilden im Durchschnitte mehr als 12o/o des Fundbestandes) sprechen für meine Annahme. Endlich ist auch noch der Umstand zu berücksichtigen, dass die Steinböcke gleich den Ennser Pfenningen Herzog Albrecht V. vom Jahre 1416 im Münz- buche (Nr. LXVIII) als besondere Münzsorte ausgeschie- den und den alten Tlöthigen Wiener Pfenningen entgegen- gesetzt werden.
Diese Identität vorausgesetzt, gingen nach dem Vor- schlage der Hausgenossen, Blumberger erläutert ihn aus- führlich, ursprünglich 25 Steinböcke auf ein Wiener Lotb (17-5 Grm.), da sie als schwarze Münze, d. h. ohne Weiss- sud ausgegeben wurden. Ihr Durchschnittsgewicht sollte also nach dem Münzgesetze von 1399 gerade 0-7 Grm. ausmachen. Der Verkehr absorbirte jedoch wie noch erörtert werden wird, sofort die schwereren Stücke und dies sowie der Verlust durch Abreibung verminderten das Schrot der Münze derart, dass es zur Zeit der Vergrabung der Funde B und C nur mehr 0-64 und 0-63 Grm. betrug, oder dass 271/3 — 272/3 Stücke auf das Wiener Loth gingen* In den 25 — 20 Jahren, welche seitdem bis zur Verbergung des Guttensteiner Schatzes verstrichen, sank ihr Schrot
Die Wiener Pfenninge. lö <
neuerdings bis auf 0-5825 Grm. oder 30 Stücke aufs Loth. Es ist dies eben jene Zeit, in welcher die Niederschrift der Stelle LXVUI des Münzbuches stattfand, denn auch diese rechnet 30 Steinböciie auf ein Wiener Loth oder 2 tt auf die rauhe Mtinzmark, Zahlen, welche mit den von mir durch Wägungen ermittelten und oben mitgetheilten Grössen vollkommen stimmen.
Wir erhalten darum folgende Uebersicht über den Verkehrsverlust der Steinböcke innerhalb etwa 25 — 30 Jahren :
Stücke aufs Loth Durchschnittsgewicht Jahr 1399, 25 0-70 Grm.
um 1400-1405, 271/3 und 272/3 0-64, 0'63 Grm.
um 1425, " 30 ^ 0-5825 Grm.
d. h. mit anderen Worten: das ursprüngliche Gewicht von 0-7 Grm. verminderte sich in höchstens 30 Jahren, um 0-1175 Grm. oder um 16-8o/o, was einem jährlichen Ver- luste von 0-004 Grm. oder mehr als 1/2 0/0 ^^cs vorgeschrie- benen Gewichts entspricht. Es ist also hier die Verhistziifer grösser als es Karmarsch' Beobachtungen an kleinen modernen Geprägen ergaben, es erklärt sich jedoch dies üebermass ganz leicht durch das im Mittelalter nicht aus- zurottende Aussaigern der schweren Stücke.
Zur Erklärung des Gesagten müssen wir aber die Facloren ins Auge fassen, als deren Ergebniss die als Gewichtsverminderung in die Sinne fallende Entwerthung des Münzstückes erscheint. Der gewöhnliche Verkehrsver- lust beruht bekanntlich theils auf mechanischer Abreibung, theils auf der chemischen Einwirkung des menschlichen Sehweisses, da dieser den Kupferinhalt aus der Legirung löst, so dass dann mit demselben nach und nach auch
138
A. Luschiu-Ebengreuth :
Theilchen Edelmetall, welche dann nicht mehr zusammen- gehalten sind, beim Anfassen weggewischt werden. Im ein- zelnen Falle unmerklich vervielfältigt sich dieser Abgang mit der Raschheit des Umsatzes, in sehr empfindlicher Weise. Aber auch gewinnsüchtige Beschädigung suchte fortwährend den Werthinhalt der cursirenden Greldstücke zu vermindern, und fehlten einzelne der raffinivten Betrugs- methoden der Jetztzeit, so war doch das Beschneiden und Befeilen der Randflächen durch die Unregelmässig- keit der Miinzplättchen sehr erleichtert, und die al marco Ausprägung forderte sogar Jedermann zum Beiseite- legen der tiberwichtigen Stücke auf. Vergeblich wurden strenge Verbote gegen dies „Aussaigern" der schwereren Pfenninge erlassen, vergeblich bei den Münzarbeitern die schärfste Controle geübt, dass sie nicht leichtere Plättchen unterschoben, vergeblich die Wechsler ermahnt, dass sie kein altes Geld „das sie kaufent mit der Wag nicht ans« saigern , dass sie das ring unter das Zahlgeld schiessen^-, umsonst den Goldschmieden das Einschmelzen von Pfen- ningen verboten, den Privaten der Besitz von Münzgewich- ten untersagt. Die leichte Gelegenheit war zu verlockend, und die besserwichtigen Stücke verschwanden nach jeder Ausgabe von neuen Münzen sofort aus dem Verkehre, wie wir dies beispielsweise an den „Steinböcken" gesehen haben, welche bereits in den ersten 4 — 5 Jahren statt der durchschnittlichen Abnützung von 0*004 X 5 = 002 Grm., einen Abgang von 0*06 und 0-07 Grm. zeigen. Durch dieses Aussaigern wurde nun der Standard des österrei- chischen Münzwesens während des Mittelalters fortwährend bedroht, und jeder Verbesserungsversuch sofort wieder untergraben, zumal man nicht einmal die Vorsicht beob- achtete dem Münzmeister aufzutragen, die Pfenninge seien
Die Wiener Pfenninge iöv
,,gelaich" zu schlagen und zn zainen , „das mans nicht ersaigern raög" wie solches in Baiern seit dem Jahre 1406 regelmässig geschah.
Belege für das Gesagte bieten ausser den „Stein- böcken" die Münzen aus König Ottokars Zeiten, Nr. 8, 60 und 98, welche mir kürzlich in grösserer Anzahl (97, 58 und 42 Stück) aus einem Münzfundc durch Herrn S. Egger, beziehungsweise Herrn E. Forchheimer ver- schafft wurden. Obwohl die Stücke noch durchweg ein sehr scharfes Gepräge hatten, so lag ihr Durchschnitts- gewicht zwischen 0-73— 0-75 Grm., während nach den ur- kundlichen Nachrichten ein namhaft höheres Gewicht zu erwarten war.
Aber auch bei den Ergebnissen der zur Ermittelung des Feingehaltes angestellten Proben ist erst die Vorfrage zu beantworten, ob und in wie weit das aus einem einzelnen Stücke gewonnene Resultat zu Schlüssen auf das gesetz- liche Korn jener Münzsorte berechtige.
Kein Zweifel, dass auch hier Durchschnittsergebnisse vor einzelnen, und sogar vor wiederholten Proben den Vorzug verdienen, da letztere manchen Zufälligkeiten
unterliegen. Es kömmt z. B. noch heutzutage in Münz- ämtern vor, dass die Zaine nach ihren Enden hin um mehrere Tausendtheile differiren, und Karmarsch erzählt von einem Falle, in welchem angeblich 12 löthiges Silber in Wirklichkeit am Boden des Tiegels 13 und obenauf nur 11 lötliig war s'), um so grössere unbeabsichtigte Schwankungen müssen wir daher für die Zeit des Mittel- alters voraussetzen. Wenn die Metalle nicht mit der erfor- derlichen Sorgfalt durcheinander gerührt worden waren,
87) Cit.-it bei Grote, Ueldlehre jj. 1<;.
140
A. I.iischin-Ebengroiith :
oder ans einem ehemischen Grunde die innige Vereinigung behindert wurde, dann konnte der Feingehalt derselben Münzsorte bedeutende Unterschiede zeigen, je nachdem der Schrötling aus einem Theile herausgeschnitten wurde, wo sich zufällig mehr Silber oder mehr Kupfer abgelagert hatte. Erwägt man ferner das fortwährende Bestreben der Hausgenossen das Remedium zu ihren Gunsten auszu- beuten und die in Folge dessen erforderlichen Aushilfs- güsse, welche wie §.12, Anm. 39 gezeigt wurde eine Schwankung bis zu 0-060 Grm. bei einem Gepräge gesetz- lich ermöglichten, endlich die Untermünzungen, und sogar Falschmünzungen, welche bei günstiger Gelegenheit in den landesfürstlichen Münzstätten vorkamen, ss) so sind damit weitere Ursachen blossgelegt, welche das Korn einer und derselben Münzsorte verändern konnten. Da- gegen ist die schon 1302 den Hausgenossen von Herzog Rudolph ertheilte Erlaubniss, nach der Theuerung des Silbers zu münzen nicht hieher zu zählen, da diese zwar im Einverständnisse mit der Regierung ein Abgehen von dem üblichen Münzfusse, keineswegs aber ungewöhnliche Schwankungen innerhalb des neuen Gepräges verstatten sollte, wie aus den Bestimmungen über die Aufbewahrung von Kormalgussproben hervorgeht, sa)
Praktische Schwierigkeiten werden jedoch die Vor- nahme von solchen Durchschnittsproben immer ein- schränken, da man, um sicher zu gehen bei mittelalter-
88) So wurde z. B. „Dietrich Hess, Bürger und Versuclier in der Wiener Münzstätte" von seiner Schuld wegen mit dem Fewr gericht" und all sein Gut eingezogen. Urk. v. 8. Dez. 1444 bei Hor- mayr, Wien, 2, Urkundb. Nr. 97, S. CV.
89) Rauch Ss. Rer. Austr. III, 102 bestätigt, 1368, 1388 und noch 1399 in üebung. Vgl. Münzbuch LVIII und XLII.
Dio Wiener Pfenninge.
141
liehen IMünzen doch nur die mühsame nasse oder die Feuerprobe anwenden kann, welch' beide auf Zerstörung des Münzstückes hinauslaufen, während die Nadelprobe höchstens dort zulässig sein wird, wo man sich mit einem approximativen Ergebnisse von vorneherein zufrieden- stellen kann oder inuss. Ich habe indessen die günstige Gelegenheit, welche mir die Erwerbung von ein paar Münz- funden darbot, nicht unbenutzt verstreichen lassen, und theile die Ergebnisse dieserDurchschnittsproben unter Bei- fügung des Gesammtgewichtes vor und nach dem Brande, endlich der vorher aus Einzelproben ermittelten und hier in Klammern beigesetzten Gehalte mit.
a) Nr. 8. (Abb. 45) 90 Stück vor dem Brande 67 Grm., nach dem Brande 65 Grm. 0-684 (0-660) Grm. fein.
b) Nr. 45. (Abb. 15) 450 Steinböcke aus dem Gutten- steinerFunde: vor 262*5, nach dem Brande 259 Grm.
• 0-557 (0-574, 0-580).
c) Nr. 60. (Abb. 76) 49 Stück vor •]6-5 Gnn., nach dem Brande 0-35 Grm. 0-700.
d) Nr. 98. (Abb. 97) 39 Stück vor 28, nach dem Brande 27 Grm. 0-700.
e) Nr. 139. (Abb. 117) 55 Stück vor 38, nach dem Brande 37 Grm. 0-708 (0-670).
f) Albert V., Mader Taf. 1, Nr. 12, 13. — 120 Stück aus dem Guttensteiner Funde vor dem Brande 68-8, nach dem Brande 68-5 Grm. 0-480 (0-480 und 0450).
Der (Jehalt der Durcbschnittsproben wird sich im Allgemeinen etwas höher als bei Einzelproben stellen, weil bereits beim vorläuügen Einschmelzen der Pfenninge Kupfer verbrennt, mithin eine AfHnirung eintritt, um
142
A. Luschiii-Ebengieuth;
welche die Ziffer der Einzelprobe zurückbleiben wird. Man wird darum und der Gleichförmigkeit wegen gut thun, wenn man das Feingewicht des Münzkönigs auf das Gewicht der gereinigten Pfenninge vor dem Brande, und nicht auf sein eigenes Eohgewicht, bezieht. Man wird dann bei a) ^^i^ = 0-664, ferner bei b, c, d, e ebenso c. 0-550, 0-671, 0-675 und 0-689 Grm. als den eigentlichen Feingehalt ermitteln.
Aus dieser Darstellung folgt, dass die Resultate der Einzelproben bei den Wiener Pfenningen im Allgemeinen einen völlig ausreichenden Aufschluss über das Korn gewähren, denn die Abweichungen von den Ergeb- nissen der Durchschnittsproben sind höchst gering- fügig, und überschreiten selbst dann, wenn wir die Cor- recturziffern ausser Betracht lassen, nur selten die Hälfte des gesetzlich zulässigen Remediums. Ist man zudem in der glücklichen Lage, in welche mich die unermüdliche Gefälligkeit des Herrn Wardeins A. Wittik versetzte, eine grosse Reihe von Einzelproben an den verschiedensten Geprägen, nebst Controlproben in zweifelhaften Fällen zu erhalten, dann wird man bei stummen Münzen, wie den Wiener Pfenningen in den Feingehaltsbestimmungen einen sehr wichtigen Anhaltungspunkt zur Classifizirung der Münzen gewinnen.
In der nun folgenden Aufzählung wird die Zusammen- gehörigkeit der Geprägesorten schon deutlich hervortreten.
Ich ordne hier die seit dem Erscheinen der Fund- tabellen bedeutend vermehrten Feingehaltsproben von der niedersten aufsteigend und bezeichne der Kürze wegen die Gepräge nur durch die Nummer der vorhergehenden Be- schreibung und Abbildung. Die Gruppen A, B, C und fremde
Die Wiener l'fennj
143
Beimengungen wurden mit wenig Ausnahmen beibehalten^ indem bloss die Nummer 182 aus der Gruppe C, nach A, übernommen wurde, Gruppe A aber die Nr. 1, 6, 54 und 86, nach gewonnener besserer Einsicht an die Abtheilung der Fremden abgab. Ein vorgesetztes Sternchen bezeichnet den Feingehalt, als das Ergebniss einer (mit der Correctur versehenen) Durch schnittsprobe.
Gruppe A.
0-470 Nr. 74 (80). Nr. 80 (84). 0-490 „ 143 (120). 0-528 „ 23 (54).
0-550 „ 135 (112) ein zweites Exemplar nur 0-325. * 0-550 „ 45 (15) Einzelproben 0-574, 0-580. — Soll laut
Münzvorschrift 9 löthig, oder 0-562 fein sein. 0-560 „ 110(12). 0-577 „ 58 (73).
0-584 „ 126 (33 und 107). Rudolph IV., f 1365. 0-590 „ 112(100), dann die Hälblinge Nr. 20 (137),
102 (161; ein zweites Exemplar nur 0-520,
der Pfenning = 0-610) Nr. 120 (164). 0-600 „ 124 (166) Hälbling. - Der Pfenning = 0-620. 0-605 „ 134 (171) Hälbling. — Der Pfenning = 0-620. 0-606 „ 182(16). 0-610 , 64 (77), 83 (87), 93 (94), 101 (98; der Halb-
ling 0-520 und 0-590), 105 (99), 116 (23). 0-612 „ 84(88). 0-615 „ 128 (35). 0-620 „ 123 (104, der Hälbling 0-600) Nr. 133 (111,
der Hälbling 0-605). 0-(i-^4 „ 137 (114).
144
A. Liiseliin-Elieiigreuth:
|
0-630 Ni |
|
|
0-()40 |
n |
|
0-650 |
77 |
|
0-655 |
77 |
|
0-660 |
77 |
|
0-66J |
e: |
|
0-663 |
77 |
|
* 0-664 |
;? |
|
0-670 |
77 |
|
*0 671 |
77 |
|
* 0-675 |
77 |
|
0-680 |
^ |
|
0-684 |
77 |
|
* 0-689 |
77 |
|
0-690 |
77 |
|
0-694 |
n |
|
0-710 |
77 |
|
0-800 Nr |
13 (47), 17 (51), 22 (53), 70 (81), 141 (118). 26 (56), 55 (72), 57 (148), 103 f6), 132 (110). 12 (50), 12*. (134), 42 (Holzschnitt), 47 (68).
4 (132). 69 (79), 76 (83), 78 (31).
ein Typus aus König Ottokars Zeit, ähnlich Nr.^116 (23). 95 (95).
8 (45) Einzelprobe = 0-660. 3 (4i>), 87 (37), 117(27). 60 (76). 98 (97). 7 (44), 32 (61).
15 (48) Rudolph I., ebenso der angebliche Tulner Pfenning Ottokars. 139 (117j Einzelprobe = 0-670. 59 (74), Kaiser Friedrich IL, 1246—1250.
5 (Holzschnitt). 89 (91) Ottokar 1251-1276.
Gruppe B.
145 (121) 150 (126, ein zweites Stück bloss 0-618), die Münzen dieser Gruppe und das gleichfalls 0*800 feine Gepräge 30 (59) dürften nach Kärnten oder Steiermark gehören, und sind daher auszuscheiden.
Gruppe C.
0-580 Nr. 214 (218).
0-640 „ 205 (7).
0-650 „ 156 (180), König Rudolph 1276—1282.
Die Wiener Pfom.inge. 145
0-672 Nr. 230 (34), König Rudolph 1276-1282.
0-675 „ 166 (185).
0-700 „ 161 (5), 213 (217).
0-710 „ 189 (200).
0-740 „ 197 (207), 226 (24).
0-745 ,. 217 (219).
0-750 „ 157 (178), 210 (216), 28 (228), 231 (229).
0-760 „ 185 (11), 201 (211), 238 (32).
0-780 „ 194 (205), 198 (208).
0-800 „ 177 (20), 235 (36)
0. 0-800 „ 208 (13) Nadelprobe. — Friedricli d. Sfliöne.
0-806 „ 255 (36).
€. 0-810 ,, 185 (177) Nadelprobe. —Friedrich d. Schöne.
0-830 „, 169 (3), 196 (38).
0-832 „ 165 (9).
0-840 „ 168 (2), 170 (184).
0-850 „ 202(212).
0-854 „ 176 (190).
0-860 „ 173 (189).
D. Fremde Beimengungen.
0-450 Nr. 86 (89) Oberpfalz ; Sulzbacher Beischla-.
0-490 „ 1(41)
0-560 „ 4 (251) Baieru-München.
0-585 „ 54 (71) Baiern.
0-597 ., 261 (250) Baiern Landshut.
0-600 ,, 6 (43) Baicrn-München.
0-650 „ 263 (247) Passau.
0-670 „ 265 (245) Passau.
0-728 „ 245(241).
0-764 „ 247 (239).
0-890 „ 241 (236) ein zweites Exenii)lar nur 0-680 fein.
10
146
A. Luschin-Ebengreuth:
Zum Schlüsse dieses Abschnittes sei noch der Ver- such gemacht, den Mttnzfuss einer dieser Münzsorten nach den Ergebnissen des Durchschnittsgewichtes und des Korns zu ermitteln. Ich wähle Gruppe C, Nr.l73 (Abb. 189), weil mir soeben durch die Gefälligkeit des Herrn Prof. Ferk 25 scharf erhaltene Exemplare dieser Sorte aus einem zu Jagerberg, nächst Kirchbach an der Raab in Steiermark gemachten Funde zukommen. Das Gesammt- gewicht betrug 16-85 Grni., das Durchschnittsgewicht 0-6 74, das Feingewicht 0-860 X 0-674 = 0-57964 Grm. Demnach enthielt
1 g" := 240 X 674 = 161-76 Gramm rauh. 1 ri = 240 X 57964 = 139-11 Gramm fein.
Aus den §. 13 entwickelten Ursachen ist jedoch das so eben auf Grund der Ergebnisse von Feuerproben er- mittelte effective Feingewicht um etwa i/ao — Vie hinter der zur Zeit der Ausprägung beabsichtigten Höhe zurück- geblieben. Wir müssen daher um das virtuelle Fein- gewicht zu erhalten, eine Erhöhung um etwa ein Zwanzig- stel (0-608 gegen 0-57964 Gramm) vornehmen. Wir erhalten dann Grössen, welche eine Vergleichung mit den Angaben über denarii lati in ungarischen Urkunden um 1346 zulassen. Ich stelle die §. 14 Nr. 6 ermittelten Werthe in Klammern bei:
480 J^ X 0-608 == 291-84 virtuell (28ü006) Gramm fein. 400 „ X 0-674 = 269-6 effectiv (:^ 80-006) „ rauh. 400 ,„ X 0-608 = 243-2 virtuell (233-338) „ fein.
Wir sehen, die Münzsorte Nr. 173 aus der breiten Gattung C hat sicherlich zu den besten der um 1346 in Ungarn umlaufenden denarii noviViennenses gehört, denn sie überragte den geforderten Feingehalt von 13^/3 Lotli
Die Wiener Pfenninge.
147
virtuell um ein volles Lotli, und wir müssen noch überdies das Schrot um den durchs Aussaigern bewirkten Abgang erhöhen. Es scheint übrigens im Wesen des mittelalter- lichen Geldverkehrs in Oesterreich gelegen zu haben, dass man eine gewisse Ausgleichung durch das gleichzeitige Cursiren von Münzsorten sehr verschiedenen Schrot' und Korns herbeizuführen trachtete, auf dass die eine der andern zu Hilfe komme. Haben doch die Funde B und C durchschnittlich je 0-600 fein gehalten, obgleich die er- mittelten Feingehalte der darin vorkonmienden 189 und 18;> Gepräge zwischen 0-450 — 0 860 schwanken.
§• IS* Resultate der bisherig^eii Unter-
suehun^eii über den ^liinzfuss der %Vieiier
Pfenning^e*
Der Abschnitt dem sich die Untersuchung jetzt zu- wendet, gehört zu den schwierigsten Theilen der Geschichte des Wiener Mttnzwesens und ist. ungeachtet hier die meisten und darunter ganz tüchtige Vorarbeiten vorliegen, noch am weitesten von endgiltigen Ergebnissen entfernt. Ich darf dies Urtheil, da es sich mir nach reiflicher Ueberlegung herausgebildet hat, um so eher aussprechen, als durch dasselbe nicht bloss die Aufsätze Blumbergers, Sailers, Hubers und Mufiats, sondern auch meine eigenen früheren Aufstellungen getroffen werden. Auch gebe ich das was ich heute bieten kann, noch keineswegs als etwas Abschliessendes oder Vollendetes aus. Die gegenwärtige Studie hat vielmehr keinen anderen Zweck, als das bisher durch gemeinsames Zusammenwirken herbeigeschaHte Material unter Beiziehung einiger neuen Nachricliten "o)
»») Dieselben wiinlen durch bei^^esetzte Sternchen b-'zeichnet.
10*
148
A. Liibchin-Ebc'iigreutli
durchzuprüfen und zu erwägen, was von den bisherigen Werthberechnungen der Wiener Pfenninge vor der Kritik besteht, was einer Verbesserung bedürftig ist, und was der Zukunft als offene Frage anheimgestellt werden muss.
1.* Die erste Nachricht, aus welcher wir, wenn auch nicht den Münzfuss so doch mindestens das Feingewicht des Pfennings berechnen können ist ungefähr vom Jahre 1157 und betrifft die Kremser Münze. Die Mönche von Admont bedingen sich aus, dass ihnen 20 U Cremensis monete, welche sie zur Abfindung von Rechtsansprüchen bezahlt hätten, unter gewissen Voraussetzungen zu erstatten wären, durch 20 tt, tam bone monete sicut tunc erat, vel 20 marcas probati argenti. »i) Die Mark wird nicht genannt, es ist daher hier nicht an ein fremdes, sondern an ein dem Verkehre geläutiges Gewicht zu denken, und man kann darum die Schwere der später sogenannten Wiener Mark um so eher substituiren, als deren Zusammenhang mit dem nationalen Gewichte der einstigen Donau Völkerschaften nachgewiesen ist. Die Münzen selbst dürfen wir für jene Zeit noch aus unvermischtem Silber annehmen, und so ergiebt sich 280-006:240 = 1-16 Grm. zugleich als Schwere und Feingewicht des ältesten österreichischen Pfennings. Ver- gleicht man damit die altbairischen Pfenninge wie sie uns in der Raffelstädter Zollordnung von 906 entgegentreten, so hat sich das Feingewicht des Pfennings im Laufe von 250 Jahren um 0-364, jenes des Pfundes Pfenninge um 87-2 Grm. vermindert.
2.* In dem halben Jahrhunderte danach war die Ver- schlechterung des Münzfasses rasch vorgeschritten. Wenn wir die bei den Passauer Pfenningen (§. 14, 8) ermittelten
91) Urkundenbuch für Steiermark J, 374.
149
Werthe siibstitiiiren, so wurden im Jahre 120^5 eiiischliess- lieli desWechselgevviiines 244-473 Grin. Silber in Passaner Pfenningen für 1 tt Wiener Pfenninge bezahlt. Rechnen wir 6 Passauer oder 5-5 Grm. per Pfund als massigen AVechselgewinn ab, so würden genau 240 (Irni. für 1 t^ Wiener bleiben, oder der Pfenning hätte genau 1 Grm. fein Silber enthalten. — Die Ausniünzung dürfte bereits aus einer absichtlich gemischten Mark von liohem Fein- gehalt erfolgt sein.
3.* AVieder ein halbes Jahrhundert später tinden wir eine passende Nachricht in einem Schreiben eines Conven- tualen von Niederaltaich an Abt Herman über die Ein- hebung der Legatensteuer (Mai 1252) . . Marca vero argenti taxata est pro XV solidis denariorum Wiennensis monete, clerici nimirum consueverunt dare denarios, non argentuni; andere Beispiele aus den Jahren 125«), 1258 und 1262 führen Huber und Muffat an. Da die päpstliche Steuer auf den Clerus derDiöcese Passau 200 feine Wiener Mark betrug, und bei deren Bezahlung 3 a Wiener ,^ für 2 Mark Silber genommen wurden, so müssen wir aller- dings 360 Pfenninge oder 15 ßl = IG Wiener Lothen oder 2^0006 Grm. Feinsilber anschlagen, aber Schrot und Korn sind trotzdem von Muflfats Berechnung sehr verschie- den. Ziehen wir nämlich die Münzen jener Zeit selbst zu Rathe, so tindoi wir den Pfenning 0-690 fein, der im Namen Kaiser Friedrich IL während der Reichsverwaltung nach Herzog Friedrich H. Tode, also 1246 — 1250 geschla- gen wurde (Nr. 59, Abb. 74) und die Typen aus König Otto- kars Zeiten «») mit Feingehalten 630—710, oder im Mittel
»8) Benützt .sind 2<; Typen Nr. 13, 17, 76, 141; .')6, 57, 103, 132; 12, 12",1J, 47-, 132, 69, 76; 9.'); S; 3, 87, 117:, 6»); 98; 7, 32;
50
A. Lu&cliiii-Ebengreuth
von etwa 658 Tausendtlieileii. Aus den schon öfters (§§.13, 1 7) angegebenen Gründen !»»), wissen wir jedoch^ dass der lieut/Aitage durch eine Feuerprobe ermittelte Feingehalt regelmässig um Viß — V20 hinter jenem Feingehalte zurück- bleiben wird, den der Münzmeister bei der Ausprägung beabsichtigte, und den wir den „virtuellen^ genannt haben. Lassen wir darum, um den durchschnittlichen, virtuellen Feinhalt der Ottokardenare zu finden eine Erhöhung bis 0-688 oder 0-695 also auf etwa 11 Loth — 11 Loth 2 Grän eintreten, so erhalten wir dann ^^^ ^^^l'^^' = 250 als die Zahl der Pfenninge, welche auf die rauhe Mark ging, und 280-006 : 250 = 1-12 als das Rauh — , 280-006 : 360 == 0-778 Grm. als das Feingewicht des einzelnen Pfennings.
Dieser Münzfuss ist in den Jahren 1252, 1256, 1258, 1262 und 1281 nachweisbar und wird ohne allzugrossen Fehler als der durchschnittliche Münzfuss der Jahre 1252 bis 1281 betrachtet werden dürfen, wenn man berücksich- tigt, dass die bald etwas mehr, bald etwas minder fein- hältigen Gepräge in den Funden nebeneinander vorkom- men, also gleichzeitig- cursirt haben.
4. Den Regierungsantritt der Habsburger bringen Sailer und nach ihm Muffat mit einer Verschlechterung des Münzfusses in Zusammenhang, und zwar glaubt Letzterer
l.'>9 ; 89. Weitere vier Feuerproben von Ottokarischen Geprägen, welche ich erst unlängst bekam, hielten zwischen 0-662— 0-690. Nr. 30, 0-800 fein wurde weggelassen, weil diese Münze einem ande- ren Münzsysterae angehört.
»3) Die Richtigkeit derselben wurde inzwischen durch neue Versuclie erprobt. Die Steinböcke z. B. sollen laut Vorschrift 91öthig (0-563) fein sein, wurden jedoch beim Zusammenschmelzen von 450 Stücken nur 0-557 befunden. Erhöht man sie um Vgo? so erhält man 0-568 oder 9 Loth 1 Grän als virtuellen Feingehalt dieser Münzsorte
Die Wiener Pfenninge.
eine Verringerung: des Schrots bei gleichbleibendem Korne annehmen zu dürfen.
Es ist nun allerdings richtig, dass der Wegfall der böhmischen Herrschaft über Oesterreich